Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1904)
- Issue
- 32 (5.8.1904)
- Date
- 1904-08-05
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 518 Dr. Dlocb's MocvenscbrM. Sir. 32 sinne geleitet, ihre mehr oder minder bemessenen Scherslein gerne beitragen. Für die verschiedensten Zwecke — darunter auch solche, die gerade nicht in den Rahmen der Wohltätigkeit passen, geben die Juden Geld — sogar horribile dictu — für Kirchenbauzwecke. Das ist doch gewiß die höchste Potenz von Toleranz und bei solchen Anlässen läßt sich wohl das „Non ölet" anwenden. Als vor einigen Jahren der Kampfruf ertönte: „Kaufet nur bei Christen", waren es „natürlich" die Juden, die, diesem Kampsrufe gewissenhaft folgend, bei „Christen" kauften, welche den Juden gerne ihre Ware anhängten und schmunzelnd das jüdische Geld einstrichen, denn — non ölet. — Nun der Jude ist halt ein humaner Mensch, der, ohne seine Glaubensgenossen verkürzen zu wollen, — auch seine christlichen Mitbürger unterstützt und sie leben läßt. Man kann das täglich beobachten; in den verschiedensten fashionabelsten Cafe-Etablissements rekrutiert sich das Gros der Besucher aus Juden und die Besitzer befinden sich wohl dabei, denn — non ölet. Den Juden mögen sie nicht, doch das jüdische Geld nehmen er gern, denn — non ölet. Aber der Jude ist wohltätig, und unbeirrt von der Zeiten Strömung, unbeirrt von dem Hepp-Hepp-Geschrei säet er allerorten Humanität, um — Undank zu ernten. Der „Bielitz-Bialaer Anzeiger" vom 16. Juli veröffentlicht eine Liste der Sammlung für den Schwesternhausbau. Laut „Ev. Kirchen-Ztg." sind im eben abgelaufencn ersten Halbjahr 1904 dem Schlesischen Evangelischen Schwesternhause, zumeist für den dringend notwendigen Bau des Diakouissenhauses in Bielitz, von evangelischen Vereinen und einzelnen Wohltätern folgende Gaben zugegangen: Vom Zentralvor,lande des Gustav Adolfvereines in Leipzig 585 R, vom Gustav Adolf-Frauenverein in Meißen 58 K 55 b, vom Gustav Adolf-Frauenverein in Breiten 40 R 98 h, von den Gustav Adolf-Frauenvereinen in Bischofswerda, Göttingen, Laubegast und Wittenberg je 35 K, vom Gustav Adolf-Frauen verein in Krefeld 29 R 33 h, von den Gustav Adolf-Frauenvereinen in Breslau und Darmstadt je 23 R 50 h und vom Gustav Adolf-Frauenverein in Greiz 17 K 59 d. Ferner haben gespendet: Frau Gertrud Fritsche in Biala, I. G. Bathels Söhne in Bielitz, Hermann Schneider in Bielitz, Jakob und Josef Kohn, Max Springer. S. Trebitsch & Sohn und Adolf von Wiesenbnrg in Wien je 1000 R, Frau Marie Hähnel in Bielitz, I PH. G l e s i n g e r in Teschen, David Ritter von Guttmann, George Borckeustein, Dr. Ernst Marbach, Viktor von Ephrusi, Friedrich Sueß und Hermann Pollak's Söhne in Wien, Gustav und Rudolf Heß in Biala und Moritz Rohrmann in Bludowitz je 500 R, Rudolf Auspitz in Wien 400 R; Sternickel & Gülcher in Biala 300 R; M. Graubner und Gustav Molenda in Bielitz je 250 R; Gustav Förster, Karl Hoink-s & Sohn, Josef Mauksch, Salomo n Pollak, Theodor Pollak, Viktor Schäfer und eine ungenannte Familie in Bielitz, die Bielitzer Sparkasse, die Bielitz- Bialaer Eskompte- und Wechslerbank, S. F. Goldberger & Söhne, Dr. Erich von Hornbostel und Dr. Ernst Putzar in Wien je 200 R; Karl Bachrack, Moritz Braunberg, GebrüderGoldschmid, Karl Jankowski, Karl Korn und Julius Roth in Bielitz, Hirsch & Söhne und Josef Hiller's Sohn iu Wien je 100 R; mehrere Patienten im Dr. B l o ch'f ch e n Sanatorium in Prag zusammen 69 R; der ehemalige, gemischte Chor in Bielitz (anstatt eines Kranzes auf den Sarg des Herrn Severiu Wilke) und Professor Gottlieb Friedrick in Teschen je 5 > R; Frau Förster und Rudolf Johne in Bielitz, Frau Marie Rahn in Roffitz. Baumeister Wagner in Saybusch, Frau Olga Rudel und Adjunkt Thiel in Teschen je 40 R; Pfarrer Dr. Schmidt in Bielitz 32 R; Familie Santarius in Thiergarten, Frau D r. Stern, Frau von Ostheim, die Herren Ezaczinski und Spitzer inTeschen je 30 R; Dr. Johann von Lany in Graz, Frau I. Dub und Prof D. William Hämisch in Bielitz je25R; Frau Jakob Pollak in Bielitz 22 R; Frau Hauptmann Gelber in Biala, Kaufmann Raschka in Teschen, Frau Blühmel und Heinrich Hoffmann in Bielitz je 20 R; Herr und Frau Milan 18 R; Vikar Pohl in Kattowitz 17 R 69 b; Konsistorialrat Seehausen iu Arolsen 16 R50 h; Fräulein Martha Obiger 1- R; die Frauen Marie Patsch. Höffinger. Adolfiue Hildemann. Kenyey, Klobuschitzky, Königsberg, Libitzki, Berta Mehlich, Neumann, Riemietz, Paul