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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-01-13 · 2 (13.1.1905) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
2 (13.1.1905)
Date
1905-01-13
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Ol*B BIOCll S Jahrgang XXII Eentralorgan für die gesammten Interessen des Iudenthums. Mien^ 13. Jänner 1903. Erscheint jeden Freitag. -- Brief-Adresse: Wien, IX/1» Berggasse LS. Telegramm-Adresse: Bloch's Wochenschrift, Wie«. K. kr. Postsparcapen-Arnt Clrarins- Verkehr Nr. 810.976. Lrdsrtion und Administration: W it n IX/1, Berggasife Nr. 89. Telephon Nr. 14.847. ■I -E * ■■ ■■ ■■ -0» Vrrugsxrri» für Srstrrrrtth: Halbjährig 8 Kronen. Einzelexemplare 50 Heller. Für'» Jlnslsmd: Halbjährig IO Kronen. Ganzjährig 20 » Anzeigen: Die4mal gespaltene Petitzeile 24 Heller. -. =m Inhalt: Leitartikel: Präsident kaiserlicher Rat Heinrich Klinger. — Die Beschwerde der Katholiken. — BomJahrmarkt des Lebens: Glossen zur Tagesgeschichte. Zur zionistischen Bewegung. Der jüdische Kolonisations-Verein. — Die Bezirkskommissionen als Kontrollorgan über die „Verlassenen Kinder". — Korr es vondenzen: Aus der öffentlichen konstituierenden Plenarsitzung des israelitischen Kultusvorstandes. Generalversammlung des israelitischen Bethaus-Vereines „Chetvra Beth Hatfilah". Karistadt. Teltsch, Tachau, Berlin, Köln, Paris, Odessa. Kischenew. Der Homeler Prozeß. New-Aork. Ein jüdischer Atheistentempel^in New-Aork. — Vermischtes: Kranzablösungsspenden zu Gunsten der „Ehewra-Kadischa" in Wien. Vorträge aus der Geschichte in Deutschland und Oesterreich. Wien. Jüdische Toynbeehalle. Der l02. Geburtstag der Zweitältesten Frau Wiens. Beth-Israel-Verein. „Esra", Verein der wirklichen Religionslehrer der Wiener Kultusgemeinde. Baden, Prag. — Feuitleron: Eine Geschichte aus der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts. — Kopf und Schweif. — Literatur. — Briefkasten. — Inserate. Priistdrnt Kais. Kal Klinger. Unmittelbar vor Schluß des Blattes ereilt uns die Trauerkunde von dem Hin scheiden des gewesenen Präsidenten der israelitischen Kultusgemeinde, kaiserl. Rates Heinrich Klinger. Diese Nachricht wird nicht verfehlen, in allen Kreisen der Wiener Judenheit aufrichtige Teilnahme zu erwecken. Denn für Herrn kaiserl. Rat Klinger hegte man Liebe und Verehrung innerhalb sämtlicher Parteien der Gemeinde. Durch Jahrzehnte wirkte er im Vorstand der Kultusgemeinde und an dessen Spitze und er erwarb sich durch seine Unermüdlichkeit, durch sein hohes Pflichtgefühl die höchsten Verdienste um die Konsolidierung des jüdischen Gemeinwesens in Wien. Allein auch in seinem bürgerlichen Berufe, als einer der hervorragendsten Industriellen, dessen Erzeugnisse den Ruhm unseres Vaterlandes in den fernsten Weltteilen verbreitet haben, war kaiserl. Rat Klinger ein leuchtendes Vorbild. Aus eigener Kraft, mit seltener Zähigkeit und Ausdauer, und mit jener minutiösen Rechtschaffenheit, welche im wirtschaftlichen Kampfe ein unerläßliches Erfordernis ist, hat er sich seinen Weg gebahnt, und zählte später zu jenen Männern, deren Ratschlag und deren Tatkraft in allen komplizierten wirtschaftlichen Fragen schwer in die Wagschale fallen. Durch viele Jahrzehnte gehörte er der Wiener Handels- und