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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-03-03 · 9 (3.3.1905) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
9 (3.3.1905)
Date
1905-03-03
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Sette 142 Dr. Mocb's Wochenschrift. Nr. 9 David wandte sich traurig ab, Sarah aber streichelte sanft und innig das weiche Haar ihres Lieblings und sagte: „Wenn Euer Vater noch lebte, hättet ihr wohl ein Instrument lernen können, und wer weiß, ob nicht gerade David seine Eltern reich gemacht!" — Die Knaben waren' etwa elf Jahre alt geworden, als ein unbedeutender Zufall über ihr ferneres Geschick entschied. Ein berühmter Klaviervirtuose besuchte auf seiner »Reise nach Wien die Vaterstadt der beiden Brüder und kündigte daselbst ein Konzert an. Sein Ruf hatte die halbe Welt durchflogen, man drängte sich also zu den B illets, obgleich sie zu einem hohen Preise verkauft wurden. Jakob und David standen schon lange vor Beginn des Konzertes am Eingänge des Saales; ersterer hatte sich dicht an die Kassa gedrängt und zählte voller Staunen mit den Augen die Einnahmen des Billetverkäufers. „Wer es auch so weit bringen könnte!" sagte er halblaut zu seinem Bruder. „Wir wollen bttten, vielleicht läßt man uns hinter der Türe tauschen," erwiderte dieser, den Ausruf anders deutend. Die Knaben baten den Portier, der Wächter der Pforte wollte aber nichts davon hören und nichts erlauben. „Was versteht ihr Judenjungen von Musik!" sagte er roh, „was kann euch daran gelegen sein, hier hinter der Tür zu frieren?" — „O, für die Musik könnte ich noch mehr als das," rief David. „Nein, das ist wahr, hinter der Türe hilft's mir nichts," setzte Jakob hinzu, da kann ich ihn nicht spielen sehen, und ich muß es ihm abgucken, ich muß reich werden, wie er!" „Hier sind zwei Karten für die Kinder", sagte ein feiner blasser Herr, der unbemerkt heraufgekommen und einen Teil des Gespräches gehört hatte, „und nach dem Konzerte wartet auf mich, ich will noch mit Euch reden!" Der Kastellan verbeugte sich tief. „Das war er", sagte er nach einer Pause fast feierlich zu den erstaunten Knaben. „Er sieht aus wie andere Menschen auch",- murmelte Jakob, „seine Kunst kann also kein Hexenwerk sein!" David küßte die Karte und preßte sie fest zwischen seine Hände, ängstlich um sich blickend, ob auch niemand den Schatz ihm zu entreißen trachte. Das Konzert begann mit Mozarts Ouvertüre zum „Don Juan". Jakob hatte dreist seinen Platz dicht am Orchester gewählt, er wollte durchaus den Künstler spielen sehen, mehr verlangte er nicht. David war von ihm weggedrängt worden und saß hinter einer Säule am Ende des Saales. Als nun die großartige Musik dahergeschritten kam und wie ein Simson an der Säule rüttelte, die den Knaben verbarg, da zerriß der Schleier vor seinen Augen: das ist wahre Musik, fühlte er, erkannte er. Seine Hände fielen zitternd ineinander, sein erschütterter Körper lehnte sich gegen die Säule; so empfing er den Gruß des hehren Mozart-Genius. (Fortsetzung folgt.) Literatur. FrauN O., Der Jude in den deutschen Dichtungen des 15., 16. und 17. Jahrhunderts, Mähr.-Ostrau—Leipzig 1905. Nichts ist gewagter, als den Juden der Wirklichkeit nach dem Juden in Bühnenbeleuchtung zu beurteilen. Der Künstler, der den Juden vor das Rampenlicht stellt, zeichnet ihn gemeinhin nicht nach einem Modell, die Figur des Juden muß aus dem Herzensbedürfnis des Herrn Publicus heraus konstruiert werden. Und dieser hat bis auf verschwindende Ausnahmen, die eben nur die Regel bestättgen, niemals einen Jdealjuden beklatschen mögen. Adolphe d'Ennery sagt einmal: „ . . . ck'estirne qu’au thöätre il ne faut pas lütter le sentiment public. Le premier devoir de rauteur est de plaire au spectateur c'est ä dire de respecter ses gouts et ses habitudes ä, .. si j’avais mis un juif en scene, j’aurais 6t6 naturellement obligd •d’en faire un nsurier ou un eseroe ou un traitre . . un vilain personnage enfin. Cela m’auvait 6t6 ddsagröable puis q u e je suis moi-meine d’origine juive. En revanche, vous y rencontrerez nombre de missionaires catholiques qui se jettent au milien des flammes pour sauver des enfants en p6ril et si je n’ai pas inventö „La croix de ma mere“, comme on Ta dit, je l’ai du moins bien perfeetionnöe." Der Jude auf dem Theater muß ein „mauvais sujet“ sein. Aehnlich wie der Judenstämmling d'Ennery, Scribe's bekannter Kompagnon, urteilt der Conförancier der „Demi-monde“, Dumas, in der Einleitung zur „La femme de Claude“: „H est convenu qu’au thöätre le juif doit etre grotesque“, ähnlich der Autor der „G-räce de Vieu“: „Au thöätre, le juif doit etre odieux.