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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-11-25 · 48 (25.11.1904) · page 20

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
48 (25.11.1904)
Date
1904-11-25
Page
– (sequence 20)
Language
German
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Sette 784 Dr. Bloch's Wochenschrift. Nr. 48 „Es muß ein gewaltiges Speien gewesen sein." Schaie dampfte schweigend weiter. „Wie weit flogst Du" fragte Schimmele zunächst. „Fliegen?" brüllte Schaie. „Denkst Du, weil ich nur ein Bein habe, sei ich ein Storch und könne fliegen. „Du tätest besser daran, nach Hause zu gehen und die Zuckerbüchsen Deiner Großmutter auszulecken, statt frech zu älteren Leuten zu sprechen, Du Ignorant!" Schimmele war an seinem empfindlichsten Punkte getroffen. Ein Ignorant er! War er nicht der „eiserne Kopf", der Stolz der Gaß. „Bin kein Ignorant", sagte er würdevoll, „und wo ist die Frechheit, wenn ich eine höfliche Frage an Dich richte?" Schaie war verblüfft. „Welche Frage?" brummte er. „Man sagt von Dir, daß der Grund, warum Du in Deiner großen Krankheit nicht starbst, kein anderer ist, als daß Du nicht konntest, weil Dich sogar die Hölle ausspie, und ich wünschte bloß zu wissen, wie Du ausgespien wurdest, wie weit Du flogst, ob es wehe tat und wo —" Aber hier hielt er still, denn eine Riesenhand griff nach seinen Ohr, Schimmele sprang zur Seite und floh. Da geschah es, daß Jainkcle, der Allgegenwärtige, als er seinen Feind Schimmele in Nöthen sah, darüber so sreuderfüllt war, daß er sich nicht beherschen konnte, auf seine Knie schlug und fteudig schrie: „Der meschuggene Jüd ist hinter ihm, der meschuggene Jüd!" In seinem ganzen kurzen Leben war Jainkele nicht etwas Gutes begegnet, ohne daß er es nicht selbst verdorben hätte, und zu seinem Entsetzen fand er plötzlich, daß sich der Zorn des Lahmen jetzt gegen ihn wandte. Er wandte sich und floh schreiend hinter Schimmele, während Schaie hinter ihm her stampfte, furchtbar schreiend und seinen Stock in der Luft schwingend. Die Nachricht verbreitete sich blitzschnell in der Gaß. Im Augenblicke war die Straße voll erschreckter Mütter. „Weh geschrieen! Wo ist mein Fischele? mein Börele? mein Hirschele? Habt Ihr nicht gehört? Der Wahnsinn ist wieder über ihn gekommen. Er verfolgt kleine Kinder und reißt sie in Stücke!" Es war sein guter Freund Mendel Schuster, der Schaie einstng und ihn nach Hause brachte. Dort nötigte er ihn ins Bett. Dann gab er ihm ein Gläschen Branntwein. Diese ungewohnte Großmut verblüffte Schaie derart, daß er vor Erstaunen ganz still lag; er durfte auch nicht aufstehen; als er sich bewegen wollte, wehrten Mendel und dessen Weib Gitel mit beiden Händen jeden Versuch ab und zischten: „Sch—sch!? Schaie starrte sie erstaunt an. „Mendel Schuster", sagte er endlich, „willst Du mir gefälligst sagen, was all dieser Unsinn bedeutet?" Auf das fing Mendel an, sich mit allen Anzeichen von Schrecken an die Tür zurückzuziehen, Gitel brach in Tränen aus und sagte heiser flüsternd: „Um Gotteswillen, Mendel, warum kommt Jtzig nicht mit dem Doktor?" Da riß Schaie's Geduldsfaden vollständig ab. Er stieß eine Flut von Beschimpfungen aus, sprang aus dem Bette, stampfte im Zinnner umher, mit Blitzesschnelle Flüche ausstoßend. Gitel flüchtete, was aber Mendel betrifft, fing eine große Ruhe an über ihn zu kommen. „So wahr ich lebe!" stotterte er, „ich fange an zu zweifeln, denn Du sprichst so ganz gleich Deinem eigensten, natürlichen Selbst" — „Was! — natürliches Selbst! Esel, ich zerbreche Dir jeden Knochen in Deinem alten Leibe, wenn Du nicht gleich sprichst!" brüllte Schaie. Dann lächelte Mendel und atmete auf. „Vergib mir Schaie, mein Freund; ich sehe, wir haben einen großen Irrtum begangen. Du bist unbeschrieen gesund und wohl — sehr gesund und wohl. (Fortsetzung folgt.) Briefkasten. Dr. Eh. W. in Prag. Wir bitten, die Berichte uns früher einznscnden. Diesmal kam das Manuskript erst, als ein anderes bereits gesetzt war. Jul. Platschek in Straßnitz. Ihre Anfrage ist uns völlig unverständlich. Warum sollen wir Inden am Sonntag nicht arbeiten dürfen? Dr. K. Wien. Daß das Gremium der Wiener Kanfmannschaft bei Ausschreibung von Stiftplätzen die Vorlage