Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1904)
- Issue
- 48 (25.11.1904)
- Date
- 1904-11-25
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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Nr. 48 Dr. Mocb's Mocbenscbritt. «eite 788 große Opferwilligkeit des Gesamtvorstandes, an dessen Spitze die Präsidentin Frau Amalie Beck steht, hervor. Frau Amalie Beck dankte sämtlichen Damen für ihre vielen Bemühungen und bat dieselben, ihre Tätigkeit fortzusetzen, um es dem Vereine zu ermöglichen, im nächsten Jahre seinen Verpflichtungen in erhöhtem Maße nachzukommen. Oberkantor K w a r t i n brachte 2 Lieder zum Vortrage, welche mit großem Beifalle ausgenommen wurden. Den Schluß der schönen Feier bildete die Absingung der Volkshymne durch Herrn Kantor Edelmann und die beschenkten Kinder. Nach der Bekleidung wurden die Kinder mit einer Jause bewirtet. Wien. Der theologische Verein der Hörer an der Jsrael.-theol. Lehranstalt in Wien veranstaltet Dienstag den 6. Dezember im Festsaale des „Hvtel Central" die Chanukaseier unter Mitwirkung hervorragender Kräfte. Gäste find willkommen. Wien. (Wiener Jüdische Toynbee-Halle, XX., Karajangasse 20.) Vortragsordnung.' Sonntag, 27. November. Dr. Heinz Kohn: „Jenseits vom Guten." Montag, 28. November. Dr. Josef Jerusalem: „Oesterreichische Verfassungsgeschichte. I." Dienstag, 29. November. Dr. Hermann Kadisch: „Fortschritt und Armut." Mittwoch, 30. November. Prof. Dr. Josef Pollak: „Bau und Verrichtung der Sinneswerkzeuge. II." Donnerstag, 1. Dezember. Dr. Karl Lifczis: „Die Armut im Recht. II." Freitag, 2. Dezember. Dr. Arthur Schwarz: „Bibelerklärung." Samstag, 3. Dezember. Konzert. Wien. (Ein jüdischerBotschaftssekretär.) Der bisherige Dragoman an der Hohen Pforte zu Konstantinopel, Tewfik Effendi Molho ist zum Sekretär der hiesigen türkischen Botschaft ernannt worden. Die in Wien lebenden türkischen Juden, die eine ziemlich zahlreiche eigene Gemeinde bilden, sind über die Ernennung ihres Glaubensgenossen sehr erfreut. Wien. (H e i m st ä t t e für schwachsinnige Kinder.) Vor kurzem wurde vom Frauenwohltätigkeitsverein „Providentia", an dessen Spitze die rührige Präsidentin Frau Bertha Neumann steht, im 2. Bezirke, Große Pfarrgasse Nr. 30, eine Heimstätte für schwachsinnige Kinder eröffnet, mit deren Leitung die Kommunallehrerin Fräulein Rosa Goldhammer betraut wurde, die schon seit vielen Jahren auf diesem Gebiete mit großem Erfolge gewirkt hat. In diese Heimstätte werden Zöglinge israelitischer Konfession im Alter von 6 und 18 Jahren von unbemittelten Eltern unentgeltlich ausgenommen. Daselbst erhalten sie einen Spezialunterricht, um sie womöglich späterhin einem geeigneten Berufe zuführen zu können. Die Zöglinge verbleiben in der Anstalt von 9 Uhr morgens bis 6 Uhr abends und werden die armen Kinder daselbst auch unentgeltlich verpflegt. Dieses edle Werk der Frauenwohltätigkeit verdient die vollste Beachtung und werktätige Unterstützung aller edlen Menschenfreunde. — Die Heimstätte ist jeden Freitag von 11 bis 1 Uhr zu besichtigen. Saaz. Unserem Herrn Rabbiner Dr. Simon Stern wurde als Religionslehrer am k. k. Staatsgymnasium der Titel eines k. k. Professors verliehen. Budapest. Den Herren Samuel und Wilhelm H o f fm a n n und ihren gesetzlichen Nachkommen wurde in Anerkennung ihrer hervorragenden Verdienste um die Volkswirtschaft und die Hebung des Schiffahrtswesens und um die Großzügigkeit des Verkehrs von Sr. Majestät der ungarische Adel mit dem Prädikate „Vügujhely" verliehen. Man schreibt uns aus Gr.