Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1905)
- Issue
- 34 (25.8.1905)
- Date
- 1905-08-25
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 34 Dr. Mocb's Mocbenscvrttr. Seite 531 dessen Stirne besonders widerstandsfähig gewesen, nachdem er nur halb betäubt geworden, aus seinen Stricken los, zertrümmerte die Scheune, welche als Schlachthaus diente und raste toll durch die Straßen der Stadt, mehrere Passanten niederstoßend, bis es endlich gelang, ihn auf einer Wiese zu erschießen. Durch die Erschütterung des Gehirns hatte sich nur eine starke Nervenerregung herausgebildet. Abgesehen von allen wissenschaftlichen Erörterungen und Untersuchungen — so wertvoll sie für die Frage sind, verdienen aber auch die Voten aus der Praxis vollste Beachtung. An erster Stelle sei daher Einzelnes aus offiziellen Berichten mitgeteilt. Der schweizerische Konsul in New-Iork berichtet im Jahre 1893 an seine (Bundes-) Regierung *) „In den letzten zehn Jahren haben die mosaischen Vorschriften, d. h. das Schächten, auch in den christlichen Schlachthäusern Verbreitung gefunden, weil diese Tötungsart die schnellste ist und sich in voller Harmonie mit der Verordnung der Tierschutzvereine befindet, welche ja zur Verhinderung von Grausamkeiten gegen die Tiere gegründet sind." Der schweizerische Konsul in Petersburg Herr D u p o n t teilt die ihm vom Vorsitzenden des Petersburger Zentral-Tierschutzvereines Kammerherrn Shukowski mitgeteilte Resolution der „Kommission zur Auffindung der besten Schlachtmethode" wie folgt mit: „Fast alle Mitglieder haben anerkannt, daß das Schächten eine Schlachtmethode ist, bei der die Tiere am wenigsten leide n." Auch dieser Bericht wurde in derselben Sitzung des Bundesrates verlesen. Mehrere Tierschutzvereine in Nebraska, Idaho u. a. (Nordamerika) haben Petitionen auf obligatorische Einführung der jüdischen Schlachtmethode den Behörden unterbreitet. Allein auch in Deutschland wird trotz lebhafter Bekämpfung durch die Tierschutzvereine die Schlachtung im Wege der Durchschneidung sämtlicher Halsgefäße vermittelst eines langen und breiten Messers durch C h r i st e n und für Christen vorgenommen. Dr. Dembo frug einen der bedeutendsten Großschlächter Berlins und hielt hierauf unterm 28. September 1893 folgende Antwort: „Was mich zur jüdischen Schlachtmethode veranlaßt? Zunächst die möglichst humane Behandlung und die Sicherheit beim Töten des Tieres. Schon daß man dazu nur ein ganz gutes und scharfes Messer nimmt, welches keine Schwellung der Schlagadern zuläßt und in wenigen Sekunden die Blutentleerung zur Folge hat, bestätigt die schnellste und schmerzloseste Todesart, denn je schärfer das Instrument, desto schmerzloser jeder Schnitt. Das Betäuben ist mit viel mehr Gefahren und nur zu oft mit viel mehr Schmerzen verbunden"- „durch eine ganz unbedeutende Bewegung erfolgt ein Fehlschlag, was auch die geübteste Hand nicht verhindern kann, gleichviel ob der Fehlschlag durch un- .richtiges Treffen dem Tiere Schmerzen verursacht, oder ob nur der Schreck das Tier veranlaßte, Bewegungen zu machen, jedenfalls verzögert und erschwert es die sichere Tötung des Tieres." „Vom ökonomischen Standpunkte aus wäre das Betäuben rationeller, unstreitig für mich als Großschlächter vorteilhafter, denn jedes durch Betäubung geschlachtete Tier ergibt ein höheres Schlachtgewicht"-„beim geschlagenen Vieh ergießt sich weniger Blut als beim geschachteten; aber dieser geringe Verlust von einigen Pfunden Fleisch bei einem geschnittenen Stück Vieh wird wieder vielfach aufgewogen