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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-11-04 · 45 (4.11.1904) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
45 (4.11.1904)
Date
1904-11-04
Page
– (sequence 5)
Language
German
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’Jlr. 45 Dr. Mocb's MocbenscbrM. Seite 721 wie ein Dichter und Denker die Gestalt eines anderen Denkers und Dichters umformt und sie mit einem neuen Schmucke ausstattet. Dieser Moses Schillers ist ein Träger Schiller'scher Ideale, gradeso wie Micheangelo seinem Moses von seiner künstlerischen Glut eingehaucht. Wenn in neuester Zeit Henry George Moses zu einem der größten Nationalökonomen gestempelt hat, so lebt in dem Schiller'schen Moses ein Strahl von jener Freiheitssonne, ein Funke von jenem Feuer, das den Schillerten Helden in so hohem Maße zu eigen ist. Dieser Moses ist ein Held, ein Held jener bürgerlichen und Geistesfreiheit, die vom 18. Jahrhundert, von dem Jahrhundert der Aufklärung laut verkündet worden. Der Moses Schiller's ist der Freiheitsheld, der Sklaven Freiheit und Menschlichkeit künden soll. Und gerade in unserer Zeit, die auf der einen Seite den Dogmatismus in der Religion, auf der anderen Seite den nicht minder starren in der Wissenschaft verkündet, sucht das Herz eine Zuflucht in jene Sphären, wo die wahre Freiheit waltet, in die des Gefühlslebens, der . Kunst und der Religion. Und so wird uns nicht nur der biblische Moses stets teuer sein, sondern auch der Schill er'sche. Ist jener der begeisterte Seher, der Verkünder und Vater für sein Volk, so ist der Schiller'sche ein ruhiger Held, der das Ungestüm im wogenden Herzen meistert, und die Mittel sammelt für die gewaltige, geistige Tat. Darum gehört auch Schiller zu jenen Gestirnen am Geisteshimmel, von denen wir mit Daniel (Xll. 3.) sagen können: „Die Erkenntnis verbreiten, werden leuchten tvie des Himmels Glanz, die viele zur Tugend führen, wie die Sterne des Himmels immer und ewig". Dr. M a x G r ü n f e l d. „Hamburgs deutsche Inden". Von M. Grunwald. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts war in Europa die Gräberpoesie Mode; in England, Deutschland, Frankreich und Italien besang man rührend und gefühlvoll die Gräber. Bei den Juden haben aber die Gräber je und allezeit große Wichtigkeit gehabt. Eine der ersten Betätigungen einer neuen Judengemeinde bildete gewöhnlich die Erwerbung eines Begräbnisplatzes, eine der letzten, vor der Au st r e i b u n g, die Sicherstellung der Gräber. Die Grabschriften bieten manchen Beitrag zur Geschichte der Gemeinden, ersetzen mitunter die fehlenden Archive. Und nur auf der Geschichte der einzelnen Gemeinden läßt sich eine befriedigende Geschichte der Juden überhaupt gründen. Das hat auch Herr M Gruuwald, lange Zeit Rabbiner in Hamburg, jetzt in Wien, eingesehen und als fleißiger Forscher trägt er seine Bausteine aus Friedhöfen so gut wie aus Archiven zum Bau der großen Judengeschichte zusammen. Vor zwei Jahren hat er uns mit „Portugiesengräber aus deutscher Erde" erfreut und jetzt bringt er als ebenso willkommene Gabe ein Werk über „Hamburgs deutsche Juden bis zur Auflösung der Dreigemeinden 1811")'). Wie das erstere Werk, trotz des Titels, keine bloße Gräberprosa ist, sondern auch andere Beiträge zur Geschichte der Gemeinde enthält, so nehmen wieder in dem vorliegenden über die deutschen Juden in Hamburg und Altona die Gräber und Grabschristen reichlich ein Drittel des Raumes ein. Das ist wohl für die Nachkommen der dort Begrabenen von großem Interesse; die hebräischen Inschriften mögen auch einigen literarischen Wert haben, wir aber wollen uns hier nur mit den Schicksalen der Juden, so lange sie lebten, beschäftigen. ') Hamburg, Alfred Janssen, 1904, V. und 357 S., groß 8". Für deren Geschichte