Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1905)
- Issue
- 20 (19.5.1905)
- Date
- 1905-05-19
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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$*.20 Dr. Bloch’s ♦ i ♦ Jahrgang XXII ♦ MM Centralorgan für die gessmmten Interessen des Iudenthums. S. h. Pofilparraffen-Arnt Clearing - Verkehr Ar. 810.976. " — - —H— lUirn, 19. Mai 1905. r ~b <■ Vedsrtton und Administration j Wien | IX/1. Verggalse Nr 39. Telephon Nr. 14.847. j «= Erscheint jeden Freitag. - ■)— - Brief-Adreffe: Wien, IX/1, Berggaffe SS. Telegramm-Adreffe: Bloch's Wochenschrift» Wien. SLplgsprri» für Sestrrretch: Halbjährig 8 Kronen. Einzetexemplare 50 Heller, Für'» Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 * Anzeigen: Die4mal gespaltene Petitzeile 24 Heller. Inbalt: Leitartikel: „Vor der Oeffnung des Abgrundes". — Zur Hausiererdebatte im Abgeordnetenhaus. — Schiller vom Standpunkte des Judentums. — Korrespondenzen: Plenarsitzung des israelitischen Kultusvorstandes. Pommer's Zweiseelentheorie. Die sozialdemokratische Parteileitung gegen die jüdischen Separatisten. Wien. Professor Seligmann über Josef Israels Budapest. Ein preußischer Kammerjunker israelitischen Glaubens. Allgemeines Archiv für die Juden Deutschlands. Petersburg. Der 250. Jahrestag der Niederlassung der Israeliten in Amerika. — Vermischtes: Wien, Oberhollabrunn, Budweis, Groß Becskerek, Budapest, Bukarest, Banjaluka, Vukovar. — % c u i (1 c 11 n: Aus finstern Zeiten. — Briefkasten. — Inserate. dev Oeffnung des Adgvnndes". p-mn ds'K Di'ru bw Tina bv ">au „Auch da die Pforten der Hölle sich bereits weithin öffnen, am Rande des Abgrundes, wird der Verblendete noch immer an keine Ein- und Umkehr denken", lautet ein alter Satz im Talmud. Was hat der Zarismus seit den blutigen Tagen des Verbrechens von Kischenew nicht alles erfahren! Der Schmach beispielloser Niederlagen und Katastrophen in einem leichtsinnig und frevelhaft heraufbeschwvrenen Kriege ist der Zusammenbruch aller moralischen Ordnung im Innern gefolgt, die Lockerung aller staatlichen Bande und die allgemeine Auflehnung des unterdrückten und mißhandelten Volkes gegen die unerträglich gewordene zarische Despotie. Mit Blindheit geschlagen, verhärteter als, der alte Pharao, glaubt der Zarismus nur durch die Häufung neuer Verbrechen sein fluchbeladenes Dasein zu fristen: in dem Wahne, durch die Ablenkung der entflammten Leidenschaften auf die armseligen, wehrlosen Juden sich selber Luft zu schaffen und von der augenblicklichen Bedrängnis zu befreien. . Vom Fürsten Urussow, dem früheren Adelsmarschall, erhielt der „Dziennik Poznanski" eine Zuschrift, die für die Berater des Zaren und ihre Auffassungen äußerst bezeichnend ist. Sie lautet: In der letzten Nummer des „Dziennik Poznanski" finde ich Auszüge aus einem Warschauer Briefe, dessen Verfasserin die Lage mit großem Sachverständnis und großer Logik beurteilt. Männliche Eigenschaften kennzeichnen das Gemüt dieser Dame, wiewohl die Damen für gewöhnlich als leichtsinnig oder vielmehr leicht empfindlich gelten. Die Unruhen vom 2. d. M., infolge deren auf den Straßen von Warschau Blut geflossen ist, zerstreuen alle Zweifel darüber, wo ihre Quelle zu suchen ist. In der Tat versuchten die städtischen Behörden das Volk vor jeder Manifestation zu warnen und drohten mit den schärfsten