Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1905)
- Issue
- 29 (21.7.1905)
- Date
- 1905-07-21
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 29 Dr. Blocb s Mlocbenscdrikt. Sette 45» Überschwemmung Londons durch Fremdlinge, Juden und Christen", beklagen, „als ob das Gebiet des Königs eine Jauchgrube wäre, in die sich die menschlichen Abzugskanäle leeren, zur Plage der Untertanen Seiner Majestät". Tatsächlich gehörten Juden und Quäker zu den Ruhigen im Lande. Ihrem Gewerbefleiß, ihrer Nüchternheit, ihrer Ehrlichkeit und der Gewissenhaftigkeit, mit der Quäker und Juden ihren Geschäften nachgingen, ohne sich um die politischen Zänkereien zu kümmern, haben sie es zu verdanken, daß sie, die vor Zeiten grausam Verfolgten, in unseren Tagen zu großem politischen Einfluß und zur Macht gelangt sind, die nicht allein ihrem Reichtum zugeschrieben werden kann. Weder Juden noch Quäker find in England — Schottland fällt für beide außer Betracht — sehr zahlreich. Die Juden in Großbritannien zählen dem jüdischen Jahrbuch zufolge heute etwa 180.000 Seelen; die Quäker gar nur wenig über 18.000. Und doch haben beide Religionsgemeinschaften auf den Gang der englischen Politik einen Einfluß ausgeübt, der mit ihrer Mitgliederzahl in keinem Verhältnis steht. Seit der völligen Gleichberechtigung der Juden im Jahre 1858 sind sie im Oberhause und im Unterhause vertreten. Unter den Staatsmännern jüdischen Ursprunges steht der Earl of Beaconsfield, der als Benjamin Disraeli in der Zeitgeschichte besser bekannt ist, obenan. Freilich war er ein getaufter Jude. Und unter den Gesetzgebern verdienen Lord Rothschild und Baron Henry de Worms, unter den Rechtsgelehrten der Richter Sir George Jessel hervorgehoben zu werden. Der politische Einfluß der Quäker war wohl am größten zur Zeit der zweiten Verwaltung des Herrn Gladstone zwischen 1880 und 1885, als er den großen Redner John Bright und den Sohn eines Quäkerpredigers W. E. Förster in seinem engern Ministerium hatte. Im Unterhaus selbst saßen genau 20 Abgeordnete, die wirkliche Mitglieder der Quäkergemeinde oder doch Söhne von Quäkern waren. Seither hat der politische Einfluß dieser christ lichen Mystiker entschieden abgenvmmen, nicht zum Nachteil Englands, das Gefahr lief, zu „verquäkern", d. h. in der Anhäufung von Reichtümern und beschaulicher Selbstsucht das Endziel des staatlichen Daseins zu erblicken. Josef Chamberlains frischer Imperialismus hat mit der politischen Quäkerei in den letzten 20 Jahren aufgeräumt. Ein jüdisches Grab ans der Zeit Christi. Auf dem Gebiet des syrischenWaisenhauses in Jerusalem wurde im März dieses Jahres eine mit einem großen Stein verschlossene Grabhöhle gefunden, deren genaue ausführliche Beschreibung wir in der von dem syrischen Waisenhause herausgegebenen evangel. Quartalschrift vom Mai 1905 „Der Bote aus Zion" lesen. Die Grabhöhle enthält eine durch einen Stein verschlossene Kammer, mit Steinbänken und fünf Schiebgräbern, die ebenfalls durch Steinplatten verschlossen waren. Drei der Schiebgräber waren leer, zwei enthielten drei mit Steindeckeln versehene Steinsärge, während zwei weitere Steinfärge in der Kammer selbst standen. Die hübsch verzierten Särge enthielten menschliche Gebeine und auf dreien fanden sich griechische und hebräische Schriften: Papias kai Salome Skythopoleitai. Ammia Skythopoleitissa, Anin Skythopoleites, dann Paclias habbesani. Ammia habbesani, Charin habbesani, Joseph bar Sohn Charin, Es handelt sich also um Sache aus Besam (Bethseau), aus Sauls Geschichte bekannt, das in der Makkabäerzeit bereits griechisch Skythopvlis hieß. Man muß nach den Namen und den aramäischen Schriftzeichen jedenfalls auf ein jüdisches Grab schließen; das Grab scheint vor dem Jahre 70 n. Chr. absichtlich verdeckt worden zu sein, um es vor Entweihung durch die heranziehenden römischen Heere zu schützen. Doch ist für das Grab der wohl aus Besau nach Jerusalem übergefiedelten Familie ein Spielraum von 150—200 Jahren rückwärts von 70 n. Chr. zu rechnen: — Der Prozeß der Beisetzung ist so zu denken, daß die Leiche in Tücher gewickelt, in ein zu vermauerndes Schiebgrab gelegt