Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1905)
- Issue
- 29 (21.7.1905)
- Date
- 1905-07-21
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3020846-3021602-3021632--14664-3039386- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
'Jtr. 29 Dr. Blocks MLocdcnscvrM. ©au 461 Siratznitz. Am 13. Juli fand an der hiesigen konzessionierten jüdischen Volksschule in'Anwesenheit des Kultusvoistandes und zahlreicher Gäste eine Piüiung aus Religion, den hebräischen Fächern und dem Pentateuch statt. Die Schiller beider Abteil ngen beantworteten die an sie gerichteten Fragen aus jedem einzelnen Fache sehr zufriedenstellend. Das Können der Schüler gab einen glänzenden Beweis für die Mühe, welche sich die beiden Lehrer, Se. Ehrwürden Herr Dr. A. Fried mann und Herr Oberlehrer I. Robitschek, während des Schuljahres gegeben hatten. Die Zuhörer waren sichtlich befriedigt und dankten den trefflichen Lehrern der jüdischen Jugend. Soborten. Auf Veranlassung des Herrn Rabbiner Galan' dauer wurde eine Sammlung zu Gun sten unserer Glaubens' genossen in Rußland veranstaltet, welche folgendes Ergebnis hatte- Es sind eingelaufen: Von Familie M. Bloch & Söhne 10 K; Rabbiner H. K. 3 X; Vorsteher Karl Weinfeld 3 K (Sammlung durch Herrn I. S. Läufer. Kosten) I. S. Läufer 5 K; 3- Schrötter b K; L. Steiner 2 K; 3- Heller 2 K; Ernst Pick 2 X; Alfred Edelstein 3 K; <3. Läufer, Klostergrab 5 K; Albert Ehrlich 2 K (Sammlung durch Herrn Richard Foges in Karbitz) Massin Hahn 10 K; Alfred Dub 20 K; Dr. P'ck 2 L; H Krauskovf 2 K; F Robitschel 2 X; Richard Foges 2 X; Ernst Dasch 2 X; Robitschek's Söhne 5 X; S. L. Opper 2 K; 8. Bloch, Eiäiwald ö X; Gabriel Taussig 4 K; (Sammlung durch Herrn Nathan Steiner in Bruch) Dr. Küchler l K; Josef Stein 1 K; Ernst Heller 2 K; Julius Kohn 2 K; Siegfried Kohn 1 K; Ottilie Kraus 1 K; Nalhan Steiner 4 X; K. Rercbenbaum 4 X; zusammen: 112 Kronen. Besten Dank den edlen Spendern Temesvar. Ein angesehener Industrieller und Förderer der kommerziellen Interessen ist nicht mehr. Der angesehene Seifenfabrikant, Direktor der Temesvarer Kronensparkasse und Repräsentant der Fabriker Status quo-©cmctiibe, Herr Isidor R o s e n t ha l, ist nach längerem Leiden im Alter von 62 Jahren gestorben. Mit ihm sinkt eines der angesehensten Mitglieder der Bürgergarde ins Grab. In allen Eigenschaften, als Industrieller, Bankdirektor, loyal patriotisch denkender Bürger und Familienvater, hat er sich stets als gewissenhafter Mann, als biederer Charakter bewährt; er war immer mit Ausdauer und Zähigkeit bemüht, die mannigfachen Anforderungen, die an sein jeweiliges Wirken gestellt wurden, im höchsten Maße gerecht zu werden. Mit voller Hingebung und unermüdlichem Fleiße widmete er sich der Förderung der Interessen der Kronenbank, und nicht geringe Erfolge sind es, die er erzielt hat. Rosenthal galt auch als opferwilliger Förderer dtr Interessen der Fabriker isr. Status quo-Kultusgemeinde. Durch sein konziliantes offenherziges Wesen hat sich Rosenthal die ungeteilte Hochachtung und Wertschätzung derjenigen erworben, mit denen er in Berührung kam. Sein Hinscheiden hat denn auch in all diesen Kreisen innige und aufrichtige Teilnahme hervorgerufen. An der Bahre des Entschlafenen trauern außer der Witwe noch vier Söhne und ebensoviele Töchter. Droppau Kultusvorsteher Herr Dr. Th. Sonnenschein wurde zum Mitglied des Landesschulrates in Schlesien ernannt. Berlin. Herr Professor Dr. M. Philippson hat seine Stellung als Mitglied des Geschäftsführenden Ausschusses des Verbandes der Deutschen Juden niedergelegt! — Dem Geheimen Baurat Emil Rathenau ist vom Senat der Technischen Hochchule zu Berlin die Würde eines Doktor-Ingenieurs ehrenhalber verliehen worden. — Dem Generalpostkassenbuchhalter Rechnungsrat Nathan Cohn, hier, wurde anläßlich seines Scheidens aus dem Dienste der Charakter als Geheimer Rechnungsrat verliehen. — Am letzten Sonnabend hat Herr Rabbiner Doktor Salo Stein Gastpredigten in der Neuen und der Synagoge Rykestraße gehalten. — Dr. Theodor