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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-07-22 · 30 (22.7.1904) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
30 (22.7.1904)
Date
1904-07-22
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nr. 30 Jahrgang XXI Dr. Bloch’s t ♦ Teniralorgan für die gessmmlen Interessen des Iudenthums. ---^- Wien. SS. Inli 1904. -•»—- Erscheint jeden Freitag. -- Brief-Adresse: Wien, IX/1» Berggaffe SS. Telegramm-Adresse: Dloch's Wochenschrift, Wien. X- =-■ ■ =■-. =■■ - -M | SeprgsPrri» fltr Srstrrrrtch - Halbjährig 8 Kronen. Einjelezcrmplare SV Heller. Für'» Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 „ iluz eigen: Die 4mal gespaltene Detitzeile 24 Heller. « ~ - m x -- B. k. Postsparraffen-Amt Clearing-Verkehr Ar. 610.978. Lrdarllon und AdminiPraNon: Wir» IX/1, Verggafsr Ar. 39. Telephon Nr. 14.847. k- —■ - « Inhalt: Leitartikel: „Fälscher und Betrüger". — Ein neuer Prophet. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Glossen zur Tagesgeschichte. Arische „Raffenstudien". Graf A. von Bernstorff über den Antisemitismus. Russische Gerechtigkeit.. Symptome russischer Finanznöten. Heldentaten eines Judenmädchens. Die Juden in Italien. — Der Religionsunterricht in der Mittelschule — Korrespondenzen: Hilfsverein für die notleidende jüdische Bevölkerung in Galizien Eine Enquete über die wirtschaftlichen Verhältnisse des II. und XX. Bezirkes. Gedächtnisfeier für Dr. Theodor Herzl. Brünn. Zum <0. Geburtstage von Dr. Leopold Herzel in Brody. Prag. Die Juden in Japan. Der Gesetzentwurf gegen die Einwanderung zu Fall gebracht. St. Louis — Vermischtes: Kranzablösungsspenden zu gunsten der Ehewra-Kadischa in Wien. Wien. Herr Herzog als Gemeinderat. Ischl. Aus Teplitz, Boskowitz, Klattau, Ledee, München. — Feuilleton: Jüdische Kulturbilder. — Neue Bücher. — Briefkasten. — Inserate „Falscher und Ketrugrr". Dr. Lueger als verantwortlicher Chef und Doktor Weißkirchner als Direktor des Wiener Magistrates haben sich in unzweideutiger Weise des Magistratssekretärs Dr. Demel angenommen, obwohl derselbe gerichtlich der gehässigen Aeußerung überwiesen wurde, daß alle Juden Fälscher und Betrüger seien, daß man ihnen deshalb die Augen ausstechen und sie aufhängen müsse. Die Parteinahme der Herren Dr. Lueger und Dr. Weißkirchner ist umso auffälliger, als der Magistrat die Gewerbebehörde erster Instanz für Wien bildet und dieser Behörde aus den Strafprotokollen nur zu genau bekannt sein muß, daß die Lebensmittelfälscher in erdrückender Mehrheit nicht der jüdischen, sondern der christlichen Konfession angehören. Es fällt uns deshalb nicht ein, nach dem Muster des Herrn Magistratssekretärs Demel alle Christen für Fälscher und Betrüger zu erklären oder gar zu verlangen, daß unseren sämtlichen christlichen Mitbürgern die Äugen ausgestochen oder der Strick um den Hals gelegt werden solle. Wir hätten auch aus der soeben behaupteten Tatsache durchaus keine weiteren Konsequenzen abgeleitet, wenn Herr Dr. Karl Lueger vom Bürgermeisterstuhle herab und als Chef des Magistrates nicht die Stirne gehabt hätte, sich seiner objektiven Amtsführung zu berühmen, während er doch im selben Atemzuge Herrn Demel einen braven Mann und einen noch braveren Beamten sein ließ. Aus den Erklärungen des Bürgermeisters ist heute schon zu entnehmen, daß er alle Fünf gerade