Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1905)
- Issue
- 12 (24.3.1905)
- Date
- 1905-03-24
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 12 Dr. JBlocb’s Mocdenscdrlkl. Zette 185 k. Majestät Vorstellung gemacht worden sei, demzufolge die 5 Bethäuser als ausreichend erkannt worden seien. Das Gedränge in den Bethäusern nahm einen solchen Umfang an, daß die Verwaltung genötigt war, ihr Ansuchen auch für die folgenden Feiertage zu wiederholen, aber jedesmal erhielt sie die Verweigerung. In Erfüllung des Allerhöchsten Befehles vom 23. September 1892 wurden ins Svnagogengebäude bis 1. Jänner 1893 zwei Schulen verlegt, die Alexander-Gewerbeschule und die Waisenschule unter dem Namen „Talmud Thora". Es wird hinreichend sein, nur der Reihe nach Dokumente anzuführen, betreffend die Eröffnung und Schließung dieser Gründungen, um ohne Korn mentar die wahren Tendenzen der Verfolger zu durchschauen. Der Minister des Innern hat im Einvernehmen mit dem Moskauer Generalgouverneur und laut dem Gutachten des Unterrichtsministeriums es für angemessen gefunden, die in Moskau nach einstweiligen Statuten bestehende jüdische Gewerbeschule abzuschaffen und der ökonomischen Leitung zur Pflicht zu machen: 1. Vom Tage der Kundmachung gegemvärtigcr Verordnung die Ausnahme von Zöglingen in die genannte Schule einzustellen, 2. die in der Schule studierenden im nächsten Jahre auf keinen Fall in ein und derselben Klasse zu lassen. Besagter Befehl bezieht sich bloß auf die jüdische Gewerbeschule und nicht aus die Waisenschule." Seit 1891 bis 1892 erhoben sich freilich drückendere Schwierigkeiten, weil der Zeitgeist nicht bloß die Beamten betörte, sondern auch die Masse der wohlgesinnten in seine Netze zog. Nach Schließung der Alexander-Gewerbeschule hieß es die Waisenschule ins Synagogengebäude verlegen, wozu nach behördlicher Vorschrift das Gebäude im Innern zu Schulzwecken umgebaut werden sollte. Der Plan wurde vorgelegt, den die Gubernialverivaltung und der Generalgonvernenr bestätigten, 8000 Rubel wurden für den Umbau ausgesetzt. Die mit der Aufsicht betraute Kommission erhob an Ort und Stelle keine Einwendungen, sondern hinterbrachte dem Moskauer General- -gouvsrneur, daß, wenn auch in den Arbeiten keinerlei Abweichung vom gutgeheißenen Plan zu bemerken sei, dennoch aus dem ganzen Charakter der Umänderung die deutliche Absicht spreche, dem Bau ein solches Aussehen zu geben, daß im Falle, als in den Ansichten der Regierung ein Umschwung eintreten sollte, derselbe neuerdings ohne durchgreifende Aenderung in die Synagoge umgewandelt werden könne. Ein solcher „Umweg" erscheint fast verbrecherisch für die reinen Herzen der Beamten. Am 24. Oktober 1897 kam ein neuer Erlaß des Oberpolizeimeisters im Aufträge des Großfürsten Sergius zur Schließung der Waisenschule und zur Umwandlung des Gebäudes in eine andere Anstalt mit folgendem Beisatz: „Zugleich beauftrage ich Sie, die Verwaltung im vorhinein aufmerksam zu machen, daß die Nichterfüllung des Erlasses in der angegebenen Frist und ebenso die Zulassung irgend welcher Abweichung beim Umbau des Gebäudes für seine neue Bestimmung, gleichsam eigenmächtig zugelassen von der Verwaltung bei der Einrichtung desselben für die Anfnahme der Waisenschule „Talmud Thora", unverzüglich den Erlaß über die Ausführung des Allerhöchsten Befehls vom 23. September 1892 nach sich zieht, kraft dessen das zur Synagoge bestimmt gelvesene Gebäude im Bersteigerungswege zu veräußern ist. Ter Revers der genannten Verwaltung über die Bekanntmachung und Verpflichtung zur genauen Erfüllung des ganzen Obigen ist mir vorzuweisen, von dortigem Amt eine strenge Beobachtung über die seinerzeitige Erfüllung des Gesagten einzusühren und über den Verlauf zu berichten. In Vertretung des Oberpolizeimeisters: Oberst Trepow. Kanzleileiter Belgard." Nun ist Sergius nicht mehr — Generalgonvernenr von Moskau und ein Bittgesuch an den Zaren hat genügt, die Pforten des Synagogendomes den Juden zu öffnen. Vorige Woche wurde die Synagoge von Moskau eröffnet. Der erste Gottesdienst