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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-09-30 · 40 (30.9.1904) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
40 (30.9.1904)
Date
1904-09-30
Page
– (sequence 1)
Language
German
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N-. 40 Dr. Bloches ♦ < ♦ rrrnmi Jahrgang XXI 4 Centralorgan für die gessmmten Interessen des Iudenthums. -- —.—^- Wien, BO> September 1904. -—■)■> 4 f - Ersch eint jeden Freilag. -)-• - Brief-Adresse: Wien, IX/1» Berggasse 39. Telegramm-Adresse: Bloch'S Wochenschrift, Wien. Sepigsprel» fllr Vrllrrretch: , Halbjährig 8 Kronen. Einzelexemplare 50 Heller, Für'» Ausland: Halbjährig 10 Kronen, ganzjährig 20 » ® Anzeigen: Die4malgespaltene Petitzeile 24 Heller. ' -. « * --=■-= V. k. Postfparragen-Amt Clearing-Verkehr Ar. 810.976. Lrdarlion und Adruinistratton: wir» IX/1, Vrrggaffr Ar. 39. Telephon Nr. 14.847. * - ~ ' - . ~ « Inhalt : Leitartikel: Die Handelsvölter in der Geschichtschreibung. — V o nt I a h r w arki des Levens: Glossen zur Tagesgeschichte. — „Die Quelle der Gerechtigkeit." Zur Vorgeschichte des Zarcnerlasses vom 4. September, lieber die Inden in Spanien. Goethe, ein hervorragender Typus des Semitentnms. Gri'lndlicbkeit und Zuverlässigkeit antisemitischer Berichterstattung. Die Volksschule und der Religionsunterricht. Jüdische Angestellte in New-K)ork. — Diplomatische Aktenstücke über die Jndenfrage in Rumänien. — Korrespondenzen: Für die kleinen jüdischen Salzhändler in Galizien. Wien Ein Besuch im israelitischen Hospiz zu Karlsbad August 1904. Brünn, Altstadt. Joseph von Portheim. Frankfurt u. M.. Bukarest, London. — Vermischtes: Wien, Budapest, Brody. Ingenieur-Oberst Moses Burstyn. Suczawa, London. — F e u i l l e 1 c n : Szinichath Thora! Gesühnt. — Reue Bücher. — Briefkasten. — Inserate. Die Handelsvölker in der . .. Von Sigmund Mayer. III. Auf der Höhe. „Ewig wechselt der Wille den Zweck und die Regel — ln ewig wiederholter Gestalt wälzen die Taten sich um*“ Schiller. Wir haben unseren vorigen Artikel mit der Frage geschlossen, wie sich die Handelsmacht, welche die Juden sich nicht mit Speer und Spiess, sondern mit Elle und Waage errungen, nach der sozusagen menschlichen, nach der sozialen Seite hin durchgedrückt hat. Nun ist gar kein Zweifel: in dieser Zeit entspricht der Stellung ihres Handels auch ihre soziale Position. Vor allem waren sie vom Hause aus durchaus freie Leute. In allen Provinzen des römischen Keiches, den spanischen, gallischen wie germanischen, hatten sie seit Caracalla mit allen anderen Bewohnern die „Civität“ erlangt. Mit der Etablierung der christlichen als Staatsreligion des Römerreiches waren sie wohl durch die Kirche in der Ausübung ihres Glaubens mannigfach behindert, von öffentlichen Aemtern und dem Connubium mit den anderen Einwohnern ausgeschlossen, sonst aber nicht beschränkt worden; und die neuen germanischen Königreiche hatten an diesem status quo in den ersten Jahrhunderten nichts geändert. Wie die Germanen die Vorgefundenen Romanen nicht unterjochten, sondern, wenn auch gleichsam als Mitglieder einer anderen Nation mit in ihren Staat aufnahmen, so verfuhren sie auch mit den in den Städten Vorgefundenen Juden. In den Dekreten Karl des Kahlen werden sie den Servis und Kolonnen geradezu gegenübergestellt. Ihre Freiheit und Gleichstellung, ihre Wertschätzung geht aus den Quellen, wo immer wir sie aufselilagen, hervor. Dass schon Karl der Grosse einen gelehrten Juden, Calomyros aus Lucca, in seine Nähe zieht, einen anderen Juden als seinen Gesandten an den Khalifen schickt, kann man auf die Bedeutung dieser Einzelnen zurückführen, obwohl auch solches bei einem Tiefstand der Juden nicht gut denkbar wäre. Aber eine Reihe ganz allgemeiner Tatsachen bezeichnet die Stellung des Juden. Die Tötung eines solchen wird, nach dem schon oben angeführten Speyersehen Privilegium, härter bestraft, als jene eines Ritterbiirtigen. Unter Ludwig dem Frommen, Heinrich III treten Kapläne ungestraft zum Judentume über. Die früher erwähnte, unter demselben Herrscher gegen die Juden gerichtete Schrift des Bischofs von Lyon, Agobard, welche geradezu an die antisemitischen Publikationen der Gegenwart erinnert, ist bei einem materiellen und sozialen Notstand der Juden nicht denkbar; im Gegentheil, sie ist nur bei einem gewissen Wohlstand, bei einem existenten sozialen Einfluss und nur als Reaktion gegen den letzteren zu verstehen. Und es ist ausserordentlich bezeichnend, dass dieser Bischof weder mit dieser noch mit einer zweiten Schrift: „de Judaicis superstitionibus“ im Stande ist, auf den König den gesuchten Eindruck zu machen und dieser in seinem Wohlwollen gegen die Juden verbleibt. 1074 redet ein kaiserliches Edikt von „Judaeis et eeteris Vormatiensis“ in einer Urkunde, in welcher diese Wormser als Muster aller Tugenden gepriesen werden. Wohl das klassischste Zeugnis für die Stellung, welche die Juden in der öffentlichen Meinung einnehmen, liefert aber die Art, wie der schon erwähnte Bischof von Speyer sein Juden- Privilegium motiviert. Er beruft sich nicht nur darauf, dass sie in anderen Städten die gleichen Rechte: volle Handelsfreiheit, Immobilienbesitz, Autonomie besässen, sondern er sagt: „putavi milies amplifieare honorem loci nostri, et si Judaeos eolligerem. Ich habe gedacht, die Ehre unserer Stadt tausendfach dadurch zu mehren, dass ich die Juden in ihren Mauern ansammle Und dieses Privilegium wird dann durch Kaiser Heinrich IV. zu einem allgemeinen gemacht. In ähnlicher Weise sagt der Kölner Erzbischof in seinem Privilegium von 1252: „Wir glauben, dass es nicht wenig zum Wohlstand und uns zur Ehre beitragen wird, wenn die Juden, welche sich uns an vertrauen und in der Hoffnung auf unseren Schutz und unsere Gnade sich unserer Herrschaft unterwerfen wollen, auch wirklich dieses Schutzes teilhaftig werden1*. 592939235955

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