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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-01-27 · 4 (27.1.1905) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
4 (27.1.1905)
Date
1905-01-27
Page
– (sequence 7)
Language
German
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’Jtr. 4 Dr. Mocb's Wocbenscbrtft, Seite 55 treter, als Vizepräsident und zuletzt durch mehr als sechs Jahre als Prädent fungierte. Mit der Geschichte unserer Gemeinde, mit der Entwicklung der Gemeinde und ihre Verwaltung ist der Name Klinger unlöslich verbunden. Die Geschichte unserer Gemeinde, das ist der Wiener Judenschaft, im vorigen Jahrhunderte kann in drei Epochen geteilt werden: Die erste, die Epoche der Rechtlosigkeit, in welcher die Judenschaft Wiens, insoweit man dieselbe als anerkannt gelten lassen mag, 172 Familien umfaßte, deren rechtliche Existenz in vielen Fällen auch nicht über jeden Zweifel erhaben war; die zweite Epoche, in welcher sich ohne Gesetz ein Gewohnheitsrecht herausbildete; endlich die dritte Epoche von dem Zeitpunkte, als die Staatsgrundgesetze und damit den Juden wohl nicht die verbürgten Rechte, wohl aber zumindest das Recht gegeben wurde, sich über erlittenes Unrecht zu beklagen. Die letzte größere Hälfte dieser dritten Epoche fällt in die Wirksamkeit Klinger's. Wenn, wie es manchmal geschieht, über Verschiedenes geklagt wird, was die innere Verwaltung der Kultusgemeinde betrifft, so empfiehlt es sich, an die Zustände zurückzudenken, welche zur Zeit, als Klinger in den Vorstand kam, in der Kultusgemeinde herrschten. So ist es, um nur Einiges zu erwähnen, damals vorgekommen, daß man bei Erledigung von Angelegenheiten nach den diesfälligen Vorakten oder nach den Erledigungen, welche in gleichen Angelegenheiten erflossen waren, vergebens suchte, da es an einer Registratur fehlte. So ist es vorgekommen, daß an diesem Tische ganz ernstlich darüber gestritten wurde, ob überhaupt ein mit der Ueberwachung der Gebäude der Kultusgemeinde zu betrauendes technisch gebildetes Organ zu bestellen sei. Für die Verleihung von Benefizien, für die Anstellung von Bediensteten, für die Regelung ihrer Bezüge fehlte es an bestimmten Normen. Und nun mögen nur noch einige wenige Ziffern den Vergleich zwischen einst und jetzt illustrieren. Im Jahre 1890 waren in allen Bezirken, inklusive der einverleibten Vororte, insgesamt 9865 Steuerzahler mit einer Kultussteuerleistung von rund K 330.000. Heute haben wir von nahezu 20.000 Steuerzahlern eine Kultussteuerleistung von rund K 1,150.000. Die Gesamteinnahmen der Gemeinde betrugen im Jahre 1893 rund K 992.000, im Jahre 1903 K 2,243.000. Im selben Verhältnisse sind auch die Ausgaben gestiegen. Diese Ziffern charakterisieren wohl zur Genüge die Entwicklung unserer Gemeinde, an der in erster Linie und in hervorragendster Weise Heinrich Klinger mitgewirkt hat. Die Regelung der Verwaltung nach den erst angedeuteten und nach so vielen anderen Richtungen, überhaupt die Neuorganisierung der Verwaltung, wie sie heute funktioniert, ist zu großem Teile ein Werk Heinrich Klingers. Gelegentlich seiner ersten Wahl zum Präsidenten — es war dies am 21. Februar 1897 — hielt der Verewigte eine Ansprache, welche es verdient, heute hier wiederholt zu werden. Er sagte u. a.: Als er vor zirka 6 Jahren nach dem Ableben des Präsidenten Arminio Cohn als Vizepräsident des Vorstandes fungierte und nach einer hier gewohnheitsmäßig gewahrten Kontinuität die Voraussetzung bestand, daß ihm das Ehrenamt eines Präsidenten übertragen werden könnte, glaubte er, sich dieser Würde entziehen zu sollen. Seither seien die Zeiten unserer Gemeinde ernster und trüber geworden und angesichts dieser Verhältnisse erachte er es für seine Pflicht, sich auf den Platz zu stellen, auf welchem das Vertrauen des Vorstandes ihn berufen. Er erklärt sohin die Wahl anzunehmen und gibt der Hoffnung Ausdruck, auch das Vertrauen jener Kollegen zu erwerben, welche durch Abgabe leerer Stimmzettel dargetan haben, daß sie ihn noch nicht kennen. Er erklärt, die Pflichten des Präsidenten im Sinne des Statutes stets