Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1904)
- Issue
- 40 (30.9.1904)
- Date
- 1904-09-30
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Sette 648 Dr. Mocb's Mocbenscbrtft Nr. 40 Vermischtes. 3Vien. Die „Oesterreichisch-Jsraelitische Unio n" veranstaltet Donnerstag den 6. Oktober, Präzise ‘A8 Uhr abends im Festsaale des „Hotel Savoy", VI., Mariahilferstraße 81, eine öffentliche Vereinsversammlung mit der Tagesordnung: „Der Kampf gegen die jüdischen Kanfleute und Gewerbetreibenden". Die D i s k u s s i o n wird von Herrn Gemeinderat Dr. Oskar Hein eingeleitet. — Gäste — auch Damen — haben zu dieser Versammlung Zutritt. — Mit Rücksicht auf die Bedeutung des Themas, welches ja eine Existenzfrage der überwiegenden Mehrzahl unserer Wiener Glaubensgenossen berührt, darf wohl auf zahlreichen Besuch dieser Versammlung gerechnet werden. Wien. (Wahlen in den Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde.) Ende November d. I. finden Wahlen für den Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde statt. Zur Besetzung gelangen diesmal insgesamt 14 Vorftandsmandate, und zwar 1. aus der allgemeinen Kurie die in diesem Jahre ablaufenden Mandate der Herren: Baurat Ritter v. Gold schm idt, kais. Rat Moritz Hirsch (derzeit zweiter Vizepräsident), Emil Horner, S. Kauders, Bezirksschulrat Dr. Markus Spitzer und Baurat W. Stiaßny, sämtliche mit sechsjähriger Mandatsdauer. Ferner Ersatzwahlen für die verstorbenen Vorstandsmitglieder v. Mises (sechsjährige Mandatsdauer), Heinrich Teltscher (sechs Jahre) und endlich die Ersatzwahlen für die während der letzten zwei Jahre durch Austritt freigewordenen Mandate der Herren I. G e w i t s ch und kais. Rat Heinrich Kling er (vier-resp. zweijährige Mandatsdauer). Außerdem kommen aus der Kurie der Höherbestenerten vier Mandate zur Auslosung, welche ebenfalls besetzt werden sollen. Wie». (Von der Universität.) Der Privatdozent und Adjunkt am zweiten chemischen Laboratorium der Universität in Wien Dr. Cäsar P o m e r a n z wurde zum außerordentlichen Professor der Chemie an dieser Universität ernannt. 28ien. Verehrter Herr Redakteur! Die Nachricht, daß die Familie Gutmann de Gelse in den erblichen Freiherrnstand erhoben wurde, haben bereits alle Journale gebracht und dürfte -diese auch in Ihrem geschätzten Blatte erscheinen. Verzeihen Sie, Herr Redakteur, wenn ich Sie trotzdem bitte, diesen Zeilen anläßlich obigen Ereignisses Raum zu gewähren. Ich erfülle damit einen Aki der Pietät gegen die verstorbenen Gründer des Hauses Gutmann von Gelse. Der Vater der jetzigen Freiherren von Gut mann, der sel. S. H. Gutmann in Gr.-Kanizsa, legte den Grundstein zu dem hiesigen Welthause. Er war die Tüchtigkeit und Ehrenhaftigkeit in Person, er ebnete seinen Söhnen den Weg zu den großen, stolzen Bau des nunmehr mit der Freiherrnkrone geschmückten Hauses. Nicht wenig trug auch die Mutter Frau Nanette von Gutmann zu den Erfolgen ihres Gatten bei. Sie verstand es, den Glanz des Hauses aufrecht zu erhalten, Freunde um sich zu scharen. Ihr offenes, gastfreies Haus, ihre offene Hand waren im ganzen Lande bekannt. Sie war in Gr.-Kanizsa die Gründerin und Förderin verschiedener Wohltätigkeits-Anstalten und war die Präsidentin des israelitischen Frauenvereincs, in welchem Amte ihre Tochter Frau Hedwig Vidor seit mehr als einem Vierteljahrhundert ihre würdige Nachfolgerin ist. Nanette von Gutmann war es, die ihre Söhne zu tüchtigen, gebildeten Männern, ihre Töchter zu ausgezeichneten Frauen erzog. Uud dieser edlen Frau, die eine Jugendfreundin meiner sel. Mutter war, seien diese Zeilen der Erinnerung gewidmet! Möge das junge, freiherrliche Geschlecht blühen und gedeihen und im Sinne des alten, unvergeßlichen Hauses wirken! * A. W.M Der „Pester Lloyd" schreibt: Se. Majestät der König hat den Großindustriellen und Großgrundbesitzern, den Brüdern Edmund, Vilmos, Laßlo und Aladar Gutmann de Gelse die erbliche ungarische Freiherrnwürde mit dem Prädikate „de Gelse et Belisce" verliehen. Die Firma S. H. Gutmann spielt im wirtschaftlichen Leben Ungarns schon länger als ein Jahrhundert eine hervorragende Rolle und hat sich dieselbe während dieses langen Zeitraumes bedeutende Verdienste um die Hebung des Handels und die Förderung spezieller Industriezweige erworben. Noch vor dem Baue der Eisenbahnen betrieb die Firma einen schwunghaften Handel; sie hatte sich die Herstellung von regeren Handelsbeziehungen zwischen Ungarn, Kroatien-Slavonien und Italien zu ihren Hauptaufgaben gemacht. Im Jahre 1857, mit dem Beginne des Baues der Eisenbahn Pragerhof—Kanizsa—Ofen, hatte das Haus den Holzhandel in seinen Geschäftsbetrieb ausgenommen und damit begann auch eine neue Periode in der Verwertung der Forstprodukte Ungarns, insbesondere aber Kroatiens und Slavoniens. Die Firma