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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-07-14 · 28 (14.7.1905) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
28 (14.7.1905)
Date
1905-07-14
Page
– (sequence 2)
Language
German
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fetttt 434 Dr. JBlocb 8 MlocbenscbnN. St,. aB bestehenden Vereinen zur Kolonisation Palästinas im Dorse Katrah angesiedelt wurden. Hier hatten sie in der ersten Zeit zahlreiche Attacken der benachbarten Araber zurückzuschlagen. Die Kolonie umsaßt 303 da und zählt gegenwärtig 110 Seelen. Wie Katrah, verdankt auch die Kolonie Castinje ihr Entstehen den oberwähnten Kolonisationsvereinen, welche 1885 sich zu einem in Paris residierenden Zentral-Komitee der Chowawe Zion vereinigt haben. Die Kolonie umfaßt 506 da und wird von 150 Juden bewohnt, welche vor ihrer Installierung als Kolonisten jahrelang in den verschiedensten Kolonien als Taglöhner gearbeitet haben. Die Kolonie Rechoboth ist für eine weitere Reihe von Kolonien typisch geworden. Dieselbe wurde nämlich 1890 von 50 wohlhabenden Juden aus Warschau.. begründet, welche selber in Rußland verblieben und ihre Anteile von jüdischen Taglöhnern unter Leitung eines eingesetzten Administrators bearbeiten ließen. Nach und nach siedelten jedoch 45 Besitzer nach Rechoboth über. Gegenwärtig weist die 950 ha umfassende Kolonie 250 Einwohner auf. An die Kolonie Rechoboth schließt sich die aus 5 Familien lestehende kleine Kolonie Esra an. Dieselbe wurde 1895 von dem deutschen. Kolonisationsverein „Esra" für 5 Taglöhner begründet, welche nach den Intentionen des Vereines auch nach ihrer Installierung fortsahren sollten, in Rechoboth als Taglöhner zu arbeiten. Nach und nach gelang es jedoch den Kolonisten durch eigenen Fleiß und mit Unterstützung des genannten Vereins, sich zu kleinen aber selbständigen Weinbauern hinaufzuarbeiten. Ebenfalls nicht weit von Rechoboth entfernt liegt die kleine 128 ha umfassende und 120 Seelen beherbergende Kolonie Wad-el-Chanin. Mit Ausnahme von einem einzigen Kolonisten, der zahlreiche Bienenstöcke besitzt und den zu einiger Berühmtheit gelangten Orangenhonig erzeugt, müssen die übrigen Ansiedler wegen Landknappheit von der „Jca" unterstützt werden. Die Kolonie stellt einen einzigen blühenden Garten dar, da von ihren 120 ha 80 ha mit Wein und der Rest mit Orangen bepflanzt sind. Die kleine Kolonie MozaH ist insofern in ausnahmsweise günstiger Lage, als sie sich fast vor den Toren Jerusalems befindet. Dadurch sind die 7 Familien 30 Seelen der Kolonie in der günstigen Lage, ihre aus Wein und Gemüse bestehenden Produkte jederzeit zu sehr guten Preisen zu verkaufen und sich, trotzdem sie nur 50 ha Land besitzen, auskömmlich zu ernähren. Die Kolonie ist mit Alfe der B'ne Brith- Loge im Jahre 1895 begründet worden. Artus wurde 1883 von einer englischen Missionsgesellschaft begründet, in der Hoffnung, dadurch recht viele Juden in ihren Netzen zu fangen. Die Spekulation mißlang jedoch vollständig und die Gesellschaft sah sich genötigt, die Kolonie an eine aus 50 Mitgliedern besehende bulgarische jüdische Auswanderungsgenossenschaft zu verkaufen. Von dieser sind jedoch nur 19 ausgewandert, während der Rest in Bulgarien verblieb und sich um das Schicksal der Kolonie nicht weiter kümmerte. Artus ist sehr günstig in der Nähe von Deir-Alban, einer Station der Jaffa-Jerusalem Eisenbahn, gelegen und umfaßt 392 ha. Mikwe Israel ist eine von der Alliance 1870 begründete und 242 ha umfassende Ackerbauschule, in welcher gegenwärtig 100 Zöglinge sich befinden. Der Konsul Hebt Hervor, daß von den 9 Kolonien in Judäa 3, nämlich Rischon-le-Zion, Petach- TikwaH und Ekron, von einem Privatmann, dem Baron Edmund de Rothschild, weitere 3, und zwar Katrah, Castinje und Mikwe Israel von jüdischen Vereinen und weitere 3, nämlich Rechoboth, MozaH und Artus, von jüdischen Genossenschaften begründet wurden. Zum auswärtigen Handel übergehend, betont Mr. Dickson, daß der Export und Import seit 1900 im beständigen Wachsen begriffen ist. Derselbe ist von 13,240.000 M. im Jahre 1900 auf 15,547.000 Mark im Jahre 1903 und 15.680.000 M. im Jahre 1904 gestiegen. Die Zahl der Schiffe stieg gegen das Vorjahr um 5, ihr Tonnengehalt um 10*7 Perz. Der