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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-05-26 · 21 (26.5.1905) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
21 (26.5.1905)
Date
1905-05-26
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Sette 324 Dr. Llocb's MkocbenscvrlN. Regimente seiner Mutter hatte Kaiser Josefs Toleranzpatent in der Tat eine neue Aera begründet, die^jedoch mit der Thronbesteigung seines Neffen Franz II. wieder der jämmerlichsten Polizeiwirtschaft Platz machen mußte. Allerdings darf man auch jene Toleranz nicht überschätzen — beginnt doch das Patent mit der Bestimmung, daß die Juden in Wien keine Gemeinde bilden und keinen öffentlichen Gottesdienst halten dürfen, sowie, daß ihre Zahl nicht vermehrt werden darf. Daß diese an Pharao mahnende Norm einen Freibrief für die Polizei abgegeben hat, um die zuziehenden Juden zu brandschatzen, ist begreiflich — der blaue Zettel und die nächtlichen Hausdurchsuchungen, welch letztere bis 1859 vorgeommen wurden, blieben Monumente jener Zeiten Schande. Zu jener Zeit (1784) befanden sich in Wien 65 jüdische Familien mit 504 Köpfen. Obschon sie keine Gemeinde bilden durften, ward es ihnen doch auferlegt, ein Geburts- und Sterbeprvtokoll zu führen. Diesem Aufträge entsprach man durch einen mit der Obhut des Spitals betrauten „Wärter" namens Beer, welcher für seine diesfällige Mühewaltung während dreier Jahre 15 Gulden erhielt. In jenen Tagen erfloß auch der behördliche Auftrag, ein Spital zu errichten. Dieser Umstand ward kluger Weise dazu benützt, um die ersten Grundlagen zum rechtlichen Bestand einer Gemeinde zu schaffen. Um nämlich ein Spital zu bauen, mußte mit einem Baumeister ein Vertrag geschlossen werden; dies anerkennend, gestatteten die Behörden, Vertreter zu wählen und die gemeinsamen Auslagen teils durch einen „Fleischkreuzer", teils durch jährliche Spenden, genannt „Büchelgeld", zu decken. Laut Kafsabuch betrug der Fleischkreuzer im Jahre 1787: 2750 Gulden. Derselbe ward später m einen vom Stücke Vieh zu entrichtenden „Fleischaufschlag" umgewandelt, der im Jahre 1807: 8371 fl. 50 kr. einbrachte. Die fteiwilligen Beiträge sind von 81 Gülden (1787) auf 5155 fl. 31 kr. (1807) angewachsen. Außer diesen Beiträgen weist das Kassabuch zahlreiche, zum Teil bedeutende Spenden zu bestimmten Zwecken aus. Der bedeutendste Spender war Nathan Arensteiner, später genannt Nathan Freiherr v. Arnstein, sodann die Familien Uffenheimer, Lewinger, Herz, Leidesdorfer, Eppinger u. A. Die meisten Spenden waren dem Neubau des Spitales gewidmet, für welches Josef Eppinger 1792 eine Kollekte im Ertrage von 4403 fl. 30 kr. zu Stande brachte. Zumeist boten Familienereignisse Anlaß zu Spenden und bewegten sich die Beträge zwischen 4 fl. 30 kr. (1 Dukaten) und 500 fl. An Kosten des Spitalbaucs sind (1794) 8650 fl., für die innere Einrichtung 1000 fl. verrechnet. Zu laufenden Ausgaben für das Spital wurden fast alle regelmäßigen Einkünfte der kleinen Gemeinde verwendet. Dieselbeu stiegen von 1067 fl. 24 kr. im Jahre 1787 auf 7038 fl. 52 kr. im Jahre 1607. Anfänglich erhielt der Spitalsarzt Dr. Sam. Oppenheimer einen Jahresgehalt von 150 fl., der allmälig auf 400 fl. erhöht wurde. Die Kosten des Chirurgen stiege« von 106 auf 230 fl. Nachfolger Oppenheimer's war Dr. Hirschfeld. Als Spitalsvater fungierte Beer „Wärter", dem 1802 Matzel folgte. Als Augenarzt erscheint 1803 ein Dr. v. Beer mit einem Honorar von 138 fl. 30 kr. — Konsilien mit fremden Aerzteu wurden in der Regel mit 2 Dukaten (9 fl.) hmwriert. Auffallend geringe Beträge wurden für Arme verwendet, u«d zwar 1787: 425 fl. 43 kr., 1807 sogar nur 196 fl. 45 kr.; es erklärt sich dies aus dem Umstande, daß die Privatwohltätigkeit eine munifizeute war, so daß nur einzelne besondere Fälle der Gemeiudekaffe zur Last fielen z. B. eine Frau, die aus „Giberaltar" durchreiste, dann 2 Witwen „deren Männer ermordet wurden", dann ein Findelkind mit einvierteljähriger Pfründe von 6 fl. 15 kr. u. dgl. — endlich die Beköstigung der Arrestanten und der jüdischen Soldaten, welche regelmäßig an allen Feiertagen