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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-10-28 · 44 (28.10.1904) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
44 (28.10.1904)
Date
1904-10-28
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. Dr. Liocv's MocdenscvrM. Teile?15 „Verteufeltes Weib", murmelte er, „die weiß, was sie will", dann ging er und sprach: „Vorbei, vorbei, nur hinaus in die frische Luft, sonst ersticke ich." Riete glitt nach dem Sofa hin. „Endlich allein", sagte sie, „Gott, welche Erlösung". Dann grub sie das Antlitz in die Hände und schluchzte erleichtert auf. (Fortsetzung folgt.) Literatur. Schiloh. Ein Beitrag zur Geschichte der Messiaslehre von D r. Adolf Posnansk i.' Erster Teil, b t e Auslegun g von G enesis 49, 10 im Altertum bi» zu Ende des Mittelalters. (Leipzig — 1904). 512. LXXVI Belege. Es gibt wohl kein Buch der Welt, mit dem sich so viele Menschen beschäftigen und beschäftigt haben, als die Bibel. Wein es auch nicht das heiligste Buch ist, dem gilt es doch als das interessanteste, und wem auch nicht das Wort Gottes daraus entgegenquillt, dein spricht darans der Geist vergangener Zeiten, ihre religiöse Begeisterung und ihre richtige Auffassung aller menschlichen Verhältnisse. Nicht allein die hohe Kunst der Darstellung ist bewundernswert, mehr noch die Schärfe und Tiefe des Blickes in die menschliche Seele. Dem Theologen ist die Bibel die unerschöpfliche Quelle seines Fachwissens, vielen Laien das du6n retiro der Seele aus der Plattheit des Alltags und ans der Jämmerlichkeit und Enge des gewöhnlichen Daseins und darum wurde die Bibel unzähligemal übersetzt, paraphrasiert, noch öfter interpretiert und kommentiert; jedes Wort wurde gedeutet, in jedem Worte ein Hinweis auf Höheres, auf Ueberweltliches und Uebermenschliches gefunden. Besonders die rnessianischen Stellen, das sind jene, die von zukünftigen großen Ereignissen, von den Hoffnungen und der Erlösung des Volkes Israel sprechen, sind das Objekt der Deutung, oft auch der Zankapfel der Theologen verschiedener monotheistischer Bekenntnisse, da ja die Messiasidee und ihre Auffassung eine der wichtigsten Divergenzen zwischen Judentum und Christentum bildet. Spricht die meffianische Stelle, wie der Wortlaut oder der Zusammenhang beweisen, vom Volke Israel und vom jüdischen König oder vom Christentum und von Christus, oder ist gar der Islam darunter zu verstehen, denn auch die Mohammedaner nennen sich Nachkommen Abrahams und wollen den Islam und. Mohammed in der Bibel vorhergesagt finden. Es gehört ein gutes Stück Hineinlegeknnst dazu, in den betreffenden Bibelstellen unter Israel etwas anderes als das Volk Israel zu finden, und die Juden hatten es nicht schwer, bei den Disputationen, die sie mir christlichen Theologen zu halten gezwungen wurden, ihre Gegner zu widerlegen. Sie hatten nur nötig, sich auf den Wortlaut der Bibel zu stützen. Da gibt es aber im Segen Jakobs Genesis Cap. 49 den Vers 10, der bis auf vier Worte gut verstanden werden könnte, wenn nur auch der Sinn dieser vier Worte, eigentlich eines Wortes, von d;m alles abhängt, auffindbar wäre: „Es wird nicht das Szepter von Juda weichen, der Gesetzesstab nicht von seinen Füßen, bis.". Weiter gehts nicht. Soll es nun heißen, „bis er nach Schiloh kommt" oder bis Schiloh kommt. Sei es, daß ein Wort lange vor Sammlung aller biblischen Bücher und deren Kanonisierung durch die allerersten Abschreiber ausgefallen ist oder daß das Wort Schiloh korrumpurl wurde, oder endlich daß dieses Wort nicht nur ein nomeu proprium ist, sondern auch eine uns unbekannte appellative Bedeutung hat, da der