Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1904)
- Issue
- 48 (25.11.1904)
- Date
- 1904-11-25
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 48 Dr. Blocb s MocdenscdrM. äeiie 7H7 MLHlerversammlung der israelitischen Knltnsgeweinde. Samstag den 19. November 1904, 6 Uhr abends, fand im großen Saale des „Hotel Post" I., Fleischmarkt 14, eine von dem Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde einberufene Wählerversammlung unter dem Vorsitz des Präsidenten Dr. Alfred Stern statt. Die Versammlung war überaus zahlreich besucht. Von Vorstandsmitgliedern waren anwesend außer den Präsidenten die beiden Vize-Präsidenten Landesschulrat Dr. Gustav K o h n und kais. Rat Moritz Hirsch, die Vertreter Dr. Alfred Berger, Baurat Ritter von Goldschmidt, Oberfinanzrat Rappaport, Baurat Wilhelm S t i a ß n y, Dr. Maximilian Steiner, die Vorsteher Salo Cohn, Prof. Dr. S. E h rm a n n, Hermann Eltbogen, Emil Horner, Sigmund Kauders, kais. Rat Wilhelm Pvllak, Bezirksschulrat Dr. Markus Spitzer, Kommerzienrat Gottlieb T a u s s i g und kais. Rat Jonas Weil. Der Präsident Dr. Alfred Stern eröffnete die Wählerversammlung, begrüßte die zahlreich erschienenen Gemeindemitglieder mit folgender Ansprache: Geehrte Versammlung! Ich gebe mir die Ehre, Sie freundlichst zu begrüßen und Ihnen, die Sie so zahlreich erschienen sind, für das lebhafte Interesse, welches Sie an den bevorstehenden Kultuswahlen und damit auch an dem Geschicke unserer Gemeinde bekunden, herzlichst zu danken. Der vom Kultusvorstande über seine Tätigkeit in der Periode 1902/1903 erstattete Bericht, in welchen auch die zur Zeit der Drucklegung bekannten Daten über die Tätigkeit ini Jahre 1904 ausgenommen wurden, ist in Ihren Händen und ich glaube, daß wir von der Verlesung dieses Berichtes, den Sie, meine Herren, gewiß eisrigst studiert haben, Umgang nehmen können. (Zustimmung.) Ich möchte mir aber erlauben, einige Worte diesem Berichte beizufügen. Bei der Schnelligkeit, mit welcher die Drucklegung desselben ins Werk gesetzt werden mußte, was auch aus den Umstand, daß die Berichterstattung bis 1. November 1904 erweitert wurde, zurückzuführen ist, war es unvermeidlich, daß mancher Gegenstand nicht vollauf in der seiner Bedeutung angemessenen Weise gewürdigt worden ist. Zudem sind aber auch seither Ereignisse eingetreten, welche man nicht mit Stillschweigen übergehen kann, und deshalb sei es mir gestattet, dem in Ihren Händen befindlichen Berichte einige Worte beizufügen. Vor allem muß ich aus die besonders segensreiche Tätigkeit des Damenkomitees der Versorgungsanstalt Hinweisen, welcher im. Berichte nur wenige Zeilen gewidmet sind. Es sind 5 Jahre her, seit die Kommission für die Versorgungsanstalt ein Komitee von Ehrendamen zur Seite gestellt erhielt. Dieses Komitee, an dessen Spitze Frau Diamant steht, kann mit großer Befriedigung auf seine Erfolge zurückblicken. Nebst der Fürsorge, die es den Insassen der Versorgungsanstalt gegenüber in außerordentlich hingebungsvoller Weise sich angelegen sein läßt, kommt das ersprießliche Wirken dieses Ehren-Damenkomitees auch in ökonomischer Beziehung zum Ausdrucke, indem schon im ersten Jahre seiner Tätigkeit eine bedeutende Verminderung der Pflegekosten zu verzeichnen war. (Bravo!) So betrugen die Verpflegskosten im Jahre 1898 pro Kopf und Tag K 1.39, während schon im Jahre 1899, unmittelbar nach dem Beginne der Tätigkeit des Damenkomitees sich die Kosten auf K 1.32 vermindert hatten. Ich fühle mich deshalb verpflichtet, auch an dieser Stelle dem Ehren-Damenkomitee, und insbesondere der rührigen Präsidentin desselben, Frau Jda Diamant, den wärmsten Dank auszusprechen. (Bravo!) Sie dürfen eben nicht übersehen, daß der Vorteil der ohne Schädigung der Insassen erzielten Ersparnis nach der Richtung seinen segensreichen Einfluß geltend macht, daß wir in die Lage versetzt werden, einer größeren Anzahl von Bewerbern Aufnahme in die Versorgungsanstalt zu gewähren. Ich muß ferner mit uneingeschräukrenl Lode Der Tätigkeit des Verbandes zur