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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-09-30 · 40 (30.9.1904) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
40 (30.9.1904)
Date
1904-09-30
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 40 Dr Vlocd s MocbenscbrLkt. «eite 651 bei der kleinen Riete Gefallen erregt und so verfiel ihre Mutter auf den Gedanken, ihrem Kinde während der Ferialzeit durch ihn den ersten Unterricht erteilen zu lassen, denn dadurch hatte sie auch Gelegenheit, Josef ein reichliches Taschengeld zuzuwenden, welcher bei seiner Armut den Stolz hatte, niemals eine Unterstützung in welcher Form immer anznnehmen. Als er später die Universität bezog und nach D. übersiedelte, wohnte er zwar außerdem Hause, er hatte aber, wie es sich von selbst verstand, die alte Gewohnheit wieder ausgenommen und war der Lehrer des jungen Mädchens, der ihr alles interessanter und wissenswerter beibrachte, als der langweilige Hauslehrer. Er brachte auch gewöhnlich eine gute Zeitschrift, ein neues interessantes Buch mit und las daraus vor. So vergingen stets einige Stunden, oft wurde er dann auch gebeten, zum Abendessen zu bleiben. Diese Besuche Josefs wurden aber nicht als solche aufgesaßt, er gehörte gewissermaßen zum Hause und seine Stellung war mehr die eines Freundes als eines Lehrers. Die beiden Mütter waren stets zugegen, aber wenn sie auch fern blieben, zwischen dem armen Kandidaten der Philosophie und der enorm reichen Tochter des Doktors war ein so großer Abstand, die Freundschaft beruhte auf so absonderlicher Grundlage, daß ganz besonders Josefs Mutter nie auf den Gedanken kam, es könne eine Annäherung stattfinden. Daß es aber gerade der Herzenswunsch von Riekes Mutter war, wenn sich die Herzen der Kinder finden mögen, das hatte sie noch nie geäußert, sie kannte den unbändigen Stolz Josefs, wußte, daß er auch nicht den Schein auf sich laden würde, Rieke ihres Geldes halber zu freien und erst, wenn er in angemessener Lebensstellung, ihr Herz und Hand anbieten würde. Wie gerne hätte sie ihr Kind an der Seite des ernsten und charaktervollen Juden gesehen. Doch bis jetzt zeigte sich zwischen Beiden nur gute Kameradschaft. Josef legte Rieke gegenüber bei aller Freundschaft nur Vertraulichkeit, die ja durch die bis ins früheste Jugendalter zurückreichende Bekanntschaft bedingt war, eine gewisse respektvolle Haltung, die aber ganz ungekünstelt und natürlich erschien, zutage. Dieses Freundschaftsverhältnis hielt an bis wenige Wochen vor dem eingangs geschilderten Ereignisse. Riekes Mutter bemerkte, daß bei Josef irgend eine Veränderung vorging, die ihre Zukunftspläne für die Tochter günstig zu gestalten schien. Josef war mitunter traurig, doch sie wollte ihn nicht fragen, was ihn bekümmere. Sie glaubte in seinen Augen stumme Vorwürfe zu lesen, die er Ricke machen wollte, und das war ein Zeichen der auskeimenden Neigung. Es kam vor, daß er plötzlich das Buch auf die Knie sinken ließ oder mitten in einem erklärenden Satze abbrach and traumverloren vor sich hinblickte. Sie bemerkte auch — und Mutteraugen sehen gar scharf — daß sein ganzes Benehmen zu Rieke förmlicher ward, als es zu ihrem freundschaftlichen Verhältnisse paßte. Immer wieder wollte sie mit Josef über Riekes Zukunft sprechen, sie hatte aber nicht den Mut dazu. Heute löste ihr die Furcht, daß sie auch ihr Kind verlieren könne, wie sie den Mann eingebüßt, die Zunge, Riekes Abwesenheit begünstigte die Gelegenheit. Nachdem sie stundenlang stillschweigend einander gegenüber gesessen waren, brach Sarah mit tränenumflorter Stimme das Schweigen und stellte an Josef die Frage, ob er der Beschützer ihres Kindes sein wolle, ob er sie vor einem Schicksale bewahren wolle, wie es sie durch ihren Gatten betroffen; indem er ihr die Hand fürs Leben böte. Sie habe seinen Charakter erprobt und wisse, daß Rieke als seine Gattin eine treue Jüdin würde, was ja ihr einziger Wunsch wäre. Josef wurde blutrot, sank vor Riekes Mutter aufs Knie und bedeckte ihre Hand mit Küssen. Er gestand ihr seine ernste Neigung für ihr Kind, daß er es wohl nie gewagt, um Riekes Hand zu bitten, doch nachdem sie seinen Herzenswunsch erraten, könne er es ihr nicht mehr verhehlen. In ganz kurzer Zeit, so sagte er, werde seine Stellung eine sichere sein, daß er an die Gründung eines Hauses denken könne. Bis dahin hoffe er auch Riekes Neigung zu erringen. Sarah hätte ihm recht gerne ihr eigenes Vermögen zur Verfügung gestellt, damit er in allernächster Zeit schon ihre Rieke heimführe, doch sie kannte und ehrte den Stolz des Mannes, der auf eigenen