Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1904)
- Issue
- 47 (18.11.1904)
- Date
- 1904-11-18
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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Seite 764 Dr. JBlocb s väterliches Herz dem anderen Sohne zu, der Page im königlichen Hofe und eben jener Jüngling ist, von dessen Liebe die einsame Nespha träumt. Dies ereignet sich in Hallalat, dem Judenviertel. In Babylon spinnt sich eine andere Liebesgeschichte. Ein Jüngling aus der Stadt Siparra liebt seine Landsmännin, doch sie wird zn seiner Entrüsumg in dem Harem des Königs gebracht. Sie ist untröstlich, aller Glanz und alle Herrlichkeit, alle Gnade des Despoten können ihren Liebesgram nicht stillen. Der Jüngling fügt sich auch schwer, aber endlich doch in sein Schicksal, und weil man als edler Babylonier der Liebe nicht entraten kann, sucht er sich eine andere und findet sie in der schönen Jüdin Respha. Er stellt ihr nach, erschleicht sich den Zutritt in ihr Stübchen, doch sie bleibt vornehm und kühl und er wird immer niedriger und immer glühender. Auch der Fürst Serubabel wendet den Ankömmlingen reges Jnteresie zn, und von Ahnungen geleitet, entdeckt er am Ende, daß Respha seine eigene Tochter sei. Vor langen Jahren geschah es, daß die Gattin Serubabels die eheliche Treue brach und mit einem unwürdigen Manne durchging. Sic hatte auch einen Säugling mit sich genomnien und ließ sich dann mit ihrem Entführer in Betlehem nieder. Dieser Säugling ist nun zur blühenden Jungfrau geworden und nennt sich Respha. Sie liebt also ihren leiblichen Bruder und als sie zum Schlüsse diese Tatsache erfährt, bereitet es ihr bittere Enttäuschung. Ihr Schicksal weicht von dem der Recha in Nathan um keinen Schatten ab. Der Jüngling aus Sippara will sich von ihr um keinen Preis lossagen. Das Hans, der Bazar und auch das Leben Abinoems sind Opfer seiner Pläne, er sucht sie zu vereinsamen, doch sie bleibt heilig und ungebrochen.. Nabunahid wieder, der sinnliche Liebhaber auf dem Throne, kann sich noch immer nicht der Zuneigung der Sippariner Odaliske rühmen. Erst folgt Fest auf Fest und während Babylon in Lustbarkeiten schwelgt, nähert sich allgemach das Heer der Perser und droht die Macht Nabunahids zu brechen. Belsazar, der Königssohn, ist den Persern entgegengeeilt, doch er ist zu jung und unerfahren, sein Vater muß statt seiner den Oberbefehl übernehmen und Belsazar regiert an Stelle Nabunahids in Babylon. Die Perser dringen siegreich vor, Nabunahid fällt nicht im Kriege, sondern stirbt Hungertodes, so hat es der Sipparer in seiner geistigen Umnachtung veranstaltet. Belsazars Herrlichkeit ist auch bald verblüht, die Perser rücken heran und Cyrus hält siegreichen Einzug in die Hauptstadt. Respha hatte noch in einem gailen Tempel Versuchungen zu widerstehen, sie erfährt endlich ihre Verwandtschaft mit dem Pagen, und als der große Ruf an Israel erging, ins Land der Väter heimzuziehen, schnürt auch sie ihr Ranzel und schließt sich den Wallenden an, denn sie ist ja die heißgeliebte Tochter des Fürsten Serubabel. Daniel erscheint auch im Romane, doch greift er nicht wesentlich in die Handlung ein. Der Verfasser hat ihm eine vornehme Rolle abseits der eigentlichen Ereignisse zugeteilt. Er lebt in hohen Ehren in der Stadt der Verbannung und hat in allen großen Fragen den entscheidenden Spruch. Sein Wort ist seine Tat und in seinem Wesen liegt wenig Individualität, wenig Begründung, ein steifer Weltweiser, dem das Prophezeien ein nobile ofüciurn ist. Dazu ist das Schicksal seiner letzten Jahre ziemlich nupoetisch dargestellt. Er bleibt in Babylon zurück und stirbt in dem unrühmlichen Berufe eines persischen Höflings, während seine Stammesgenossen daheim das alte Reich erneuerten. Daniel ist die mißglückteste Gestalt des Romanes Es ist den dichterischen Bearbeitern der Bibel nur selten gelungen, eine hehre Bibelgestalt so in das Milieu ihrer Dichtung zu pflanzen, daß unsere gewohnten Gefühle und Vorstellungen dabei keinen Abbruch erleiden. Die Personen der Bibel eignen sich zu poetischer Gestaltung nicht. Sie leben als hehre Halbgötter in unserer Phantasie und lassen uns unbefriedigt, wenn sie sich in das Kleid der Alltäglichkeit hüllen. Der Verfasser steht, wie schon erwähnt, am Beginne seiner Laufbahn, doch verfügt er schon als Anfänger über die Gabe, seiner Erzählung einen festen, ineinandergreifenden Aufbau zu geben. Die Geschehnisse wickeln sich in straffer Folgerichtigkeit ab und in der Verknüpfung der Dinge, in dem Inszenieren, in der Schaffung reger und wirksamer Situationen gibt sich Talent und Gewandtheit kund. Die Sprache ist vornehm und plastisch, voll dnrchtränlt