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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-08-26 · 35 (26.8.1904) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
35 (26.8.1904)
Date
1904-08-26
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 35 Dr. Vlocb's MlocdenscvrM. Seite 571 hüllt sich in den blauen Schleier der Nacht und die Hellen Segel der Schiffe bewegen sich über dem Waffer wie leife Träume. Drunten in durchleuchteter Dämmerung liegt das römische Amphitheater. Auf der blanken Wasserfläche erscheint die Sichel des neuen Mondes. „Fr. Ztg." Literatur. IÜ6 Jewish Enayclopaeüia. Verlag Funk & Wagnalls Kompany, London und Newyork. Dank der erstaunlich ziveckmäßigen Arbeitsorganisation, die sich auf mehrere Hundert über alle Länder der Erde verteilte Gelehrte erstreckt, schreitet das großartig angelegte literarische Unternehmen überraschend schnell vorwärts. Soeben ist der siebente Band, die Artikelreihe von Jtaly bis Leon umfassend, ausgegeben worden, und nach dem bisher eingehaltenen Tempo zu schließen, in welchem die einzelnen Bände auf einander folgten, kann mit Sicherheit angenommen werden, daß mit dem beendeten nächsten Jahre das gesamte Encyklopädiewerk zu Ende geführt sein wird. Ein bleibendes Ruhmesdenkmal in erster Linie für die aufstrebende amerikanische jüdische Gelehrtenwelt, sodann aber auch für die Opferwilligkeit der amerikanischen Juden, ohne welche das riesige Unternehmen nicht hätte durchgeführt werden können, wird diese Encyklopädie voraussichtlich für sehr, sehr lange Zeit die einzige in ihrer Art bleiben. Schon von diesem Gesichtspunkte aus betrachtet, wird sich das ungemein umfassend angelegte und in allen seinen Einzelheiten sorgfältig durchgearbeitete Nachschlagewerk als ein nicht zu entbehrendes literarisches Hilfsmittel in der Wertschätzung der Gelehrten wie der rasche Belehrung suchenden Laien dauernd behaupten. Aus der Zahl der in dem vorliegen Bande eingereihten Artikel heben wir die über Jerusalem, Jeremiah, Job, Jonah, Josua, ferner die Essays über „Jewish Question in Russie", „The Jews of Kentucky“ und vor Allem den Aufsatz über „lles'us ot' Nazareth“ hervor. Von den mit besonderer Sorgsamkeit behandelten biographischen Artikeln seien herausgehoben die der Politiker Johann Jacoby, Ferdinand Lassalle, Eduard Lasker, ferner des großen Mathematikers Karl Gustav Jacobi. Die typographische Ausstattung, die beigegebenen vielen Karten, Illustrationen, die Porträts zeugen, bestens für die hohe Entwicklung des amerikanischen Druckereiwesens. Es gewährt ein wirkliches Vergnügen für jeden Büchersreund, in diesen prachtvollen Encyklopädiebänden herumzublättern. An der Vornehmheit der Herstellung muß sich jedes Bibliophilen Aug' und Sinn förmlich erquicken. (Auszeichnung) Das im Berlage der Buchhandlung Samuel W. P a s ch e l e s in Prag bereits in 4. Auflage erschienene Kochbuch W w e. M a r l e K a u d e r's Erste i s r a e l i l i s ch e K o chschule wurde auf der 1. internationalen Ausstellung für Kochkunst, Gaftwirlschaft und verwandte Gewerbe in Pilsen 1904, mit der g o ldenen M e d a i l l e ausgezeichnet. Die Gediegenheit und vorzügliche Brauchbarkeit dieses bereits mehrfach ausgezeichneten Kochbuches har danut avermals eine glänzende Anerkennung gefunden. Kriefkasterr. R Der Schriftsteller Dr. Hugo^Ganz aus Wien hat kürzlich den Grafen Leo Tolstoi auf dessen Gut Taßnaja Poljana besucht. Das Gespräch kam auf den Antisemitismus. Graf Tolstoi sagte: „Der Antisemitismus ist nicht ein Unglück für die Juden. Denn wer Unrecht erduldet, ist nie zu beklagen, sondern wer Unrecht übt. Der Antisemitismus demoralisiert. Er ist das ärgste Uebel unserer Zeit, denn er