durch folgende hygienische Gründe: Jedes betäubte Ticr muß nach der Schlachtung gewaschen, besonders in den Brusthöhlen mit Wasser gereinigt werden; bekanntlich ist aber Wasser Gif: für Fleisch, ganz *) Amtliches stenographisches Bulletin der schweizerischen Bundesversammlung vom 28. März 1893, S. 448. besonders in den heißen Sommermonaten, wo infolgedessen auch viel Fleisch verdirbt. Jener Teil des Fleisches wird sich kennzeichnen, bei dem Wasser zur Reinigung und Entfernung des Blutes angewandt werden mußte, es ist der Nährboden für Pilze und beschleunigt das Verderben der Ware; auch ist die Farbe vom geschlagenen Vieh stets dunkel und es bleibt auch weicher als beim geschnittenen Tier, dessen Fleisch stets hellfarbig blutrein und fester wird; jedes geschnittene Tier ist in der Brusthöhle rein, es braucht weder von innen noch von außen Wasser angewandt zu werden. Das Fleisch vom geschnittenen Tier ist in zwei Stunden so fest, wie vom betäubten oder geschlagenen in 10 Stunden; letzteres erreicht überhaupt niemals die Festigkeit von geschnittenem Fleisch." — „Ich habe den bewährtesten und erfahrensten Fachmännern vielfach bewiesen, daß sich das Fleisch vom geschnittenen Vieh viel länger konserviert als vom geschlagenen und liefere solche tadellose Ware seit 15 Jahren an feste langjährige Kunden, seit 9 Jahren an den Magistrat von Berlin. — Irgend ein Partei-Interesse habe ich bei meiner Schlachtmethode absolut nicht"- „Ich verbleibe mit vorzüglicher Hochachtung Karl Friedrich Hoffmann, Großschlächtermeister, Mitgli-d des deutschen Tierschutzvereines zu Berlin, Mitglied der Sanitätskommission, gerichtlich vereideter Sachverständiger der Berliner Schlächter-Innung." Sein Kollege antwortete Dr. D e m b o unterm 27. September 1893: „Auf Ihr wertes Schreiben vom 22. September erlaube ich mir in Folgendem Ihnen die Gründe mitzuteilen, welche mich veranlassen, sämtliche Ochsen, auch die für den eigenen Bedarf, nach jüdischer Methode durch den Halsschnitt zu töten. 1. Der Ochse blutet beim Halsschnitt besser aus, das Fleisch bekommt ein besseres Aussehen; 2. das Fleisch hält sich im Sommer mindestens einen Tag länger. Diese Methode führe ich zirka 15 Jahre, da ich als Schlächtermeister die Erfahrung gemacht habe, daß die Rinder, bei denen der Halsschnitt gemacht wird, so schnell tot sind, als die geschlagenen Ochsen. Hochachtungsvoll Hermann K e r st e n, Grobschlächtermeister, Berlin, Thärstr. 58." Aus Prag ging von der Prag-Neustädter Fleischer- Innung folgendes Urteil ab: Prag, 30. Dezember 1893. „Wir Mitglieder der Genossenschaft lassen sämtlich e s K l e i n- und den größten Teil des Großviehs mittel st Halsschnittes ohne vorherige Betäubung (jüdischer Ritus) schlachten. Das Fesseln und Niederlegen des Tieres, sowie das Fixieren des Kopfes, von starken und geschickten Männern vorgenommen, ist mit keiner Quälerei des Schlachtobjektes verbunden. Das Fleisch vom geschächteten Tiere ist von prächtigem Aussehen und behält längere Zeit seine Frische, was sowohl für den Fleischer als auch für den Käufer von Wichtigkeit ist.. Kamil Svagrovsky, Obmann der Prag-Neustädter Fleischer-Genossenschaft." Weitere und aber ältere Gutachten liegen noch vor: Von den mit Namen Unterzeichneten Kölner Metzgern christlicher Konfession, vom 3. November 1884, welche auf Grund langjähriger Erfahrung und Beobachtung erklären, daß „das Fleisch rituell geschächteter Tiere sich infolge des reichlichen Blutausflusses im Sommer 1—2 Tage länger konservieren läßt, als das nach anderen Schlacht-