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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-01-13 · 2 (13.1.1905) · page 16

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
2 (13.1.1905)
Date
1905-01-13
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Seite 32 Dr. Llocv's Mrocvenscvrltt. Sti. 2 Hieß er Karo, Phylax, Hektor, Rudel? O, er kann, was soll das weit're Fragen, Viel klangvolle and're Namen tragen Von Nationen, Ständen, Glaubensktasscn, Von Erlesenen aus edlen Raffen, Die auch Gleiches oft an sich erfahren, Wenn sie unter falscher Führung waren. Mau muß nicht g'rad an Port Arthur denken, Nach der Mandschurei die Blicke lenken. Wehe, so ergeht es jedem Tropf, Der dem Schweife folgt und nicht dem Kopf! P- Literatur. Der gesteinigte Rabbiner. In Nummer 52 der „Oesterreichischen Wochenschrift" vom 23. Dezember v. I. führt „Ein fleißiger Leser" folgende Stelle aus dem Schlatter'schen Buche „Israels Geschichte von Alexander des Großen bis Hadrian an: In Lydda kam ein Rabbiner in den Verdacht, er neige sich zum Christentum. Man ließ ihn heimlich durch zwei Zeugen beobachten und als durch diese sein christlicher Glaube festgestellt werden konnte, wurde er gesteinigt." Der „fleißige Leser" fragt nun bei den Talmudgelchrten an, wo denn die Quelle für diese Schlatter'sche Behauptung im Talmud zu finden sei, hat aber bisher von keiner Seite eine Antwort erhalten. Der Grund davon ist, weil eben eine solche Quelle, außer vielleicht der von ihm selbst vermuteten, sich meines Wiffens nirgends im Talmud findet. Gleichwohl möchte ich nicht behaupten, daß Schlatter's zum Christentum sich hinneigender gesteinigt:!Rabbiner ein von ihm erdichtetes Luftgebilde sei. Ich bin vielmehr der Meinung, daß derselbe ein Mixtum compositum ist, zu dem verschiedene talmudische Nachrichten, die sich im Gedächtnisse Schlatter's mit einander vermischt, die Jngredenzien geliefert haben. Diese Jngredenzien sind: 1. In der Mischna (Syuhedrin 7, 10) wird für einen Mesis (Verführer zum Götzendienst) eine gesetzliche Ausnahme statuiert. Während nämlich jeder andere wegen eines schweren Verbrechens Angeklagte nur dann zum Tode verurteilt werden konnte, wenn zwei Zeugen ihn vor der Verübung des Verbrechens gewarnt und auf die Todesürafe aufmerksam geoiacht hatten, so genügt es bei einem Verführer zum Götzendienste, wenn zwei Zeugen, die heimlich aufgestellt waren, die Verftihrung gehört, um ihn dem Tode zu überliefern. 2. R. Elieser b. Hyrkanos (das ist höchstwahrscheinlich der gesteinigte Rabbiner) hatte sein Lehrhaus in Lydda (Synhedrin 82b). 3. R. Elieser b. Hyrkanos wurde einmal angeklagt, daß er ein Anhänger der damals noch ganz jungen und vom Judentume sich noch nicht sonderlich unterscheidenden christlichen Lehre sei. Aber die Ankläger waren — römische Denunzianten und das Gerichtstribunal vor das R. Elieser b. Hyrkanos gestellt wurde, war aus Römern zusammengesetzt, an deffen Spitze der Statthalter von Cäsarea stand. Damals wurden nämlich im römischen Reiche die Christen verfolgt. Der Statthalter, der R. Elieser, einen hochangesehenen Mann, Schwager des Patriarchen R. Gamaliel, persönlich kannte, sprach zu ihm: „Es erscheint mir selbst unglaublich, daß du, ein solch' weiser und gelehrter Mann, mit solchen Nichtigkeiten (vebarirn betelirn) dich abgiebst." R. Elieser erwiderte darauf: „So möge denn der Richter selbst ein beglaubigter Zeuge für mich fein!" Diese Appellation an die Vernunft und das Rechtsgefühl des Statthalters blieb nicht ohne Wirkung. R. Elieser wurde fteigesprochen und entlasten. Jndeß fühtte er sich doch gekränkt, weil er überhaupt in den Verdacht, ein Judenchrist zu sein, gekommen ist. Sein Lieblingsschüler R. Akiba erlaubte sich nun, an seinen Lehrer die Frage zu richten, ob denn gar kein Anhaltspunkt für einen solchen Verdacht in seinem ganzen Verhalten zu den Minim sich finde, und da erinnerte sich R. Elieser, daß er einmal von einem Anhänger der Jesulehre mit Namen Jakobob aus Sechanja (wird mehrmal im Talmud und Midrasch erwähnt) um eine halachische Aufklärung über das Verbot in Deuteron. C. 23, V. 19 gefragt wurde, ihm aber eine solche nicht geben konnte. Nun habe ihm der genannte Jakob eine solche im Namen seines Meisters mitgeteilt, welcher er Beifall gezollt. Darüber gräme er sich sehr, denn das sei gewiß der Grund zum Verdachte gewesen, auch habe er dadurch die Warnung der Schrift übertreten: Entferne vor ibr deine Wege (Spr. Saloms 6). Diese Begebenheit wird im Talmud Aboda sorah 16b und noch ausführlicher im Midrasch rabba zu Kohelet, Schlagwort: Kol hadeburim jegelm erzählt. 