Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1904)
- Issue
- 45 (4.11.1904)
- Date
- 1904-11-04
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Sette 724 Dr. Blocb’s MlocbenscbrM. r. 45 Leopold Neumann 2.—, Hermann Fürst 5.—, Karl Taussig 30.—, Ignaz Fantl 40.—, Siegmund Licht 25.—, S. D. Stern 60.—, Nathan Klein 13.—, Katz jun. 4.—, Dr. Ignaz Winter 30.—, Leopold Geiger 4 —, Elias Fleischer 1.—, Bernhard Löwie 1.—, Ignaz Müller 3.—, Moriz Adler 4.—, Isaak Mautner 110.—, Adolf Back 12.—, Adolf Bergmann 9.—, Bernhard Zwicker 30.—, Adolf Reif 4.—, Max Werberg 10.— Moriz Goldmann 5.—, Otto Chieger 4.-, Julius Gorge 10.—, Ignaz Pfeifer 6.—, Julius Sperber 4.—, Max Fleischer 12.—, Adolf Brod 4.—, Adolf Brach 15.—. Isidor Fritsch 14.—, Jsak Kohn 5.—. Hermann Grvß 4.—, Jsak Mautner 80.—, Moriz Trepper 9.—, Moriz Meininger 16.—, Hillel Tauber 8.—, Siegmund Lederer 10.— , Adolf Spitzer 10.—, Josef Lob 3.—, Heinrich Pick 6.—, Moriz Fuchs 4.—, Ignaz Bauer 5.—, Abr. Lubaskh 1.—, Viktor Schwadron 40.—, Markus Haas 1.—, Mendl Strach 1.—, Heinrich Grünhut 70.—, Jakob Berger 2.—, David.Noffal 2.—. Zur Statistik der Juden in Oesterreich. Nach der letzten Volkszählung wurden im ganzen 1,224.771 jüdische Seelen gezählt, und zwar in: Galizien 881.183, Niederösterreich 157.278, Bukowina 96.150, Böhmen 92.745, Mähren 44:255, Schlesien 11.988, Küstenland 4774, Steiermark 2283, Oberösterreich 1280, Tirol und Vorarlberg 1125, Dalmatien 334, Kärnten 212, Salzburg 199, Kram 145. Von dieser Zahl waren 1,144.786 in den im Reichsrate vertretenen Ländern heimatszuständig und 79.925 Fremde (davon in Wien 50.394). Von den österreichischen Staatsbürgern bekannten sich zur polnischen Umgangssprache 622.235 (54'37 Perzent), zur deutschen 419.210 (36 61 Perzent), zur böhmischen 57.782 (5'05 Perzent), zur russischen 40.966 (3'58 Perzent), zur italienischen 2940 (0'25 Perzent), zur rumänischen 263, zur ungarischen 165, zur scrbo-kroatischen 63, zur slovenischen 63. Von den 92.745 Juden Böhmens waren 19.204 in Prag, 48.685 in böhmischen und 24.856 in deutschen Orten und davon meldeten sich 50.080 (55'18 Perzent) zur böhmischen Umgangssprache und 40.521 (44°82 Perzent) zur deutschen. Von den 44.255 Juden Mährens waren in Brünn 8238, in Olmütz 1676, in Jglau 1450, in Znaim 629, in böhmischen Gemeinden 28.497, in deutschen 3765. Fremd waren 3078. Zur deutschen Sprache bekannten sich 34.261 (83 21 Perzent), zur böhmischen 6792 (16°79 Perzent). Von den 11.988 Juden Schlesiens waren in Troppau 1047, in Bielitz 2460, in Friedek 326, in böhmischen Gemeinden 2019, in polnischen 4853 und in deutschen 1283 Juden. Zur deutschen Umgangssprache bekannten sich 9681 (88'24 Perzent), zur polnischen 1028 (9°7 Perzent), zur böhmischen 263 (2*40 Perzent). . Mähr.-Ostrau. Aus Anlaß der bevorstehenden Neuwahl der Vertretung der israelitischen Kultusgemeinde fand eine vom vorbereitenden Wahlkomitee einberufene allgemeine Wählerversammlung statt, welcher gegen 200 Wähler beiwohnten. Als Vorsitzender der Versammlung fungierte Vorsteher-Stellvertreter F r i e d l ä n d e r. Vorsteher Dr. A. H i l f erstattete einen ausführlichen Bericht über die Tätigkeit der Kultusgemeinde- Vertretung während der abgelaufenen dreijährigen Wahlperiode; iusbesonders bezüglich der Tempel- und Schulangelegenheiten, der erfolgten Neuorganisation des israelitischen Religionsunterrichtes, welcher an über 1200 Volksschüler und 300 Mittelschüler erteilt wird, und endlich über die Finanzgebahrung der Kultusgemeinde. An diesen Bericht schloß sich eine sehr eingehende Debatte, bei welcher alle Gebiete, der Kultusgemeinde-Verwaltung zur Besprechung gelangten, worauf der Bericht einstimmig zur befriedigenden Kenntnis genommen wurde. Das provisorische Wahlkomitee wurde von der Versammlung mit der Aufstellung der Kandidatenliste betraut. Die Wahlen selbst sind für den 7. und 8. November ausgeschrieben. Jokai und das Judentum. Unter dem Titel „Jokai ös a zsidösäg“ veröffentlicht der Losonczer Rabbiner Dr. Bela V a j d a eine schön geschriebene, von pietätvoller Dankbarkeit für den Jokai'schen Genius inspirierte Studie, welche die Beziehungen des großen Romanciers zum Judentum interessant beleuchtet. Er hebt hervor, daß die