Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1904)
- Issue
- 50 (9.12.1904)
- Date
- 1904-12-09
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/3020846-3021547-3021598--14108-3038798- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 806 Dr. Dlocb's MocbenscvrM. Nc 30 Eine ähnliche Wiederholung beging die Redaktion mit dem Artikel „Merkabo", wo sie neben dem Artikel dieses Namens vom Pros. Köhler auch noch den Artikel „Maasseh merkaba“ und „Maasseh beresehith“ aufnahm, der tut ersten Teil zum Teil eine Wiederholung des Artikels „Merkaba" von Köhler ist. Der Artikel „Mischna" von Dr. Lauterbach ist eigentlich ein ganzes Werk, eine Einleitung zur Mischna, die den Werken Frankel's (Darke Mischna) und Brill's (Mebo hamischna) ungerecht werden kann. Er handelt mit gründlicher Forschung und Kritik über die Entstehung der Mischna, über ihre Grundlage, Redaktion und Redakteur, die Veränderungen, die sie erlitten, die Textverschiedenheiten zwischen der babylonischen und jerufalemitischen Ausgabe. Wir müssen seine Vertrautheit mit der talmudischen Literatur sowie seinen kritischen Scharfsinn bewundern. Der Artikel Maxims legal ist sehr mangelhaft. Von den im Talmud üblichen Grundsätzen führt er an*) 1*12110 m-inn bz i*i2r6 a-p was nicht ganz richtig ist, da dieser Satz bloß auf einzelne Gebräuche, wie Opfer, Gebet rc. sich bezieht, nicht aber auf eigentliche Gesetze. Ueberdies zitiert er, wahrscheinlich aus dem Gedächtnisse, falsch die Stelle: T'2 nn Trip “ms T2 ps rcn es heißt an der betreffenden Stelle (Edioth 1, 5): ps rcn “rn -Qi bvb *?i2' -ins -i°'2 oder: v'-n las ms bv sb statt O'vi us rrso sb Außerdem sind nicht alle seine Beispiele gut gewählt und er hätte andere unbestrittene anführen können, wie ♦. ."ssn ms ->"2i na 222 ttsb -san . . Vv-> 122^ 2W2 2ns s'S . . . .NV12V2 NWS VN1' . . .nixp-p N12Z-V NNW2 bv p]ÖB» pS . . .1UB2 sbs b f'2"N J'SI 1’3B2 S*?W Öisb b p27 . . ..Tvqp 22-ib nbv ps . . -bta2 "San mirc 2in2V na bs nansn . . .nnstrs nivs ban nsv . . .rnvra^ paa-W ps Aber der Schreiber dieses Artikels scheint auf dem Gebiete des Talmud nicht recht zu Hause zu sein. Dasselbe gilt auch vom Verfasser des kleinen Artikels pv2 (Mamoii), der das Sprichwort (^n is) non pss nbs aus Pirke Aboth (II. Mischna 12) zitiert, wo es nicht vorkommt. Es liegt uns fern, zu konstatieren, daß der Autor im Talmud nicht bewandert ist, aber man soll keine Zitate anführen, ohne die Stelle nachgelesen zu haben; dieses Sprichwort kommt im Khetnboth 66 vor. mösi nun p,22 rfcfc •0"D P21P2) NLN rb In diesem Bande sind auch viele Traktate, teils von Rabbiner Mendelsohn, größtenteils von Dr. Lauterbach besonders behandelt worden, wie: Makhot, Maasseroth, Micloth, Mickwaoth, Megila, Me'ila, Moed kahan, Machschirin, welche sehr wichtige Artikel bilden. Nebst dem kurzen Inhalte der betreffenden Mischna und Gamara findet sich auch der Hinweis auf interessante Agadoth. Nur fehlt hier noch ein Artikel über Maasser Lehen!. Aber leider bemerken wir in diesem Band noch andere Auslassungen. So z. B. unter dem Artikel Maamod, wo blos über die moderne Repräsentanz der portugiesischen Juden berichtet wird, die Maamod oder MaHamod genannt wird. Hingegen ist über die alte Einrichtung der Ansche Maamod (Thaanith Kap. III) als Beistände bei der Opferung nichts gesagt worden. Dieses ist ein bedeutendes Versehen, eine so alte wichtige Sitte unberücksichtigt zu lassen. Dasselbe ist der Fall mit dem Artikel Machsor. Wir haben hier einen Artikel dieses Namens über das bekannte Festtagsgebetbuch, aber nicht über den astronontischen Machsor katiou und Machsor godol, was doch für den jüdischen Kalender wichtig ist. Ebenso wenig begreifen wir, warum über Milk (Milch) sich ein Artikel findet und über Fleisch (rneat) nicht. Es finden sich doch manche Aussprüche der Rabbinen über das Fleisch, wie: "mim c-tsbiDsa -ied . . -nn j2 ->V2 . . -11022 sb.< nnsp ps . - -na U21? u. dergl. Ebenso fehlt ein Artikel über die messianische Zeit (messiaim time) und die vielen Aussagen der Rabbinen über dieselbe, wie: ... saD1 ssacin srpwan S2pj>2 .