Gewerbekammer an, in welcher er oft die schwierigsten Referate zugeteilt erhielt. Er war Sektionsobmann der Kammer, von welcher er zu wiederholtenmalen zu Vertrauensmiffionen mit der Delegierung zu Kongressen, wie beispielsweise im Jahre 1878 zu dem Patentkongreffe in Paris rc., berufen wurde. Klinger gehörte dem im Handelsministerium bestehenden Zollbeirate, sowie der Permanenz-Kommission für die Haybelswerte seit der Errichtung dieser Korporation an und erhielt für seine Tätigkeit in dieser Stellung den Ausdruck der Allerhöchsten Anerkennung. Er bekleidete mehr als ein Viertel-Jahrhundert das Amt eines Beisitzers bei dem Handelsgerichte in Wien. Bei zahlreichen Enqueten und Expertisen hat kais. Rat Klinger die große Summe seiner Erfahrungen in den Dienst des Gemeinwohles gestellt. Seine Verdienste um die wirtschaftliche Entwicklung unseres Vaterlandes wurden von Sr. Majestät dem Kaiser durch wiederholte ehrenvolle Auszeichnungen anerkannt. Als Präsident der Wiener israelitischen Kultusgemeinde verband er mit seinem strengen Rechtlichkeitsgefühl die liebenswürdigsten Umgangsformen, eine Milde des Urteils, eine väterliche Güte für alle Beamtenkategorien der Gemeinde und eine Autorität, welcher sich die verschiedensten Fraktionen des Kultusvorstandes willig unterordneten. Gelegentlich seines vor Jahresfrist erfolgten Rücktrittes vom Präsidium charakterisierten wir sein Wirken mit folgenden Worten: „Sein eifrigstes Bestreben war darauf gerichtet, den Frieden in der Gemeinde zu erhalten und das Ansehen der Gesamtheit nach Außen zu wahren. Seine Amtswirksamkeit hat in der Geschichte der Wiener Judenschaft dauernde Spuren zurückgelassen. Die Wiener Kultusgemeinde hat während dieser Zeit gewaltige Umgestaltungen erfahren. Neue Schichten der jüdischen Bevölkerung wurden der Kultusgemeinde angegliedert und auch der innere Verwaltungsapparat mußte entsprechend den Bedürfnissen einer neuen Epoche im modernen Lünne umgestaltet werden. Kais. Rat Klinger hatte seine Stellung an der Gemeinde von großen Gesichtspunkten aufgefaßt, er gehörte nicht einer Koter e, einer Partei, einer religiösen oder politischen Richtung an, nicht einen Augenblick ist aus seinem leuchtenden Auge die Tatsache geschwunden, daß er das Oberhaupt der gesammten Gemeinde ist und daß alle Schattierungen und Gruppen innerhalb der Gemeinde, welcher Richtung sie immer zugehören mögen, auf ihn, seinen Schutz, sein Wohlwollen, seine Teilnahme und seine Hilfe rechnen und zu rechnen berechtigt sind." So ist er der populärste Präsident der Wiener israelitischen Kultusgemeinde geworden, und es zeigte sich das am deutlichsten am 1. Oktober 1902, bei Gelegenheit des Feier seines 70. G e b u r t s t a g e s. Alle Parteien und alle Kreise, Hoch und Niedrig. Jung und Alt wetteiferten miteinander, dem verehrten Präsidenten zu huldigen, ihn mit Zeichen der Verehrung und Sympathien zu überhäufen. Anch die staatlichen Behörden, der Ministerpräsident Doktor von K o e r b e r an der Spitze, zeichneten den Jubilar aus, verschiedene Körperschaften, Vereine und Institute, eine große Zahl israelitischer Kultusgemeinden des Reiches entsendeten Deputationen und Adressen, um dem verehrten Mann die Dankbarkeit zu bekunden.

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