Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1904)
- Issue
- 35 (26.8.1904)
- Date
- 1904-08-26
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Dr. Mocb s Mocbenscbrttt. Sette 5öS Nr. 38 Ausgaben: Miete ... . . . K 12.130.— Drucksorten ........... 9.499.— Ausgaben . . . . . . . . . . „ 12.402.— Schreibereien (Briefe) . . . . . . „ 10.920.— Reisespesen.„ 12.041.— Der VI. Kongreß . ..„ 26.891.— Die Wochenschrift „Die Welt" . . „ 20.014.— Zusammen K 114.911.— Soweit die Mitteilung des „Hazofeh", welche in einigen Ziffern nicht genau zu sein scheint. . Wie man erwartet hatte, wurde durch den russischjapanischen Krieg die Leistungsfähigkeit der russischen Zionisten stark . vermindert, so daß die Einnahmen aus Rußland hinter der Beitragsleistung der früheren Jahre entschieden zurückblieben. Es entspann sich eine lebhafte Debatte, die eine große Anzahl von Vorschlägen betreffs der Vergrößerung des Budgets der Leitung brachte. Nach Schluß der Debatte wurde dem Aktionskomitee Decharge erteilt mit einem besonderen Dankesvotum für Dr. Kokesch. Endlich wurde beschlossen, den nächsten großen Zionistenkongreß für den 12. März 1905 nach Basel einzuberufen. Dieser Kongreß wird sich nur mit der Abänderung der Organisation und mit der Wahl der Leitung zu befassen haben. Hierauf fand auch die Generalversammlung der jüdischen Kolonialbank statt. Der Kampf um den Zionismus in Ungarn. Die Durchführungskommission der Orthodoxen in Ungarn erließ, wie wir bereits gemeldet haben, nun auch ihrerseits einen Aufruf gegen den „Misrachitag" inPreßburg. An der Spitze dieser Kommission, die die berufene offizielle Vertretung der ungarischen Orthodoxen ist, steht der bekannte ehrwürdige Oberrabbiner Leopold Lipschitz. Ferner hat sich dem Proteste außer den in unserer letzten Nummer namhaft gemachten Rabbinen noch eine große Zahl anderer orthodoxer Rabbiner Ungarns angeschlossen, u. zw. die Oberrabbiner: Deutsch - Bonyhüd, Klein - Szöllös, Trutzer-Sook-Szelöcze, Schreiber- Beregszüsz, Ehrenfeld-Nagy- Mihüly, Salzer-Homonna, Ehrenreich-Somlyo, Ullmann-Bisztritz, Kohn-Sz. Ujvär, Fischer-Eperjes, Blum-Berettyo Ujfalu, Reich- Budapest, Löw-Ungvar, Szofer-Tißa-Füred, Brach-Ny. Mad, Szofer - Csuz, Jungreiß - Kaschau, Rosenbaum - Kleinwardein, Straßer-Debreczin, Reichmann - N. Jda, Goldberger-B. Hunyad, Brodi-N. Kallo, Friedmann-Udvarhely. Teitelbaum-Tets, Tannenbaum-Putnok, Jungreiß-Gyöngyös, Rosenberg-Razfert, Fischer- Gyönk, Fischer-Sarvar, Teitelbaum-Ny. Bator, Herzog-Stampfen, Weiß-Janoshaza, Friedmann-T6th, die Oberrabbiner von Kesmark, D. Szerdahely, Mattersdorf u. A. m. Der Aufruf ist also von mehr als 120 Rabbinern unterfertigt. Von auswärtigen Rabbinen sind hervorzuheben ein Schreiben des Oberrabbiners von Brisk in Rußland und eine zustimnende Kundgebung des holländischen Oberrabbiners Dr. Dinner, welche den Zionismus für gefährlicher ansehen, als die Reform in Deutschland. Der erste allgemeine Misrachiftentag in Preß bürg. 1. Tag. (Vo rm it t a g ssitz un g.) P r c ß b u r g, 21. August. Zur Zeit der Eröffnung der Versammlung waren 58 ausländische und 40 inländische legitimierte Delegierte anwesend; viele der Angemeldeten werden noch im Verlaufe des heutigen und morgigen Tages eintreffen. Eröffnet wurde die Versammlung durch eine längere hebräische Begrüßungsrede des greisen Rabbiners Reines aus Lyda (Rußland), der als geistiges Oberhaupt der misrachistischen Bewegung die Einberufer herzlich willkommen hieß. Die des Hebräischen kundigen Mitglieder der Konferenz unterbachen den Redner öfters mit lautem Beifall. Für die des Hebräischen Unkundigen verdolmetschte Redakteur G a i s (Frankfurt) die begrüßenden Worte des Vorredners. Delegierter Fischer aus Püpa beantragt sodann in ungarischer Sprache