^2® niBtran bz bz'w nr S2 rnn p ps (Synhedrin und Sota). Die Beschreibung der Leiden derselben (Synhedrin) bezieht Dr. Lippe (Jassy) auf die Verfolgung durch Konstantin zur Zeit der damaligen (christlich)-messianischen Bewegung, - - unW2-> ssnm heißt: In Folge des Messias. Ebensowenig von -NW2 '^2N Daß dieser gelehrte Schreiber des Artikel Meschiach im Talmud wenig zu Hause ist, erhellt daraus, daß er den Emora Hillel, von dem der Spruch - - - *?s-K0'^ mrcs ps herrührt, mit dem großen Hillel hosakau verwechselt. Die messianischen Vorstellungen des Judentums sind gerade im Talmud enthalten, und diese hätten in einem Artikel über Meschiach berücksichtigt werden sollen. Endlich hätte doch erwähnt werden sollen, daß der Messiasglaube einen der 13 maimonidischen Glaubensartikel bildet ebenso die Einwendungen des Albo (Jkkarim) dagegen. Besondere Aufmerksamkeit verdient der Artikel Michael von Seligsohn, eine Sammlung aller bezüglichen Sagen über diesen diensttuenden Engel (riivn “is^fc), so wie alles dessen, was die Araber von ihm erzählen. Ebenso über Mair baal Neß, Metatyron (Metatyraiinos, Oberherr) Messora, (nach Dr. Limpe ouns piS) Die Illustrationen, die manchen Artikeln beig-fügt sind, sind auch von großem Wert. Bei allen Mängeln und Auslassungen und Verdoppluugen überhaupt wo Abkürzung und wo Erweiterungen, ist die Enzyklopädie doch ein Werk, auf das Amerika stolz sein kann. Wir wollen hoffen, daß von diesem Werke noch spätere Auflagen erscheinen werden, in welcher alle Mängel gut gemacht werden. Die Bemerkungen, die wir zu einigen Artikeln machten, haben nur den Zweck, die Herausgeber auf so Manches aufmerksam zu machen. Mögen sie weiter fortfahren, Artikel nur wirklichen Fachleuten zuzuteilen und mögen sich die Talmudgelehrten, die Mitarbeiter, sich enthalten, philosophische Artikel zu schreiben. Das sollen die Gelehrten vom Fache tun, dann werden die folgenden Bände von eben so großem Werte sein, wie die bisherigen 8. Wir in Rumänien bedauern das Fehlen einer Biographie unseres Dr. Lippe, desjenigen Mannes nämlich, der sich hier am meisten durch seine Tätigkeit auf dem jüdischlitssrarischen Gebiete hervorgetan hat. Aber dieser Vorwurf trifft weniger die Herausgeber als den Einsender einer solchen, der sie in drei Jahren, indem er nicht weniger als drei bereits gedruckte Biographien unseres gelehrten Doktors vor sich hatte, nicht hat zu Stande gebracht. Wohl wird sein Name im Artikel „Medicina" genannt, aber seine Bedeutung für das Judentum liegt nicht in seiner medizinischen Kenntnis. Dennoch hätte man es nicht unterlassen sollen, hier wenigstens das hervorzuheben, was er für den Nachweis der medizinischen Kenntnisse der Rabbinen des Talmud geleistet, wie seine gediegene Schrift über die Embryologie der Rabbinen (im hebräisch-talmudischen Dialekt), über die Kenntnis der Rabbinen von unsichtbaren krankmachenden Agentien (Masikin, Mikroben), wodurch viele ihrer Verordnungen modernwissenschaftlich beleuchtet werden, wie unter Andern die Sentenz über Ansteckungsfähigkeit heiliger Bücher (am'*? ns psatata ttnp '2N2), welche bis jetzt unverständlich war und von den Saduzäern verspottet wurde. Erst in allerneuester Zeit fand die medizinische Erfahrung, daß Bücher nicht bloß aus Spitalsbibliotheken, sondern auch aus Leihbibliotheken durch Berührung mit den Händen beim Lesen Krankheiten (mittels Mikroben) von einem kranken Leser auf den nachfolgenden gesunden übertragen können. Er hat zuerst auf die rabbinisch-talmudische ärztliche Behandlung des hundswutkranken Menschen nach d:r Methode Pasteurs hingewiesen, wonach das Gegengift im Körper des wutkranken Hundes zu suchen ist. Die Rabbinen fanden es in der Leber desselben (Joma), Pasteur im Rückenmark. Ein hiesiger jüdischer Arzt, Vorsteher eines Impf- und Wutkrankeninstitutes, Dr. Jakob Lebell, will dieses Gegengift wirklich in der Galle, des Produktes der Leber, gefunden haben. Hoffen wir, daß die Redaktion Herrn Dr. Lippe beim folgenden Artikel „Romania" Gerechtigkeit wird widerfahren lassen. M. T 0 r t e n. Jassy, 13. November 1904. ‘) Horioth Mischna 6.