vergiftet ganze Generationen. Er macht sie blind gegen Recht und Unrecht und ertötet jedes moralische Gefühl. Er verwandelt die Seele in eine Trümmerstälte, auf der alles Gute und Edle vernichtet ist." Dabei ist zu beachten, daß Graf Tolstoi starke Ausdrücke nicht liebt, vielmehr sich milden Urteils befleißigt. K. Auf den Universitäten im Deutschen Reich sind nach dem im „Reichsanzeiger" in Berlin veröffentlichten Verzeichnis im letzten Winterhalbjahre neun medizinische Doktorpiomotionen von Frauen vollzogen worden. Darunter sind Therese Oppler und Paula Philippson in Breslau, die Enkelin Ludwig Philippson's, Rahel Hirsch in Frankfurt, die Enkelin von Samson Raphael Hirsch und die Russin Lea Gutkind in Freiburg. P In Göttingen erwarb Frl. Ephruffi aus Kiichinew den philosophischen Doktorgrad magna ourn laude. Ihre Dissertation ist betitelt: „Experimentelle Beiträge zur Lehre vom Gedächtnis." Frisch gebackenes Christentum. Im „Neuen Wiener Journal" vom Sonntag den 21. August lesen wir folgendes Inserat: Den geehrten Christen zur gefälligen Kenntnis: Doktor Rollert Maria Braun (Christ) ordiniert: 2. Bezirk. Kaiser Josefstraße Nr. 22. Frage: Wie alt dürfte wohl das Christentum dieses Med. Doktors sein? Friedrich Freund, Wien, Schönbrunnerstraße. Die Juden müssen sich allen nationalen Exzessen fernhalten, ob diese nun deutschnational oder polnisch oder czechisch sind. Juden, welche einen deutschen, polnischen oder czechischen Chauvinismus betätigen, machen sich ebenso verächtlich als lächerlich. Dr. SN. Bry, Landes- und Gerichtsadvokat, Storozynez. Wir können leider die Nummer nicht heraussuchen. Josef Jsac, Wien. Der Gemeinderat Hans Arnold Schwer ist antisemitischer Zeitungsmacher en gios; nicht blos Redakteur des „Deutschen Volksvlattes", sondern auch Herausgeber des „Volksfreund". Wie weit aber seine geographischen Kenntnisse reichen, zeigt die Nr. 31 vom 14. d. M., in welcher eine Geschichte aus „Lodz in Galizien" berichtet wird. Zur gefälligen Beachtung! W ir ersuchen diejenigen unserer Abonnenten, welche noch mit der Abonnementsgebühr im Rückstände sind, die zur Einhebimg derselben von uns versendeten Postaufträge gefälligst honorieren zu wollen. Die Administration. — kauft, verkauft, tauscht —! Scbulbncber! zu den coulantesten Bedingungen nur das Antiquariat EÖWIT, Wien, 1., Rotcntormstr. 22. für Gymnasien, Real- und SchillbÜChGl* Handelsschulen, Privatschulen u. Privatunterricht. ■ ■ ■ Jede Anfrage wird sofort beantwortet Michael Straßer-Stiftrrng. Zu Ehren des Herrn Michael S t r a ß e r hat Herr S a l o Cohn, Vorstandsmitglied der israelitischen Kultusgemeinde in Wien, eine wohltätige Stiftung errichtet, deren Zinsen im Betrage von K 244.80 anläßlich des Sabbath Chanuka. als dem Geburtstage des verewigten Vaters des Herrn S a l o Cohn, am Sonntag den 4. Dezember 1904 durch den Vorstand zur Auszahlung gelangen. Anspruch auf diese Stiftung haben mittellose, würdige Bewohner des VIII. Gemeindebezirkes in Wien, welche Israeliten, seit »Jahren im VIII. Bezirke ansässig sind und für eine Familie zu sorgen haben. Die Bewerber haben für diese Bedingungen einen glaubwürdigen Nachweis zu erbringen. Auch Personen weiblichen Geschlechtes, welche die obige Qualifikation ausweisen, haben einen Anspruch auf diese Stiftun,!. Das Ansuchen um Verleihung ist an den Vorstand des Tempelbauvereines, VIII., Neudeggergasse Nr. 12 (Tempelgebäude) zu richten. Das ordnungsmäßig instruierte Gesuch muß bis längstens 30. September 1904 eingelaufen sein. Wien den 16. August 1904. Tempelbauverein des VIII. Bezirkes der Stadt Wien. Für den Vorstand: Michael Straßer. Hermann Beck.

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