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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-12-23 · 52 (23.12.1904) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
52 (23.12.1904)
Date
1904-12-23
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Ur. 52 Dr. Bloch’s ♦ fl ♦ XII ♦ rrmflii Centralorgsn für die gessmmten Interessen des Iudenthums. ®. ft. Postspsrrast'rn-Ainl Clearing-Verkehr Nr. 810.976. Lrdartion und Administration: Wien IX/I, Vrrggaffr Ar. 39. Talaphon Nr. 14.847. Wie«, 23. Dezember 1904. -4-- Erscheint jeden Freitag. -—<>- Brief-Adresse: Wien, IX/1, Berggaffe 39. Telegramm-Adreffe: Bloch's Wochenschrift» Wie». »-rugsprri» flir Srstrrrrtch: Halbjährig 8 Aron««. Einzelexemplare 50 Heller. Dir'» K»»l«ud r Halbjährig IO Lronen. Banzjährig 20 » Anzeigen: Die 4mal gespaltene Petitzeile 24 Heller. Inhalt: L e i t a r t i k e l: Weihnachtsbetrachtungen des Prinzen Liechtenstein und des Prälaten Scheichcr. — P.oicssor Emil Szäniü. — Der Volksstamm der Chalisen als Inden. — Korrespondenzen: Ans der Plenarsitzung des Kultnsvorstandes. Adolf von Sonnenthal. Zum Antrag des Kultusvorstehers Herrn kais. Rates W. Pollak. Die deutsche Sprache und die „Deutsck-Völkbchen". Prag. Bericht des israelitischen Proseminars in Brünn. Galizischer Hilseverein. Israelitischer Hantwerterverciu in Bielitz. Ter Homeler Prozeß. — Vermischtes: Wien. Wien-Ottakring. Generalversammlung des Brigittcnauer Tcupelvercines. Eisevstadt, Nachod, Trebitsch, Prag, Györ, Frankfurt a. M.» Teplitz, Breslau. — Feuilleton: Vor fünfzig Jahren. — Neue Bücher. —- Briefkasten. — Inserate. Meihnachtsbetrachllmgeu des Prinzen Liechtenstein und des Prälaten Scheicher. Er ist also richtig auch heuer nicht ausgeblieben mit seiner Weihnachtsrede, der edle Prinz Alois Liechtenstein. Ich hatte ihn vorgeahnt in meinem letzten Briefe und wartete gespannter als sonst. Denn seinen schönsten Geistesblitz hatte ihm schon der Bürgermeister von Wien vorweggenommen: „Kauft nicht bei Juden!" Es gab infolgedessen auch eine kleine Enttäuschung. So viel er auch über die christliche Liebe redete, die besonders um die Weihnachtszeit die Herzen seiner Getreuen erfüllen sollte, — die wahre Liebe war es doch nicht, diesesmal nicht. Mit dem Friedländer (!) — ob Wallenstein nicht doch ein Jude war?! — durfte er elegisch klagen: „Die Blume ist hinweg aus meinem Leben und kalt und farblos liegt es vor mir da". Was fängt er mit einer allumfassenden Liebe an, die nicht darauf ausgeht, hunderttausend Menschen auszuhungern? Den sichersten Effekt — ist das noch loyale Konkurrenz? — hatte ihm Dr. Lueger vor der Nase verpuffen lassen. Wie sollte nun er seine christliche Liebe betätigen, wie auf seine Kosten kommen, wenn nicht auch er die Juden ans Messer liefern darf? Dann macht ihm ja die ganze „Leich'" keinen Spaß mehr, wie dem Bauernjungen, der dazu nicht seine rote Weste anziehen durfte. Man hilft sich, wie man kann. Er hat also diesesmal dem christlichen Frauenbünde in der Volkshalle einen geschichts- und religionsphilosophischen Vortrag gehalten. Er führt seine Zuhörerinnen, die bei Geschichts- und Religionsphilosophie aufgezogen worden find, in die Zeit der Christi Geburt zurück. „Damals war das finsterste Heidentum über die ganze zivilisierte und barbarische Welt ausgebreitet". Heute ist das freilich nicht mehr der Fall, und wir haben es heute, insbesondere in der zivilisierten Welt, in der Liebe zu Gott und den Menschen unendlich viel weiter gebracht. „Damals war das Volk der Juden das einzige, welches zwar an einen Gott glaubte, aber diesen Glauben in einer Weise ausübte, daß unser Herrgott damit gewiß keine Freude hatte". Fertig; beweisen Sie dem Herrn Prinzen das Gegenteil. Er hat so gute und hohe Beziehungen, daß er es wissen muß. Es war überhaupt eine böse Zeit damals. „Es' war im Heidentum ebensowenig wie im Judentum das Prinzip der menschlichen Würde, der menschlichen Gleichheit und Brüderlichkeit als Kinder Gottes vertreten. Es gab nur Starke und Schwache, Arme und Reiche; ein Gefühl der Einheit im Menschengeschlechte, ein Gefühl der Vereinigung Aller unter der Güte Gottes gab es damals nicht." Das war damals; wie herrlich weit haben wir es doch seither gebracht! In dem Christentum des Prinzen Liechtenstein, des Dr. Lueger, des Herrn Scheich er ist es ganz, ganz anders. Da wird der Mensch noch als Mensch und Geschöpf Gottes geehrt und geliebt. Die allerbarmende Liebe ist zur Herrschaft gelangt, die Alles verzeiht und Alles duldet um der Güte Gottes willen, die keine Schranke des Vorurteils kennt und die die Menschen, die Geschöpfe Gottes, nicht haßt und nicht verfolgt ihrer Abstammung wegen und um ihres Glaubens willen. Der Haß ist überwunden, die Liebe waltet auf der Welt, Friede auf Erden. Ja, es ist eine wunderbare Zeit, in der wir leben, und Prinz Liechtenstein hält schöne Reden zu ihrem Preise. Und der bekannte Prälat Dr. Scheicher ist der hervorragende Vertreter der in Wien geltenden christlichen Liebe und Milde. Dr. Scheicher hat in dem „Korrespondenzblatt für den katholischen Klerus Oesterreichs" für die Weihnachtswoche dem vielfach bemerkten Buche Wittels' über die „Taufjuden" eine interessante Studie gewidmet, von seinem Standpunkte aus natürlich, und wir find doch ausnahmsweise in der Lage, in einzelnen Stücken mit ihm übereinzustimmen. Wann hat die Kirche der inneren Ueberzeugung besonderes Gewicht beigemeffen; Leute, die der Hunger „bekehrt" hat, die eines Stückchen Brotes wegen die Taufe nahmen, sehen wir verschiedentlich in Wien den Dienst in einer Kirche versehen. Allerdings der Domprediger V e i t h hat dem Christentum mehr Ehre gebracht als Herr Prälat Scheicher; mit Genialität des Geistes, Reichtum des Wissens und religiöser Innigkeit war Veith geradezu fürstlich ausgerüstet; Herr Scheicher bedurfte solch hoher Begabung nicht, um zu seiner Stellung zu gelangen, denn er ist ein Goi; geistige Armseligkeit war ihm in der Karriere kein Hindernis. Dr. Scheicher liebt es auch, seinen Esprft leuchten zu lassen. Zu diesem Zwecke erzählt er gern Anekdoten, die allerdings nicht immer den Reiz der Neuheit für sich haben und deren Glanz gelegentlich doch schon recht verblaßt ist. Wir wollen über seinen Geschmack nicht richten, aber diesmal verlohnt es

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