richtige Sinn unauffindbar ist, ist jede Deutung bestreitbar, man kann auch sagen unbestreitbar und jede mögliche und unmögliche Deutung wurde von den verschiedenen Theologen und zu den verschiedenen Zeiten diesem Verse 10 zuteil. Schiloh soll bald ein Ortsname, bald ein Eigenname sein, dann wieder bedeutet es Friede, bald wieder Sohn einer Jungfrau oder Gesandter oder Messias oder Salomo, oder Einer, dem Alles gehört. Wir sind noch lange nicht fertig und wenn auch alle willkürlich angegebenen Bedeutungen des Wortes Schiloh anfgezählt würden, wären wir noch lange nicht fertig. Schiloh ist ja ein Wort in einem Verse; mit der Veränderung der Bedeutung von Schiloh verändert sich auch der Inhalt des Verses und die anderen Wörter des Verses müssen oder können auch umgedeutet werden. Von Akylas, dem ersten Bibelübersetzer in der ersten Hälfte des zweiten Jahrhunderts bis zu den Bibelübersetzern und Bibelerklärern unserer Tage muß ja jeder einen Sinn in diesen Vers hineinbringen und so wurde gerade diese dunkelste Stelle der ganzen Thora der Boden, auf dem heiße theologische Kämpfe ausgefochten werden sollten. Dieser Umstand gibt dem Verse für den Religionsphilosophen und den Historiker die hohe Bedeutung. Es wurde über diesen Vers eine große Literatur. zusammeu- ' geschrieben. Zum großen Teile wurde sie gedruckt, ein Teil blieb bis zum Erscheinen vorliegenden Werkes Manuskript. Auch das Gedruckte war früher nicht leicht zugänglich, da sich doch zumeist mittelalterliche, in der Verborgenheit der Bibliotheken ruhende Bibelwerke und theologische Streitschriften mit der Exegese der rnessianischen Stellen beschäftigen. .; r, Dr. Posnanski unterzog sich nun der großen Mühe, all das, was je über die eine Bibelstelle von Juden, Christen, Heiden oder Mohammedanern in irgend einer Sprache geschrieben wurde, zu sammeln, zu ordnen und zu veröffentlichen. Der erste, schon vorliegende Band reicht bis ans Ende des Mittelalters. Zwei ungeheure Schwierigkeiten mußten überwunden werden. Erstens, die Herbeischaffung des gewaltigen Materials, da sich Dr. Posnanski nicht mit dem Bekannten begnügte. Gerade die Auffindung jener Erklärungen, die nur handschriftlich vorhanden waren und deren Veröffentlichung in der Sprache des Manuskriptes und zugleich in deutscher Uebersetzung sichern dem Buche die Wertschätzung aller wissenschaftlich arbeitenden Theologen. Die zweite, nicht geringer zu überwindende Schwierigkeit war die Anordnung des Materials, die Arbeit fast zweier Jahrtausende zu ordnen und zu klassifizieren. Exegese und Polemik, Homilie und Postille, Erbauung un) Zurechtweisung, mit all dem beschäftigen sich die verschiedenartigen Schriftsteller; die rabbinischen weisen dabei immer auf Talmud und Midrasch hin und mit Verständnis muß den Aussprüchen uachgegangeu werden, um ihre Meinung einreihen zu können. Die einzelnen Gruppen müssen historisch geordnet sein. All dies hat Dr. Posnanski wohl beachtet und fast möchte man sagen, er habe zuviel des Guten getan, da er jeden Schriftsteller, der etwas über den betreffenden Vers niedergeschrieben hat, wörtlich zitiert, wenn das Gesagte auch schon früher und präziser gesagt wurde. So hören wir dieselben Ansichten und Meinungen breitspurig mehrereinal, während doch oft der Name des Schriftstellers mit dem Hinweis aus irgend einen seiner vielen Vorgänger genügt hätte. Der interessanteste Teil des vorliegenden ersten Bandes ist jener, der die Dispute enthält, interessant nicht nur für den Fachmann, sondern auch für den Historiker und Psychologen. Hier ersieht man. mit welchen haarspalterischen Nichtigkeiten man den Glauben, der so fest im Herzen der Juden lebte, entwurzeln zu können glaubte. Von der Bedeutung de» Wortes Schiloh, das nach Ansicht christlicher Theologen eigentlich Schiluach oder vielleicht Scheloh oder gar Schiljah oder wer weiß was heißen sollte, machte man eine Bekehrung abhängig, die durch Scheiterhaufen, Plünderung, Entrechtung und Vertreibung nicht zu erzwingen war. Die Leute meinten es mit ihrem mönchischem Denken sicherlich ernst, wenigstens waren die Folgen der religiösen Disputationen für die Inden sehr traurige und ernste. Solche Disputationen waren in Spanien immer Vorläufer von Verfolgungen, dis es endlich zur Vertreibung der Juden ans Spanien kam. Wir wissen wohl, daß Plünderungssncht die Grundursache der Vertreibung war, aber diese Disputationen charakterisieren das Mittelalter, in dem sich Frömmigkeit, Roheit und Borniertheit eng verbunden mit dem Willen, gemeinschaftlich das Judentum zu vernichten. Das Mittelalter wurde überwunoen, aber Reste davon sind noch genug vorhanden und nicht nur in Spanien. Dr. Simon Stern. Dr. M. Allschüler. Giertcljahreöschrift für Bibelkurrde. Talmudische und patriotische Studien. Verlag von S. Calvary & Comp., Berlin NW. 7. I. Jahrgang, Heft 3. Inhalt: August Wünsche (Dresden): Jesu Konflikt mit den Pharisäern wegen des Aehrenausraufens seiner Schüler. I. L a n z— Liebe ufels (Wien): Anlhropozoon Biblicum. I. Eisagogikon. II. Archaeo-Anthropologikon. August Wünsche: Der Schöpfungsbericht (Gen. I.) nach Auffassung des Midrasch I. a) Tauchuma ed. Buber; b) Jelawdeun; c) Lekaehtob oder Pesikta sutarta ed. Buber. A u g u st Wünsche: Der Komparativ im Hebräischen im Lichte der arabischen Grammatik. Miszellen: Zur Muttersprache Jesu. 1. Matth. 12, 3—8 Idiom des Targnininn II. Idiom des Talmud III. Matth. 22, 29-32, IV. Nachtrag. Heft 4. Inhalt: A. Büchler (Wien): Eine eigentümliche Einzelheit des ^startedienstes in den Psalmen Salomos. Lau z—L i e b e n f e l s (Wien): Authropozoon Biblicum. III. Biblio- -Exegetikon I. Slugit st Wünsche: Gedanken über Bild und Vergleichung tut Hebräischen und Arabischen nach Wesen und Bedeutung. A n g u st Wünsche: Die biblische Todesstrafe der Steinigung Miszellen: I. Lau z—L i e b e n f e l s: Zur Theologie der gotischen Bibel. II. A u g u st Wünsche: Zur Muttersprache Jesu, Matth. 6, 9—14. 6, 25—34 und 19, 16—17. Luk. 6, 86. Eingesandte Literatur. II. Jahrgang. Heft 1. Inhalt: Hans Bahr (Berlin): Das Wesen der hebräischen Poesie. A u g u st Wünsche (Dresden): Gedanken über Bild und Vergleichung nach Wesen und Bedeutung im Hebräischen und Arabischen. II. I. Lanz— Liebe nfels (Wien): Authropozoon Biblicum. Biblio-Exegetikon II. I. C M a t t h e s (Amsterdam): Der Prediger. A u g u st Wünsche: Der Prophet Micha ja der agadischen Deutung des Jalknt Schimeoni II. Miszellen: I. Hans Bahr: Zur jüngsten Psalmauslegung. II. August Wünsche: Zur Muttersprache Jesu, Matth. 5, 3—12, Matth. 5, 17—19, Matth. 7, 1—8, Matth. 12, 50 und Mark 3, 35, Matth. 7, 24—27, Matth. 22, 3«. III. August Wünsche: Zu Joh. Kap. 4. Zeitungsschau. Ost und West. Illustrierte Monatsschrift für modernes Judentum. Verlag Ost und West, G. m. b. H., 23erlin, NW. 23, Altonaerstraße 36. IV. Jahrgang. Oktober 1904, Heft Nr. 10..Inhalt: Assimilation. D r. Richard L o e w e: Die jüdisch-deutsche Sprache. B. Samuel: Samuel Hirszenberg (mit 20 Jllnstrattonen). Bar Ami: Eliah, der Prophet Maria Stona: Theodor Herzl (Ein Gedenkblatt). M. Schorr: Die mosaische Gesetzgebung, im Lichte des Codex Hammurabi. H. Jork-Steiner: Koriander, der Chasan. Dr. B. Münz: Gerhart Hauptrnann's Hirtenlied.

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