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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-07-15 · 29 (15.7.1904) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
29 (15.7.1904)
Date
1904-07-15
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Sette 4?4 Dr. Llocb's Mocbenscdrlkt. Nr. 39 Konservatoriums Anton Bennewitz, der Vizepräsident derPrüfungskommission für das Lehramt der Musik Statthaltereisekretär Rudolf Freiherr Prochäzka samt Gemahlin, Musikdirektor Friedrich Heßler mit Gemahlin, Schriftsteller, Künstler, Mitglieder des deutschen Landestheaters, Industrielle, Offiziere, Advokaten, Aerzte, viele Damen und zahlreiche andere Trauergäste. Der Zug, den eine lange Wagenreihe beschloß, nahm seinen Weg zum Malvazinkafriedhofe, wo die Beisetzung erfolgte. Feuilleton. Alle Rechte vorbehaUcn Jüdische Kuliurbilder. Von Dr. Armin Schnitzer, Oberrabbiner in Komärom. (Fortsetzung.) Im Jahre 1868 hat die ungarische Judenheit eine Bewegung ergriffen, deren Wellenschlag noch in Jahrhunderten zu verspüren sein dürfte. Im Dezember 1867 hatte die ungarische Nation den Schuldbrief eingelöst, den sie schon 1849 den Juden ausgestellt hatte; ihre politische und bürgerliche Gleichstellung wurde zum Gesetze und der Kultusminister Josef E ö t v ö s, dieser edle Kämpfer für Menschenrecht, der schon 1840 in seinem Werke „die Emanzipation der Juden" mit den glänzenden Waffen seines Geistes für die Stiefkinder des Vaterlandes in die Schranken getreten war, wollte die Organisation der jüdischen Gemeinden auf autonomer Grundlage ins Leben rufen. Schon im Jänner 1868 berief er aus allen Teilen des Landes 34 Vertrauensmänner, welche über die Einberufung eines allgemeinen jüdischen Kongresses beraten sollten. Kein einzigerRabbiner ward hiezu erwählt! Eötvös wollte den Zusammenstoß religiöser Gegensätze hintanhalten, und siehe, gleich in der ersten unter dem Präsidium des Ministers persönlich abgehaltenen Sitzung stellte ein Orthodoxer — doch nein! dieses Wort, dieses aus ftemden Erdreich auf jüdischen Boden verpflanzte exotische Gewächs wurde erst später bei uns eingeführt — also sagen wir: konservativer Vertrauensmann den Antrag, daß seine Gesinnungsgenossen selbständig und gesondert von den Fortschrittsmännern beraten mögen, daher für die letzteren ein separater Kongreß einzuberufen sei. Doch der Minister erklärte entschieden, daß das Gesetz nur Eine israelitische Religion kennt, und die Regierung daher nur Eine israelitische Konfession anerkenne! So wurde denn für Dezember 1868 ein allgemeiner jüdischer Kongreß einberufen. Die Wahl der Delegierten war eine Kopie, oder vielmehr eine Karrikatur der ungarischen Deputiertenwahlen mit ihren lärmenden Aufzügen, ihren Nationalfahnen und ihrer Zigeunermusik, ihrem Korteskedieren und Bankettieren, ihren Programmreden und „Aufrufe n". Solch ein Aufruf eines Rabbiners liegt mir vor. Er beginnt mit den Worten: „Der seit Jahren auf dem Wege der Polemik geführte Gärungsprozeß hat sich zu einem derartigen Parteikampf gestaltet, daß selbst das in anderen Verhältnissen st o i s ch bleibende Herz von Grausen und Brausen erfüllt werden müßte." So schrieb der Mann deutsch, weil er — ungarisch kein Wort wußte. Das Komorner Komitat hatte zwei Deputierte zu wählen; für unfern Wahlbezirk wurde ein streng religiöser, aber moderner Mann, Salomon Beutum, kandidiert. Ihm erstand aber ein gefährlicher Gegenkandidat, dem unsere Gemeinde zu besonderem Danke verpflichtet war, und zwar in der Person des Sektionsrates Moritz v. Ludasy. Er zeigte mir telegraphisch seine Ankunft für Erew Jomkippur an, speiste bei mir, ließ sich am Jomkippur im Tempel zur Thora rufen, spendete viel, schickte auch unserem alten Rabbi eine ansehnliche Gabe, und mir, dem, wie er erfahren hat, „mit Geld nicht beizukommen