die Absendung eines Huldigungstelegrammes an Se. Majestät und verlas den ungarischen Text desselben. Die Delegierten erhoben sich von ihren Sitzen und gaben unter lautem Beifall ihre Zustimmung. Herr S. Bettelheim (Preßburg) begrüßte die Versammlung im Namen des ungarisch-zionistischen Landesverbandes und des vorbereitenden Lokalausschusses. Hierauf wurde zur Wahl des Präsidiums geschritten, welche folgendes Resultat hatte: Erster und Ehrenpräsident Rabbiner I. Reines aus Lyda: Vizepräsidenten: die Rabbiner A. Nobel (Leipzig) und Landau (Botosani, Rumänien); Schriftführer für Hebräisch N. Grünhaus (Trok), für Deutsch Rabbiner Dr. D. Fink (Wien) und Redakteur S. Gais (Frankfurt a. M.) Zu Beisitzern wurden gewählt die Herren S. Bettelheim (Preßburg) und Farbstein (Warschau). Vizepräses Dr. A. Nobel übernahm hierauf den Vorsitz, dankte im Namen des Präsidiums für die Erwählung und widmete sodann dem gestorbenen Führer Dr. Herzl einen Nachruf, der von den Anwesenden stehend angehört wurde. Im Namen des Wiener Aktionskomitees sprach sodann Herr Dr. Leopold Kahn, Hof- und Gerichtsadvokat in Wien, und gab seiner Befriedigung Ausdruck darüber, daß die Misrachisten, wenn sie auch ihre besonderen religiösen Interessen verfolgen, in politischer Hinsicht nach wie vor streng im Rahmen der allgemeinen zionistischen Bewegung bleiben und keinen Staat im Staate bilden wollen. Die Tatsache sei von Bedeutung, daß die große Majorität der Juden der orthodoxen Richtung angehört. Umsomehr sei es zu bedauern, daß das misrachistische Programni seitens vieler orthodoxer Rabbiner Ungarns eine schroffe Ablehnung erfahren hat. Diese Rabbiner mögen bedenken, daß es sich hier um ihre Sache handle und daß der Zionismus das einzige Mittel sei, das Judentum auch in religiöser Beziehung zu erhalten, sowie die Hoffnung auf Zion auch in vergangenen Jahrhunderten das Judentum vor dem Untergange bewahrt hat. Es folgte nunmehr als erster Punkt der eigentlichen Tagesordnung das Referat des Dr. A. Nobel (Leipzig) über den Zweck der „Misrachi" im allgemeinen und über deren Verhältnis zum Gesamtzionismus. Nachdem er die Triebfedern des zionistischen Bekenntnisses in politischer und wirtschaftlicher Beziehung, so wie dieselben im Denken und Fühlen der jüdischen Gemeinschaft wurzeln, klargelegt hatte, ging der Referent auf die Schilderung des Exils über, schilderte den Verfall des Sabbath, den Niedergang der religiösen Gebräuche, die Glaubenslosigkeit der sich selbst überlassenen Jugend, wie sie besonders in den westlichen Ländern zutage tritt, und folgerte hieraus auf die Notwendigkeit des misrachistischen Programmes, dessen Verwirklichung eine Regenerierung der jüdischen Glaubenstreue bewirkeu wird, ebenso wie der Zionismus eine Neubelebung des Judentums auf allen anderen Gebieten bedeutet. Nachmittags sitzung. An der Diskussion über das Referat Nobel beteiligten sich die Delegierten Dr.Fink, Melzer, Austerlitz, Landau, Doktor Abrahamsohn, Rabbiner Frankl (Cseßte) und Kopp. Als Delegierter Melzer das Wort ergriff, entspann sich eine kurze Geschäftsordnungsdebatte, da der Vorsitzende nicht zugeben wollte, daß der Redner gegen die antimisrachistisch gesinnten Rabbiner polemisiere. Die Konferenz pflichtete der Anschauung des Vorsitzenden bei, wodurch dieser Zwischenfall erledigt war. Der greise Rabbiner Frankl aus Cseßte geißelte insbesondere die Uneinigkeit, die das Judentum im Innern zerklüftet. Ein Brief des Oberrabbiners von Püpa, Herrn M. A. Roth, gelangte auf speziellen Wunsch der Versammlung zur Verlesung, in dem derselbe seinem Bedauern darüber Ausdruck verleiht, an der Konferenz nicht persönlich teilnehmen zu können, und seine besten Wünsche für die Ersprießlichkeit der Verhandlungen des Misrachistentages übermittelt.