von dem würzigen Hauche des Morgenlandes, wie ihn die Bibel uns vermittelt. Es ist leicht zu begreifen, daß sich der Verfasser nicht zu jener heißen Innigkeit und kernigen Urkraft emporschwingen konnte, die den Ton und die Sprache der heiligen Schrift kennzeichnen. So oft man den Bibelstil kopieren will, zeigte es sich immer auf's Neue, wie unnachahmbar derselbe ist und welche mächtige, ewige Schönheit ihm innewohnt. In der Handlung überwiegt das romantische Element; von den abgegriffenen, vielfach gelüfteten Haremsgeheimniffen ist sogar etwas zu viel. Doch hat sich der Verfasser redlich bemüht, durch die genaue Einzelschilderung der Verhältnisse den Geschichten Wahrscheinlichkeit und Glaubwürdigkeit zu verleihen. Der Schwerpunkt der Geschehnisse liegt nicht in Hallalat, der Judenstadt, wo jener Stern erschien, an dem alle Blicke hangen und dessen Erscheinen da Schrecken, dort Hoffnung brachte. Im heidnischen Babylon vollziehen sich die leitenden Ereignisse der Erzählung und dieser Umstand vermindert den Wert derselben. Eine poetische, eindringlichere Darstellung des jüdischen Lebens in Babylon hätte wohlwollendere Leser gefunden als die abgenützten, sattsam bekannten Motive der Jntrigue, wie sie von gailen Odalisken, von bartlosen Eunuchen und ephemeren Günstlingen gesponnen wurde. Der Verfasser sucht, so oft als möglich, seine Belesenheit in der Geschichte Babylons geltend zu machen, das. mag ihn verleitet haben, die trostlosen Interieurs der jüdischen Familienhäuser Herausgeber und verantwortlicher Redakteur: Dr. Josef Nr. 47 zu meiden und den Türmen und Riesenbauten, den hangenden Gärten und dem ganzen rohen Kulte Babylons viel Aufmerksamkeit zu schenken. In den Schilderungen befleißt sich der Verfasser gelehrter Gründlichkeit und man darf darin nur eine harmlose Entgleisung erblicken, wenn die drei Worte aus der Bibel fälschlich folgendermaßen £18 bin H3ö zitiert werden. Das mag auch ein Fehler des Setzers sein. Aeußerlich hat das Buch eine recht gefällige Form, zierlicher Buchschmuck belebt seine Blätter, ein schöner Druck, ein gutes Papier macht die Lektüre doppelt erfreulich. Dem Verfasser, der zaudernd sein Erstlingswerk in die Oeffentlichkeit trug, rufen wir ermunternd zu: Es leben, die da folgen! Professor Philipp Nasch Zsolna (Sillein). Neue Bücher. Altneuland. Monatsschrift für die wirtschaftliche Erschließung Palästinas, I. Jahrgang, Heft Nr. 11, November 1904. Herausgegeben von F. Oppenheimer, S. Soskin, O. Marburg, Inhalt: Dr. Franz Oppenheimer: Die Gewinnbeteiligung im landwirtschaftlichen Betriebe. Marinestabsarzt a. D. Dr. L. Sander: Die Wanderheuschrecke und deren Vernichtung. (Schluß.) — Palästina und Nachbargebiete. Indische Kolonien. Neue Literatur. Vermischtes. Marktbericht. Th6 Jewisll Encyclopedia. Volume vm. Leon—Moravia. Funk & Wagnalls Company New-York and London. HrrefkaZe«. Stud. K. R. Der zum Dekan der philosophischen Fakultät an der Universität Krakau gewählte Professor Dr. Leon Sternberg ist der Sohn einer guten jüdischen Familie in Drohobycz. F. K. Der Hilfsverein der deutschen Juden hat an Stelle des verstorbenen Willy Bambus Herrn Dr. Kahn aus München zu seinem Generalsekretär ernannt. L. Monasch. Abraham Geiger sprach als Rabbiner von Berlin und nicht von Breslau. Moriz Löwy, I. Der 1. Chanukatag im Jahre 1866 fiel auf den 3. Dezember. I. Sch. in B. Das Exemplar ist dem Justizministerium vorgelegt worden. Fabius K. in W. Russische Blätter bestätigen die Meldung über eine von der russischen Regierung der nordamerikanischen Republik erteilte Zusage, betreffend ungeschmälertes Gastrecht amerikanischer Juden in ganz Rußland. „Zionist", Troppau. Zangwill erklärte in Amerika, daß David W o l f s s o h n voraussichtlich die Führung der zionistischen Partei zufallen dürfte. Zur Leitung des Kongresses soll Max Nord au berufen werden. Suehe für meine Niehte, ein hübsches, fesches Mädchen, aus guter jüdischer Familie, mit einer Mitgift von 10.000 Kronen bar nebst vollständiger Ausstattung, einen passenden Bewerber, Privatbeamten oder auch Kaufmann. Anträge unter „M. P. S.“ an die Expedition des Blattes. Samuel W. Pascheies, Verlagsbuchhandlung, Prag, Zeltnergasse 4, nächst dem Bing, offeriert in reichster Auswahl Professor kämpf’s allgemein beliebte Brauigcbelbiicher und deutsche ftndachtsbücher für israelitische Frauen und Jungfrauen in elegantesten Einbänden, ferner Seiden- und Woll-Talesim, Gold- und Silber-Borten. Im Verlage von Samusl W° Pascheles, Prag, Zeltnergasse 4, nächst dem Ring, in neuer Auflage und prachtvoller Ausstattung erschienen das berühmte Prachtwerk Prof. Ir. 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