sein läßt und daß Herr Demel aus der angekündigten Disziplinaruntersuchung, wenn sie überhaupt über ihn verhängt werden sollte, eher noch mit einer Belobung, als mit einem Tadel belastet hervorgehen dürfte. Glücklicherweise hängt das Urteil der Oeffentlichkeit nicht von den Disziplinaruntersuchungen des Herrn Doktor Lueger ab und die Frage, ob die Juden, speziell in Wien, mit einem besonders auffälligen Perzentsatze an Lebensmittelverfälschungen und Betrügereien beteiligt sind, läßt sich an der Hand eines viel verläßlicheren Materials beurteilen, als es vielleicht die Disziplinarakten des Herrn Dr. Lueger sein werden. Vor uns liegt eine statistische Zusammenstellung aller jener Verurteilungen wegen Ueb^rtretung des Lebensmittelgesetzes, welche in den Jahren 1899—1902 vor Wiener Bezirksgerichten durchgeführt worden sind. Der Herr Bürgermeister kann sich diese Zusammenstellung gleichfalls verschaffen, wenn er sich die Mühe und Geduld nehmen will, die diesbezüglichen gerichtlichen Strafakten durchzusehen. In den genannten drei Jahren wurden von den Wiener Bezirksgerichten nahezu 500 Personen wegen Lebensmittelversälschung teils zu Arrest, teils zu Geldstrafen verurteilt. Bon diesen rund 500 Personen sind 98"/« christlicher Religion und arischer Abstammung. Die meisten Anklagen betreffen Fleischselcher, Gastwirte, Milchmeier und Milchverschleißer, Gemischdwarenverschleißer und Marktleute, welche faules Obst, faules Gemüse rc. feil hielten. Es ist überaus interessant, die betreffenden Protokolle zu lesen und festzustellen, mit welcher Gewissenlosigkeit namentlich die verurteilten Personen aus der ehrsamen Fleischselchergilde Leben und Gesundheit des konsumierenden Publikums gefährdeten. In einer beträchtlichen Anzahl von Fällen mußte die Anklage wegen Uebertretung des Lebensmittelgesetzes in eine solche wegen Vergehens gegen die Sicherheit des Lebens umgewandelt werden, weil die Gewinnsucht und Gewissenlosigkeit der Verkäufer auch den Verlust von Menschenleben zur Folge hatten. Es ist undenkbar, daß diese Tatsachen dem Magistrate und seinen Organen nicht bekannt sein sollten, weil ja die ersten Amtshandlungen und insbesondere die Anzeigen bei Gericht von den magistratischen Marktkommissären ausgehen, denen eine besondere Vorliebe sür jüdische und eine besondere Abneigung gegen christliche Geschäftsleute gewiß nicht nachgesagt werden kann. Die Schuld der betreffenden Lebensmittelfälscher potenziert sich umsomehr, als der Kundenkreis derselben in den meisten Fällen aus armen Proletariern besieht, die auf billige Lebensmittel direkt angewiesen sind und denen gegenüber die Verabreichung gefälschter und zum großen Teile vergifteter Waren geradezu einen langsamen Massenmord bedeutet. Soviel zum Kapitel der „Lebensmittelverfälschungen". Nun zum Kapitel „Betrug". Das ist ein so ausgedehnter Begriff, daß es schwer möglich ist, hier eine umfassende statistische Zusammenstellung zu beschaffen. Wir greifen nach der erstbesten statistischen Nachweisung, die uns eben zur Hand ist. Es sind dies „Die Ergebnisse der Strafrechtspflege i. 1.1896", veröffentlicht von der statistischen Zentralkommission. Darnach wurden in dem genannten Jahre wegen Betruges in ganz Oesterreich 2129 männliche Personen und 545 weibliche Personen christlichen Bekenntnisses, somit

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