Löwenanteil an dem Palästinahandel, nämlich 17'6 Perz., entfiel auf England, welches Waren für 877.200 M. eingeführt und für 1,876.800 M. ausgesührt hat. Den Grund für das Aufblühen desPalästinahandels sucht Generalkonsul Dickson in dem Bau der Eisenbahnen Jaffa- Jerusalem und Haifa-Damascus. Dadurch kommen im Frühling und im Herbst so viele Touristen nach Jerusalem, daß. die Stadt ein zweites Cairo geworden ist. Die Touristen bringen viel Geld ins Land, welches von der Bevölkerung wiederum in besseren Wohnungen und in aus Europa bezogenen Bedarfs- und Luxusartikeln angelegt wird. Der Ernteertrag in Palästina war im Berichtsjahre weit geringer als im vorigen Jahre, da im Jahre 1903 die Regenmenge weit unter dem Durchschnitt war. Die mit Anpflanzung von Baumwolle in Palästina gemachten Versuche, waren den Umständen entsprechend sehr zufriedenstellend. Diese Versuche sind nämlich mit unzureichenden Mitteln unternommen worden und das Ergebnis war daher nicht so, wie es sein könnte. Falls die Baumwollzucht in Palästina von Erfolg gekrönt sein sollte, so würde dieses im Verein mit der großen Ausfuhr von Orangen dem Palästinahandel einen ganz erheblichen Aufschwung verleihen. Der Konsul bedauert ferner, daß die Ausbeutung der Mineralien in Palästina noch nicht einmal in das Anfangsstadium getreten ist. Dieses ist um so bedauerlicher, als bekanntlich das tote Meer sehr große Mengen von Asphalt, Salzen^ Sulfaten und selbst Petroleum enthält. Die allgemeine Entwicklung des Handels hat dazu geführt, daß 3 Bankgeschäfte es für vorteilhaft gehalten haben, in Jerusalem Filialen, zu eröffnen. Im Berichtsjahre sind 2 neue Banken hinzukommen, so daß gegenwärtig in Jerusalem eine deutsche, eine englische, eine französische, eine ottomanische, nebst mehreren. Privatbanken sind. Die Bevölkerung Jerusalems ist im beständigen Wachsen begriffen. Ganz speziell wächst die Zahl der Juden in Jerusalem, sowohl als in ganz Palästina. Diese Tatsache stellt dem Lande eine sehr günstige Prognose, da die Juden in Palästina gegenwärtig ein sehr aktives, unternehmungslustiges Element geworden sind. Hermann Nothnagel Was sterblich war an Hermann Nothnagel ruht nun rm Schoß der Erde. Er starb auf der glanzvollen Höhe seines weltumspannenden Ruhmes, in der männlicheü Vollkraft seines gesegneten Wirkens. Mit ihm ging ein großer Gelehrter und' ein großer, ein gütiger Mensch dahin. Jäh trat der Tod an ihn heran, aber er konnte ihn nicht schrecken^ find nicht überrumpeln. Zu genau kannte er, der dem grimmen Würger so manches ihm scheinbar schon verfallene Opfer entrissen, seine verläßlichen Vorboten und er richtete sich ein, still und groß, und starb als ein Weiser in Ruhe und Ergebenheit und damit auch in Schönheit. Vom traulichen Beisammensein mit lieben Menschen heim-' kehrend, noch ein stattlicher, blühender, aufrechter Mann, schrieb er es noch nieder, daß er den Besuch zu gewärtigen habe, der niemals wiederholt wird, und im vollen Bewußtsein dessen legte er sich in philosophischer Resignation hin und starb einen ruhigen, stillen, schönen Tod. Der Mann, der so tiefsinnig über die Kunst des Sterbens geschrieben, er hat auch diese Kunst als Meister geübt. Sein Andenken wird von Tausenden gesegnet. Nicht nur, weil er als Arzt Tausenden Hilfe und. Trost gebracht. Von ihm' stammt das schöne Wort, das mit goldenen Lettern in den Hallen der Hochschulen verewigt zu werden verdient, zu deren leuchtendsten Zierden er gehörte: „Nur ein guter Mensch kann ein guter' Arzt sein." Er war ein guter Mensch. Er hat Zeit seines Lebens nicht nur als Arzt, sondern wo immer er es nur ver-' mochte, auch als Mensch geholfen. Sein Andenken wird fortleben nicht nur in den Annalen der Wissenschaft, sondern auch im Herzen des Volkes als das eines wirklichen Wohltäters der Menschheit. Und das nun war der Mann, den der Antisemitismus — seien wir deutlicher, damit die volle Schmach offenkundig werde — den der österreichische und im Besonderen der Wiener Antisemitismus verfolgt und geschmäht und verleumdet 'hat bis zur letzten Stunde seines ruhmvollen Daseins, ja selbst noch über seinen Tod hinaus. Das bleibe unvergessen, ihm, dem' Dulder auf den Höhen der Menschheit, und jenen Andern in

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