und bis zur vollständigen Verwesung gelassen wurde. Nach ungefähr zwei Jahren wurden dann die Gebeine gesammelt und in Steinsärge gelegt, die oft die Gebeine mehrerer Verstorbenen enthielten. Das Grab mit der Kammer und den Steinbänken, auf die die Leichen aufgelegt wurden, bis dieWaschungen oder Einbalsamierungsarbeiten vollzogen waren, kann wohl einen Begriff davon geben, wie das Grab des Josef von Arimathäa ausgesehen hat, in dem nach der Erzählung des Evangelisten Christus beigesetzt wurde. Auf eine Bank im Grab ist auch Jesus von Josef und Nikodemus gelegt worden, sonst hätte der Jünger (Joh. 20, 5) die Leinen, in die Jesus eingehüllt war, nicht sehen können, als er sich vorbeugte und hineinguckte. Ein Rabbiner als Friedensapostel. In der großen amerikanischen Stahlstadt Pittsburg ist der Rabbiner I. Leonhard Levy der bestbezahlte Angestellte. Er ist zugleich Präsident der Friedensgesellschaft der Stadt und wirkt mit bewunderungswürdiger Begeisterung für gie große Idee der Völkerverbrüderung. Er tritt vollständig aus der Schablone der bisherigen Agitatoren für die Idee des allgemeinen Friedens heraus und hat z. B. einen Preis von 1000 Dollars, das find 5000 Kronen, für das beste Buch gestiftet, wodurch das Volk für die Friedensidee eingenommen werden soll. Am 24. Juni hat er eine Reise nach Japan unternommen, um von dort aus die Schlachtfelder in Ostafien zu besichtigen. Durch die Schilderung der Greuel des Krieges hoffte er, der Friedensidee weitere Anhänger zu gewinnen. Von Japan begibt sich Rabbi Levy nach Luzern, um an dem Friedensweltkongresse teilzunehmen und sodann führt ihn der Weg nach Nürnberg. Dort will er auf eine originelle und man muß es sagen, sehr verständige Weise für den Frieden agitiren. Rabbi Levy hat konstatiert, daß von Nürnberg um nahezu 80 Millionen Kronen Spielzeug in die Welt exportiert wird. Die meisten dieser Schachteln, die von Nürnberg aus ihren Weg durch die Welt nehmen, find mit bleiernen Soldaten, Gewehren, Festungen, Kanonen und sonstiger militärischer Spielerei gefüllt, wodurch die Knaben schon in der ersten Lebensjahren eine gewisse Sehnsucht nach Krieg eingeimpft erhalten. Er will nun die Nürnberger Fabrikanten veranlassen, anderes Spielzeug den Knaben in die Hände zu geben und diese Art von Fabrikation einzuschränken. Die Idee ist gut, ob sie aber auch bei den Nürnbergern Anklang finden wird, das ist eine andere Frage. VerrnLscbtes. Kranzablösungsspenden zugunsten der Chewra-Kadischa I., Seitenstettengasse 4 für arme kranke Glaubensgenossen. Anläßlich des Ablebens der sel. Dorothea E l z h o l z: Von Herrn Osias Hirsch und Frau. München K 10.— , Dr. Markus Ettinger 20.—, Ignatz Sonnenschein 10.—. Tr. Adolf Elz holz 20 —, Leopold Weiß und Frau 5.—, Herrmann Kohn und Frau 5.—, Bernhard Weiß und Frau 5.—; zusammen K 85.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Herrn Max T i n t n e r; Von Herrn Sigmund Fröschels K 5.—, Edmund Schack 5.—, Tintner 3.—; zusammen: K 13.— Anläßlich des Ablebens der sel. Selma Glaser: Von Herrn Emil Glaser K. 10.—, Max Quittner. Perchtoldsdorf 10.—, Albert Quittner, Dürnkrut 10.—; zusammen K 30.— . Anläßlich des Ablebens des sel. Herrn Samuel Spitzer: Von Herrn A. Weiß K 10.— . Anläßlich des Ablebens des sel. Herrn Leopold Schönfeld: Von Herrn Ignaz Bnxbaum X 2. . Anläßlich des Ablebens des sel. Herrn Jonas Krämer: Von M. und I. Mandl K 20.—. Anläßlich des Ablebens der sel. Karoline Grünwald: Von M. und I Mandl K 30.—. Anläßlich des Ablebens der sel. Josefine Schnabl: Von Herrn Theodor Schnabl K 20.—, Irma Schnabl 10. -; zusammen: K 30.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Herrn Josef Skutetzky: Von Herrn Jakob Karpeles X öo.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Herrn Markus Spitzer: Von der Familie Kolb L 20.—, S B. 20.— , B. Stärk 10.—; zusammen K 50.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Herrn Ludwig Pollak: Von Herrn Julius Jaff K 5.—, Siegfried und Henriette Fleischer 20.— , Dr. Ph. Elias und Frau 10.—, Dr. Adolf Stein 25.—; zusammen K 60.—. Anläßlich des Ablebens der sel. Fanny Bittner: Von den Enkelkindern K 10.—.