Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1904)
- Issue
- 45 (4.11.1904)
- Date
- 1904-11-04
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3020846-3021547-3021593--14014-3038699- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Jahrgang Hl Br. Bloches Centralorgan für die gesammten Interessen des Iudenthums. Mir«, 4. November 1V04 -H- *4- Erscheint jeden Freit ag. - 'H1 - Brief-Adresse: Wien, IX/1» Derggaffe SS. Telegramm-Adresse: Bloch's Wochenschrift, Wien. Srxugsprri» für Srstrrretch: Halbjährig 8 Kronen. Einzelexemplare 50 Heller. Für'» Ausland r Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 „ I Anzeigen: Die4mal gespaltene Petitzeile 24 Heller. * - * « ■ ■ ■=* V. ft. Pofisparrafsrn-Arnt Clearing-Vrrkrhr Ar. 810.876. Lrdartion und Administration: Vir« IX/1, Vrrggafsr Nr. 39. Telephon Nr. 14.847. ,K ■ ■ . =% Inhalt: L eitartike l: Wien und Czernowitz. — Der Tiefstand. — Jüdische Welt-Kaufleute im Mittelalter. — Schiller und das jüdische Volk. — Hamburgs deutsche Inden. — Korrespondenzen: Bethausspenden. Zur Statistik der Inden in Oesterreich. Mähr.-Ostrau. Jokai und das Jlldentnin. Rabbinersemiilar in Breslau. Oderfurt. Frankfurt a. M. Pa is. Petersburg. Der Prozef; wegen der Judenhetze in Hornel. Die Juden in Sibirien. Dr. Hermann Baar. — Vermischtes: Wien. Verein zur Abwehr des Antisemitismus. Wien, Lemberg, Loschitz, Skole, Budapest, Czernowitz, Mitrowitz. — Feuilleton: Gesühnt. — Neu Bücher. — Briefkasten. — Inserate. Wien und Czernowitz. Der niederösterreichische Landtag hat das famose Schulgesetz Geßmann's beschlossen, welches den Lehrern eine Verbesserung ihrer Bezüge bringt, dafür aber sie in geistige Fesseln schlägt, zu Parteiheloten erniedrigt. Das Gesetz liefert die Schule deni Pfarrer und die Lehrer der Parteityrannei des Landesausschusses aus. Dieses Gesetz ist ein Monument unserer Zeiten Schande. Während solcherart bei uns im Zentrum des Reiches die Lehrerschaft für ein bischen Krippenfutter der politischen Selbstständigkeit beraubt wird, im vielgerühmten, als Muster hingestellten Westen eine rückläufige, gegen den Geist der freien Schule gerichtete Bewegung immer mehr platzgreift, hat die geschmähte Bukowina in der letzten Landtagssitzung den Beweis erbracht, daß sie eine eigenartige und selbständige Existenz führt. Ebenso wie dieses Kronland in politischer Hinsicht richtunggebend sein darf, weil in ihm trotz polyglotter Zusammensetzung die nationalen Bestrebungen der einzelnen Volksstämme den sozialen und wirtschaftlichen Interessen der Gesamtheit subordiniert worden sind, ebenso ist es auch kulturell selbständig vorgegangen, indem es dem Lehrerstande ohne Ankoppelung an ein Parteiinteresse und ohne sonstige Bedingungen und, Verklausulierungen eine sichere materielle Grundlage gegeben hat, in der Erwägung, daß eine materiell und politisch freie Lehrerschaft das beste Bollwerk für die freie Schule ist. Im Landesausschuß der Bukowina sitzt Dr. Straucher, ein treuer Jude, als Mitglied; er war auch der Referent über dieses bedeutsame Gesetz. Ueber diese Landtagsverhandlung wird uns gemeldet: Abgeordneter Dr. Straucher leitete als Berichterstatter die Debatte ein und sagte, daß dank der Initiative des „Freisinnigen Verbandes" und dem durch manche Konzessionen erlangten Votum der Rechten zwei Vorlagen von einschneidender Bedeutung für die finanziellen Verhältnisse des Landes in der letzten Sitzung votiert wurden. Redner glaubt, daß das Gesetz welches jetzt in Verhandlung stehl, an Bedeutung den früheren nicht nachsteht. Durch die Annahme derselben wird der L e h r e rschaft eine Schuld abgestattet, aber auch für eine gedeihliche Entwicklung der Landeslehrer vorgesorgt werden. (Beifall.) Als erster Redner ergriff in der Generaldebatte Landesprüsident Dr. R. v. Bleyleben das Wort. Er sagte: „Hohes Haus! Ich kann den in Verhandlung stehenden Gesetzentwurf, durch welchen die Gehalte der Lehrer erhöht und ihre materielle Lage einer Verbesserung zugesührt werden soll, namens der Regierung nur auf das Lebhafteste begrüßen. (Beifall.) Eine sorgenfreie Existenz der Lehrer ist die erste Voraussetzung dafür, daß sie ihrem schweren und verantwortungsvollen Berufe nachzukommen in der Lage seien. Die Landesvertretung bekundet durch die Annahme dieses Gesetzentwurfes nicht nur ein warmes Interesse für die Lehrerschaft, sondern auch eine verständnisvolle Fürsorge für die Schule, das wichtigste Erziehungsmittel im Staate. Ich kann meinerseits nur der Hoffnung Ausdruck geben, daß es gelingen möge, das segensreiche Werk bald der Realisierung zuzusühren." (Lebhafter Beifall.) Denkwürdig war aber auch das Bild voller Einmütigkeit, welches der weitere Verlaus der Sitzung bot. Alle Redner, so groß ihre Anzahl auch war, fanden Worte der Anerkennung für die Durchführung der Gehaltsregulierung, welche die endliche Begleichung einer Ehrenschuld des Landes an die Lehrer darstellt. Mag immerhin das Lob, welches von den Lippen einzelner Sprecher tönte, eines agitatorischen Beigeschmacks nicht entbehrt und das Verlangen mitgewirkt haben, eine Gruppe, deren Kraftäußerung während der letzten Wahlen so stark empfunden wurde, für sich zu gewinnen, im Großen und Ganzen war die Wertschätzung dieses Standes ebenso ehrlich gemeint als berechtigt. In seinem Schlußwort kam Referent Dr. S t r a u ch e r auf die Ausführungen verschiedener Redner zu sprechen und sagte: