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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-10-14 · 42 (14.10.1904) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
42 (14.10.1904)
Date
1904-10-14
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 42 Dr. Blocb s MocbenscbrM. Seite 681 einer wissenschaftlichen Sektion übergeben wurde. Frau Rabinowitsch hatte in der Vormittagssitzung einen mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag über die Geflügeltuberkulose und ihre Beziehungen zur Säugetiertuberkulose gehalten, an den sich die Demonstration sehr schöner Präparate anschloß. Oderberg-Bahnhof. In der am 3. d. M. abgehaltenen Konstituierung des neugewählten Ausschusses für die Gemeinde Schönichel, Oderberg-Bahnhof und Kopitan wurde unser Glaubensgenosse Herr Viktor Lustig, Bahnhofrestaurateur, zum Bürgermeister gewählt. — In dem Ausschüsse befinden sich auch Herr Josef Zänker als ständiges und Herr Wilhelm Morvayi als Ersatzmitglied. — Herr Viktor Lustig ist zugleich Obmann unseres Bethausvereines und hat sich derselbe während seiner vierjährigen Amtstätigkeit durch sein einfaches und bescheidenes Wesen, sowie durch sein emsiges Bestreben, für das Wohl des Vereines zu wirken, die Sympathien aller Vereinsmitglieder erworben. Brodh. Die hiesigen Akademiker, die für jedes Weh und Leid die wärmste Teilnahme bekunden, sind wieder die Initiatoren eines höchst edlen Werkes, das die vollste Anerkennung verdient. Auf ihre Veranlassung fand eine große Versammlung statt, vertreten von den verschiedensten Ständen der jüdischen Bevölkerung, behufs Gründung eines Vereines zur Erhaltung eines Schulheims für arme jüdische Gymnasialschüler. Nach verschiedenen Debatten über die vorgelesenen betreffenden Statuten wurde ein Aktionskomitee gewählt, das aus Männern, wie Herr L. Bloch, Herr Dr. Groß, Herr Dr. Nittel, Herr Moritz Landau und Anderen dergleichen besteht, welche mit der Realisierung dieser höchst humanitären Institution sich beschäftigen werden. Ob aber dann die ins Leben gerufene Anstalt wegen der tristen Verhältnisse der so verarmten Stadt auch lebensfähig sein wird, wird eine Frage der Zeit sein. — Auch freut es mich, hier berichten zu können, daß das Los der armen russischen Flüchtlinge sich zum Besseren gewendet hat. Die Bedauernswerten wurden oft auf Befehl der politischen Behörde von den Gendarmen zur russischen Grenze zurückgestellt. So geschah es am 30. v. M. mit 7 Flüchtlingen, darunter auch 2 Christen. Da begabt n sich am 3. d. M. Herr Dr. Groß und Herr Moritz Landau nach Lemberg zu unserem Reichsrats- und Landtagsabgeordneten Herrn Dr. Emil Byk und Herrn Dr. Loewenstein und diesen gelang es, zu erwirken, daß die Flüchtlinge nach einem kurzen Verbleiben hier nicht ausgeliefert werden. M. M a r k st e i n. Graz. In nächster Zeit feiern wir ein doppeltes Fest. Es dürfte auch die geschätzten Leser dieses Blattes interessieren, daß am 26. Oktober d. I. unser allverehrter Rabbiner, Herr Dr. S. M ii h s a m mit seiner Gattin Marianne die Silberhochzeit feiert. Zu gleicher Zeit sind es 25 Jahre, daß der durch Herrn Dr. M n h s a m gegründete „Grazer israelitische Frauen-Vereiu", dessen Präsidentin Frau Dr. Mühsam während dieser ganzen Zeit ist, seine so überaus segensreiche Wirksamkeit betätigt. Eine Jubiläumsfeier ist für den Winter geplant. Ein hiesiger christlicher Wohltäter, Herr S i m o n I a n k, der am 17. v. M. in Gastein verschied, hat eine Reihe bedeutender Legate gemeinnützigen Körperschaften und Instituten gewidmet. Auch der israelitische Franenverein erhielt 2000 Kronen. Sein Geschäft in der Sackstraße vermachte er Fräulein Regine Singer, einem braven, jüdischen Mädchen. Teltsch. Bei der am 9. d. M. stattgehabten Neuwahl des israelitischen Gemeindeausschusses wurden gewählt die Herren: I. Butschovitz, Ignatz Frischer. Ludwig H e r r m a n n, Sieg. Mahler, Dr. Otto N e u m a n n,. Albert R a z d o v i tz, Eduard Stein, Siegmund Stein sau. und Ferdinand Spitzer. Dieses Wahlergebnis ist bis auf das Ausscheiden des Herrn Leopold Lauer freudig zu begrüßen. Die Majorität unserer Gemeinde hat durch'ihre Stimmenabgabe den unumstößlichen Beweis erbracht für ihr Vertrauen zu dem bisherigen Vorsteher, der sich um den hiesigen, neuerbauten Tempel hohe Verdienste erworben. Herr Herrmann ist unstreitig einer der geeignetsten Vertreter der hiesigen Gemeinde und vereinigt in sich jene hervorragenden Eigenschaften eines