Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1904)
- Issue
- 34 (19.8.1904)
- Date
- 1904-08-19
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 34 Dr. JSlocb’s MocbenscbrM. Sette 556 nicht ... der einzige Sohn sehr reicher Eltern. Die Tante wird böse sein, daß John nicht mitgekommen ist, aber ich werde sie schon zu besänftigen suchen. Der offizielle Ball wird später stattfinden ..." „Bitte Ignatz, laß Dich nicht stören", sagte Worobiejczyk aufstehend. „Unsinn!" erwiderte der Hausherr. „Bleib' sitzen! Ich wäre auch so nicht gefahren. Bei diesen lieben Verwandten langweilt man sich zu Tode." Die Gnädige zog die Stirne kraus. „Was Dich nicht daran verhindert, bis zum hellen Morgen Karten bei ihnen zu spielen", erwiderte sie höhnisch. „Dazu bin ich doch gezwungen, sobald Niemand da ist, mit dem sich menschlich reden ließe." „Besten Dank für die freundliche Empfehlung meiner Familie. Aber ich verstehe nicht, warum Du heute so böse bist. Auf Wiedersehen Doktor. John, ich fahre fort, wollen wir uns versöhnen?" fragte sie mit dem Tone einer Naiven aus einem Vorstadttheater. Sie erhob beide Hände zu den Lippen ihres Gatten, und nachdem derselbe einen Kuß auf die beringten Finger gedrückt, lächelte sie zärtlich und verließ das Zimmer, in welchem ein betäubender Duft von Eau d’Espagne zurückblieb. Eine zeitlang blieben die beiden Freunde in Schweigen versunken. Der Hausherr war verlegen; sein gepflegtes, von Gesundheit strotzendes Gesicht schien Plötzlich länger und dunkler geworden. Worobiejczyk blies große Rauchwolken von sich und zauste erbarmungslos an seinem dünnen Bärtchen. Plötzlich geschah etwas ganz Unerwartetes. Ignatz sprang vom Kanapee empor, und vor den Freund hintretend, legte er seine beiden kräftigen Hände auf dessen Schultern. Erstaunt blickte Worobiejczyk empor. (Fortsetzung folgt.) Literatur. „Altneuland"» Monatsschrift für die wirtschaftliche Erschließung Palästinas, Nr. 8 (August) ist soeben erschienen. Das Heft enthält u. A. einen Bericht von Dr. M. Blanken Horn über die kürzlich erfolgte Einrichtung meteorologischer Stationen auf jüdischen Kolonien in Palästina, die er im Aufträge der Kommission zur Erforschung Palästinas vorgenommen hatte. Bei der Errichtung der meteorologischen Stationen gelang es der Kommission, mit dem deutschen Verein zur Erforschung Palästinas Hand in Hand zu gehen und das Zusammenwirken auf diesem Gebiete zu sichern. Die Beobachtungen der jüdischen Stationen mit der Zentrale in Zichron Jacob, ebenso die Beobachtungen der deutschen Stationen mit der Zentrale in Jerusalem werden sowohl in „Altneuland", wie in der Zeitschrift des deutschen Palästina-Vereins regelmäßig veröffentlicht werden. Es ist wohl überflüssig, darauf zu verweisen, welche Bedeutung diese Einrichtung von meteorologischen Stationen in den jüdischen Kolonien sowohl für die allgemeine Erschließung, wie auch insbesondere für die Landwirtschaft haben wird. Prof. Dr. O. Marburg setzt seine Auseinandersetzungen über die Aussichten der jüdischen Kolonisation in Nord-Syrien auf Grundlage der Baumwollkultur im Gebiete der Bagdadbahn fort. Der höchst interessante und für die Kolonisation im Orient bedeutsame Aufsatz wird in der nächsten Nummer abgeschloffen. Professor Dr. D. Schönfeld. Jener berichtet auf Grund eigener Untersuchungen über die Halbinsel Sinai, deren Erforschung bekanntlich Gegenstand der zionistischen El-Arisch-Expedition war. Auch dieser Aufsatz, dessen Behauptungen manchmal zu kühn zu sein scheinen, wird sicherlich mit großem Interesse gelesen werden, da Professor Schönfeld das Land daraufhin prüfte, ob es das jüdische Volk während seiner 40 jährigen Wanderung ernährt haben könnte. Er gelangte zum Schluß, daß dies wohl möglich war. Es muß natürlich noch das Ende seiner Ausführungen in der nächsten Nummer abgewartet werden, bis der Leser ein klares Bild über das in Frage stehende Gebiet erhält. Des weiteren enthält die Nummer den Konsularbericht von Damaskus von 1902, die Angaben über den Regenfall an der Küste Palästinas im vergangenen Winter 1903/4 von Dr M. Blankenhoru (1. meteorologischer Bericht), welche dartun, daß das laufende Jahr ein durchaus wasserarmes ist, eine Besprechung von Arnold Rüegg's Werk „Auf heiligen Spuren — abseits vom Wege" von Dr. S. Soskin, schließlich Vermischtes und den Marktbericht. Redaktionsadresse: Berlin W. 50 Regensburgersiraße 50. (Preis der Zeitschrift jährlich Mark 6.