ungarische Jndenheit keinen aufrichtigeren Freund hatte als Moriz Jokai. Diese Freundschaft begann schon im zarten Alter anläßlich des bekannten Renkontres mit dem jüdischen Schulkollegen Koritschoner. das einen so versöhnenden Abschluß fand. In Kecskemet, wo Jokai seinen juridischen Studien oblag, hatte er Juden zu Freunden. „Ich konnte — schreibt er — mein Ansehen überall nach der Richtung hin geltend machen, daß wir die gebildeten Jünglinge der kaufmännischen Klasse der Kecskemetcr Judenschaft in unseren geselligen Kreisen heimisch machten. Sic waren unsere besten Freunde; mit ihnen konnten wir am meisten über literarische Dinge sprechen, von ihnen liehen wir uns Bücher zum Lesen aus; selbst Petöfi wurde am besten von ihnen propagiert." Dr. Vajda erinnert daran, daß das erste größere Werk Jokai's das Drama ,,A zsidö fiu“ war, das er selbst als „den Jammerschrei der Leiden eines verfolgten Stammes" bezeichnete. Jokai war es, der den Juden für ihre Haltung im Freiheitskampfe stets die wärmste Anerkennung zollte, und diesen Sympathien für die Juden gab er in zahlreichen seiner Werke beredten Ausdruck. Dr. Vajda läßt es' bei dieser Behauptung nicht bewenden: er geht sämtliche Werke des illustren Romanciers durch und erinnert an jene Stellen, die von Jokai's Sympathien für das Judentum zeugen. Sehr interessant ist der Abschnitt des Buches, in welchem Jokai's Bibelfestigkeit dargetan wird. Der Verfasser schließt seine fesselnde Studie mit folgenden Zeilen: „Aus dem unansehnlichen Komaromer Studenten, der von seiner Mutter die reinste religiöse Toleranz gelernt, .aus dem Kecskemöter Juristen, der die Freundschaft der jüdischen Jünglinge gesucht, wurde eine der hervorragendsten Gestalten der Weltliteratur, der immerwährende Stolz der ungarischen Nation .... Mit der schöpferischen Kraft wuchsen bei ihm die Tugenden der Seele: die grenzenlose Gerechtigkeit und Menschenliebe und im Rahmen derselben die Sympathien für das verkannte Judentum. Ist es da zu verwundern, wenn unsere Anhänglichkeit, unser Dank ihm gegenüber so grenzenlos gewachsen ist? Einen sehr bescheidenen Teil dieses Dankes war das ungarische Judentum noch zu Lebzeiten des Dichters abzustatten bemüht. Im Jahre 1869 wählten ihn die Theresienstädter Juden mit großer Kraftanstrengung und großer Opfersrendigkeit zum Reichstazsabgeordneten des Bezirks. Paul Tencer arbeitete im Nachbarbezirk mit allen Kräften im Interesse der Regierungspartei, aber noch stärker als seine regierungsfreundliche Gesinnung war seine Anhänglichkeit an den oppositionellen Kandidaten Jokai. Er gab ihm die Waffe in die Hände, mit welcher er seinen Gegner Gorove, den damaligen Handelsminister, besiegte. Seither nannte sich Jokai scherzweise einen „Ehrenjuden". Immer blieb er ein unbefangener Richter unserer Fehler und Tugenden; für unsere berechtigten Wünsche kämpfte er unerschütterlich mit Feder, Wort und Tat. Er liebte uns, trotzdem das seiner Volkstümlichkeit schadete. Wir aber werden sein Angedenken segnend wahren von Generation zu Generation." Die Studie Dr. Vajda's, die nach dem Obigen keiner Empfehlung bedarf, ist ein wertvoller Beitrag zur Charakteristik Jokai's, aber auch zur Kultur- und Literaturgeschichte Ungarns. („Neues Pester Journal".) Rabbinerseminar in Breslau. Das jüdisch-theologische Seminar in Breslau feiert demnächst das Jubiläum seines fünfzigjährigen Bestehens. Es dürfte von Interesse sein, etwas von der Geschichte dieses Institutes zu erfahren. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts lebte in Breslau ein jüdischer Bankier und Philanthrop namens Jonas Fränkel, ein Nachkonnne jenes David Fränkel, der seinerzeit Rabbiner von Berlin und einer der Talmudlehrer von Moses Mendelssohn gewesen war. Obwohl Fränkel durch seine Finanzgeschäfte reichlich in Anspruch genommen war, nahm er tätigen Anteil an der Verwaltung der Breslauer jüdischen Gemeinde. Seine bedeutenden Verdienste auf dem Gebiete des Handels und der Jndustie Preußens wurden von Seiten der Regierung durch die Verleihung des Kommerzienrat-Titels anerkannt. Wenige Jahre vor seinem Tode stiftete Fränkel die Summe von 100.000 Thaler zur Begründung eines jüdischen Seminars, in dem jüdische junge Männer ohne Entgelt in religiösen und Welt-