Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1905)
- Issue
- 18 (5.5.1905)
- Date
- 1905-05-05
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 286 Dr. ©locb’s Mocvenscbrm. Nr. 18 schulen, so in Nechhba, Neuötting, Lukawetz, Naceradetz, hier in Ledetsch <12 Jahre) und zuletzt in Svetla seit dem Jahre 1894 als Dispens- Rabbiner, Kantor re., wo er sich einer besonderen großen Beliebtheit bei der israelitischen Gemeinde und wegen seiner sprichwörtlichen Friedfertigkeit auch bei allen Stadtbewohnern erfreute. Am Leichenbegängnisie beteiligten sich die Lehrer der Volks- und Bürgerschule mit sämtlichen Schulkindern, die Stadtverlrctung als auch viele Bürger, der Dechant und bischöfliche Vikar Herr F. Chaloupka und der Katechet. Weiters: das Gendarmerie-Kommando mit der zugeteilten Mannschaft; Direktor und Obmann der Bezirksvertretung Herr K. Seidler, alle Beamten der hiesigen Graf Thun-Hohenstein'schen Herrschaft, die Beamten der Station Svetla, (Oe. N.-W.-B.) und viele Fremde. Von Kultusgemeinden waren persönlich vertreten: Habern, durch Rabbiner Stern und dem Kultusvorstand-Stellvertreter H. Lustig; Deutsch-Brod: Rabbiner Singer (die Gemeinde kondolierte telegraphisch). Ledetsch war vertreten: der Rabbinatsverweser M. Mandl, Kultnsvorsteher Reich; von der Chewra-Kadischa die Herren: Bauer, Freischberger, Steiner s e n. und j u n. und a. m. Schriftlich kondolierten die Gemeinden: Czaslau, Goltsch-Jenikau, Hnmpoletz, Wittingau, der israelitische Landeslehrerverein für Böhmen in Prag rc. Am Zentralfriedhofe hielt Herr Hoch, Rabbiner aus Czaslau, die Trauerrede in czechischer Sprache, Herr Rabbiner Singer sprach Abschiedsworte in ieinem, sowie im Namen aller Kollegen, und zuletzt namens der schwerbctroffenen Gemeinde der Kultusvorsteher Ludwig Müller. Nach dem Leichenbegängnisse versammelten sich die Gemeindemitglieder im Trauerhause, um menaebem aveklim zu sein, wobei — da es schon 1 Uhr mittags war — das Mmchagebet, welches Herr Mandl-Ledetsch vortrng. im Lterbezimmer verrichtet wurde. Möge der Vater der Witwen und Waisen der tiefbctrübten Gattin und deren 2 Kinder Trost und Mut verleihen; möge dem Verstorbenen die Erde leicht sein und sein Andenken stets gesegnet bleiben. LI. LI. Oberkantor Bachmann gestorben. Budapest. Die hiesige israelitische Kultusgemeinde hat abermals einen schweren Verlust zu beklagen. Der Oberkantor der Rombachgaffen-Synagoge Jakob B a ch rn a n n ist Sonntag, 30. April, nachmittags 3 Uhr, 61 Jahre alt, gestorben. Der Verblichene, einer der hervorragendsten Vertreter jüdischer Gesangskunst, erfieute sich in Fachkreisen eines europäischen Rufes. Noch an den letzten Feiertagen ergötzte er die Gläubigen mit seinem unübertrefflichen Gesangsvortrage. Er litt seit Jahren an Asthma; dieses Leiden verschlimmerte sich derart, daß er demselben nach kurzem Todeskampfe erlag. Eine Witwe, geb. Büchler, sowie drei Söhne und zwei Töchter, ferner ein Sohn aus erster Ehe, Redakteur eines Oveffaer Blattes, betrauern den Heimgegangenen. Jakob B a ch m a n n wirkte schon als sechzehnjähriger Jüngling als Kantor in Konstantinopel. Später wirkte er in Lemberg und bald darauf in Odessa. Als im Jahre 1884 die Stelle eines Kantors in der Rombach-Synagoge vakant wurde, berief die hiesige israelitische Gemeinde Bachmann, der nach zweijährigem Probedienste definitiv angestellt wurde. Dem verlockenden Rufe nach Paris und später nach New-Aork leistete er nicht Folge. Bach mann war Verfasser der berühmten Sammlung von Tempelgesängcn „Schiros Jakob". Das Leichenbegängnis fand vom Trauerhause (Kleine Nußbanmgasse 2) aus Dienstag, 2. Mai, nachmittags 3 Uhr, statt. Rabbiner Dr. Julius W e i ß b u r g hielt daselbst die Leichenrede, während die beiden Tempelchöre vereint unter dem Oberkantor Professor Lazarus den gesanglichen Teil der Zeremonie besorgten. Im neuen israelitischen Friedhofe, wo die Beisetzung erfolgte, hielten die Oberrabbiner Moriz F e l d m a n n und Dr. Samuel K o h n ergreifende Reden. Würzburg. Am 13. Mai d. I. feiert unser allverehrter Herr Distriktsrabbiner Nathan Bamberg sein 25 jähriges Amtsjubiläum. Wie wir hören, rüstet sich die Gemeinde, sowie der Distritt und eine große Anzahl Freunde und Verehrer des Jubilars, diesen Tag in festlicher Weise zu begehen. Auch die israelitische Lehrerbildungsanstalt in Würzburg, ihre früheren und derzeitigen Schüler, die in dem Herrn Distriktsrabbiner seit fast 27 Jahren ihren selbstlosen, emsigen und tätigen Direktor sieht, hat sich entschlossen, jetzt erst das Jubiläum ihres Leiters zu begehen. Nicht minder werden es sicherlich die zahlreichen, nach