hat nun unser Autor aus dem ihm zu Gebote gestandenen reichen Material mit vollen Händen geschöpft; aber er sagt selbst, er habe nur „Ausschnitte aus der Geschichte der Hamburger Juden" geben wollen. Wir können hier selbstverständlich keine chronologische Geschichte der Hamburger Juden auf Grund von Grunwald's Werk geben, sondern müssen uns begnügen, seinem Beispiele folgend, aus dessen elf Abschnitten (Das Zeitalter der Glücke! von Hameln, Die Steuerkraft der Gemeinde, Der Judentumult 1730, Das Leben in der Gemeinde, Die soziale Stellung, Beruf und geistiges Leben, Der Hamburger Amulettenstreit, Moralische Streiflichter, Die Hamburger ans oder von Juden geprägten Medaillen, Hamburgs Juden in Bild und Karikatur, Hamburger, Wandsbecker und Altonaer Drucke) das besonders Interessante hervorzuheben. Damit soll jedoch nicht gesagt sein, daß das von uns nicht Erwähnte ohne jedes Interesse ist. Die ersten deutschen Juden sind am Ende des sechzehnten Jahrhunderts nach Hamburg-Altona gekommen, ihre stabile Niederlassung datiert aber erst vou 1627. Sie standen eine Zeitlang unter dem Patronat der Portugiesengemeinde. Im Jahre 1721 wird ihnen eine eigene Gerichtsbarkeit in gewissen Fällen bewilligt. Mit Steuern arg bedrückt, in ihren Rechten sehr beschränkt, oft augefeindet und bedroht, hatten sie doch keine eigentliche Verfolgung zu erleiden. Zu argen Ausschreitungen gegen die Juden ließ es der Senat nie kommen und die Uebeltäter entgingen der Strafe nicht. In Bezug auf den Tumult vom Jahre 1730 heißt es in einem jüdischen Bericht: „Wie eine Mauer von Eisen standen die hohen Herren zu unserm Schutz und Heil." Ueberhaupt war der Senat ihnen stets günstiger gestimmt als die, wohl von Konkurrenzneid inspirierte, ihnen feindliche Bürgerschaft. Am meisten wurde aber gegen sie von der Geistlichkeit gehetzt, wie dies auch anderwärts der Fall war. Nur hatte sie in protestantischen Ländern weniger Einfluß und Erfolg als in katholischen. So nannte i. I. 1648 Pastor Gesenius (vielleicht ein Vorfahr des berühmten Hebraisten) die Aufnahme der Juden einen ketzerischen Unfug, und der Pastor der Nikolaikirche forderte von der Kanzel herab, man solle ihm die Hand bieten, „das Ungeziefer" aus der Stadt zu schaffen. Wiederholt, mitunter ganz fälschlich, denunziert die Geistlichkeit die Juden, daß sie sich ohne Erlaubnis Betstubeu eingerichtet haben. Auch der arge Krawall von 1730 scheint nicht ohne geistliche Hetzerei entstanden zu sein. Der Senat verordnete damals, den Pastor Schubert über die von ihn: in seiner Predigt erhobenen Anklagen gegen die Juden einzuvernehmen. Auch verlangte er, die Geistlichkeit möge „nach ihrer Gott und dieser guten Stadt schuldigen Pflicht überlegen, was dergleichen Unruhe für böse Folgen nach sich ziehe und ob nicht das Gewissen demjenigen, welcher sich etwa einer Veranlassung hiebei schuldig gemacht, allen Aufruhr, Mord und Blutvergießen zur Last legen müsse." In der Tat sahen sich nun einige Pastoren bemüßigt, ihre Gemeinden zum Abstehen von solchem gottlosen Unternehmen zu mahnen und den Krawallmachern mit dem Fluche zu drohen. Einmal hat sich aber ein Geistlicher eines Juden angenommen. Es war der Erzbischof von Bremen, der sich im Jahre 1614 beim Hamburger Senat beschwerte, daß man seinen Schutzjuden Salomon Herscheider in die Stadt nicht einlassen wolle und ihm Schaden und Ungelegenheit verursache. Er drohte, dafür den Hamburger Portugiesen, „die ja auch Juden seien", nicht mehr, wie bisher, freies Geleite zu gewähren. Ganz nach dem Grundsätze: Hauest du meine Juden, so haue ich deine. Auch sonst waren die Juden vielerlei Beschränkungen und Zurücksetzungen ausgesetzt. Noch im Jahre 1798 durste selbst der wohlhabendste, geachtetste jüdische Kaufmann nicht

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