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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-08-26 · 35 (26.8.1904) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
35 (26.8.1904)
Date
1904-08-26
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 85 Dr. Vlocb's MocbenscbrM. Seite 567 zu schildern. Mögen der so schwer getroffene Gatte Herr Dr. Arnold Edler von Porada, sowie der übrige ansehnliche Familienkreis an der rückhaltlosen imposanten Anteilnahme an dem Trauerakte, sowie der durch dieselbe dokumentierten allgemeinen Sympathie, deren sich die teure Verblichene im Leben zu erfreuen hatte, Erhebung und Trost finden in diesen schweren und unheilvollen Tagen, um nach wie vor all das Edle und Gute vollführen zu können, welches den Lebensinhalt der nun zur Ruhe gegangenen edlen und teuren Frau bildete. .r. Moritz Ritter v. Borkenau gestorben. Samstag den 20. d. M. ist in Wien nach längerem Leiden Hofrat Moritz v. Borkenau im 77. Lebensjahre verschieden. Mit dem Verblichenen verliert die bürgerliche Gesellschaft Wiens eine der sympathischesten und angesehensten Persönlichkeiten. Moritz v. Borkenau übernahm die Großhandlung seines Vaters. Im Jahre 1858 trat er in die Verwaltung der Niederösterreichischen Eskomptegesellschaft ein. 1885 als Generaldirektor an die Spitze dieses Institutes berufen, verstand er es, durch sein solides, streng kaufmännisches Gebaren dem Unternehmen, dessen Glanz durch die Krise Jauner stark gelitten hatte, wieder seine achtunggebietende Stellung im Geschästsleben der Monarchie zu verschaffen. Hofrat v. Borkenau trat 1885 von der Generaldirektion zurück, lieh aber dem Institut bis zu seinem Tode als Vizepräsident des Verwaltungsrates seine wertvolle Mitarbeiterschaft. Bekannt sind die Verdienste, die sich der Verstorbene als Gemeinderat der Stadt Wien um die Hebung des Gemeindewesens erworben hat. 1857 in den Gemeinderat gewählt, fungierte er bis zu seinem Ausscheiden aus dieser Körperschaft im Jahre 1885 als Budgetreferent. Er vertrat auch die Gemeinde bei der Königskrönung in Ungarn Sein Wirken für das Wohl der Stadt wurde durch die Verleihung der doppeltgroßen goldenen Salvator-Medaille anerkannt. Ritter v. Borkenau war auch Mitglied des Exekutivkomitees der Weltausstellung vom Jahre 1873. Bei dieser Gelegenheit wurde er durch Verleihung des Eisernen Kronen-Ordens ausgezeichnet. Bei vielen anderen internationalen Ausstellungen fungierte er als Juror. Borkenau gehörte lange Jahre hindurch zuerst als Vizepräsident, später als Präsident dem Vorstande der Wiener israelitischen Kultusgemeinde an. In den letzten Jahren hatte sich Hofrat v. Borkenau, dem die abnehmende Sehkraft sichtlich Beschwerden verursachte, ganz vom öffentlichen Leben zurückgezogen. Wien. Tief betrauert von seinen zahlreichen Freunden und Schülern ist am 21. d. M. in Aussee, wo er zum Sommeraufenthalte weilte, der Lehrer Dr. Moritz Renner im 66. Lebensjahre einer Herzlähmung erlegen. Der Verblichene war durch seltene Eigenschaften des Herzens und Gemütes ausgezeichnet und Jeder, der das Glück hatte, ihm im Leben näherzutreten, wird diesem braven, wackeren Manne, der in der selbstlosesten Weise stets bemüht war, arme Glaubensgenossen zu unterstützen und Tränen zu trocknen, ein treues Gedenken bewahren. Die Leiche wird, auf Veranlassung seiner