war ■ ein Trauergottesdienst für den „verstorbenen" Generalgouverneur Großfürsten Sergius. New-Dork, 12. Jänner 1905. Die Zahl der allwöchentlich zur Deportation verurteilten Einwanderer nimmt nachgerade solch mächtige Dimensionen au, daß sie auch unter den verschiedenen Dampfergesellschaften, welche diese Leute hierher befördert haben und die gezwungen sind, die Deportierten auch wieder auf ihre Kosten zurück zu iransportieren, Bestürzung verursacht. Die Massenaustvanderung aus Süd-Rußland hat während der letzten wenigen Wochen auf Ellis Island Zustände geschaffen, welche der Behörde alle Ursache zu ernstlichem Nachdenken gegeben haben. Tie eingewanderten Israeliten aus Rußland werden zu Hunderten wieder zurückspediert, weil sie zumeist ohne genügende Geldmittel ankommen oder nicht imstande sind, Verwandte oder Freunde im Lande anzugeben, zu denen sie zu reisen gedenken. Tie Deportakionsliste wies auch gestern wieder eine Unmenge russisch-jüdischer Namen auf, und die Leute, jeder Existenzmirtel entblößt und 'ohne Verwandte und Freunde im Lande, befinden sich nach der großen linb kostspieligen Reise in viel schlimmerer Lage als zuvor. Da nun die meisten dieser Bedauernswerten von der Cunard-Linie befördert werden, teilweise über Fiume, teilweise von Triest aus, so hat diese Tampfergesellschaft die Verpflichtung, diese Leute wieder auf ihre Kosten zurück zu transportieren und auch die Kosten der Leute während deren Aufenthalt auf der Insel zu tragen. Mehrere Beamte genannter Gesellschaft waren gestern wieder auf Ellis Island und machten dem Kommissär Williams Vorstellungen in dieser Sache, doch wurde ihnen nur mitgeteilt, daß sich die Einwanderungsbehörden strikt an die Vorschriften von Washington halten und diese befolgen würden, selbst auf die Gefahr hin, täglich tausend dieser Israeliten zurückschicken zu müssen. Wie Kommissär Williams erklärte, bedauert er das Los dieser Leute. Aber es sei Sache der Dampfergesellschaften, dafür zu sorgen, daß Europamüde mit den Einwanderungsgesetzen vertraut gemacht werden. Hierzu sei bemerkt, daß von den drei letzten Schiffsladungen russischer Juden, die von der genannten Linie befördert worden sind, nahezu dreihundert deportiert werden mußten. Gestern verlautete auf Ellis Island, daß noch vor dem ersten April über 15.000 russische Israeliten im New-Zorker Hafen eintreffen würden. Gestern wurden auf der Insel 1828 Emigranten gelandet, und zwar hatte „Kronprinz Wilhelm" 573 gebracht und der „Manuel Calvo" 225. Reichsdeutsche waren nur etwa neun; die Uebrigen waren Deutsch-Oesterreicher und Juden aus Rußland. Deportiert wurden gestern 5-5 Einwanderer, und die Jnquisitionsliste weift 404 Namen auf. Der Frauensaal ist bis zum Erdrücken gefüllt und dort befinden sich an die vierzig Säuglinge. IDermiscbtes. K ranza blösungssp ende» zugunsten der EhewraKadischa Wien, j., Leitenftetteugasse -t für arme kranke Glaubensgenossen. Anläßlich des Ablebens der sel. Jofefine Kohn: Von Heinrich Stern Kronen 3.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Norbert B a u m a n n: Ungenannt Kronen 2.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Jakob Kohn: Von Wilhelm Tycho Kronen 3.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Moritz Ungar: Bon Josef Ehrenreich, Brünn 1».—, Heinrich und Lonise Frisch 5.—. Elisabeth Ungar 10.-. Zusammen Kronen 25.-. Anläßlich des Ablebens der sel. Regine M a n n : Von Carl und Ernst Grünwald, Rnd. Mann Kronen 5.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Emanuel Robitschek: Von Karl Hirsch Kronen 20. -. Anläßlich des Ablebens des sel Tr. Philipp N e u m an«: Von Heinrich Bnrian und Frau Kronen 10. . Anläßlich des Ablebens der sel. Sofie Pribram: Von Komm.-Rat Wolf Pollac;ek 20.—, Frau Ludwig Spiegler 20.—, Leopold Schick und Frau iO.—, Salo, Gynla und Theodor Fischer 10.—. Zusammen Kronen 70. . Anläßlich des Ablebens des sel. Wilhelm Horn: Von Dr. Camill und Frau Berta Kraus 20.—, Komm.-Rat Leopold Hutter und Frau 20.—, Siegfried Fleischer und Frau 20.—, Wilhelm ■wntry‘^mrfywir^'iai BSB