bestritten wurde. Auch die politischen und sozialen Verhältnisse werden durch Angaben des Kassabuches illustriert. Als „Rechnungsführer" erscheint von 1787 bis 1797 Max Edler von Hönigsberg, dem sodann Aron Leidesdorf, Sam. Lewinger, Mayer Adam Nr. 21^ Arnsteiner, G. G. Ufenheimer folgte. Derselbe wurde im Juni 1803 durch eine behördliche Kommission, bestehend aus dem Stadthauptmann Ferd. Frh. v. Palm und zwei Oberbeamten, einer Kontrolle unterzogen. Er übergab im September 1805 die mit einem Defizit von 2952 fl. 16 7* kr. schließende Rechnung an den „Aktuar" Benj. Landesmann. Im Mai 1806 übernahm Max Edler v. Hönigsberg abermals die Rechnungsführung. Als Vertreter „hiesiger Judenschaft" fungierten, wenn auch noch nicht behördlich anerkannt, doch schon 1790 die Herren Sal. Herz, David Wertheimer, Jos. P. Wertheimber, Joachim Leidesdorf und Max Edler v. Hönigsberg. Als, wie erwähnt, die Behörde wegen des Spitalbaues eine Vertretung amtlich zulassen mußte (17. Juni 1792), findet man die Namen David Jsak Arensteiner und den bereits geadelten Jos. Edlen v. Wertheimstein unter den Vertretern. Im Namen des Erstgenannten zeichnete auch dessen Sohn Benedikt David Arnstein (mit modernisiertem Namen) die Rechnungen. 1797 tritt Götz G. Ufenheimer in die Vertretung. 1798 schreibt sich Sal. Herz mit dem Titel Edler von. Dem Freiherrntitel Nathan von Arnsteins begegnet man erst 1804. — Unter den Spendern figurieren die Ahnherren der nachmals sehr angesehen gewordenen Familien — darunter sechs Mitglieder der Familie Arensteiner, die ganze Musterkarte der Wertheim, Wertheimer, Wertheimber, Edler v. Wertheimstein, Regierungsrat von Hönigsberg, von Herz, Caspar Cohn, Zappert, Scherz, Goldstein, Lewinger, Neustadtl, Herzenskron, Ufenheimer, Eppinger, Herzfelder, Gewitsch, Baruch, Götzl. Waren auch diese Vertreter nur zur Besorgung bestimmter wirtschaftlicher Angelegenheiten berufen, so blieben sie doch bemüht, das Verhältnis der Judenschaft gegen die Behörde tunlichst zu mildern. Die Türhüter der Polizei und der Landesregierung erhielten regelmäßige Geschenke; mit der Polizei-Ober- Direktion blieb man in steter Fühlung — als 1789 der Kaiser von schwerer Krankheit genas, wurden 300 fl. an Arme verteilt, „von der sämtlichen Gemeinde beschlossen" heißt es im Kassabuch. Dem Finanzminister Grafen von Sauran widmete man (29. Mai 1798) fein durch den Akademiedirektor Heinr. Füger gemaltes Porträt, für das dem Maler 1000 fl., dem Rahmenmacher 162 fl. bezahlt wurde — eine Summe, die im Wege einer Kollekte ausgebracht wurde. Eingaben an die Behörde, „um die ausländischen Dienstboten beibehalten zu können", ließen ihre Spuren im Kassabuch, teils weil sie gestempelt wurden, teils weil Herz Homberg für deren Abfassung 100 fl. erhielt. Unter dem Titel: Dienstboten wurden nämlich die Nicht-Tolerierten in den Hausstand — scheinbar — ausgenommen. Auch dem „Nikolsburger Landrabbiner" wurden 100 fl. bezahlt für seine „vielfachen Bemühungen in Religivnsfachen". (Schluß folgt.) Karotin« Gomprrtz-Kettelhrim. Zu ihrem 60. Geburtstage, den 1. Juni 1905. „Musik ist höhere Offenbarung als alle Wissenschaft und Philosophie." Beethoven. Eine große, edle und gütige Frau, ausgezeichnet durch seltene Eigenschaften des Charakters, Gemütes und Verstandes, eine der Höchstgeborenen im Reiche der Kunst, die wir mit Stolz zu den „Unseren" zählen, Liebe, Verehrung und Bewunderung in den weitesten Kreisen genießend, so steht diejenige vor uns, der diese Zeilen gewidmet sein sollen, uns älteren Leuten wohl bekannt, der jüngeren Generation fern und fremd. Es war zu Anfang der sechziger Jahre, als eine junge Gesangskünstlerin, eine Jüdin, Karoline Bettelheim, nicht nur in den musikalischen und musikliebenden Kreisen der österreichischen Metropole, sondern auch draußen im Reiche und weit über die Grenzen desselben hinaus die allgemeinste Aufmerksamkeit erregte und zu den in erster Reihe stehenden Sängerinnen der Zeit gezählt wurde. Geboren am 1. Juni 1845 zu Pest, hatte sich bei dem kleinen Mädchen schon frühzeitig. eine unge-

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