Freunde, nach Wien überführt und am Freitag den 26. d. M. am Zentralfriedhof beerdigt. Prag. (Verlobung.) Fräulein Anna Fried hat sich mit Herrn Arthur Gärtner verlobt. (Warnung vor einem Schwindler.) Ein junger Mann, der MoseS Delouburg, Elektrotechniker, zu Marseille geboren zu sein und nur der französischen Sprache mächtig zu sein angibt, verlangt auf Grund eines Empfehlungsbriefes der Jsraelitengemeinde in Tilsit (Ostpreußen) Unterstützungen, um nach überstandener Operation in einem Bade Heilung zu suchen. Die gemachten Angaben, als auch der mit der Gemeinde-Stampiglie versehene und mit dem Namen Jakob Rosen st einer gefertigte Brief der Kultusgemeinde Tilsit schien nicht echt zu sein, was in der Tat auf eine bei der Gemeinde gerichtete Anfrage bestätigt wird, mit dem Ersuchen, auf diesem Wege all: Gemeinden und Wohltätigkeitsanstalten vor dem Schwindler zu w a r n e n. Die Stampiglie hat der Fälscher wohl mittelst Typen selbst zusammengestellt. Für die C h e w r a - K a d i s ch a, K o j e t c i n (Mähren), Moriz Löwenthal. Zalaegerszeg. (T e m p e l e i n w e i h u n g.) Donnerstag den 1. September wird hier die feierliche Einweihung des neuerbauten, herrlichen Tempels stattfinden. Die kantoralen Funktionen wird auf Einladung des Vorstandes der Oberkantor der Wiener israel. Kultusgemeinde Herr Bela G u t t m a n n unter Assistenz des Kantors S e i d n e r mit Chor und Orgelbegleitung verrichten. Die Festreden halten Se. Ehrwürden Herr Oberrabbiner Engelsmann und Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. B ü ch l e r aus Keszthely. Berlin. Nach schwerem Leiden ist am 11. d. M. der Bankier Alexander Meyer Cohn im 52. Lebensjahre gestorben. Derselbe war Mitbesitzer der renommierten Firma gleichen Namens und gehörte einer Familie an, deren Namen in der Geschichte der jüdischen Gemeinde Berlin Hellen Klang hat. Er selbst wurde treffend ein Kaufmann mit einem Künstlerherzen genannt. Alexander Meyer Cohn besaß eine der größten und wertvollsten Autographensammlungen der Welt, liebte die Kunst und die Bücher und übte im Stillen die Tätigkeit eines Mäcens aus, dem manches Talent Gutes zu verdanken hat. Die königlichen Museen ebenso wie andere Kunstanstalten hatten sich wertvoller Schenkungen von ihm zu erfreuen. Besonders aber galt seine Liebe und Aufmerksamkeit der deutschen Literatur und vorab dem Goethe-Archiv in Weimar, dessen Samnilungen er durch schöne Gaben bereicherte. Sein Haus war ein Mittelpunkt der Gelehrtenwelt, mit der er sein ganzes Leben in guter Fühlung blieb. Er war einer der Begründer des Museums für deutsche Volkstrachten, dem er eine große Anzahl von Trachten und Modellen gestiftet hat. Als Vorstandsmitglied des Vereins für deutsche Literatur war der Verstorbene eifrig tätig. In der Versammlung der Goethe-Gesellschaft zu Weimar war Alexander Meyer Cohn eine stets gern gesehene Erscheinung; er gehörte zu den Wenigen, die von der verstorbenen Großherzogin Sophie mit besonderer Huld ausgezeichnet wurden. Er besaß eine reiche Sammlung von Handschriften und Autogrammen, die einen außerordentlichen Wert repräsentiert. Zu seinen Erwerbungen gehören u. A. Briefschaften des Feldmarschalls v. Manteuffel, die über dessen Verhältnis zu Bismarck, mit er nicht immer (Vaccord war, eigenartige Aufschlüsse gebe:». Bekanntlich war der Sohn des Feldmarschalls, Jobs