Füßen stehen wollte. Glückstrahlend erhob sich Josef, um seine Wohnung aufzusuchen. Sarah ersuchte ihn noch, bei ihrem Rechtssreunde vorzusprechen, daß er ihrem Gatten heute noch die Mitteilung mache, sie wolle von des Gesetzes Wohltat, das eingetretenen Glaubenswechsel als Scheidungsgrund betrachtet, Gebrauch machen und sich formell von ihm lossagen, er möge seinen Schritt über ihre Schwelle nicht mehr setzen. Die Formalitäten der Ehescheidung dürften, so sagte sie zu Joses, einige Monate in Anspruch nehmen, in der Zwischenzeit hasse ich, Sie mit Rieke schon vereint zu sehen. Ohne Gruß, wie es bei Trauernden üblich, verneigte sich Josef vor Sarah Schwarz, während er seiner Mutter die Hand zum Gutenachtgruß bot. Die Mutter, trunken von dem Glücke, welches ihrem Sohne bevorstand, umarmte und küßte ihn. _(Fortsetzung folgt.) Nene Bücher. The New Era lllustrated Magazine, Published monthl.v by The New Era lllustrated Magazine Company, 38 Park Row, N c w - Y o r k, City. Vol. V. September 1904. Nr. 4, Contents.' I. I. Tissot: Hagar and Sarah. Cliston Harby Levy: The Ohl Testament Revivified. Dr. Max Nordau: The Sacriiiee ot' (Jdsehla. Joseph Sohn: Joseph Joachim. Montague Gl aß: The Call ok Pincus Margolius. Dr. Heinrich Bloch: The Rabbinical Seminary at Budapest. Dr. Isidor Singer: The Eestival Season I. Rosh ha-Shana. II. Yom ha-Kippurim, III, Sukkoth. Dudley F. Sicher: Zangwill and Jewry. The Jews and the Enropeans. The Sculpture of Boris Schatz. S. C. Dane: Electing a President. What the East Side Reads. L. T. Rigt) tsell: An Ad venture in the Pyrenees. Rev. Dr. Max Schlesinger: An Anthology frorn Rabbinical Literature. The Editorial Survey. Honoring the Nation’s Song-writers. Mrs. Stella G. Florence: The Eaith of HerFathers. Of Interest to Jewish Readers. A Jewish Review of Reviews. Dr. Alfred Leicht. Lazarus der Begründer der Völkerpsychologie. Mit Bildnis. Verlag der Dürr'schen Buchhandlung, Leipzig 1904. Der Jüdische Verlag teilt uns mit, daß seine Adresse von jetzt ab lautet: Berlin-Charlotteiiburg. Herderstraße 3/4. Der Jüdische Verlag hat mit den soeben erschienenen Büchern: Jork Steiner: Der Talmudbauer und anderes; S. Schechter: Die Chassidim seine erste Subskription beendigt. Die Serie unffaßt eine Auswahl aus folgenden Werken: Jüdischer Almanach; Jüdische Künstler; Judt: Juden als Rasse; Jüdische Statistik; Judenmassakres in Kischeuew; Jüdische Hochschule. Acher: Achad-Haam; S. Schechter; Die Chassidim; Junge Harfen (Gedichte): Iork-Steiner: Der Talmudbauer; Palästina, Jahrgang I. Wir weiden einzelne dieser Werke noch einer eingehenden Besprechung unterziehen. In der neuen S u b s k r i p t i o n s s e r i e kündigt der Jüdische Verlag folgende Bücher an: I ü d l s ch e r A l m a n a ch (zweite Folge); Jüdische K ü n st l e r (zweite Folge); Moses (literar.-küustler. Sammelwerk); A chadHaam: Am Scheidewege; I. L. Perez: Ausgewählte Erzählungen; David Pinski: Eisik Scheftel, Drama. Bertold Feiwel: Die Glücket von Hameln; Leo Mozkin: Die Juden in Rußland; Ch. D. Nomberg: Skizzen und Erzählungen; Branberger: Die Juden und die Musik; Jüdisches N o v e l l e n b u ch; P a l ä st i n a (zeiter Jahrgang). Wie wir erfahren, werden einzelne der Neuankündigungen bereits im Laufe der Monate September und Okwber vorliegen, wie: die Erzählungen von I. L. Perez, das Drama Eisik Scheftel, von David Pinski, übersetzt von Martin Buber, das literarisch-künstlerische Sammelbuch „M o s e s" und die von Professor Friedländer aus dem Hebräischen übertragene Sammlung „Am Scheidewege-, Essay's von Achad-Haam. Die neue Subskription geschieht unter den bisherigen Bedingungen (Lieferung von Büchern im Werte von Mk. 30. Ladenpreis gegen Vorausbezahlung von Mk. L0. KriefkaAe«. L. M. Szegszrird. Wir bedauern, die Nummer nicht heraussuchen zu können. H. iu D. Der Tcaubaldachin und die Thoramänteln stammen aus dem Atelier Josef Schlesinger, Wien, I., Seitenstettengasse 5. L. in S. Italien ist eben ein moderner Rechtsstaat und die italienischen Juden haben alle Ursache, diesem Staate und seinem Herrscherhaus dankbar zu sein. Daher auch die freudige Teilnahme bei der Geburt des italienischen Kronprinzen. In Italien hat der antisemitische Klerus, wie erinnerlich, vor einiger Zeit den Ritualmord auf die Bühne zu bringen versucht. In einem geistlichen Institute der Stadt Verona hatte man im häuslichen Kreise ein Theaterstück aufgeführt, in welchem Juden ein Christenmädchen zu sich locken und abschlachten. Der Vorfall wurde in weiteren Kreisen bekannt und erregte

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