tausenden zählenden Paare, die nach des Jubilars beredten Worten den religiösen Bund ihres Herzens durch ihn schließen ließen, es sich nicht nehmen lassen, ihre Huldigung dem religiösen Oberhaupt der Würzburger Gemeinde an seinem Ehrentage darzubringen. Wie wir hören, ist als eigentlicher Hauptfesttag, da Sabbath für dergleichen Feiern nicht geeignet, Sonntag der 14. Mai festgesetzt. Sofia. Die hiesigen Schulen der „Alliance" wurden kürzlich durch den Minister des öffentlichen Unterrichts Doktor Chichmanoff eingehend besichtigt. Die Kinder hatten besonders zu zeigen, wie weit sie die bulgarische Sprache und Geschichte beherrschen. Der Minister war sehr befriedigt und sprach mit großer Anerkennung von der Wirksamkeit der „Alliance" im Orient. Feuilleton. Aus finstern Zeiten. Eine Erzählung ans dem jüdischen Leben Galiziens vor fünfzig Jahren Von Nathan Samuely. Zweites Kapitel. „Wie Ihr, meine lieben Kinder, wisset, war ich Schneider; aber nicht die Erziehung bestimmte mich für diesen Beruf, sondern das launige Schicksal, das oft ein gar übermütiges Spiel mit dem Menschen treibt, ihn wirft und schleudert, daß er jedesmal in eine andere Lage zu liegen kommt. Meine Eltern waren wohlhabende, ja reich" Leute, erzogen mich in Wohlstand, ließen mich in vielen Dingen unterrichten und bestimmten mich vorzüglich für das Talmudstudium. Harte Zeiten jedoch, die über sie kamen, beraubten sie nach und nach ihres ganzen Vermögens, so daß sie bei ihrem Tode mich ganz arm und unbemittelt zurücklicßen. Die Eltern meiner Frau, die als sehr reich galten, achteten in mir mein jüdisches Wissen und gaben mir ihre einzige Tochter zur Frau. Allein, wie erwähnt, galten sie nur als reich, denn auch sie starben als blutarme Leute. Aller Hilfsmittel bar, wie ich damals zurückgeblieben bin, war mir nichts anderes übrig, als mein inneres Kapital anzugreifen, und so wurde ich Melamed. Nach kurzer Zeit jedoch warf mich dieser schwere Beruf auf das Krankenlager, und als ich wieder genas, schärfte mir der mich behandelnde Arzt ein, ja diesen Beruf aufzugeben, es sei denn, daß ich es mit dem Leben kurz machen wollte. Ich mußte mich nun nach einem anderen Berufe Umsehen und der war nicht lange zu suchen. Der Posten eines zweitenSynagogendiencrs.Mein Vorgesetzter, der erste Synagogendiener, hatte neben seinem heiligen auch einen weltlichen Beruf, er war Flickschneider. Hin und wieder nähte er auch neue Gewänder, aber nur solche, die nie aus der Mode kommen, nämlich die der Toten. Mit ihm immer im Verkehr, erlernte ich nach und nach seine Schneiderkunst, die auch nachher mein einziger Beruf geblieben ist. .. So kam es, daß aus dem Sohne reicher Eltern ein Melamed geworden ist, aus diesem ein Synagogendiener und aus diesem endlich das Totenschneiderlein." Der Blinde ließ sich von uns das ausgelöschte Pfeifchen wieder in Feuer setzen, blies einige Rauchwölkchen, versah seine Nase mit einer tüchtigen Prise und fuhr langsam fort: „Also ich war Totenschneider. Gar Manche würden glauben, daß so ein Beruf Einen tottraurig macht, allein Alles wird- Gewohnheit. Ich zählte damals kaum sechsundzwanzig Jahre, war von Natur ein heiterer Geselle, und wenn ich so mit meinem treuherzigen Weibe, — seliger Friede sei mit ihr! — beim Nähtischchen saß, fühlte ich mich durchaus nicht unglücklich, ja, nicht selten erklangen während unserer traurigen Beschäftigung heitere Liedchen aus unserem Munde, und die Nadel flog und tanzte gar lustig über die Leinwand hin... Warum auch traurig sein? Deuten doch unsere Weisen die Worte unserer heiligen Schrift: „und Gott sah, daß es gut war — gut ist der Tod!" In der Tat ist ja auch der Tod gar oft ein liebevoller, barmherziger Erlöser. Das sind übrigens Gedanken, von welchen ich nur jetzt erfüllt bin, damals beschäftigten mich vielmehr die Wünsche des Lebens. Ich wünschte, daß uns Gott Kraft zum Arbeiten gebe und daß uns Gott unsere beiden Kinder, nämlich unsere Jankele und unser Ziehkind, die kleine Rachele, gesund und frisch erhalte. Rachele war das Kind meiner Schwester, das ich nach dem Ableben ihrer Eltern zu mir ins Haus genommen. Beide Kinder waren fast gleichen Alters. Ueberfluß konnte ich ihnen natürlich nicht bieten, ja, sie mußten sich schon in ihrer zartesten Kindheit an mancherlei Entbehrungen gewöhnen, aber das trockene Stückchen Brot rötete und rundete ihre Wänglein so voll und so schön, wie kaum der beste Leckerbissen die Kinder der Reichen. Jankele und Rachele schienen fast wie verwachsen in einander, ohne das eine wollte das zweite nicht essen, nicht trinken, nicht schlafen gehen. Fast gleichzeitig erklang