Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1904)
- Issue
- 50 (9.12.1904)
- Date
- 1904-12-09
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3020846-3021547-3021598--14110-3038800- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seile 808 Dr. DIocb's Mocbenscbrtrr. Ar. 60 Vereines statt, zu welcher sich eingefunden hatten als Vertreter des löblichen Kultusvorstandes Herr Dr. Alfred Berger, als Vertreterinnen des „Frauenhort" Frau Präsidentin Rosa Z i f f e r e r und Frau kais. Rat Jeanette Schefftel, des Vereines für Hausarme Frau Dr. Gisela Bica, des Vereines „Zuflucht" Frau Präsidentin Laura G o l d s ch m i d t, Frau A n t a l und Frau Dr. Berta Hopfinger, als Delegierte des humanitären Vereines „DieBrüder" Herr Jakob G o l d n e r und als Vertreter des Brigittenauer israelitischen Unterstützungsvereines Herr Obmann Adolf Schreiber und Herr S. D u b. — Nach einigen Worten der Begrüßung seitens des Vorsitzenden wurde von dem Beirate des Vereines Herrn Josef K o h n der Bericht erstattet. Derselbe bietet in knappen Zögen ein anschauliches, durch zahlreiche statistische Daten illustriertes Bild über die vielseitige Tätigkeit dieses Vereines. Dem Berichte ist zu entnehmen, daß der Verein im Berichtsjahre den namhaften Betrag von X 9741.— an würdige Arme zur Verteilung gebracht hat, außerdem hat er für den Wöchnerinnenverband in 239 Fällen interveniert und besorgte für den israelitischen Ferienkolonienverein die zahlreichen Recherchen im XX. Bezirke, versah zu Beginn der rauhen Jahreszeit zusammen mit dem Vereine „Die B/üder", an dessen Spitze der II. Sekretär des Vereines Herr Heinrich Weiner steht, die stattliche Zahl von 330 Schulkindern mit Kleidung und Schuhen und organisierte bei der in der Brigittenauer Volksküche stattfindenden Ausspeisung von täglich 200 Schulkindern die Aufsicht und Bedienung u. bergt. mehr. — Sodann trug die Kassterin Frau Anna G o l d n e r den Rechnungs-Abschluß vor, worauf die Kontrollorin Frau Katharina K o h n den Revisionsbericht erstattete, mit warmen treffenden Worten die Anwesenden zur cif igen Mitarbeit an dem Liebeswerke des Vereines auffordernd. Uc er Antrag des Herrn Adolf Schreiber wurde sodann dem Vorstande der Dank ausgesprochen und das Abfolutoriniu gewährt. Hierauf wurden in den Vorstand einstimmig mittels Zurufes gewählt: Die Damen Jenny Bon d y, Ella Ezinner, Berta Fischer, Dr. Jeanette Feuchtwang, Louise G a l l i a, Anna G o l d n e r, Helene K o h n, Katharina K o h n, Marie K o h n, Dr. Karoline K r a u s z, Amalia M L tz, Johanna Renner, Klotilde R o s n e r, Dr. Rosa Roth, Adele Stern, Dr. Regine Weinst e i n. Dr. Emilie Weiß und die Herren Josef K o h n und Heinrich Weiner. Schließlich hielt Herr Rabbiner Dr. David Feuchtwang einen sehr gehaltvollen Vortrag über „die Pflicht der Nächstenliebe" und machte auf alle Anwesenden einen tiefen Eindruck. — In der Tat verdient dieser Verein, der in einem der ärmsten Bezirke Wiens seine Tätigkeit entfaltet, das Lob, welches ihm in der Versammlung gespendet wurde, und es wäre sehr zu wünschen, daß dieser Verein auch allseitig werktätige und reichliche Unterstützung fände. Letpttik. (Einweihung des Gutmann- Stiftungshaus es.) Herr David Ritter v. Gutmann hat im Verein mit seinem Neffen Herrn Max Ritter v. Gutmann das Andenken seiner in Leipnik wohnhaft gewesenen und daselbst verstorbenen Eltern respektive Großeltern in pietätvoller und humaner Weise dadurch geehrt, daß er das Sterbehaus seiner Mutter ankaufte und nach den Plänen des Wiener Architekten Fleischer unter der Leitung des Ingenieurs Berger restaurieren ließ und zwar so, daß das Gebäude von außen sowohl als auch innen ganz den Eindruck eines geschmackvollen Neubaues macht. Das im Erdgeschoß gelegene Sterbezinnncr ist in einen Wintertempel umgewandelt, der zwar klein ist, dessen einfache und dabei harmonische und gefällige Ausschmückung und Einrichtung jedoch allgemein bewundert wird. Im ersten Stockwerke befinden sich die mit behaglichem Komfort eingerichteten Räume des Siechenhauses, in dem zwölf Personen untergebracht werden können. Am 2. Dezember, an welchem Tage der Stifter gleichzeitig seinen 70. Geburtstag feiert und das Andenken an den Sterbetag seiner Mutter ehrt, fand um 3 Uhr nachmittags die feierliche Einweihung des Stiftungshauses statt. Die Feier nahm ihren Anfang in dem würdig ausgestatteten Tempel, der bis auf das letzte Plätzchen gefüllt war. In den ersten Bankreihen bemerkte man den Leiter der Bczirkshauptmannschaft Emil Ritter v. W y ch o d i l. die Bürgermeister der Stadt- und Jsraelitengemcinde Kain und Ritter, den Direktor der deutschen Landes-Oberrealschule O b o r n y, Distriktsarzt Dr. S ch r a m e k sowie sämtliche Mitglieder