Unterstützung armer israetirischer Wöchueriuueu gedenken. Wie Sie wissen, sind in diesem Verbände, die israelitischen Frauen-Wohltätigkeitsvereine Wiens vertreten und da ist es insbesondere die Präsidentin Frau Baronin Königswarter, sind es ferner die Vizepräsidentinnen Frau Bertha K o h u und Rosa Z i f s e r e r und die Schriftführerin Frau Johanna Fröhlich, die mit dem Ausdrucke des besonderen Dankes für ihre Tätigkeit ich namhaft zu machen mir hiermit erlaube. — (Bravo!) Meine Herren! In dem Berichte ist — ich möchte sagen — als wunder Punkt die Bemerkung enthalten, daß im Vergleiche mit dem Ergebnisse früherer Jahre die Zahl der in der letzten Berichtsperiode errichteten Stiftungen und Widmungen eine bedeutende Abnahme auszuweisen hatte, indem sämtliche in den letzten zwei Jahren zugewachsenen Stiftungen und Widmungen nicht einmal den Betrag von K 300.000.---- erreichen. Kaum war dieser Bericht gedruckt und in Ihren Händen, als wir durch eine Spende überrascht wurden, welche weitaus das Maß dessen übersteigt, was rvir bisher zu erhalten gewohnt waren, durch eine Spende, welche es uns ermöglicht, eines unserer ältesten Wohltätigkeits-Institute, das Krankenhaus der israelitischen Gemeinde, einer größeren Anzahl von Hilfesuchenden als bisher zugänglich zu machen. Wie sehr uns diese Spende erfreut, wie notwendig sie uns war, mag aus folgenden nur in Kürze zu erwähnenden Daten hervorgehen. Wir haben heute in unserem erweiterten jüdischen Krankenhause einen Belegraum sür 150 Betten. Bon diesen 150 Betten konnten aber aus finanziellen Rücksichten durchschnittlich nur 123 pro Tag belegt werden, und ungeachtet des bedeutenden Zuschusses von jährlich 180.000 bis 200.000 Kronen, der aus Gemeindemitteln zu den Zinsen der Stiftungen für das Spital geleistet wird, lag es nahe, daß eine Reduktion in dem Belage dieser 123 Betten hätte eintreten müssen. Sie mögen ermessen, wie schmerzlich es den Kultusvorstand berührt hätte, wenn er, gezwungen durch die finanziellen Verhältnisse, tatsächlich an diese Reduktion hätte schreiten müssen. Durch die munifizente Spende des Freiherrn Nathaniel von Rothschild sind wir dieser Sorge überhoben. «Bravo!) Der Kultusvorstand hat das allerwärniste Dankschreiben an Baron Nathaniel Rothschild gerichtet und es gebührt ihm auch der vollste, allerherzlichste Dank. > Bravo!» Diese Kundgebung wäre eine unvollständige, wenn wir hiebei nicht auch jener Männer gedenken würden, welche diese Spende veranlaßt haben, indem sie Baron Rothschild auf die bezüglich des Spitals bestehenden finanziellen Schwierigkeiten aufmerksam machten: es sind dies der Hosrat und Spitalsdirektor Professor Oser und unser Vorstandskollege Horner, der nun zur Wiederwahl gelangen soll und der heute das Wort ergreifen wird, um Ihnen einiges über seine Tätigkeit mitzuteilen. (Beifall.) Und nun noch ein Ereignis aus den letzten Tagen. Vor einigen Tagen waren wir in der glücklichen Lage, ein zweites jüdisches Mädchenwaisenhaus zu eröffnen durch eine letztwillige Zuwendung der Frau L e a M e r o r e s - I tz e l e s, welche Spende der vorerwähnten gleichkommt. Sv ist denn die Klage über die in den letzten Jahren zu verzeichnende Abnahme an Stiftungen und Widmungen heute gegenstandslos geworben. Noch einen Punkt des Berichtes möchte ich ergänzen: eS findet sich in dem Berichte auch die Erwähnung, daß die israelitische Kultusgemeinde bisher ein Knabenwaisenhaus nicht besitzt. Das ist richtig. Die Kultusgemeinde als solche besitzt ein Knabenwaisenhaus nicht; wohl aber ist es bekannt, daß durch einen ausgezeichneten Wohltäter in unserer Gemeinde ein solches Knabenwaisenhaus nicht nur gestiftet und errichtet wurde, sondern auch vollständig aus den eigenen Mitteln dieses Wohltäters erhalten wird, und daß dieses Waisenhaus mehr als 50 jüdischen Knaben Ausnahme gewährt: der Name dieses Wohltäters ist Ihnen allen bekannt: es ist Herr Baron Gustav Springer. Das find die Daten, mit welchen ich den Rechenschaftsbericht zu ergänzen mir erlauben wollte. (Lebhafter Beifall.)