Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1905)
- Issue
- 27 (7.7.1905)
- Date
- 1905-07-07
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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II r. 27. Dr. Bloch’s ♦ i ♦ Achr-mq XXII ♦ Centralorgsn * —=* K. ft. Pofisparraffen-Amk Clearing-Verkehr Nr. 810.976. LrdarUon und Administration: - w itn IX/1, Verggaye Nr. 39. Talophon Nr. 14.847. für die gelammten Interessen des Iudenthums. Wie«, 7. Juli IMS. Erscheint jeden Freitag. -- Brief-Adreffe: Wien, IX/1» Berggasse SS. Telegramm-Adreffe: Bloch's Wochenschrift, Wien. »rrugsprri» fitr Srstrrrrtch: Halbjährig 8 Lronea. Einzelexemplare SO Heller, lür’* Ausland r Halbjährig 10 Jttoncn. Banzjährig 20 A»zeigen: Die4malgesvalteue ''etitzeile 24 Heller. Jnbalt: Leitartikel: Feig und dumm. — Memorandum russischer Inden an die Vertreter der Semstwos. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Anteilnahme der Juden am Befreiungswerk der russischen Völker. Die Bibel in der deutschen Literatur. Das semitische Museum der Harvard-Universität — Korrespondenzen: Judenehen und Heimatsrecht. Wien. Irma Kaufmann geb. Gomperz gestorben. ..Ein antisemitischer Stationsvorstand." Ein jüdischer Rektor an einer deutschen Universität. Rabbiner- Verband in Böhmen. Reisemomevte aus Ungarn. Dr. Max Hirsch. Der frühere badische Finanzminister Ellstätter. Pariser Skizze. Zürich. Zum Aufruhr in Lodz. Judenmassakre in Schitomir. Offizielle Judenhetzen. Furcht in der jüdischen Bevölkerung Odessas. Aufruf zur Sammlung für die Selbstbewaffnung der Juden in Rußland. — Vermischtes: Wien. Humaniiärer Geselligkeitsverein „Rudolfsbund". Budweis, Gr.-Kanizsa, Gewitsch, Jassy. — Feuilleton: Aus finstern Zeiten. — Literatur. — Neue Bücher. — Briefkasten. — Inserate. Feig und dumm. Feig, korrupt und verlogen — das sind die drei charakteristischen Merkmale der russischen Autokratie. Die Jämmerlichkeit ihres Systems hat von den Kischenewer Metzeleien bis zum Debacle der Landarmee, bis zur Vernichtung der Flotte und bis zur offenen Meuterei aller „Stützen der Ordnung" eine fortlaufende Kette von Ungeheuerlichkeiten gezeitigt. Die läppischen Mittel dieses Systems werden durch die tragikomische Affaire des ..Kniaz Potemkiu" grell beleuchtet. Das stolzeste Schlachtschiff der Schwarzemeer-Flotte empört sich, weil die habgierigen und trunkenen Offiziere die Mannschaft zum Genüsse verfaulten und madigen Fleisches zwingen wollten. Unter dem Kommando eines Admirals zieht das Hauptgeschwader aus, um das treulose Schiff zum Gehorsam zurückzuführeu oder es unschädlich zu machen. Aber die Armada muß unverrichteter Sache zurückkehren und statt des Meutererschiffes sich selbst desarmieren. Der offizielle Telegraph jedoch verkündet triumphierend aller Welt, daß der „Kniaz Potemkin" sich ergeben habe. Die Lüge bleibt genau 24 Stunden aufrecht, gerade so lange, wie die berüchtigten Siegesmeldungen aus der Mandschurei. Mittlerweile vollbringen die tapferen Truppen des Zaren an der Zivilbevölkerung von Odessa eine fürchterliche Schlächterei. Das sind die einzigen Siege, die dem Zarentum beschieden sind — Siege gegen friedliche Fischer, gegen wehrlose Bürger und armselige Juden. Kurzbeinige Lügentelegramme für das Ausland, Zensur und Belagerungszustand im Innern, so will man über die Niederlagen auf dem Schlachtfelde, über Aufruhr und Empörung zuhause hinwegkommen. Mit derselben Feigheit und Verlogenheit wird die Verfassungsfrage behandelt. Man stiehlt nicht nur Munition und Proviant, man stiehlt auch die Verheißungen des Zaren auf freiheitliche Reformen. Der Buligyn'sche Verfassungsentwurf ist zu einer förmlichen Mythe geworden. Mindestens einmal im Tage verabreicht der offizielle Telegraph dem aufhorchenden Europa einen Eßlöffel von diesem märchenhaften Entwürfe, mit dem das Ministerkomitee doch niemals fertig wird. Und ebenso geht es mit der „Revision der Judengesetze". Eine solche wurde angekündigt, so oft Rußland an den europäischen Geldmarkt appellieren mußte. Aber man dachte nicht im Traume an eine wirkliche Emanzipation der Juden. Mit einer Schamlosigkeit und Scheinheiligkeit sondergleichen wird das jetzt eingestanden. „Das Ministerkomitee", so lautet die amtliche Erklärung, „hat der Meinung Ausdruck gegeben, vom Standpunkte der Regierung aus bestände die richtige Lösung der Judenfrage in rechtlicher Gleichstellung der Juden mit der übrigen Bevölkerung Rußlands — jedoch erforderten die sozialen und Rasseneigentümlichkeiten der Juden eine andere Lösung der Jud. «frage, weil die rechtliche Gleichstellung der Juden die Interessen der übrigen Bevölkerung 'verletzen würde und unliebsame Ausbrüche des Volksunwillens Hervorrufen könnte." Die Logik dieser amtlichen Kommuniques ist ungefähr dieselbe, mit der man seit Jahr und Tag beflissen ist, die systematische Niedermehelung der Juden in Kischeuew, Homel, Schitomir, Brest-Litewsk, Kielce rc. den — Juden selbst in die Schuhe zu schieben. Alle Judenhetzen, welche im Zarenreiche die Vorläufer und Begleiter des Zusammenbruches der Autokratie waren und sind, wurden und werden ausschließlich von den Schergen des Zaren angezettelt, in der blödsinnigen Absicht, das stürmische Verlangen aller Volkskreise nach einer Verfassung im Blute der Juden zu ersticken. Die Seele des russischen Volkes selbst ist frei von Judenhaß, der Intellektuelle wie der Bauer sieht in dem Juden nur den Leidensgeuossen, das bedauernswerte Opfer zarischer Willkür. Es ist eine freche und bodenlos feige Lüge, daß der Befreiung der Juden Ausbrüche des Volksunwillens folgen könnten. Das russische Volk will vielmehr mit der eigenen auch die Erlösung der Juden, die es als treue und tapfere Vorkämpfer der Freiheit kennen und schätzen gelernt hat. Im Jänner sagte Fürst Eugen Trubetzkoi: „Ich sehe in den Juden nur solange eine Gefahr, als sie den heute herrschenden Gesetzen unterworfen sind? D. W. Schipon in Moskau, der Organisator der Semstwobeweqnug, erklärt: „Eine Judenfrage kennen wir nicht — die Annäherung an die Juden kann uns nur zum Segen gereichen In seinem von S u w o r i n herausgegebemn Bnche: „Die Wahrheit über den Krieg" schreibt I. T a b u r n o, nachdem er die Heldentaten jüdischer Soldaten aufgezählt: „Wie werden die Juden von den anderen Soldaten geliebt! Beim russischen