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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-04-21 · 16 (21.4.1905) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
16 (21.4.1905)
Date
1905-04-21
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Dr. Blocfi’s Jahrgang XXII Centralorgan für die gesammten Interessen des Iudenthums. -M A. k. Pofispsreagen-Arnk > Clearing-Verkehr Nr. 810.876. i LrdarNon und Administration: Wir« >IX/1» Verggafsr Nr. 38. Telephon Nr. 14.847. Wen '21. April 1905. 4- — -W Erscheint jeden Freitag. -•>— 4 i - Brief-Adresse: Wien, IX/1» Berggaffe SS. Telegramm-Adresse: Bloch's Wochenschrift» Wie«. B«|u0spttia für Srstrrreich: Halbjährig 8 Kronen. Einzelexemplare SO Heller, FLr'» Aweland r Halbjährig 10 Krone«. Ganzjährig 20 „ Anzeigen: Die4malgespaltene Petitzeile 24 Heller. X- Znbalt: Leitartikel: Abwehr. — Ostafrika. — Eine jüdische Gesellschaftsreise nach Palästina. — Die „Bens Hadani" in der jüdischen Literatur des IX. und X. Jahrhunderts. — Korrespondenzen: Verein zur Erhaltung eines Heimes für israelitische Handelslehrlinge in Prag. Der Umgang mit Menschen nach dem Talmud. „lieber die Sabbathianer". Bromberg. Purimfeier zugunsten der jüdischen Auswanderer in Altona. Seligmann und Wittelsbach. Paris. London. Ein jüdischer Dichter Rumäniens. Ein Roman aus demNewyorker Ghetto. Die Juden in Südafrika. Brasilien. — Verui lschtes: Verein zur Abwehr des Antisemitismus. Wien, Leitmeritz, Krems a. D. Leichenbegängnis Ludwig v. Krauß. — Feuilleton: Frauenleben« — Literatur. — Neue Bücher. — Der Wert des Weibes. — Briefkasten. — Inserate. Abwehr Zwei Vorträge. Von I. v. D—f. II. Böse Nachrichten! Rußlands Niederlagen find „I u d e n e r f o l g e!" So schreiben fie, so rufen sie, so lügen fiel Maßlose Kurzsichtigkeit, welche das Volk den Popen auslieferte und die Juden erdrückte, weil diese schärfer sehen und politisch reifer sind. — Wären Judenaugen denn schwächer im Dienste des Zaren? Kämpft der Jude nicht für Rußland ebenso? Fließt sein Blut nicht ebenso? Das will man wohl, seine ärztliche Kunst auch, sein Geld schon gar, aber nur nicht seinen Kopf, denn der ist klug, daher gefährlich. Der Judenhaß in Rußland ist anerzogen, von oben geschützt, er ist ein Stück der Staatsreklame, er ist der Brocken, den man den rohen Instinkten des unwissenden Volkes hinwirft; der in Wien war vorerst aus Spree-Athen nur importiert worden; er wurde künstlich gezüchtet, er gedieh, trotz aller Fanfaronnaden von Kulturfortschritten, trotz aller Ruhmrederei über technische Erfolge, Verbreitung der Kultur, trotz aller redlichen Bemühungen wahrer Volksfreunde für Austlärung und Bildung des Volkes. Er gedieh und man langte dort an, wo man nicht mehr das Recht hatte, vom „schlechten Einst" und „besseren Jetzt" zu sprechen, denn das Einst war besser gewesen. Was die Jahre 1902, 1903 und 1904 an Verhöhnung des Bildungs-Liberalismus, Beschimpfung des geistigen Strebens, an Haßbomben gegen die Menschenrechte in Wort und Schrift gebracht, ist erschreckend. Das XX. Jahrhundert will das XIX. übertrumpfen; allen voran schreiten die Blätter der Partei in saloppen Darstellungen, welche die Volksverwilderung im Bilde nachspiegelt, die zur Großmacht geworden in der Kneipe, die Fusel sind fiir gemeine Seelen und Gift für Solche, welche noch besserer Regungen fähig wären. Einer der verbreitetsten Massenhaß - Kündiger ist der „Kikeriki"; eine höhnische Chronik der D 6 c a d e n c e des einstigen „goldenen Wiener Herzens". Er stellte die Juden als Verbrecher hin, er zeigte vor acht Jahren Lueger mit der Dornenkrone; aber, merkt Euch, er verdankt seine Existenz der Freiheitsära Schmerling! Im Jahre 1878 sah ich, wie er Taaffe noch auf den Trümmern seiner Projekte trauernd zeigte; aber nicht lange nachher nahm Taaffe zu Pferde alle Hindernisse. Dasselbe Blatt brachte 24 Jahre nach vollzogener Häutung eine in der Grünangergasse öffentlich angeschlagene „Todesanzeige des Liberalismus" (seines eigenen Vaters, dem er ungetreu geworden). Als Beweis der Auswahl politischer A g i t at i o n s m i t t e l für die Besucher des nahen Kellers in der Singerstraße sei hier zitiert: „Der Liberalismus von „christlich-deutschen" Eltern (man ist so wahrheitsliebend, das zuzugestehen) ist gestorben"; unter den Leidtragenden erscheinen Adler, Benedikt, Scharf, Kronawetter, Kudlich N o s k e, Philippovich, B. v. Suttner, Marchet, Bölkl. Nicht minder gefährlich waren die Reden; qualitativ die am meisten zündende: „M inenarbeiten des Judentums" im V. Bezirke, gesprochen*) vom Landtags-Abgeordneten Sturm. Da gibt es schöne Redeblumen, die jetzt folgen: 1. „Jeder Schuß am Balken ist mit von „Juden bezahltem Pulver gefallen." Dann 2. „Juden find es, welche diese Mörderban d e (Anarchisten) gegen den Zaren ins Feld schicken." Man braucht ja nur ohne Kommentar zu zitieren, damit man erkenne, daß es sich dabei stets um den I u d e n h a ß, nicht um die Liebe für Rußland handelt. 3. „Genf ist die Veste des D r e y f u s - Syndikats" — in Genf ist der S o m m e r s i tz des (Pariser) Rothschild. 4. „Der Zionismus ist nichts anderes, als eine neue Form des Zusammenschließens der Juden, um derWelt Sand in die Augen z» streuen" rc. rc. Nach Kischenew, Mohilew, Könitz; nach Homel, Xanten und Tißa-Eßlar-genü^ ja das Stillschweigen über den „Terrorismus der Rufer; unsere Stimmen find klarer, aber nicht stärker und rauher und Gewalt will da das Recht, das Faustrecht, das wiedererwachte, vor 800 Jahren herrschende und verdammte. Daß nach Kischenew eine bittere Judenverfolgung in Galizien sich abfpielte, bei welcher Amtspersonen *) „Deutsches Volksblatt". Nr. 5504 vom 1. Mai 1904.

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