sei", versprach er im Namen des Ministers — eine Professur an dem zu errichtenden Rabbiner- Seminar, — aber all das half n i cht. Er galt dem religiösen Leben viel zu sehr entfremdet, als daß er von unserem hochkonservativen Wahlbezirk hätte gewählt werden können. Wie sehr aber dem Minister an der Wahl Ludasy's gelegen war, den er als Vertrauensmann der Regierung im Kongresse haben wollte, damit er vermittelnd e i n gr e i f e, zeigt der Umstand, daß der Erb-O bergespan Graf Nadasdy, der kaum einmal in Jahrzehnten unsere Komitatsstadt zu besuchen Pflegte, herkam, um für Ludasy zu wirken. Er ließ uns: den Wahlpräses, den Schriftführer und mich als Präses des Zentralkomitees für das ganze Komitat, zu sich bitten und legte uns die Wahl Ludasy's eindringlich ans Herz. Doch lag die Wahl nicht in unserer Hand, sondern in der Hand der Wähler — und v. Ludasy ward nicht gewählt. Der Kongreß trat zusammen. Die Fortschrittlichen waren in der Majorität — doch waren sie den wilden, intransingenten Elementen aus dem Norden Ungarns, die die Führung der orthodoxen Minorität an sich gerissen hatten, viel zu wenig konziliant und entgegenkommend und so platzten bald die Gegensätze aufeinander. Das Wort Religion durfte bei den Beratungen gar nicht genannt werden, denn sofort unterbrach der Präsident Dr. Hirschler den Redner: „Von Religion darf nicht gesprochen werden." Es kam dann so, daß Viele nur von dem „Dinge" sprechen, „das man hier nicht erwähnen darf", als wenn man bei Beratungen über jüdische Angelegenheiten es vermeiden könnte, das Wort Religion auszusprechen, die doch einzig und allein einer Kultusgemeinde den Rechtstitel ihrer Existenz gibt. — Und wenn ein Oppositioneller den Fortschrittlichen zu unbequem wurde, so riefen sie ihm zu: ei all, d. h. zu deutsch: er stehe ab (von seiner Rede), er soll schweigen, worauf einmal ein Rabbiner das geistreiche Wort der Majorität zuschleuderte: „eläll jikruuhu, jacliad lau jerauinem“. (Wenn Sie „eiall“ rufen, so erhebt sie allesamt das nicht.) Der eigentliche Sinn dieses Schriftverses ist: Wenn sie auch zu Gott rufen, so erhebt sie das allesamt nicht (Hoschea 11. 7). Am heftigsten war der Kampf der Parteien, als die Konservativen den Antrag stellten, es möge in das Gemeindestatut der S ch u l ch a n-A ruch als bindendes Gesetz ausgenommen werden, auf dessen Grundlage die religiösen Institutionen errichtet und erhalten werden müßten. Ich war eben zu dieser Zeit in Budapest. Ich traf dort mit D r. Hildesheimer zusammen, der schon vor und während der Wahl mit mir über denKongreß korrespondiert und auch seine Reise nach Budapest über Komorn genommen hatte, um über seine Stellung im Kongreß Rücksprache mit mir zu nehmen. Damals hatte er die Absicht, eine Zentrumspartei zu bilden, doch stand er davon ab, um die konservative Partei nicht zu schwächen. Er hatte einen schweren Stand, — „Im Tigerklub" — sogenannt von dem Hotel „zum Tiger", wo die konservative Opposition ihre Beratung hielt, — wurde er, der Gemäßigte, der für Kultur und Ordnung eintrat, von den Wilden aus Marmaros, Bereg, Ugocsa u. s. w. als „Datsch" (Deutscher), als „ausländische Schoire" verdächtigt, ja sie ließen es auch an öffentlichen Insulten nicht fehlen und im anderen Lager wurde er als „N e u r o m a n t i k e r", als Finsterling verschrieen. Im Gasthause ftagte ich ihn, wann ich ihn besuchen könne; er aber sagte: Ich konlme Abends um 7 Uhr zu Ihne n. Und er, der große bescheidene Mann kam pünktlich. Das Gespräch drehte sich hauptsächlich um die Tagesfrage und ich sagte ihm offen meine Ansicht. „Herr Rabbiner, Sie kennen mich zu gut, um fürchten zu müssen, daß Sie mich verdächtigen würden, wenn ich aufrichtig spreche. Unser ganzes religiöses Leben bewegt sich doch

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