Verwaltungsbeamten, die zur tatkräftigen und würdevollen Vertretung einer Korporation sowohl nach innen als nach außen unumgänglich notwendig sind. Breslau. (Jubiläumsfeier des Rabbiner-Seminars.) Am 29. und 30. Oktober d. I. findet die 50jährige Jubiläumsfeier des hiesigen Rabbinerseminars statt. Am 29. Oktober soll eine gottesdienstliche Feier in der Seminarsynagoge begangen werden, bei welcher der Lehrer der Homiletik, Dozent Dr. Horowitz, die Festpredigt halten wird. Am Abend desselben Tages beabsichtigt das Kuratorium, die Festteilnehmer und Gäste zu einem Bierabend einzuladen. Am 30. Oktober soll der Festaktus im großen Saal der Lessingloge stattfinden, wobei ein Mitglied des Kuratoriums und der derzeitige Vorsitzende des Lehrerkollegiums, Herr Seminarrabbiner Dr. Levy, die Festreden halten werden. Ein Ausschuß des Festkomitees gedenkt eine Ehrengabe, die von Gönnern und früheren Schülern der Anstalt gespendet worden ist, zu überreichen. Ueber die Art ihrer Verwendung wird das Kuratorium im Verein mit dem Lehrerkollegium bestimmen. Am selben Tage findet ein Festessen für alle Teilnehmer am Feste in der Loge statt. Als Festschrift kommt die Geschichte des Seminars, dargestellt vom Dozenten Dr. M. B r a n n, zur Verteilung. Für Montag den 31. Oktober ist von den gegenwärtigen Hörern der 'Anstalt ein Kommers in Aussicht genommen. Basel. Aus Basel geht uns die erschütternde Mitteilung zu, daß Herr Kommerzienrat Lazar I. Brodsky aus Kiew daselbst bei vorübergehendem Verweilen zum Besuche seiner Tochter einem Herzschlage erlegen ist. Schon sein Vater hat eine große industrielle Tätigkeit entfaltet und dem überaus geschäftstüchtigen Sohne ein sehr bedeutendes Vermögen hinterlassen, das der verstorbene Lazar noch wesentlich vergrößert hat. In Südrußland hieß er der Zuckerkönig, der Zehntausende von Arbeitern beschäftigte und in seinem Reiche ebenso unumschränkt war, wie der, Zar in dem seinigen herrscht. Lazar Brodsky verstand aber von seinem kolossalen Vermögen, das auf zirka 30 Millionen Rubel geschützt wird, den edelsten Gebrauch zu machen. Nebst zahlreichen Wohlfahrtseinrichtungen für seine Arbeiter gab er enorme Summen für speziell jüdische Zwecke aus. So hat er u. a. in Kiew eine jüdische Handwerkerschule begründet und eine sehr schöne Synagoge unterhalten. Ein Herzschlag machte dem tatenreichen Leben im 56. Jahre ein vorzeitiges Ende. Der Verstorbene hinterläßt keinen männlichen Nachfolger. Von seinen 3 Töchtern ist die eine mit dem jungen Baron Ginzburg und die zweite mit dem Schweizer Oberst Dreifuß verheiratet, während die jüngste Tochter erst 18 Jahre zählt. Der Verstorbene hat ein Testament hinterlassen, in dem er eine Million Rubel für wohltätige Zwecke vermacht hat. In Palästina hat die „Jca" bekanntlich schon vor längerer Zeit in Galiläa eine große Fläche Boden erworben. Wie uns mitgeteilt wird, dauern die Bodenkäufe immer noch fort. Der Bodenbesitz der Gesellschaft wird an junge arbeitslustige und arbeitsfähige Menschen verpachtet. Jeder Arbeiter erhält nur soviel Boden, als er selbst zu bearbeiten imstande ist. Die Pachtdauer ist im Vertrage genau fixiert. In der Regel macht ein solcher Bodenanteil 200 Dunam aus. Gleichzeitig mit dem Boden erhält der Pächter ein Darlehen von zweitausend Francs. Mit dieser Summe bestreiten die Pächter die Einrichtungskosten. Die Abzahlung dieser Summe erfolgt in jährlichen Teilzahlungen. Ebenso haben die Pächter den Zehent und andere Auslagen aus eigenem, respektive aus dem Ertrage der Pachtung zu bestreiten. Das ist Zionismus! Feuilleton. Gesühnt. Von Dr. F. Rich. Hemschel. IV. Josef Thalheim zeigte trotz seiner Jugend das ernste Aussehen eines gereiften Mannes. Das von einem schwanen Bart umrahmte Gesicht war scharf ausgeprägt und erinnerte in seinem Schnitt an die Bildnisse auf antiken Gemmen, der breite Mund mit den schmalen geschlossenen Lippen gab dem Gesicht einen strengen Zug, der sich beim Sprechen verschönte, zumal wenn er von mildem Lächeln umspielt war. Das dunkle Auge hatte einen ungewöhnlich hellen Glanz und konnte herzensgut dreinschauen, und wenn er mit Rieke redete, jedes Wort so klar und mit warmen Ton vorbrachte, die lebhaften Augen jedes seiner Worte begleiteten, dann war er sogar schön. Freilich hielt er in Rieke's Augen den Vergleich mit dem schönen Egon nicht aus. v. Brinkmann war ihm in der leichten Konversation wei

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