—, Ausland Mark 6.50.) Neue Bücher. Im Verlage von A. I. H o f m a n n in Frankfurt a. M. soeben erschienen: Dr. Nehemias Brüll, weil. Rabbiner der israelitischen Gemeinde in Frankfurt a. M. F e st r e d e n für Neujahr, Versöhnungstag und Laubhüttenfest, 1904. Dr. M. Weinberg, Distriktsrabbiner in S u l zb ü r g (Oberpfalz). Die hebräischen Druckereien in S u lz b a ch (1669—1851). (Ihre Geschichte, ihre Drucke, ihr Personal.) 1904. Dr. Armin Schnitzer, Oberrabbiner in K o m o r n. Jüdische Kulturbilder. (Aus meinem Leben.) Kommissions-Verlag der Buchhandlung Jos. Schlesinger in W i e n - B u d a p e st. Preis K 2.— 1904. Krieflrasten. B. Theodor Herzl hat seine ersten schriftstellerischen Versuche in Dr. Friedjung's „Deutscher Wochenschrift", seine ersten zionistischen Enunziationen in unserem Blatte publiziert. K. in Petersburg. Trotzdem kein Jude in Rußland Militärarzt werden darf, wimmelt es in der Mandschurei von jüdischen Aerzten. Ja, man darf kühn behaupten, daß über fünfundsiebzig Perzent Juden sind. Solange der Posten eines Arztes bei der russischen Armee eine bloße Sinekure oder doch eine sehr gute Brotstelle war, wurde er den Juden unzugänglich. Nun aber da es ernst wird, wurden die jüdischen Aerzte an ihre Pflicht, dem „Vaterlande" in Kriegszeiten sich zur Verfügung zu stellen, gemahnt und keiner von ihnen hat nur den leisesten Versuch gemacht, sich — wie es die christlichen Aerzte in großer Anzahl taten — dieser Pflicht durch List und Bestechung zu entziehen. L. in ftutt». Dem jüdischen Arzt Dr. Lurje aus Elisabethgrad hat der höchstkommandierende General Kuropatkin, bekanntlich ein verbissener Judenfeind, das Georgskreuz verliehen. R- P. Unter dem Namen Manhattan Rifles ist im Monat Juni in New-Aork ein eigenes jüdisches Regiment entstanden, das bereits 50» Freiwillige zählt. Der Zweck dieses Regiments ist etwas mehr als bloßes Soldatenspielen. Wie der Regimentskont Mr. N. Taylor Philipps in seiner bei der Fahnenweihe gehaltenen Ansprache hervorhob, sollen die Manhattan Rlfles den Beweis liefern, daß die Juden heutzutage noch tüchtige Soldaten sind. „Eifr»ger Leser". Abgeordneter Breiter ist kein Jude. Die Mitteilung ist unwahr; jedoch besitz Niemand die Legitimation, eine Berichtigung auf Grund des Paßgesetzes zu erzwingen. Dr. S. in B. Die „I u g e n d" bringt unter dem Schlagworte „Der R e n o m m i e r j u d e" folgende Unterhaltung: „Um den Amerikanern zu beweisen, daß die russische Regierung durchaus nicht antisemitisch sei, hatte Minister v. Plehwe noch kurz vor seinem Tode angeordnet, daß sich ein jüdischer russischer Beamter, ein Herr Wilenko, nach den Vereinigten Staaten begebe. Er hatte den Auftrag, die Amerikaner von dem Wohlbefinden der russischen Juden zu überzeugen. Unser amerikanischer Spezialkorrespondent interviewte Herrn W i l e n k o und drahtete uns hierüber Folgendes: Ich traf Herrn Wilenko im Grand-Hotel, im teuersten Zimmer des vierzehnte» Stockwerkes. Herr Wilenko trug einen tadellosen neuen Smoking, dessen Anfertigungskosten die russische Regierung bestritt. Ich: Ich habe das Vergnügen mit Herrn Wilenko? Er: Machen Se kam Stuß. Se wissen's doch. Ich: Sie sind jüdisch? Er: Sind Se blind? Zu was sticheln Se eso? Ich: Sie sind trotz Ihres Glaubens russischer Beamter? Er: Gott sei's geklagt: ich biu's. Man bat mer die Wahl gelaffen, entweder Ausweisung oder Beamter. Hab ich das kleinere Uebel gewählt. Ich: Und es geht Ihnen gut? Er: Es muß mir gut gehen. Zu was bin ich nach Amerika geschickt worden? Ich sag' Ihnen, so ebbes Tolerantes, wie die russische Regierung, war noch gar nicht da: Wir sollen jetzt nur noch nach jüdischem Ritus geschlachtet werden. Ich: Also Rußland ist durchaus nicht antisemitisch! Er: Gott soll behüten! Es behandelt die Kinder Israel, als wären's die eigenen Kinder. Genau so schlecht! Ich: Sie fühlen sich also durchaus wohl. Gestatten Sie, daß ich das in den Zeitungen bekannt mache? Er: Thun Se's nur! Und vergessen Se nicht zu bemerken, daß meine Frau und Kinder in Kischenew ermordet worden sind. Meine alte» Eltern kamen mit abgeschnittenen Nasen und Ohren davon! Gott, geht m i r's gut, bin ich e glücklicher MenschEs lebe Plehwe!