Zlocisti ist in der letzten geheimen Sitzung der Repräsentanten zum Schularzt der jüdischen Gemeinde ernannt worden-. — Dem Sanitätsrat Doktor Gustav Simon in Berlin ist der Charakter als Geheimer Sanitatsrat verliehen worden. Berlin. Herrn Professor Dr. A. Wassermann, Abteilungsleiter am Institut für Infektionskrankheiten, ist der Rote Adlerorden vierter Klasse verliehen worden. Paris. Hier ist der bekannte Journalist und Politiker Camille Dreyfus im 54. Lebensjahre gestorben. Sein Leben war ein sehr bewegtes. Er war mehrere Male Abgeordneter; dann Kabinetschef im Finanzministerium und Kommissär der Brüsseler Ausstellung. Im Kampfe gegen die Antisemiten hatte er mehrere Duelle zu bestehen. — Unser Glaubensgenosse, Staatsanwalt Aron ist zum Generalstaatsanwalt am Appellgerichte in Nancy ernannt worden. — Herr Jacques Kahn, der frühere Generalsekretär des hiesigen Konsistoriums, ist im Alter von 90 Jahren gestorben. — Der frühere Anwalt am Appellgericht zu Paris Herr Abraham See, ein Bruder des Generals See, ist im Alter von 85 Jahren gestorben. Der Verblichene war seit 1872 Mitglied des französischen Zentralkonsistoriums. London. Die hiesige „Gesellschaft zur Verbreitung des Christentums unter den Juden" hat, wie in der General- Versammlung mitgeteilt wurde, im abgelausenen Jahre 40.349 Lstr. (806.980 Mk.) eingenommen und 37.227 Lstr. (744.530 Mk.) ausgegeben. Sie unterhält an 49 verschiedenen Plätzen Missionäre, von denen jeder im Durchschnitt das anständige Einkommen von 3572 Mk. hat. Ueber die Zahl der Juden, welche diese aufdringlichen „Wohltäter Israels" „bekehrt" haben, schweigt sich der Bericht aus, wozu er wohl guten Grund haben wird. Die jüdischen Ausländer. Petersburg. Der Gesandte der Vereinigten Staaten von Amerika in Petersburg, Lengerke-Meyer, teilt zirkularisch allen ihm untergestellten Konsulaten mit, daß auf Grund des Projekts des neuen russischen Paßgesetzes allen amerikanischen Bürgern mosaischer Konfession unbeschränktes Wohnrecht in Rußland zugestanden wird. Dieses Recht soll auch den Juden anderer Untertanverbände nun eingeräumt werden. Aber die russischen Juden unterliegen nach wie vor dem Paßzwang und bleiben der Freizügigkeit beraubt. „Jüdischer Frauenbund". N e w y o r k. Der „Jüdische Frauenbund", dessen Vorsitzende Miß Sadie American ist, erhielt von einem anonymen Geber 10.000 Dollars zur Begründung eines Heims für alleinstehende, in Not befindliche junge Mädchen. Dem Hause find bereits weitere Stiftungen von Mrs. Maud Nathan und anderen zugegangen. Das Heim wird auf Ellis Island errichtet werden und die arbeitslosen Mädchen und Frauen so lange ausnehmen, bis sie Arbeit und anderwärtige Unterkunft gefunden haben. — Eine andere Stiftung ist das Klara de Hirsch-Heim für Arbeiterinnen, wo die Mädchen gewerbliche und kaufmännische Ausbildung finden. Feuilleton. Ans finstern Zeilen. Eine Erzählung aus dem jüdischen Leben Galiziens vor fünfzig Jahren. Von Nathan Samuely. ZwölftesKapitel. Den einzigen traurigen Trost, der mir noch geblieben, bildete der Gedanke, daß ich nicht der einzige war, der ein so trauriges Los zu beklagen hatte. Väter und Mütter, Frauen und Kinder waren hier versammelt, alle gebrochen, gebeugt, mit durchwachten, von Thränen geröteten Augen. Die lustigen Weisen, welche die Musik beim Abmarschieren des Militärs aufgespielt, paßten in der Tat sehr schlecht zu dem lauten Jammergeschrei, welches die unglücklichen Eltern, Frauen und Kinder erhoben. Aber wer achtete darauf? Es ging im Trab vorwärts . . . Der Herbst, der seinen Einzug gehalten hatte, ließ einen scharfen, schneidigen Wind über die Stoppelfelder fahren und über die Bäume, die er der letzten welken Blätter beraubte und vor sich hinfegte, daß sie wie Sturmvögel in der Luft umherflatterten. Kalt und mitleidslos blickte die Herbstsonne vom trüben Himmel auf die armen Menschen nieder, auf die vielen, vielen Schlachtopfer. Außerhalb der Stadt begegneten wir einem Leichenzuge, der von einer großen Menschenmenge begleitet war. Es war