Repressalien für die Störung der öffentlichen Ordnung. Daher fällt die Verantwortung für das vergossene Blut auf diejenigen, welche die Warnung unbeachtet ließen und von denen übrigens viele mit Messern, Revolvern und explodierenden Geschossen wohl versehen waren. Was wäre wohl geschehen, wenn die Behörden diesem nach Tausenden zählenden Haufen seinen Willen gelassen hätten? Die Antwort darauf geben die Vorfälle, die sich vor drei Monaten ereignet haben. Die Massen hätten geraubt und jedes Privateigentum vernichtet, und die öffentliche Meinung hätte die Regierung wegen Mangels an Energie angeklagt. Ihre Korrespondentin wundert sich darüber, daß Juden die Erreger der Unruhen sein sollen und vom Auslande Bomben ins Land kolportieren. Für alle, welche in ihre unterirdischen Jntriguen und die traditionelle Art und Weise ihres Wirkens eingeweiht sind, ist das jedoch klar und verständlich. Aber zur Zeit einer solchen Niederträchtigkeit und anderseits eines solchen Uebergewichts des Judentums hat kein Mensch den Mut, die Wahrheit öffentlich zu erklären. Jawohl, die „Alliance israelite universelle“, welche vom früheren französischen Justizminister Eremieux gegründet worden ist, hat die sozialistisch-revolutionäre Bewegung in Rußland und Polen organisiert, sie ist es auch, welche ihr Geld und Waffen besorgt und sie leitet. Zu welchem Zweck? Ganz einfach, um die Regierung der Möglichkeit einer gleichmäßigen Anwendung von Gesetzen zu berauben und um das Werk des Panjudaismus zu beschleunigen. Aber die russische Regierung fühlt die heilige Pflicht, das Volk vor solchen geheimen Machinationen in Schutz zu nehmen vor dem ungeheuren Appetit dieser Kosmopoliten, und zwar aus demselben Grunde aus welchem England und die Vereinigten Staaten von Amerika ihren Besitz vor der chinesischen Flut wehren. Also Hunderte von verführten Polen gehen in den Tod, Tausende von ihnen schmachten in den Gefängnissen und ihre Familien sterben Hungers, nur um der „Alliance israelite universelle“ oder dem Judenbunde zu ihren großen und edlen Zielen zu verhelfen. Der Generalgouverneur von Warschau, welcher dies ebenso gut weiß wie ich, und vielleicht noch besser, da er in seiner Hand die diskretionäre Gewalt hält, hat ein untrügliches Mittel zur Wiedereinführung der Ordnung. Dieses Mittel ist die Auferlegung einer Kontribution von einer Milliarde Rubel auf alle Juden des ganzen Landes nach jedem verbrecherischen Attentate. Die Revolution wird aufhören wie mit einem Zauberschlage, denn ich weiß mit größter Sicherheit, daß die national-polnische Partei daran keinen Anteil hat. Von meinem Briefe können Sie einen angemessenen Gebrauch machen. Hochachtend m Fürst N. Urussow. früherer Adelsmarschall. Vor einigen Tagen hielt Privatdozent M i k 0 l s k i dem Zaren einen Vortrag, worin er als einzigen Machtfaktor in Rußland die Juden bezeichnete und, von K 0 k 0 w z e w, B u l y g i n und T r e p 0 w unterstützt, energische Maßregeln gegen die Juden forderte, während er sonst die freiheitliche Bewegung als geringfügig und leicht zu unterdrücken schilderte. Die blutigen Tage von Kischinew werden also wieder erneuert. Wie ein grimmiges Raubtier stürzt sich in einzelnen russischen Städten von neuem der Mob auf die Judenschaft, mißhandelt oder tötet sie, plündert ihre Häuser und Läden und legt Feuer an die Stätte der Zerstörung. Die Be-