gewissenhaft zu erfüllen, und erörtert, ohne ein Programm entwickeln zu wollen, unter Betonung des Fernehaltens von jeder Politik den untrennbaren Zusammenhang, lvelcher nach seiner Auffassung zwischen der dem Präsidenten statutengemäß übertragenen Vertretung der Gemeinde nach außen und der Vertretung nach innen besteht. Sein eifrigstes Bemühen werde dahin gehen, das Vertrauen der Gemeindemitglieder zum Vorstande zu stärken und begründeten Anforderungen gerecht zu werden. Die Hoffnung, die er ausfprach, daß er sich das Vertrauen des gesamten Vorstandes erwerben werde, wurde zur Wirklichkeit. So oft es sich darum handelte, dem Verewigten, sei es durch Wiederwahl zum Präsidenten oder auf eine andere Weise das Vertrauen zu bekunden, geschah es stets einhellig und ohne Widerspruch. Unter dem Vielen und Großen, das er geleistet, möchte ich hier seiner hervorragenden Tätigkeit bei der Gründung der Vereinigung der Kultusgemeinden Oesterreichs, des „Allgemeinen Oesterreichischen Israelitischen Bundes" besonders gedenken. Meine Herren! Ich habe, als ich an der Bahre des Dahingeschiedenen in Ihrem Namen der tiefen Trauer Ausdruck gab, als die Leitsterne seines Handelns bezeichnet: Die Wahrung des Ansehens und der Würde des Vorstandes, die Wahrung des Friedens in unserer Gemeinde. Wir ehren das Andenken des Verewigten am besten dadurch, indem wir diese Grundsätze zu den unserigen machen. In kurzer Zeit wird die Reihe der in diesem Saale angebrachten Bildnisse der um die Gemeinde hochverdienten Männer um das Bildnis Klingers bereichert werden; es bedarf dieses äußern Zeichens nicht, um den Verewigten im Vorstande und in der ganzen Gemeinde unvergeßlich zu machen. Sein Andenken ist und bleibt gesegnet für alle Zeiten!" Im Einlaufe befindet sich ein Dankschreiben der Familie der verstorbenen Frau Josefine Wölfler, Witwe nach dem Spitalsverwalter kaif. Rat Dr. Bernhard Wölfler, in welchem dem Vorstande für die Veranstaltung des Leichenbegängnisses der Dank ausgesprochen wird; weiters ein Erlaß der Statthalterei betreffs die Errichtung einer Dr. Adolf und Emma Löwy-Stistung mit dem Betrage von 100.000 bis 150.000 Kronen. An Spenden sind eingelaufen: Von Herrn Albert Landau, derzeit in Nizza, zur Anschaffung von Kohle und Holz für arme Bedürftige K 2500.— „ Herrn Dr. Norbert Klinger im Sinne einer t stamentarischen Verfügung des Herrn kais. Rat Heinrich Klinger s. A. zur Verteilung an Arme am Begräbnistage . - & 400.— ferner zur Verteilung an 20 Arme jüdischer und lOArme christlicherKonftssion jeL20.— „ 600.— „ 1000.— „ Herrn Julius Mauthner anläßlich des Ablebens reiner Schwester, der Frau Berta Spitzer, für die Armen an stall . . - „ 200.— für das Altersversorgungshaus „ 200.— „ 400.— „ Herrn Ignaz Brüll für einen wohltätigen Zweck . . „ 50.40 „ Frau Elise Weiß, Präsidentin des Vereines „Frauenbund" zur Verteilung an l<> Batlonim des XVI. und XVII. Bezirkes.• „ 30 — „ Frau Marie Stern anläßlich des Sterbegedächtuistages des sel. Herrn Sigmund Stern für die Chewra-Kadischa „ 20.— „ „Natzler" zur Ansspeisung armer israelitischer Schulkinder in der Brigittenau . .. 10.— „ „L. G. für die Brigittenauer Schulküche . „ ■ 6— „ Herrn Leopold Friedländer für das israel. Siechenhaus „ 5.— Zum Mitgliede der Bezirkskommission für die Bezirke XII—XV wird an Stelle des ausgeschiedenen Herrn Salomon Beer Herr Samuel Bernhard gewählt. Konstituierung der Kommissionen. Gewählt wurden: Kommission I für Kultus- und rituelle Angelegenheiten: Dr. Maximilian Steiner, Obmann; Max Fleischer, Obmann-Stellvertreter. Kommission II für Unterrichts-Angelegenheiten: Doktor Gustav K o h n, Obmann; Dr. Markus Spitzer, Obmann- Stellvertreter. Kommission III für Friedhofs- und Beerdigungs-Angelegenheiten: Theodor Ritter v. Goldschmidt, Obmann; Wilhelm P o l l a k, Obmann-Stellvertreter. Kommiffion IV für das Spital: Wilhelm K u f s n e r, Obmann; Emanuel Hoffmann, Obmann-Stellvertreter. Kommission V für die Versorgungs-Anstalt: Salo Cohn, Obmann; Dr. Benjamin Rappaport. Obmann-Stellvertreter.

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