“ Scribe hat es ausgesprochen und Sarcey es wiederholt: „C’est du theätre.“ Nach Alphonse Daudet muß sich die gerade Nase eines Juden im Drama unbedingt zur Judennase umbiegen, und so könnte man die Rundfrage in dulee infinitum fortsetzen, wüßte man nicht, wie selbst ein Shakespeare der Claque — der geschichtlichen Wahrheit ein Faustschlag ins Angesicht — einen Shylok präsentieren mußte. Wenn aber auch nicht auf den Charakter des wirklichen Juden, auf den seiner Feinde fällt reiches Licht aus Thalias Hallen. Hier treten die Stimmungen zutage, die — als unvermeidliche Folge — in mehr oder minder blutigen Judenhetzen ihre Entladung finden. Und darum muß dem Geschichtsschreiber der Judenheit eine Betrachtung des Juden in der dramatischen Literatur manchen wertvollen Aufschluß bieten. Nachdem wir nun von Creizenach, Weber, Vogt, Carlebach u. «.durch die älteren,von L. Geiger u. a. durch die seit dem Beginn des 18. Jahrhunderts in Deutschland aufgeführten Juden oder Judentum streifenden Schauspiele geführt worden sind, bietet uns Frankl in seiner Dissertation die Hand zu einem ähnlichen Botanisierausflug in die deutsche Dichtung des 15., 16. und 17. Jahrhunderts. Das Schriftchen enthält eine fleißige Zusammenstellung des einschlägigen Materials, und wenn wir hier einige Punkte beanständen, so wollen diese Winke nur der geplanten Fortsetzung der Arbeit zugute kommen. Zunächst können wir nicht die Zweckmäßigkeit der Stoffeinteilung „Der Jude als Wucherer", „Der Jude als Hostienschänder" usw. einsehen. Wer die treibenden Kräfte der Judenmassakres kennt, wird in Würdigung der innigen Verknüpfung ihrer Motive für eine solche Arbeit entschieden die chronologische Gliederung bevorzugen. Es brauchte freilich der Stoff weder im Text, noch in den Anmerkungen erschöpft zu werden, aber einfache Hinweise auf Gustav Freytags „Bilder aus der deutschen Vergangenheit" oder auf Geigers bereits überholten „Reuchlin", um die Zeitlage zu schildern, sind doch gar zu dürftig. Der Streit der Kirche und Synagoge ist zu knapp, das Deggendorfer Judenspiel gar nicht behandelt. Namen wie Sandermann, Rupin rc. (S. 12) sind nicht durchaus „ein Kauderwelsch, das nicht zu entziffern ist", sondern zum Teil bekannte jüdische Namen, so Sandermann— Alerander, Rupin—Rüben, Lendikeile für (?) Bendig Elia, Kadrot für (?) Kedorlaomer (Tib Gittin) usw. Soviel an wohlgemeinten Vorschlägen. Hoffentlich läßt uns Frankl auf die Fortsetzung der Arbeit nicht lange warten. —x— Grunwald M, Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde, Heft XV, Berlin, S. Calvary & Co., 1905, 93 Seiten. Preis pro anno Mk. 4.—, pro Heft Mk. 2.50. Das neueste Heft der „Mitteilungen", welches bereits den achten Jahrgang dieser Zeitschrift eröffnet, enthält eine ungemein aufschlußreiche Arbeit des emsigen Sammlers Albert Wolf, Dresden, „Ueber jüdische Kunst und ältere jüdische Künstler". Es ist Herrn Wolf zu wünschen, daß seine so verdienstvollen Forschungen auf allen beteiligten Seiten wenigstens dadurch gefördert werden, daß man ihm mit dem Nachweis biographischer Daten nach Kräften an die Hand geht. So wird der am Schluß seines Aufsatzes ausgesprochene Wunsch, in kurzem eine Fortsetzung bieten zu können, hoffentlich bald in Erfüllung gehen. „Eine jüdische Hochzeit in Südrußland" schildert anschaulich und mit Wiedergabe der originellen Badchenlieder Dr. S. Weisfenberg, Elisabethgrad. „42 Haggadahhandschrift-Jllustrationen", von dem bekannten Bibliothekar der Bibliotheque nationale, Moise Schwab

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