v. Manteuffel, seinerzeit in Vermögensverfall geraten und der Nachlaß des Vaters wurde verkauft. Die wertvollsten Briefe erstand Alexander Meyer Cohn. Dieser Umstand gab unserem jetzigen Kaiser Veranlassung, den Verstorbenen zu ersuchen, von einer Veröffentlichung der Briefschaften abzusehen. Die großen Mittel, mit deren Hilfe der Verstorbene im Stillen die Tätigkeit eines Mäcens ausübte, hatte er von seinem Vater, dem längst verstorbenen Begründer des alten Bankhauses, Geheimen Kommerzienrat Meyer Cohn, ererbt. Dieser war der Typus eines alten, biederen Bankiers vom echten Berliner Schlage: der alte Herr hatte es von jeher verstanden, sich mit den Kreisen des hiesig.'n Hofes in gute Fühlung zu bringen: er erwarb zu seinen Kunden eine Reihe von Fürstlichkeiten und Mitglieder des alten Adels; zu seinen besonderen Gönnern gehörte der ehemalige Generaladjutant weiland Kaiser Wilhelm's I., Graf Lehndorff. Und alle die, die sich ihm anvertrauten, wußten, warum sie es taten. Ein gutes Stück der echten warmherzigen Biederkeit des Vaters war auf den Sohn übergegangen. Nicht nur die Geschäftswelt wird dem Dahingegangenen ein ehrenvolles Andenken bewahren, auch Literatur und Kunst haben an ihm einen warmherzigen und verständnisvollen Förderer verloren. Und zahlreiche Arme werden den Tod des edlen Wohltäters beklagen, der seit mehr als fünfzehn Jahren im Vorstand der „Gesellschaft der Freunde" wie in vielen anderen Wohltätigkeitsvereinen eifrig gewirkt und viele Tränen getrocknet, viele Existenzen aufgerichtet hat. Sein Andenken sei gesegnet! Gerl,n (Eiu jüdisches V o l k s t h e a t e r.) Auf der sonst von Vari6tekü"stlern belebten Bühne des Palast-Theaters in der Burgstraße hat kürzlich eine jüdische Volkstheatertruppe ein Gastspiel eröffnet. Die Dilettantengestllschaft, in deren Reihen die deutsche Sprache in mannigfaltiger dialektischer Färbung erklingt, spielte das Schauspiel „Die Hexe Wainucha aus Kischenew", aus der Feder des jüdischen Volksschriftstellers A. Goldfaden. Das Schauspiel bezeichnet sich als „Szenen aus dem jüdischen Volksleben in Bessarabieu". Doch diese Marke ist nicht ganz echt, und besonders die Namen Bessarabien und Kischenew stehen nur als derbes Lockmittel da. Denn im Wesentlichen ist „Die Hexe Wainucha" wirklich ein ganz primitives, auf den einfachsten theatralischen Geschmack zugeschnittenes Schauspiel, das stark mit Märchenelementen durchsetzt ist und in das der Atem unserer Zeit und gar der der harten Tage von Kischenew kaum ein leisestes Lüftchen entsendet. Zwei Märchenfiguren stehen sogar direkt im Mittelpunkt des Schauspiels: die Hexe und die böse Stiefmutter Sie zusammen bemühen sich, die Familie des ehrsamen Kischenewer Kaufmanns Abromzow zu verderben. Der Vater wird schuldlos ins Gefängnis gebracht, die Tochter dem Bräutigam entrissen, der Bräutigam betrogen u. s. f. Aber zwischen diese bitteren Tatsachen sind sentimentale Volksgesänge, Tänze, Reigen und phantastische Hexenszenen gestreut — recht eine Mischung, wie sie der hungrigen Phantasie schlichter Volksmassen gefällt. Und einem durch keinerlei kultivierte Bühnenkunst verwöhnten Geschmack entspricht auch die technische und sprachliche Gestaltung dieses Schauspiels, das nicht nach Motivierung der Worte und Handlung'!,

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