4. Elieser b. Hyrkanos wurde wegen seines Verhaltens in dem berühmten Streite wegen des Ringel- oder Schlangenofens (Tanur schel achinai), in welchem er sich nicht der Mehrheit des Synhedriums unterwerfen wollte und gegen deffen die Entscheidung auch praktisch zu tun lehrte, mit dem Banne belegt (Baba mezia 59 b). Er starb auch im Banne. Dieser wurde erst bei der Nachricht von seinem Tode von R. Josua (der Patriarch R. Gamaliel war schon früher gestorben) Herausgeber uud verantwortlicher «edafreur: Dr Iofef der höchsten Autorität der damaligen Zeit, gelöst. Die Leiche R. Elieser's wurde von Cäsarea nach Lydda, wo früher sein Lehrhaus gewesen, überführt und dort mit hohen Ehren bestattet (Synhedrin 68a). 5. R. Elieser aber nicht b. Hyrkanos, sondern ein anderer. Elieser b. Chanoch wurde ebenfalls mit dem Banne belegt, weil er die rabbinische Verordnung über taharet judajirn (Händereinheit) mit Geringschätzung behandelt hatte. Auch dieser starb im Banne, und auch nach seinem Tode wurde der Baun nicht gelöst (Edojot 5, 6). Auf seinen Sarg wurde der Vorschrift gemäß ein Stein gelegt (Moeä katan 15 a), Ich glaube nun nicht fehl zu gehen, wenn ich annehme, daß aus allen diesen Daten zusammen der gesteinigte Rabbiner von Lydda entstanden ist. Schlatter hat diese zerstreuten Daten in irgend einem oder irgend welchen Werken gelesen. Diese haben sich ihm nach einiger Zeit im Kopf vermischt und aus der Mischung ist der christlichgesinnte gesteinigte Rabbiner hervorgegangen. Auf dieselbe Art entstehen ja auch die meisten Talmudgeschichten und denselben Charakter tragen auch die meisten talmudischen Zitate'der Judenfeinde. Prag-Weinberge. Stark. Kriefkasterr. R. F. Das Zitat: „Nur über mein.: Leiche geht der Weg" wird in dieser Fassung nach Körner gebraucht, in deffen Drama „Hedwig" es vorkommt. Es findet sich aber dieselbe Phrase früher bet Herder in „Gastfreund": „Nur über meinen Leichnam geht der Weg" und bet Schiller in „Wallenstein's Tod": „Erst über meinen Leichnam sollst du hingehn." S. Sch. Im Witwen- und Waisenhaus, Wien, VI., Amerlinggasse 17 wurden noch nie jüdische Witwen und Waisen ausgenommen. Die Verwaltung wird im Geiste Dr. Lueger's geleitet. Das Abonnement ist seit dem 1. Oktober v. I. nicht beglichen. L. P. Wer in der Weltgeschichte das Weltgericht erkennt, wird kein Bedauern über das am Boden liegende Zarenreich empfinden, wird den Zusammenbruch seines brutalen und korrumpierten Tschinowniktums nicht beklagen. Er wird das Walten der göttlichen Gerechtigkeit in diesen Ereignissen und Zuständen erblicken, die geziemende Vergeltung für tausend blutige Greueltaten der Unterdrückung. R., Bielitz. Die Namen der Einsender teilt keine anständige Redaktion mit. Besten Dank. Nicht gezogen. M. W. in K. Derlei Druckerzeugnisse verfallen in Oesterreich der Konfiskation. Verfasser und Drucker werden vor Gericht gestellt. N. F. Für jüdische Bankhäuser liegt die Sache klar. Verlangt nicht die einfache Solidarität mit unseren bedrückten und mißhandelten Glaubensgenossen in Rußland, daß wir den bedrängten Machthabern, unter deren Aegide oder Konnivenz die Greuel von Kischenew und Homel sich vollzogen, unsere finanzielle Hilfe versagen? Diese Frage müßte sich speziell die jüdische Hochfinanz angesichts des russischen Anleihebedürfnisses vorlegen. In ihren Ohren müßte der Schrei der gemordeten Männer, der geschändeten Frauen, der gemarterten Greise und Kinder nach Vergeltung widerhallen. Samuei W. Pascheies, Verlagsbuchhandlung, Prag, Zeltnergasse 4, nächst dem Bing, offeriert in reichster Auswahl Professor Kämpfe allgemein beliebta BrautgctoMcher und deutsche Andachtsbucher für israelitische Frauen und Jungfrauen in elegantesten Einbänden, ferner Seiden- und Woll-Talesim, Gold- und Silber-Borten. Im Verlage von Samuel W. Pascheies, Prag, Zeltnergasse 4, nächst dem Ring, in neuer Auflage und prachtvoller Ausstattung erschienen das berühmte Pracht werk Prof. Ir. Julius Furst’s itlustr. fünf Bücher jlltoses mit deutscher Uebersetzung, erläuternden Erklärungen und über 230 Illustrationen. Ein Geschenkwerk ersten Ranges! Preis in hochelegantem Prachtband ö. W. fl. 6—. Die frühere Auflage ist gänzlich ausverkauft. Versendung erfolgt gegen Einsendung des Betrages. P. Block». — Druck von L. Beck & Sohn, Wien, VIEL

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