unternahm zu jener Zeit bedeutende Waldexploitierungen in allen Teilen des Landes, insbesondere in Oberungarn, Siebenbürgen und Kroatien-Slavonien; sie war die erste, die im Jahre 1860 den Export von Faßdauben nach Frankreich begann und diesem Zweige der Holzproduktion eine bis dahin nicht gekannte Ausdehnung gab. Gebiete, die Hunderttausende Joch umfassen, wurden durch das Haus Gutmann abgeforstet und neuer Kultur unterworfen. Große Industrie- Etablissements entstanden in den Waldrevieren, in denen Tausende Menschen auch heute reichliche Beschäftigung und Erwerb finden. Die ausgedehnten Industrieanlagen der Firma befinden sich im Komitat Veröcze in Slavouien, wo im Jahre 1884 die Fabrikskolonie Belisce gegründet wurde. Dort entstanden nach einander eine große Dampfsäge, eine Faßfabrik, eine Tanninfabrik und eine Holzdestillation. In der Kolonie Belisce, die 2140 Einwohner zählt, ist für Wohlfahrtseinrichtungen in ausgedehntestem Maße gesorgt; die Firma hat dort Schulen, ern Spital, sowie andere Kulturinstitutionen errichtet und erhalten. Aber nicht nur ausgedehnte Industrien hat die Firma geschaffen; auch ans dem Gebiete des Verkehrswesens wurde durch dieselbe Hervorragendes geleistet. Die zirka 150 Kilometer lange slavonische Drauthalbahn ist eine Schöpfung der Firma Gutmanu, deren Eigentum sie bildet und ständig wird an der Ausdehnung dieses Netzes gearbeitet, so daß dieser Teil Slavoniens zumeist nur von den durch die Firma ins Leben gerufenen Bahnen durchzogen wird. Die slavonische Drauthalbahn, die selbständig betrieben wird, wird nach dem Urteile der Fachmänner mustergiltig geleitet. Während der großen Manöver im Jahre 19oy benützte auch Se. Majestät diese Bahn; ans diesem Anlässe wurde damals ein spezieller Hofseparatzug in Dienst gestellt. Die Bahn entsprach glänzend den Anforderungen der Manöverleitung; zur Bewältigung des starken und schwierigen Verkehrs mußten große Leistungen vollbracht werden Mittelst Allerhöchsten Handschreibens wurde der Bahnverwaltung „für ihre ganz außerordentlichen Dienste" die Allerhöchste Anerkennung ausgesprochen. Die vier Firmenchefs besitzen in den Komitaten Veröcze, Zala und Somogy ausgedehnte Güter, auf denen ein musterhafter Betrieb eingeführt ist. Auf Initiative der Brüder Gutmann wurde die Regulierung der Karasica und der Vucica beschlossen; diese Regulierung ist für die längs dieser Flüsse liegende Gegend von außerordentlicher Wichtigkeit und unschätzbarem Nutzen. Der Begründer der Firma S. Heinrich Gutmann fand schon im Jahre 1868 für seine auf dem Gebiete des Handels und des Eisenbahnbaues erworbenen Verdienste die Allerhöchste Anerkennung, indem ihm uud feinen gesetzlichen Nachfolgern der ungarische Adel mit dem Prädikate „de Gelse" verliehen wurde. Von den Söhnen desselben, die nach seinem Ableben die ausgebreiteten Geschäfte der Firma weiterfüyrten, ist Baron Vilmos auf industriellem, kulturellem und humanitärem Gebiete hervorragend tätig. Er ist Präsident der slovenischen Drauthalbahn, der israelitischen Kultusgemeinde in Nagykanizsa, zweiter Präsident der ungarischen israelitischen Landeskanzlei, Direktionsmitglied der Ungarischen Kommerzialbank. Ausschnßmitglied der Pester Lloyd-Gesellschaft, Vizepräsident des Kroatischen Jndustriellenbundes, dessen Zustandekommen der Initiative und den Bemühungen desselben zu danken ist. Ihm wurde vor nahezu zwanzig Jahren der Titel eines königlichen Rates verliehen — Baron Edmund ist auf dem Gebiete des Forst Wesens als hervorragender Fachmann bekannt und ist der eigentliche Leiter der Industrie-Etablissements der Firma. Er ist Besitzer des Ordens der Eisernen Krone und der französischen Ehrenlegion. — Baron Ladislaus hat sich der landwirtschaftlichen Laufbahn zugewandt und hat die Leitung der ausgebreiteten Domänen der Firma übernommen, die er zu anerkannten Musterwirtschaften umge:: andelt hat. — Baron Aladär hat das Züricher Polytechnikum absolviert und gilt als vorzüglicher Ingenieur. Seine reichen Kenntnisse und Erfahrungen verwertet er als Leiter der technischen Arbeiten der Fabriken und Eisenbahnen der Firma und in der Direktion der Regulierungsgesellschaften. Wien. Das heute aus New-Iork eingetroffene Septemberheft der illustrierten Monatsschrift „Ille New Era Illustrated Magazine“ bringt in englischer Uebersctzung aus der „Oesterreichischcn Wochenschrift" Nr. 32 die interessante Artikel-Serie: „Die Juden und die Europäer. Von einem C h r i st e n." Wien. Am zweiten Tage des Sukkothfestes beging Herr Kultusvorsteher Hermann Elt bogen im israelitischen Tempel des XX. Bezirkes die Barmizwah-Feier seines Sohnes Gustav. Der Konfirmand rezitierte die Benediktionen und den Prophetenabschnitt in traditioneller Weise mit vernehmlicher Stimme. Herr Prof. Dr. P o l l a k, welcher den Unterricht des