-Kanizsa: „Frau Hedwig Vidor, geboren von Gutmann-Gelse, wurde von Sr. Majestät dem Kaiser mit dem goldenen Verdienstkreuze mit der Krone für ihre ganz besonderen Verdienste auf dem Gebiete der Wohltätigkeit ausgezeichnet." Frau v. Vidor ist mehr als ein Vierteljahrhundert Präsidentin des israelitischen Frauenvereines, Gründerin der interkonfessionellen Volksküche und vieler anderer Humanitätsanstalten. Ihr ganzes Leben und Wirken ist nur den Armen und Unglücklichen geweiht und ist ihre aufopfernde Tätigkeit im ganzen Lande bekannt und gewürdigt, so daß man freudigen Herzens die nunmehr erfolgte, allerhöchste Anerkennung begrüßen kann. Linz. In der am 1. d. M. stattgesundenen Generalversammlung der C h e w r a - K a d i s ch a wurde an Stelle des verstorbenen Herrn Bruder Herr Adolf F ü r st einstimmig zum Präses dieses Vereines gewählt. Innsbruck. Eines der fanatischesten klerikalen Tiroler Lokalblättchen, die „Brixener Chronik", veröffentlicht folgende Notiz: „Am 13. November, am Schutzsest Mariä, wurden in der St. Michaelspfarrkirche zu Brixen zwei Israeliten, beide im Alter von 24 bis 28 Jahren, der eine aus Polen, der andere aus Wien, unter großer Teilnahme des Volkes feierlich getauft und erhielten die Namen Joses und Bernard. Bei der darauffolgenden Messe empfingen die Neugetauften im weißen Kleid (Chorrock), die erste heilige Kommunion. Nachmittags wurden beide in Neustift vom Erzbischof Simon Aichner gefirmt, wobei Hochderselbe eine herzliche, väterliche und sehr praktische Ansprache an sie richtete, indem er sie zum christlichen Leben und zur standhaften Ausdauer ermunterte." Feuilleton. Warum? Darum! Bon Martha Wolfeuftein. (Fortsetzung.) Wochenlange war Schaie's eigentümlicher Jrfinnsansall das beliebteste Gesprächsthema und ein quälendes Geheimnis, doch gab es keine kühne Seele, die es gewagt hätte, über den Gegenstand mit ihm zu sprechen. Es war sogar ein strenges Verbot dagegen erlassen worden und sogar die Schulbuben waren ermahnt worden, nicht bei ihm stehen zu bleiben, um seine Kriegsgeschichten anzuhören, was sonst ihre Freude gewesen war, aber der Wahnsinn konnte, Gott behüte! in irgend einem unglücklichen Augenblicke wieder ausbrechen. Nun gab es einen fragelustigen Geist in der Gaß, der in einer kleinen Persönlichkeit, namens Schimmele wohnte, einem Sechsjährigen, der als das Bocherl bekannt war und dieser fragelustige Geist war es, der endlich das Siegel des wohlverschlossenen Geheimnisses löste. Nicht daß das Schimmele absichtlich ungehorsam gewesen wäre. Nein, er war eine Perle von einem Kinde — wer daran zweifelt, möge seine Großmutter fragen, aber als er an jenem sonnigen Tage stehen blieb, nicht um mit Schaie zu sprechen, Gott behüte! bloß um ihn ordentlich anzusehen — Bumms! bevor er die Hand über den Mund legen konnte, war eine Frage herausgesprungen. „Tat es sehr weh?" war Schimmele's Frage. Schaie lächelte, denn eine Aufmerksamkeit für sein hölzernes Bein, war ein stiller Kompliment für ihn selbst, so antwortete er höflich, indem er die Schultern in die Höhe zog, die Hände von sich streckte und ein schreckliches Gesicht machte, um den Grad des Schmerzes anzudeuten. „Und brachst Dir doch keinen Knochen?" ries Schimmele bewundernd. „Nicht?" sagte Schaie, indem er seinen Stumpf streichelte; „es war zersplittert wie Glas." Dann einen Hörer für seine Lieblingsgeschichte witternd, welche anfing! „Im Jahre 31, als wir mit unserem General Boom im Felde waren", nahm er seine Pfeife aus dem Munde und begann: „Im Jahre 31." „Ja, ich weiß", unterbrach Schimmele, „es war damals so kalt, daß die Soldaten dicht hinter einander gehen mußten, um einander gegenseitig die Beine los zu machen, die bei jedem Schritt im Schnee festfroren. Das meinte ich nicht." Schaie knurrte ärgerlich und kehrte zu seiner Pfeife zurück. „Wenn ich am Brunnen stehe, kann ich über das Pflaster hinwegspucken, Maierl kann bis auf den Weg speien, und Tainkele, obgleich er sonst ein großer Dummkopf ist, kann gerade bis in die Tür der Schulstube speien. Schaie empfing diese Mitteilung mit verächtlichem Schweigen und Schimmele fuhr fort, ihn gedankenvoll anzustarren, dann stieß er einem tiefen Sender aus und sagte nachdenklich: