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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-10-07 · 41 (7.10.1904) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
41 (7.10.1904)
Date
1904-10-07
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Jahrgang XXI Ur. 41 Dr. Bloch’s Centralorgsn für die gefsmmten Interessen des Iudenthums. X -- - -x R. k. Postfparraffen-Amt Clearing-Verkehr Nr. 810.976. Ledsrtton und Administration: Wir» IX/1, Verggasfe Nr. 39. Telephon Nr. 14.847. ]*- -- ■■■. ■ -X Wien, 7. Oktober -H. - Erscheint jeden Freitag. - •» i- —<- Brief-Adreffe: Wien, ß/1, Berggaffe 39* Telegramm-Adreffe: Bloch's Wochenschrift, Wien. X.- -E-M vrptgSPrri» flir Sr strrr rt ch:; Halbjährig 8 Kronen. Einzelexemplare 50 Heller. 3ür’» Ausland: Halbjährig 10 Kronen, ganzjährig 20 „ ® Anzeigen: Die 4mal gespaltene Petitzeile 24 Heller. x - =m Inhalt: L eitartikel: Die Handelsvölker in der Geschichtschreibung. — Vom Jahrmarkt des Lebens: .Glossen zur Tagesgeschichte. — Der Religionsunterricht und seine Anwälte. — Organisation der jüdischen Auswanderung. — Entwicklung der Sage von Salomo und dem Todesengel. — Korrespondenzen: Warnung für Auswanderer. Moritz Mautner. Brünn. Deutschtum und Judentum. Essegg, Mährisch-Aufsee, London New-Aork. — Vermischtes: Kranzablösungsspenden der Ehewra-Kadischa in Wien. Wien, Floridsdorf, Krems, Neichenberg, Sissek, Esakathurn, Budapest, Berlin, Petersburg, Amsterdam. — Feuilleton: Gesühnt. — Neue Bücher. — Briefkasten. — Inserate. Die Handelsvölker in der Geschichtschreibung. Von Sigmund Mayer. IV. Der Fall „redulocuravi humanas aetiones non ridere non lugeie, neque detestari, sedintelligire“. Spinoza. Tract. polit. Kap. 1, § 4. Die Aufgabe, welche sich der moderne Geschichtsschreiber setzt, ist eine wesentlich andere, als jene des Historikers alten Styls. Hat letzterer in der Eegel nur an den Höhen getastet, so steigt Jener mit Vorliebe in die breiten Niederungen. Und es genügt ihm nicht, zu schildern, wie es war, sondern er will zeigen, wie es geworden; er bestrebt sich, in der Verschiedenheit die Gleichmässigkeit zu finden, „den ruhenden Pol in der Erscheinungen Flucht“. Wir haben in unseren drei früheren Artikeln die natürlichen Ursachen aufzuzeigen uns bemüht, welche das jüdische Handelsvolk am Ende des 12. Jahrhunderts in Europa zu einem angesehenen Bevölkerungsteil, zu einem Faktor von wirtschaftlicher Macht haben werden lassen — Momente von gleich unbeugsamer Naturgewalt waren es, welche diese Volksgenossen im Verlaufe von nicht mehr als zwei Jahrhunderten von dieser eingenommenen wirklichen Höhe in eine geradezu unsagbare Tiefe gestürzt haben. Aus der Achtung ist die Aechtung, aus dem Wohlstand ein drückender Notstand geworden. Um aber diese ursächlichen Momente zu finden, müssen wir scharf ins Auge fassen, was sich da unten tief in der Seele der Masse allüberall vollzieht, auch damals vollzogen hat, und in diesen Tiefen wachsen keine Perlen: „Der Mensch ist erträglich einzeln nur, im Haufen steht er dem Tiere allzu nah!“, lässt Grillparzer Kaiser Rudolf sagen!! Vor allem hatte bei der unleugbaren Verschiedenheit der Erscheinung, der verschiedenen Religion und Sitte, bei dem Mangel des Connubiums die im zweiten Artikel nachgewiesene Ausgleichungstendenz gerade zwischen den Juden und der nichtjüdischen Bevölkerung lange nicht so rasch wirken können, wie zwischen den wenn auch verschiedenen, denn doch immer einer Hauptnation angehörenden germanischen Stämmen; und bevor sie überhaupt noch auch zwischen Juden und Nichtjuden hier hätte durchgreifend ein wirken können, war im 13. Jahrhundert ein ganz entscheidendes Moment eingetreten, giftiger und schneidender trennend als jedes andere: die Konkurrenz im Erwerbsleben! Ein Jahrtausend waren die Juden im nahezu ausschliesslichen Besitze des europäischen Handels gewesen. Aber um die Zeit des 12. Jahrhunderts war in den neuen germanischen Staaten ein heimischer nationaler Handelsstand entstanden, dessen Mitglieder sich überall zu Gilden zusammenfügten, von denen die Juden schon aus dem Grunde ausgeschlossen waren, weil auch diese Kaufmannsgilden genau so wie die Handwerkerzünfte vom Beginne an in einem gewissen kirchlichen Rahmen steckten. Sofort beginnen nun überall diese neuentstandenen nationalen Kaufmannsgremien den Krieg gegen die hergebrachten jüdischen Kaufleute. Nicht um dieses oder jenes Recht, sondern um das Recht zu leben geht der Kampf. Ueber den Ausgang desselben konnte kein Zweifel bestehen; und tatsächlich sehen wir durch die nächsten Jahrhunderte, dass auch dort, wo keine drastischen Mittel angewendet wurden, im natürlichen Verlaufe der Dinge in demselben Masse, als der Handel der Nationalen zu selbständiger Bedeutung erwächst, die kaufmännische Tätigkeit der Juden immer mehr vom Welt-, überhaupt vom grossen Handel ab-, auf den Trödel und Schacher zurückgedrängt wird. Es ist aber psychologisch sehr erklärlich, dass die christliche Majorität bald wirklich zu diesen drastischen Mitteln, zur Gewalt greift. Die geschäftliche Konkurrenz hat an und für sich immer unter allen Kämpfen den grausamsten Charakter, weil in demselben nie Pardon gegeben wird; und hier, den Juden gegenüber und in jener Zeit, unterdrückt die in der Geschichte der Entstehung des Christentums liegende scheinbare Begründung leicht jedes Rechts- und menschliche Gefühl. Da beginnen nun diese „Judenverfolgungen“ vom 12. bis zum 14. Jahrhundert. Ganz charakteristisch für die innere

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