Simko, Jenny Wachtel, Walek und Zuckermandel in Teschen, die Herren Kroll, Schreiber und Krischa in Teschen, Karl Hauptig in Bielitz, Zipser in Al-en und drei ungenannt sein wollende Freunde je 10 R; Fräulein Marie Schimko in Bielitz 8 K 50 h; Frau Braun in Teschen 7 R; Frau Oberförster Matter, Herr Meier in Teschen je 6 R; die Herren Feiler iu Bielitz, Altmänn in Csaca, Firla in Karwin und Schreiber in MeserMch je 5 R; Werkmeister Duda in Viala 2 R. Mau braucht diese Liste nur durchzulesen, um zu sehen, daß wir recht haben. - Dagegen wurde ein armer jüdischer Bettler, der irrtümlicherweise einen Christen um eine milde Gahe anging, wegen — Betruges angezeigt und vom Staatsanwalt angeklagt. Der Angeschuldigte wurde nur darum freigesprochen, weil er, wie er beteuerte, der Meinung war, einen Glaubensgenossen vor sich zu haben. Unter Anderem hat jüngst das „jüdische" Bankhaus Rothschild in Paris die „Kleinigkeit" von zehn Millionen Francs zur Errichtung von Arbeiterhäusern gespendet, und man sollte wohl glauben, daß dieser einzig dastehende Akt von Munifizenz zumindest doch die Anerkennung der Mitwelt verdient hätte; aber das gerade Gegenteil ist der Fall; es wird von gewisser Seite in unfaßbarer Verblendung das ethische Moment dieser beispiellosen Tat gänzlich perhorresziert und als „jüdische Protzerei" rc. stigmatisiert — ja, die „Volkstribünc", das Arbeiterorgan, entblödet sich nicht, diese dem Wohle der Arbeiterschaft, also der eigenen Partei — freilich fremden Genossen — zugute kommende Zehn-Millionenspende auf das Undefinierbarste zu bekritteln und zu benörgeln, und es ist für den Menschenfreund schmerzlich, zu sehen, welche Blüten der Antisemitismus zeitigt. Aber das jüdische Geld wird trotzdem allerorten gerne genommen — auch in Frankreich — denn auch dort ist das jüdische Geld „geruchlos" — non ölet. Wir kennen übrigens Millionäre arischen Geschlechtes, die „nichts auslassen" und die dem Prinzip huldigen: „Selber essen macht fett", diesen möchte ich in Bezug auf die Hochherzigkeit der „Juden" Rothschild zurufen: „Gehet hin und tuet desgleichen. Julius W o t t i tz. Generalversammlung der , Alliance I.sraelite (Jaiverselle“ in Paris. Am Sonntag den 15. Mai fand in Paris die jährliche Generalversammlung der Mitglieder der Allianz in dem neueingerichteten, geräumigen Bibliothekssaale des Lehrerseminars (Ecole normale israelite, , prientale), .unter . dem Vorsitze,. des Herrn Narcisse Leven, Präsidenten des Zentralkomitees, statt. Die meisten in Paris wohnhaften Mitglieder des Zentralkomitees hatten sich eingefunden. Von den auswärtigen Mitgliedern wer Herr Konsul Simon-Hannover erschienen. Nach Eröffnung der Sitzung verlas der Generalsekretär den Bericht über die Wirksamkeit der Allianz im verflossenen Jahre, zunächst auf .dem Gebiete der Hilfsaktion, sodann in Sachen des Schulwesens. Mit kurzen Worten faßte er die Greueltaten von Kischenew und Homel zusammen und wies auf die Sammlungen hin, die von der Allianz veranstaltet wurden, um den Notständen der jüdischen Bevölkerung wirksam zu steuern. Sodann kam er auf die Lage der Juden in Rumänien zu sprechen und konstatierte, daß sie sich im abgelaufenen Jahre kaum verändert hat. Dementsprechend mußte die Allianz ihre Hilfsaktion fortsetzen, namentlich durch Unterstützung der Vorschußkassen für Handwerker und Kleinhändler, die sich als sehr wohltätig erwiesen; ferner wurden in den jüdischen Volksschulen Mittagsfreitische geschaffen, Subventionen für Heizung und Schulgelder bewilligt. Gegen die falsche Anklage des Ritualmordes zu kämpfen ist das Zentralkomitee stets bestrebt, und dank der Vermittlung seiner Vertreter gelang es ihm, namentlich in Egypten, diese ungeheuerlichen Anschuldigungen zunichte zu machen. Die Verhältnisse der Juden in Marokko waren besonders mißlich, und die Alliance mußte den von Räuberbanden mißhandelten und ins Elend gestürzten Glaubensgenossen, namentlich in Stat, Demnat, Seffrou, Fez, ihre moralische und materielle Hilfe angedeihen lassen. Ferner berichtete der Herr Sekretär über das Schulwerk der Alliance und dessen ununterbrochenen Fortgang. Die Zahl der Elementar- und Gewerbeschulen beträgt jetzt 120, mit einer Gesamtzahl von 33.000 Schülern. Er betonte mit besonderem Nachdruck den segeusreichen Einfluß dieser Schulen in Persien, wo die jüdische Bevölkerung auf einem so niedrigen kulturellen Niveau stehe. Die bloße Anwesenheit eines Schuldirektors der