Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-10-14 · 42 (14.10.1904) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
42 (14.10.1904)
Date
1904-10-14
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3020846-3021547-3021590--13971-3038653
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Dr. Dlocb s MocbenscdrtN. Seite 677 Nr. 43 werden die kleinen Gewerbetreibenden von der Kommune ungemein chikaniert. Redner verurteilt in schärfster Weise die Lobhudeleien, welche der Präsident des Preßkongresses dem Bürgermeister zuteil werden ließ, verweist auf den Antrag betreffs Abänderung des Volksschulgesetzes, welcher die Dauer des Unterrichtes auf einen halben Tag herabsetzen solle. Derartigen Tatsachen gegenüber müssen die Juden passiven Widerstand leisten. Herr Baum führt aus, daß die den Juden gewährte Gleichberechtigung noch nicht in Fleisch und Blut des Volkes übergegangen sei. Man könne daher nicht hoffen, daß dieser alte Antisemitismus auf dem Wege von Vereinsversämmlungen zu bekämpfen sei, und es bleibe dahingestellt, ob eine allgemein zugängliche Diskussion über das für heute angesetzte Thema veranstaltet werden solle, oder ob derartige Fragen nicht besser durch Agitation von Haus zu Haus gelöst werden könnten. Redner kommt ebenfalls auf die von den marktbesuchenden Kausteuten eingebrachte Petition zu sprechen und bemerkt, daß diese Vereinigung nur dem Beispiele der Handelsleute folge, welche den Juden vor fünfzig Jahren die Standplätze in der Trödlerhalle ebenfalls verweigert hätten. In einem an Intelligenz so reichen Bezirke, wie es z. B. derjenige ist, wo die heutige Versammlung stattfindet, müsse man Einfluß auf die Wahl der Abgeordneten nehmen.. Sekretär' Fleische r bemerkt gegenüber dem Vorredner, daß es Beschluß der letzten Generalversammlung war, in künftigen Versammlungen sich wirtschaftlichen Fragen zuzuwenden. Kraft dieses Beschlusses habe die Vereinsleitung das wichtige und aktuelle Thema auf die Tagesordnung gestellt. Niemand komme zu seinem Rechte, der sich duckt und die Verletzungen desselben schweigend hinnimmt. Die Union begnüge sich ja nicht, lediglich Versammlungen zu veranstalten, sondern sie habe bezüglich der eingebrachten Petition auf Trennung von christlichen und jüdischen Marktbesuchern sich bereits an die kompetenten Faktoren gewendet: Dr. Lifczis macht auf die Tyrannei der Kommune in der Handhabung der Gewerbe-Strafrechtspflege aufmerksam und verweist auf die Unzukömmlichkeiten, die aus den rituellen Ehen in Galizien für jüdische Geschäftsleute hervorgehen. Dr. Hein konstatiert in seinem Schlußworte, daß es trotz umfassender Agitation viele Glaubensgenoss en versäumt haben, sich das Wiener Heimatsrecht zu erwerben. Daraus geht hervor, daß der Einzelne sich seiner Rechte viel zu wenig annehme. Redner betont, daß es Pflicht der wohlhabenden Juden sei, sich angesichts der Notlage des jüdischen Volkes ihrer Glaubensgenossen und speziell der Gewerbetreibenden unter ihnen durch Beschäftigung derselben anzunehmen. Nachdem noch Herrr Sonnenschein der Vereinsleitung für die unermüdliche und erfolgreiche Tätigkeit den Dank und die Anerkennung ausgesprochen, schloß der Vorsitzende in vorgerückter Stunde die Versammlung. Fünfurrdzwanzigjähriges Amtsjubiläum des Ersten Kantors Moriz Blatt. Samstag den 8. d. M. beging der I. Kantor der Wiener israel. Kultus gemeinde, Herr Moriz Blatt, das Jubiläum seiner 25jährigen Wirksamkeit als Kantor der Wiener Gemeinde. Die allgemeine Wertschätzung und Anerkennung, deren sich der Jubilar sowohl beim Vorstande, wie auch beim Publckum erfreut, kamen bei dieser Feier vollauf zum Ausdrucke. Der Vorstand übertrug Herrn Blatt für diesen Samstag die erste Funktion im Gotteshause und versammelte sich daselbst vollzählig. Der Jubilar wurde vom Oberkantor Guttmann feierlich zur Thora gerufen, bei welcher Gelegenheit Rabbiner Dr. Schmied! eine herzliche Ansprache an seinen „Sangesfreund und Kollegen im heiligen Dienste" hielt, welche auf alle Zuhörer einen großen Eindruck ausübte. Oberkantor Guttmann widmete dem Jubilar einen im klassischen Hebräisch verfaßten AliZobodsraeb, worauf der treffliche Chor das Hallelujah anstimmte. Mit tränenerstickter Stimme sprach sodann Kantor Blatt einen selbst verfaßten großen AlisebsboraLb, der dem Wohlergehen des Vorstandes, der Rabbiner, der Amtskollegen, wie der ganzen Gemeinde galt. In der festlich geschmückten Wohnung des Jubilars gratulierten nach dem Gottesdienste: der Präsident der israelitischen Kultusgemeinde Herr Dr. Alfred Stern, der gesamte Bethausvorstand unter Führung des Vizepräsidenten Dr. Markus Spitzer, (der Präsident Herr Dr. Gustav K o h n wahr beruflich verhindert), welcher nach einer schwungvollen Ansprache dem Jubilar im Namen des Vorstandes eine herrliche silberne Jardiniere als Ehrengeschenk sowie eine Adresse überreichte, der Vorstand des Oesterr -ungar. Kantoren-Vereines unter Führung des Präsidenten Oberkantors Singer, eine Deputation der Religionslehrer unter Führung des Inspektors Prof. K a n i tz, der Verein zur Bekleidung armer alter Männer mit seinen! Obmanne Isidor Schwarz, das Männer-Quartett des Tempels unter Führung des Chordirigenten Julius Hei mann, die Chorknaben, welche unter Leitung des jungen Rudolf Hei mann das Festlied: „Heut' ist Dein Jubeltag", von Prof. Nasche zum Vortrag brachten, der Vizepräsident der Kultusgemeinde Herr Dr. Gustav K o h n, Oberrabbiuer Dr. Güdem a n n mit Gemahlin, Rektor Dr. Schwarz mit Gemahlin, die Rabbiner Dr. David, Dr. G e l b h a u s, Dr. K a m i n k a mit ihren Frauen, Prof. S u l z e r und eine große Menge von Balbatim. Nebst einer großen Anzahl von Blumengewinden und Geschenken erhielt der Jubilar: Vom Vorstand des Oesterr.-ungar. Kantorenvereines eine künstlerisch ausgestattete Adresse, von den Wiener Amtskolegen einen silbernen Lorbeerkranz mit den eingravierten Name» sämtlicher Wiener Kantoren, vom Oberkantor Guttmann den von ihm verfaßten Alisebsbsraeb in glänzender Ausführung in einem Enveloppe, vom Männerchor der Leopoldstadt einen silbernen Becher, vom Männerchor der Inneren Stadt einen silbernen Aufsatz, vom Chordirigenten H e i m a n n eine prachtvolle Schreibmappe und ein weiteres finniges Geschenk vom Verein: zur Bekleidung alter Männer. Ferner eine nach Hunderten zählende Anzahl von brieflichen und telegraphischen Gratulationen und Adressen. Waag-Neustadtl. Am 4. d. M. wurde der seit 6 Jahren verwaist gewesene Rabbinatssitz in unserer Gemeinde durch die Installation des Dr. Philipp Rosenberg zu unserem Oberrabbiner wieder besetzt. Die Feier gestaltete sich zu einer solennen Sympathiekundgebung für unfern neuen Seelenhirten. Eine Abordnung der hiesigen Gemeinde begab sich nach Bösing, seinem bisherigen Rabbinatssitze, um ihn abzuholen, und in deren Begleitung, welcher sich auch die dortige Gemeinderepräsentanz anschloß, traf Se. Ehrwürden mit dem Abendzuge hier ein und wurde durch unfern Gemeindepräses Dr. B. Sonnenfeld auf dem Bahnhöfe mit einer Ansprache begrüßt, während die Vizepräsidentin des israelitischer» Frauenvereines an die Gemalin des Herrn Oberrabbiners ebenfalls Worte der Begrüßung richtete. Hierauf erfolgte in einer unabsehbaren Wagenreihe der imposante Einzug in die im Fahnenschmuck prangende Stadt. Vor der an der Mündung, der Tempelgasse errichteten Triumphpforte brachten die spalierbildenden Zöglinge der Real- und Bürgerschule Sr. Ehrwürden eine Ovation dar. Und nun vollzog sich der Einzug in das festlich beleuchtete und prächtig dekorierte Gotteshaus, vor dessen Pforten der Tempel- und Gemeindevorstand mit den Thorarollen in der Hand Se. Ehrwürden erwarteten. Die Sommitäten der Behörden und des Stadtvorstandes unter Vorantritt des Reichstagsabgeordneten Nik v. Viktoriß hatten sich ebenfalls zur Teilnahme an der Feier eingefunden. Dieselbe begann mit dem vom Oberkantor Löw nut dem Tempelchor exkutierten Ala towuh und boruch haHo. Hierauf wurde Se. Ehrwürden durch Gemeindepräses Dr. Sonnenreld mit einer schwungvollen Jnstallatiousansprache in sein Amt als Seelsorger eingeführt Und nun betrat der Oberrabbiner die Kanzel, um eine herrliche Antrittsrede zu halten, in welcher er, anknüpfend an das Gotteswort im Wochenabschnitte: „Es werde Licht", sein Programm entwickelte, welches in dem geistvoll ansgeführten Gedanken gipfelte, daß auch er seinerseits bestrebt sein werde, hier das dreifache Licht des Gottesglaubens, des Geistes und des Friedens zum Heile und Segen der Gemeinde leuchten zu laffen. Die erhebende Feier nahm mit einem von Sr. Ehrwürden vorgetragenen Gebete für den König und das Vaterland,^ die Gemeinde und ihre Angehörigen und schließlich mit dem Absingen des Hymnus ihr Ende. Hermann Fuchs. Berlin. (Wettbewerb für jüdische Künstler.) Der Wettbewerb um den Preis der ersten Michael Beer'schen Stiftung für Maler und Bildhauer jüdischer Konfession ist für das Jahr 1905 für Bildhauer eröffnet. Als Preisaufgabe ist gestellt worden: „Ankunft einer Handelskarawane". Die Gestaltung des Reliefs, Halbkreis oder Rechteck, bleibt dem Ermeffen des Bewerbers überlassen, nur muß es ganze Figuren enthalten und in der Höhe mindestens 0'70 Meter, in der Breite nicht unter einem Meter messen. Mit dem Konkurrenzwerke find gleichzeitig einzusenden, verschiedene, von dem Konkurrenten bisher gefertigte Arbeiten und Studien nach der Natur, sowie Kompositionsskizzen eigener Erfindung, die zur Beurteilung des bisherigen Studienganges des Bewerbers dienen können. Indessen dürfen sämtliche Arbeiten, auch wenn die Bewerbung auf mehrere Preise ausgedehnt wird, die Zahl 10 nicht überschreiten. Die Ablieferung der für diesen Wettbewerb bestimmten Arbeiten nebst schriftlichem Bewerbungsgesuche an die königliche Akademie der Künste muß bis zum 1. März 1905 erfolgt sein.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.