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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-08-04 · 31 (4.8.1905) · page 1

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
31 (4.8.1905)
Date
1905-08-04
Page
– (sequence 1)
Language
German
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In^g««gxxn. Ur 31. £ Dr. Bloch’s Centralorgan für die gesammten Interessen des Iudenthums. 39. Wie«. &= »ejusispret* flir Srflrrrrvh: Halbjährig 8 Lrouea. Linjelexemplare 50 Heller^ Für'» Ao»l«udr Halbjährig 10 Skonto. Banzjährig 20 » Anzeigen: Die4mal gesvaltrn« "'»titzeile 24 Heller. =m U. ft. Postsxsrraffrn-Amk Clearing-Verkehr Nr. 810.976. Lrdaclion und Administration: Wir« IX/1, Berggaffr Nr. 89. Talophon Nr. 14.847. *= Wie«, 4. Angnst 1905 Erscheint jeden Freitag. -■)— - Brief-Adresse: Wien, IX/1, Berggaff, Telegramm-Adresse: Dloch's Wochenschris Inhalt: Leitartikel: Russische Wandelbilder. — Ein Brief ans Argentinien. — Der VII. Z onistenkougreß. — Der Mangel an Religionslehrern. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Glossen zur Tagesgeschichte. — Korrespondenzen: Pattai und Rothschild. Die Schule in der Werdertorgasse. Der Schwindel bei den Steuerwahlen auf dem Alsergrund. Erste jüdische Volks- und Schülerbibliothek im XVIII. Wiener Bezirke. Paris. Jaden in der italienischen Diplomatie. London. Die Judenhetzen in Odessa. Jgnatiews Hetzereien. Die Judenhetze in Kischenew. Persien. — Vermischtes: Kranzablösungsspenden zugunsten der Ehewra- Kadischa. Gedenkfeier für Dr. Herzl. Wien-Ottakring, Wien, Budapest, Pardubitz, Olmütz, Pisek, Kalwaria. — Feuilleton. Aus finstern Zeiten. — Neue Bücher. — Briefkasten. — Inserate. Russische Wandelbilder. Aus einem Aufruf eines russischen Generals an die jüdischen Soldaten: „Betet, Brüder, und bittet Gott, daß er uns den Sieg gibt. Jeder von Euch arbeitet für seine Brüder und Söhne, Ihr seid nicht fremd. Wir zählen Euch unter unsere Brüder. Wenn der Friede geschlossen wird und Ihr nach Hause zurückkehren werdet,''werdet Ihr die gleichen Rechte wie die Orthodoxen genießen. Arbeitet für Euch und das Vaterland!" Es ist der General Kazbek, der Kommandant von Wladiwostok, der sich also vernehmen läßt. Ein einziger Blick auf die Karte gibt vollständigen Aufschluß über die Situation. Sachalin, die lange Insel, die sich von der Höhe Wladiwostoks nach Norden zieht parallel zum Kontinent, ist von den Japanern eingenommen, der Hafen ist blockiert, die Umschließung auf der Landseite nahezu vollendet. Wladiwostok steht allem menschlichen Ermessen nach und wenn nicht noch der vorherige Friedensabschluß Rettung bringt, vor dem Schicksal, dem Port Arthur verfiel. Die Proklamation klingt nicht übel. Sie bietet Versprechungen, enthält Verheißungen, die wohl geeignet sind, den Todesmut der jüdischen Soldaten zu entflammen. Sie werden nicht mehr als Fremde, sondern als Brüder betrachtet. Sie sollen nur tapfer kämpfen, denn sie werden bei ihrer Heimkehr die volle Gleichberechtigung vorfinden; sie werden nicht nur für das Vaterland, sondern für sich, für ihre Brüder, für ihre Söhne gekämpft haben. Man kann nicht mehr verlangen. Und wenn sie sterben, dann wissen sie doch wenigstens — warum! Die Not lehrt beten. Das haben wir gewußt. Sie lehrt aber noch mehr. Nicht nur selber beten, sondern auch andere aufzufordern zum Gebet. „Betet, Brüder!" ruft der General den jüdischen Soldaten zu, den jüdischen! Traut er doch nicht völlig dem Gebet seiner „rechtgläubigen" Scharen? Es ist ein eigen Ding um'diese Schlachtengebete als Stoßseufzer in der höchsten Not. Da türmen die Menschen Berge von Torheiten und Verbrechen aufeinander und dann wird ein Gebet zum Himmel gesandt um das Gelingen der eigenen Pläne, um den Sieg zur Krönung des Gebäudes. Es find starke Zumutungen an die ewige Gerechtigkeit, denn es wird gebetet — intra muros et extra! Auch die Japaner draußen beten, und sie haben nicht gestohlen und betrogen, haben nicht geraubt und geplündert, haben nicht wehrlose Familien gemordet und alles Menschenrecht und damit auch alles göttliche Recht mit Füßen getreten und trotzdem soll nun der Gott der Rechtgläubigen förmlich engagiert werden wider die japanischen Himmelsmächte. Nicht nur das ist es aber, was da zu denken gibt, sondem noch zwei andere Momente. Betet, Juden! So bittet der rechtgläubige russische Heerführer. Das weckt eine historische Reminiszenz. Als das römische Kaiserreich, auch in Folge des autokratischen Zäsarenwesens, trotz seiner territorialen Ausdehnung, die wohl mit der des heiligen Rußland zu vergleichen ist, an den Rand des Verderbens gebracht war — die Analogie stimmt recht genau — da erhielten die Legionen Befehl, nicht nur zu den Göttern Griechenlands, die vorher zu Göttern Latiums transferiert worden waren, zu beten, sondern auch zu allen Gottheiten der von ihnen unterworfenen Völkerschaften, auch zu dem Gott der Juden. Man konnte doch nicht wissen — und den richtigen Gott mochte man doch nicht ausgelassen haben. Das war der Zeitpunkt, da nicht nur die Herrlichkeit des Olymps, sondern das ganze große römische Kaiserreich Bankerott gemacht hatte. Das ist das Eine. Das Andere aber ist, daß man bitten kommt zu den Juden in der Stunde der höchsten Not und mit Versprechungen nicht kargt. Ob der bedrängte russische General wohl selber an die Erfüllung seiner Versprechungen glaubt? Das große Wandeldiorama im russischen Reich weist auch andere Bilder auf, Gegenstücke zu dem historischen Bilde, da ein russischer Heerführer sich bittend an die jüdischen Soldaten wendet und ihnen und ihrem Volke Freiheit und Gerechtigkeit verspricht. Zwei Tage nachdem General Kazbek gesprochen, zeichnet der durch den telegraphischen Funken bewegte Morse'sche Stift ein anderes Historienbild: „In Kischenew neuerliche antisemitische Exzesse. Achtzehn Juden getötet; mehrere hundert verwundet; viele jüdische Häuser geplündert und zerstört." Und noch ein anderes Bild. Auch der Generalgouverneur von Odessa hat eine Proklamation erlassen. Auch da gibt ein Blick auf die Karte genügenden Aufschluß. Da liegt nicht knapp gegenüber die Insel Sachalin; der Hafen ist nicht von den ungemütlichen japanischen Panzerkreuzern blockiert, Odessa selbst nicht von der Landseite durch die unausstehlichen Japaner eingeschlossen. Da i H t i, * A l'

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