Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1905)
- Issue
- 18 (5.5.1905)
- Date
- 1905-05-05
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Dr. Bloch’s Iahrga«, XXU J. R-.18 Centralorgan für die grsammten Interessen des Iudenthums. X -. -■■=* A. ft. xostsxarraffrn-Amk Clearing-Verkehr Nr. 810.976. | Lrdartton und Administration: wir« IX/1, Verggapse Nr. 39. 's»«««»»»»» Nr. 14.847. | X- .. =X Dien, 3. Mai 1V03. ->—n- - Lrsch eint jeden Freitag. - ■> -<> ««fr- Brief-Adresse: Wien, IX/1, Berggaffe SS. Telegramm-Adresse: Bloch's Wochenschrift, Wien. . -X Vrprgsprri» für Srstrrrrtch: Halbjährig 8 Kronen. Einzelexemplare 50 Heller, Für'» Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 » Anzeigen: Die4malgespaltene Petitzeile 24 Heller. x- .- * Inhalt: Leitartikel: Zum Schächtverbot des Wiener Gemeinderates. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Glossen zur Tagesgeschichte. Zur Schächthetze. — „Oesterreichisch-Jsraelitische Union". — Korrespondenzen: Die Eingabe der Kultusgemeinde. Dr. Moritz Topolanski. Israelitischer KuUusvorstand in Wien. Innsbruck. Das Hiisswerk für die russischen Emigranten. Aufruf. Berlin, Petersburg. — Vermischtes: Wien. Prämien-Verteilung an Handwerksgehilsen und Lehrlinge. Verein »Ferienheim". Hermanmostec, Olmiitz, Böhm.-Neustadtl, Prag, Kopreinitz, Zablotow, Triest, Ledetsch. Obeikantor Bachmann gestorben. Würzburg, Sofia. — Feuilleton: Aus finstern Zeiten. — Briefkasten. — Inserate. D«m Schächtorrdot dr» Wiener Gemrmderates. .110V' n'bw dis 'nmi Hosea 13, 2. Man darf sich darüber nicht allzusehr verwundern, daß die extrahumanen, so menschenals tierfreundlichen Herren im Wiener Rathause zu derjenigen Art des Schlachtens Stellung nehmen, welche das mosaische Gesetz dem srommglüubigen Israeliten vorschreibt. Denn nachdem die Wohlweisen und Hochmögenden bereits alles wundervoll ansgeführt und glücklich zu Ende gebracht haben, was in ihr eigentliches Ressort einschlägt, als: die Rettung des kleinen Mannes, — der Rathauskeller, — eine städtische Musikkapelle, — Lehrervergewaltigungen, — Beamtenpräterierungcn, — nachdem also ihr Programm vollständig erschöpft, ihre Versprechungen insgesamt pünktlich eingelöst sind, bleibt ihnen wahrlich gar nichts anderes mehr zu tun übrig, als sich mit den jüdischen Religionsgeboten zu befassen. Ganz müßig gehen und ihre unendliche Weisheit am Ende gar eiurosteu lassen, das wollen sie ja schließlich doch nicht. Sie lechzen förmlich nach Betätigung. Man kann doch nicht immer Sodawasser beim Wimberger trinken und anthropologisch-ethnographische Studien.machen. Die Wiener Bevölkerung ist bekamultch bereits gerettet und befreit, die Bürgergarde ist bereits in Vorbereitung begriffen — es bleibt also wirklich nichts anderes mehr übrig, als der durch die grausamen Prozeduren der jüdischen Schächrmethode gemarterten armen Tierwelt im Eilschritt zu Hilfe kommen. Die Herren, welche dem famosen Schußgeld seinerzeit beifallstrunken zujubelten und „Da capo! Bravo!" rieseu, als es hieß, die Juden seien gar keine Menschen und wen, erst geköpft und sodann. gehenkt zu werden, natürlich in eigener Regie, trotz der erhöhten Auslagen, die das verursacht — dieselben Herren fühlen sich jetzt zur Milde gestimmt, gerührt und weichherzig hingezogen zum lieben Vieh. Die Sympathie ist eine unberechenbare, geheime Macht, sie zieht ihre stillen Kreise von Einem zum Andern hinüber. Der jüdische Hausierer flößt dem echten Antisemiten ein unsagbares Grauen ein. Ekel und Abscheu erfaßt ihn bei seinem Anblick; — aber dem Ochsen, Kalb und Schaf fühlt er sich wahlverwandt und schließt es tief gerührt an sein Herz! Der Wahnwitz des Rassenkultus in seiner tierschützlenschen Verkleidung erinnert an das Wort des Propheten Hosea, welches an der Spitze dieser Zeilen vermerkt ist. Aber ein Andres fällt auf beim Lesen der Verhandlungen im Wiener Rathaus! Sollten den Herren, insbesondere dem katholischen Priester, Professor Dr. Laux, die Stellen aus der Ap o st e lg e s ch ich t e Kapitel 15, 20, und namentlich Kapitel 21, 29 so ganz aus dem Gedächtnisse entschwunden sein?! Da müssen wir ihnen doch gleich ein wenig erinnernd zu Hilse kommen. Es heißt wörtlich im Evangelium: „Denn den Gläubigen aus den Heiden haben wir geschrieben und beschlossen, daß sie nur sich bewahren sollen vor dem Götzenopfer und vor dem Blute und vor Ersticktem", — das ist vor dem nicht nach jüdischer Weise geschlachteten Fleische! Die Apostel aßen nur geschächtetes Fleisch! Jesus Christus hat niemals anderes, als solches Fleisch zu sich genommen. Und seine Jünger befahlen ausdrücklich den Genuß nur solchen Fleisches an. Sie begründen ihre Vorschrift mit dem Hinweis auf das Gesetz Mosis. Man wird doch von antisemitischer Seite die Slifter der christlichen Religion hoffentlich nicht der Gutheißung tierquälerischer Handlungen zeihen wollen. Die ersten wissenschaftlichen Fachmänner haben in dem Schächten nicht nur keine Tierquälerei erblicken können, sondern ganz im Gegenteil, es als humau und praktisch empfohlen. Professor Zürn in Leipzig nennt das Schächten „eine der besten Schlachtmethoden, die es gibt", Professor Gerlach, Hannover, empfiehlt es sogar als die „humanste Schlachtmethode, die allgemeine Einführung verdiente". Die bekannten Biedermänner im Wiener Rathause erklären all diese Männer der Wissenschaft für „bestochen". Allein am 8. Dezember 1899 hat sogar der Landtag von Mecklenburg-Schwerin einen Antrag auf Erlaß eines Schächtverbotes mit Uebergang zur Tagesordnung gebrandmarkr. Die mecklenburgi'che Volksvertretung kann auch die skrupelloseste Schmähsucht sonderlicher Voreingenommenheit für Juden und Judentum nicht verdächtigen, und schon das gibt ihrer Stellungnahme erhöhte Bedeutung: sie kann nur von sachlichen Erwägungen eingegeben sein. Des Ferneren