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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-08-05 · 32 (5.8.1904) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
32 (5.8.1904)
Date
1904-08-05
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 32 Dr. JBlocb s MocbenscbrM. Teue 52 L 4. Die Heinrich Stern-Stiftung für Brautausstattung im Betrage von K 260. Die näheren Bestimmungen über diese Stiftungen sind aus den in der heutigen Nummer unseres Blattes enthaltenen Ausschreibungs-Kundmachungen, sowie an den Kundmachungstafeln der.Gemeindebethäuser zu ersehen. Klagenfnrt. (Todesfall.) Dienstag den 2. August starb hier im Alter von 43 Jahren die Gattin des Herrn Max S t ö ß l, Frau Jenny S t ö ß l. Die Verstorbene erfreute sich infolge ihrer besonderen Herzensgüte allgemeiner Sympathien. Theresienstadt. (Taufen.) In rascher Aufeinanderfolge sind hier zum römisch-katholischen Glauben übergetreten: Gottfried Kühner, k.!. Hauptmann-Rechnungsführer mit seinen beiden Kindern; Dr. Edmund Geduldiger, k. u. k. Stabsarzt; Dr. Ignaz Danneberg, k. u. k. Stabsarzt; Dr. Bernhard Fuchs, k. u. k. Regimentsarzt samt Frau, geb. Levinstein — alle selbstverständlich um ihres Seelenheils w il (nt! Essegg» (Der Zionismus in Kroatien.) In einer am 31. Juli abgehaltenen zahlreich besuchten Studentenversammlung wurde eine Resolution angenommen, wonach sich die Essegger kroatischen akademischen Bürger der Resolution ihrer Kollegen jüdischer Religion anschließen, mit welcher sie die Agitation für den Zionismus verurteilen und als kroatische Nationalisten beschließen, immer und überall gegen den jüdischen Nationalismus anzukämpfen. Angesichts dieser Protestkundgebungen befürchtet man anläßlich des bevorstehenden Zionisten kongresses Zusammenstöße. Die Polizei hat Vorsichtsmaßnahmen getroffen. Aus Deutschbrod wird uns geschrieben: Jüngster Zeit wird die Taufe bei uns epidemisch, den Beginn machte vor einigen Jahren der hiesige Advokat Dr. Karl N e i s e r n, indem er seine beiden unmündigen Söhne taufen ließ. Diesem guten (?) Beispiele folgend ließ kurz daraus Herr August G r o ß m a n n, Fabrikant in Pollerskirchen, seine Kinder taufen. Weiter überging zum katholischen Glauben Fräulein Jda Nett e l, Tochter des Karl N e t t e l, Lederhändler hier, und vor einigen Tagen ließ Herr Julius Kraus, Oekonom in Lenden, seine 2 Kinder im Alter von 2 und 3 Jahren taufen. Soeben kam die Nachricht, daß sich auch Herr Josef S a ch s l, Sohn des hiesigen Oekonomen Albert S a ch s l, taufen ließ. Für unsere kleine Kultusgemeinde ist es in so kurzer Zeit ein viel zu empfindlicher Abgang! München. Königl. Oberlandesgerichtsrat Adolph Eppstein ist zum Mitglied der königl. Disziplinarkammer in München ernannt. Dies dürfte im Justizdienst wohl der höchste Rang sein, den ein Jude in Deutschland erreichte. — Der Staatsanwalt am königl. Oberlandesgericht München, Eduard Silbermann, wurde zum Oberlandesgerichtsrat ernannt. Berlin. (Z u r ü ck g e h a l t e n e russische A u s- Wanderer.) Nach dem „Vorwärts" wurden 54 russisch-jüdische Auswanderer in Königsberg von dem Dampfer, auf dem sie bereits zur Reise nach Dänemark sich eingeschifft hatten, durch die Polizei weggeführt und auf das russische Konsulat und dann nach Insterburg gebracht. Der Rheder erklärte, er wünsche nicht, über den Fall Auskunft zu geben. Es wird zugestanden, daß es mit Ausnahme der Amerika-Linie den Rhedereien verboten sei, russische Auswanderer zu befördern, bevor nicht eine Mitteilung an die Polizei erfolgt sei. Berlin. Der „Voss. Ztg." wird geschrieben: Die Mitteilung in dem Feuilleton der „Voss. Ztg." vom 15. Juli über jüdische Namen im „Kaufmann von Venedig", den Namen „Jeffika" betreffend, beruht auf der traditionellen Annahme, daß der biblische Name „Jißkah" (woraus Jeffika entstanden) ein Synonym sei für „Sarah". Das „zum Fenster Hinausschauen" ist nicht subjektiv auf Jißkah zu beziehen, sondern objektiv: man wird auf sie schauen (d. h. auf sie aufmerksam werden [r>3D]) wegen ihrer großen Schönheit. Hierdurch erklärt sich auch die männliche Bildung des Namens. Man vergleiche übrigens die Stellen: Genesis 11, 29; 12, 14 und 20, 12. (Wir geben diese Notiz besonders deshalb wieder, weil es doch zu den allergrößten Seltenheiten gehört, daß dem Text einer Tageszeitung ein hebräisches Wort beigedruckt ist). London. In der zu Ehren der offiziellen Geburtstagsfeier des Königs von England veröffentlichten Rangliste erschien der Name des Herrn E. D. Stern zu London, der die Ritterwürde erhalten hatte. Sir Edward Stern ist der zweite Sohn des verstorbenen Viscount de Stern und Bruder des Lord Wandsworth. Er ist Präsident des jüdischen Taubstummenvereines und während seines Präsidiums hat dieses Institut das hervorragende Ansehen unter den anderen öffentlichen Wohlfahrtseinrichtungen erlangt, das^vor allen Dingen der Freigebigkeit zu verdanken ist, nnt welcher Sir Edward Grund und Boden, sowie das Gebäude dem Heim zur freien Verfügung stellte. Verbot jüdischer Zeitungen. Die „Königsberger Hartung'sche Zeitung" schreibt: „Ein neuer charakteristischer Beitrag zur russischen Judenpolitik wird aus Petersburg gemeldet. Dort erschienen bis vor kurzem vier Zeitungen in hebräischer Schrift, zwei davon in hebräischer Sprache, zwei in jüdischem Idiom. Seit dem 14. v. M. sind alle diese vier Zeitungen gezwungen worden, ihr Erscheinen einzustellen. Die Ursache liegt darin, daß die russische Regierung die jüdischen Schriftsetzer als Künstler erklärt hat, die sich nach dem Ansiedlungsgesetz nicht im Innern Rußlands, sondern nur in den Grenzrayons aufhalren dürfen. Sämtliche jüdische Schriftsetzer haben infolgedessen die Hauptstadt verlassen müssen, und da andere Setzer mit den hebräischen Lettern nicht umgehen können, haben die Zeitungen wohl für alle Zeit zu erscheinen aufhören müssen. Feuilleton. (Nachdruck verboten.) Die beiden Uothfchitde. Novellelte Hans Marten. (Schluß.) Der reiche Banquier, Herr Salomon v. Rothschild in Wien, saß hinter einem Schreibpulte in einem Kabinett neben seinem Komptoir. Die Post war eben angekommen, eine Menge Briefe lagen vor ihm, die er rasch öffnete und nach flüchtigem Durchlesen entweder zur Seite legte, oder einem der Handlungsdiener, welcher seiner Befehle gewärtig vor ihm stand, darreichte, indem er mit einigen Worten andeutete, was geschehen solle. Endlich waren die Briefe alle eröffnet und gelesen und als der letzte zur Seite gelegt war, entfernte sich der Komnlis und Herr v. Rothschild blieb allein. Unter den Briefen, welche er zurückgelegt hatte, kam ihm einer in die Hand, der schon bei dem ersten Lesen ihm besonders ausgefallen war. Er las ihn nochmals durch, wandte ihn dann um, las kopfschüttelnd die Adresse: An Joseph Rothschild in Wien," und rief endlich: „Herr Goldschmidt, kommen Sie doch einen Augenblick zu mir!" Der Zufall, der schon so viele Freude zerstört, aber auch eben so viele Leiden gehoben hat, diente diesmal der armen Familie in Preßburg als glücklicher Vermittler. Das unerfahrene Mädchen hatte den Brief geschrieben, wie die Mutter ihn diktierte und die einfache Adresse: „An Joseph Rothschild" in Wien, darauf gesetzt. So war der Brief nach der Residenz und mit viel::: anderen in das Fach des Freiherrn von Rothschild gekomir.e:. des reichen Banquiers, in dessen Kabinett sich der frcundli-. Leser eben im Geiste befindet und der allerdings vor viele: anderen im Stande war, der großen Not seines Namensvetter) mit einem Worte gründlich abzuhelfen. „Herr Goldschmidt," sagte der Banquier zu dem v.e trauten Buchhalter, der auf seinen Ruf sogleich erschienen war. „lesen Sie doch einmal diesen Brief und sagen Sie mir, uv. Sie davon halten." Der Buchhalter nahm den Brief und las mir imm.r wachsendem Erstaunen: „Vielgeliebter Mann, lieber Joseph! Heute find es acht Tage, seit Du fortgereist bist. Du kannst heute zurückkommen; es kann aber auch noch länger

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