des „Tanfbeziehnngsweise Geburtsscheines" verlangt, zeigt gerade ein tadelloses Vorgehen. A. Pollak in St C h an ukal e uch te r erhalten Sie bei der Firma Brüder Goldman n, I., Adlergasse 3. Weldler und Hofmeister. Nach der Zählung im Jahre 1900 leben in Oesterreich 494.011 Evangelische und 1,224.899 Israeliten. Eifriger Leser. Wenden Sie sich an die Baronin Hirsch'sche Stiftung, IX. Bezirk, Wasagasse Nr. 8, oder an den Unterstütznngsverein für israelitische Handwerker und Kleingewerbetreibende, I. Bezirk, Rathausstraße 13. Armer Vater. Vielleicht können Sie den Kimben in dem Springcr'schen Waisenhanse unterbringen. Wenden Sie sich diesbezüglich an die israelitische Kultnsgemeinde, I. Bezirk, Seitenstettengasse 4. K. L. Wenn der Betreffende inzwischen nicht die amerikanische Staatsbürgerschaft erworben hat, wird er bei seiner Rückkehr nach Oesterreich als Militärflüchtling behandelt. Er wird zwar, da er das 36. Lebensjahr überschritten hat, nicht assentiert, dafür aber zu einer Arrest- oder Geldstrafe verurteilt werden. Das Wehrgesetz erhalten Sie in der Hof- und Staatsdruckerei. N. D. in Wien, lieber das Indische Schulwesen in Ungarn brachten wir bereits einmal folgende Taten: Demgemäß gibt es im Lande 506 jüdische Elementarschulen mit 808 Lehrern, 158 Lehrerinnen und 37.788 Zöglingen. Unter diesen haben ^2.734 magyarische Muttersprache. Von den 391 Lehrern Ungarns, die der magyarischen Sprache nicht mächtig sind, ist kein einziger Jude! Die Kosten für die Erhaltung der jüdischen Volksschulen betrugen 1,625.021 Kronen. Die Deckung hierfür wurde aufgebracht durch Unterrichtssteuer in der Höhe von 582.24« X und durch Schulgelder in der Hohe von 73.306 L. Behörden, Staat und Gemeinden gewährten Subventionen in der Höhe von 73.306 Kronen. Die übrigen Kosten bestritten die Kultusgemeinden. Leit 1892 sind 65 konfessionelle Schulen ein gegangen. Jüdische Bürgerschulen gibt cs im Lande 13, und zwar 7 Knaben- und 6 Mädchenbürgerschulen. In denselben unterrichteten 56 Lehrer und 51 Lehrerinnen 993 Knaben und 884" Mädchen, insgesamt also 1877 Schüler. Andere konfessionelle Schulen sind 6, und zwar 1 Unterrealschnle in Waag-Neustadtl, 1 Nabbinatspräparandie in Budapest (unterer Jahrgang), 1 höhere Handelsschule in Nagy-Kanizsa, 1 orthodoxe Nabbinatspräparandie in Preßburg und 1 der Kongreßpartei in Budapest, ferner 1 israelitische Lehrerpräparandie. Was den Schulbesuch in nichtkonfessionellen Schulen anbelangt, so besuchten 10.016 Zöglinge Gymnasien, 3866 Realschulen, 1697 Universitäten. 700 die Technik, ^69 die Rechtsakademie, 1515 die.höhere Töchterschule. Unter den Hörern der höheren Unterrichtsanstalten befinden sich also 20 bis 30 Prozent Juden. Zur Apothekerprovisorprüfung meldeten sich 23 Juden. Die Malakademie besuchten 1, die Bildhauerschule 1, die Landesmusterzeichenschule 21, die Schauspielschule 76, die Musikschulen 552, die Hebammenschule 45, diverse Fachschulen 115, die Kunstgewerbeschule 32, die Marineakademie 1, die Orient-Exportakademie 15, höhere Gewerbeschule 165, Gcwerbefachschule 466, die Gewerbelehrlingsschule 6427, die höheren Handelsschulen 2701, die Handelsschulen für Frauen 320, die Handelslehrlingsschule 2606 Juden. Ferner gibt es im Lande 7 jüdische Waisenhäuser mit 14 Lehrern und 2-8 Zöglingen. iamusl W. Pascheies, Verlagsbuchhandlung, Prag, Zeitnergasse 4, uächst dem Bing, offeriert in reichster Auswahl Professor Kampfs allgemein feeliebta HrsÄgebeMctm und deutsche Andachtsbucher für israelitische Frauen und Jungfrauen in elegantesten Einbänden, ferner Seiden- und Woll-Talesim, Gold- und Silber-Borten. Im Verlage von SasnuaS Pascheies, Prag, Zeitnergasse 4, nächst dem Ring, in neuer Auflage und prachtvoller Ausstattung erschienen das berühmte Prachtwerk prof. Pr. Julius piirsl’s iltastr. fünf Bicher JWoses mit deutscher Uebersetzung, erläuternden Erklärungen und über 230 Illustrationen. Ein Geschenkwerk ersten Ranges! Preis in hochelegantem Prachtband ö. W. fl. 6—. Die frühere Auflage ist gänzlich au »verkauft. Versendung erfolgt gegen Einsendung des Betrages. Herausgeber und verantwortlicher Redakteur: Dr. Josef T Bloch. — Druck von L. Beck & Sohn, Wien, VIII.

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