Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1905)
- Issue
- 17 (28.4.1905)
- Date
- 1905-04-28
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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^W17 Dp. BlOCh’S Jahrgang XXIl Centralorgan für die gesammtrn Interessen des Iudenthums. Wie«, 28. April 1UV5. -^- Erscheint jeden Freitag. -4-H^- Brief-Adresse: Wien, IX/1, Berggasse 39* Telegramm-Adresse: Bloch's Wochenschrift» Wien. LrMgLxrri» fltr Srstrrrrich: Halbjährig 8 Kronen. Einzelexemplare 5V Heller, Für'» Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Banzjährig 20 » Anzeigen: Die4malgespaltene Petitzeile 24 Heller. X ■ - W =X S. ft. Postsparraffen-Arnt Clearing-Verkehr Nr. 810.978. Lrdartton und AdnrirlistraNon: wir« IX/1, Verggassr Nr. 39. Talephon Nr. 14.847. « =-U Znkalt: Leitartikel: Abwehr. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Glossen zur Tagesgeschichte. — Die wahre Bedeutung von Maimonides. — Gesang nnd Spiel der Leviten. — Die „Bens Hadani in der jüdischen Literatur des IX. und X. Jahrhunderts. — Korrespondenzen: Rabbiner M. Kayserling. Prag. Israelitischer Nächstenliebeverein in Prag. Das russische Hilfskomitee in Mährisch-Ostrau. Czernowitz, Kromau. Die offizielle Judenhetze. Juden auf dem Schlachtfelde. — Vermischtes: Kranzablösungsspenden zugunsten der Chewra-Kadischa in Wien. Wien. Handwerker-Sederfeier. Karlsbad, Wieliczka-Klasno, Olmütz, Mähr.- Weißkirchen, Lemberg, Fiume, Bupapest, Temesvar, Lissabon. — Feuilleton: Aus finstern Zeiten. — Literatur — Neue Bücher. Briefkasten. — Inserate. Abwehr, Zwei Vorträge. Von I. v. D—f. III. (Schluß.) Der Herbst brachte die Nachricht, daß in Jekaterin o s l a w bei den Mobilisierungen am 27. September 1904 viele Juden verwundet wurden; war es im Sinne des ersten Ediktes des Zaren nach der Geburt seines Sohnes (in welchem der Autokrat das Los der Juden gnädigst zu verbessern versprach), wenn Reservisten und Vagabunden (wie die Berliner Nachrichten erzählen) die Israeliten plünderten? Das Edikt ist seither verschollen, wie es den Anschein hat, und im März 1905 hörte man sogar von Tausenden Juden, welche Rußland verlassen; mußten; das ist die berühmte „Verbesserung des Loses". Es können auch Edikte bloß auf dem Papiere erscheinen, wie aus diesem Falle zu ersehen ist. Die Geburtstagsfeier Dr. Lueger's (im Oktober 1904) wurde leider durch „Lumpen" gestört, d. h. durch Solche, welche er dazu ernannt hatte. Es gab zahlreiche Gruppen, welche an dem Abende vor dem Rathause gegen diesen Ehrentitel protestierten, und ich glaube, die 1. Mai-Feiern gehen meist ruhiger vor sich, als die christlich sozialen Wahlversammlungen. In Sachen der „Wiener Freiwilligen Rettung s g e s el l s ch a f t", der schon vor Jahren mit unwiederholbarer Motivierung die Subvention entzogen worden war, obwohl Wien stolz sein könnte, die Humanität aller Klassen, Rassen, Nationen und Parteien im Interesse Aller geweckt zu haben, — ist ein Magistratsauftrag (Ab. X, Z. 6081—4) in die Blätter übergegangen, welcher eine Spitze gegen das Institut hat: Requisitionen der „Freiwilligen Rettungsgesellschaft" durch kommunale Organe find nach Tunlichkeit zu unterlassen, weil Krankentransporte durch die städtische Sanitäts-Station ausgeführt werden. Sollte solch' feines Empfinden nicht auf einem anderen Gebiete besser zur Geltung kommen? Hier nur ein Beispiel. In nächster Nähe der Stefans- und Franziskanerkirche nämlich, neben einer Handelsschule, in welcher auch Schülerinnen verkehren, also in den Parallelstraßen der Singerstraße ist seit einigen Jahren die Prostitution sehr zur Last der An wohner geworden. Es gab sogar Bitten um Abhilfe bei dem Polizeipräsidenten. Es half jedoch keine Beschwerde; vom Polizeipräfidenten kam keine Antwort. Das Unwesen wird weitergetrieben und belästigt die Familien, welche diesen Teil des I. Bezirkes bewohnen. Wo ist da der ftomme Aufblick, die Rückficht für das sittliche Gefühl, die Achtung für „christlichen Lebenswandel"? Es ist oft ein Lärm bei Nacht, daß man erwacht und an Tumulte glaubt; — Bacchanalien sind es. Das Zentrum Wiens könnte doch ein vornehmeres Bild am Abend zeigen, als das bestehende sst. Es ist gelungen, die Geißel aus einigen Nebenstraßen zu entfernen; in den Hauptverkehrs-Adern blüht das Gewerbe auf offenem Markte. Warum gerade gegen den humanen Rettungsverein so reserviert? Erfreulich ist es, daß das katholische Zentrum, (wie die „Neue Freie Presse" vom 21. Oktober 1904 berichtet) sich gegen die „Art von Antisemitismus", wie er von den Christlich-Sozialen betrieben wird, erklärte. In der Resolution vom 20. Oktober bezüglich der Annäherung beider Parteien wird mit Bedauern bemerkt, daß die Sprache einzelner Organe und Parteigänger diese Annäherungsehrerschwert. Soll ich noch von den Wahlen sprechen und der Flut von Aufrufen, Korrespondenzkarten, (sogar Porträt-Reihen), mit welchen das Agitationslokal im erzbischöflichen Palais (I., Stefansplatz 7) die Stadt überschwemmt? Man rühmt sich darin der Ausführung großer Werke — die zum Teile längst geplant waren; man verschweigt aber, daß mit so großen Anleihen auch früher das Alles hätte gemacht werden können. Die Verschönerung Wiens leidet zwar unter dem Style der Bauten, die auf dem Karlsplatze in den zwei Vogelkäfigen der Stadtbahn ihren stylvollsten Höhepunkt erreichten, ein Ausbund von Geschmacksverirrung neben — der schönen Karlskirche! — Und, welches Entsetzen für die Urheber solcher Kunst-Irrungen: In Paris nannte man 1900 solche unschöne, architektonische Linien, überhaupt die' modernen Wiener Kunstformen: „Le style des juifs en Autriche“! Man kennt Wien nicht. Man spricht von 400 Millionen in 9 Jahren. Gemeinderat Zifferer hat am 2. Mai 1904 die Finanzgebarung einer eingehenden Kritik unterzogen. Wir meinen,