des Ausschuffes der Kultusgemeinde mit dem Kultusvorsteher Dr. Rokotnitz an der Spitze. Der Olmützer Oberkantor Schlesinger entzückte durch seinen herrlichen Gesang das andächtig lauschende Auditorium und der gemischte Chor unter Leitung des Fachlehrers K r o m a s und besonderer Mitwirkung des Realschulunterlehrers Kupka bot durch die nicht nur exakte, sondern auch verständnisinnige Durchführung der Chorgesänge Leistungen, die dem bewährten Leiter sowie den jugendlichen Sängern und Sängerinnen alle Ehre machen. Die Festrede im Tempel hielt Rabbiner Dr. Hillet und nach ihm sprach im Wintertempel des Stiftungshauses, wo der zweite Teil der Feier stattfand, der Kultusvorsteher Dr. Rokotnitz. Beide feierten in zu Herzen gehenden Worten den gottgläubigen Sinn und das wohltätige Wirken des Stifters, der damit nur einer Tradition der Eltern folge, von deren Tugenden besonders der erstgenannte Redner rühmende Beispiele zu erzählen wußte. Daß diese Tradition sich auf die Nachkommen des Stifters verpflanzt hat, beweise dos schöne Geburtstagsgeschenk der Kinder und Schwiegersöhne, respektive Schwiegertöchter, von welchen der Kultusvorsteher in seiner Rede mit warmen Dankesworten an alle Spender und Förderer dieser Anstalt offiziell Mitteilung machen konnte: nämlich von der Spende einer namhaften Summe zur Erhaltung des Siechenhauses. Besonders tiefen Eindruck machte die Verlesung eines Brieses des Stifters, der sein Nichtersche nen mit den Beschwerden des Alters entschuldigt und in schwungvollen Worten dem neuen Hause Glück und Segen, sowie allen Bewohnern seiner Vaterstadt ohne Unterschied des Bekenntnisses und der Nationalität friedliche Entwicklung wünscht. Der Rabbiner nahm hierauf die rituelle Einweihung des Gotteshauses vor, indem er das ewige Licht entzündete. Mit dem Kaisergebet schloß die in jeder Hinsicht würdig verlaufene Feier. Wiesbaden. Der 70. Geburtstag des Herrn Stadt- und Bezirksrabbiners Dr. Silb erst ein, hier, gestaltete sich zu einem Festtage für die hiesige israelitische Kultusgemeinde und für weitere Kreise. Eingelcitet wurde die Feier durch ein Ständchen, welches das Männerquartett des Synagogen-Gesangvereins am Vorabend seinem Ehrcnmitgliede, dem Herrn Rabbiner, in seiner Wohnung brachte. Am Morgen erschien in der Wohnung des Herrn Jubilars eine Abordnung von Schülern und Schülerinnen desselben unter Führung des Lehrers Herrn Capell und' brachte unter Ueberreichung von Blumen und sinnigen Geschenken, teils in schwungvollen Versen, teils in herzlichen Prosaworten ihre Glückwünsche dar. Von 10 Uhr an wurde die Wohnung des Rabbinerpaares, die sich' nach und noch in eine Blumenhalle verivandelte, nicht mehr leer. Ein Gratulant bot dem anderen die Türe. Zwischendurch ließen sich verschiedene Deputationen melden. So erschienen die Herren Simon Heß, Dr. Seligsohn und Moritz Simon als Vertreter der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde und überreichten nach einer feierlichen Ansprache einen wertvollen, aus dein Atelier des Hosjuweliers M. Heimerdinger hervorgegangenen silbernen Tafelaufsatz. Die Herren Benedikt Strauß, Saly Baer und Hermann Hirsch überbrachten die Glückwünsche des Synagogengesangvereins. Herr Rabbiner Dr. Plaut aus Frankfurt a. M. überbrachte eine Glückwunschadresse des liberalen Rabbinerverbandes, der allgemeine Rabbinerverband übermittelte seine Wünsche telegraphisch. Ueberhaupt liefen aus Nah und Fern mehrere hundert Depeschen und zahlreiche Glückwunschschreiben ein. Auch der Deutsch- Israelitische Gemeindebund ließ eine Glückwunschadresse überreichen. Gegen 11 Uhr erschienen die Herren Lehrer Nußbaum und Capell von hier, Alt aus Diez und Oppenheimer aus Hadamar als Deputierte des „Vereins israelitischer Lehrer im ehemaligen Herzogtum Nassau", dessen Ehrenvorsitz der Herr Jubilar inne hat, sowie sämtliche Lehrer des Bezirks Wiesbaden, um die Glückwünsche des Vereins, insbesondere des Bezirks, zn übermitteln. Der Sprecher der Deputation, Herr Nußbaum, überreichte unter trefflichen, zu Herzen gehenden Worten eine Glückivunschadreffe des genannten Vereins, sowie namens des Bezirks eine künstlerisch ausgestattete, von Herrn Bartolomä, hier, angefertigte Photographietafel sämtlicher Lehrer des Bezirkes auf einer Staffelei, und den Prachtband der Dorischen Bibel. Die bis Mittag angekommenen Geschenke und Blumen waren fast nicht zu übersehen. Mit ergreifenden Worten dankte der körperlich und geistig ftische Jubilar allen Gratulanten, besonders den Deputationen, deren Mitglieder er nebst den Lehrern seines Bezirkes zu einem Festdiner im „Hotel Kronprinz" einlud. Hier, bei trefflichem Mahle, gewürzt mit ernsten und heiteren Tischreden, sowie unter Vorlesung von annähernd 100 Telegrammen