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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-07-08 · 28 (8.7.1904) · page 18

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
28 (8.7.1904)
Date
1904-07-08
Page
– (sequence 18)
Language
German
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Seite 458 Dr. Bloches Wochenschrift. Nr. 28 Festungskommandanten bestätigt wurden. Ich eilte nun zum Kommandanten, um mich bei ihm wegen D e u t s ch l ä n d e r zu verwenden, und da traf es sich gerade, daß der Auditor mit feinem Aktenbündel in diesem Augenblicke beim Kommandanten eingetreten war. Ich befürchtete, daß nun über das Schickfal Deutschländer's entschieden werde... ich durfte nicht warten, bis das Urteil unterschrieben ist, das mußte ich um jeden Preis verhindern, ich trat daher im Vorsaale so geräuschvoll auf, daß der Kommandant die Türe öffnete. Als er mich erblickte, bat er mich um Entschuldigung, er müsse zuvor die Gerichtsakten erledigen, der Auditor sei da.... „Eben deshalb, Exzellenz! muß ich früher meine Bitte vortragen, denn dann dürfte es zu spät sein". In kurzen Worten legte ich ihm die Sachlage dar und bat eindringlich um seine Gnade. „Exzellenz! ich stehe mit meiner Person für Dcutschländer ein, derMann hat zum spionieren zu wenig Verstand. Der wütende Blick des eben abgchenden Auditors sagte mir, daß das Urteil kein ungünstiges sei. Der Festungskommandant empfing mich mit den Worten: „Lieber Schnitz er — so sprach er mich immer an — derMann wird gehenkt; er Hat den Einbruch Klapka's und seiner Legion in Ungarn unterstützt, er hat für die Preußen spioniert, der wird gehenkt!" Doch rasch fügte er hinzu: „Nun, so arg ist es nicht; ich höre, daß Ihre Gemeinde wegen des Tempelbaues Geldkalamitäten habe, so soll er zweitausend Gulden auf Ihre Kirche geben." „Exzellenz, d a erweisen Sie unserer Gemeinde einen schlechten Dienst; der Mann ist arm, wie ein Rabbinatsverweser — und wir müßten ihm noch die Reisespesen geben." „Sie sind wirklich schwer zu befriedigen; nun wohl, ich habe das Urteil dahin abgeändert, daß der Mann zehn Gulden für die Ortsarmen zuhause zahle, — wenn er si e ha t!" Da habe ich doch allenfalls mehr genützt, als wenn ich Feldgeistlicher geworden wäre. (Fortsetzung folgt.) Literatur. Zur Cxegese des Verses IO, Kap. 49,1. B. Moses. In dem Artikel „Die Juden von hervorragenden Nichtjuden beurteilt", Nr. 26, wird von dem Dominikaner Raimund Martin (um 1230} erwähnt, daß zum Beweise, daß Jesus der wahre Messias sei, die Stelle in Genesis 49, 10 herangezogen wird: „Nicht weichen wird das Szepter von Juda, noch der Herrscherstab von seinen Füßen, bis der S ch i l o h kommt und ihm wird der Gehorsam der Stamme." Schiloh ist Jesus und wie er gekommen ist, wurde das Szepter von den Juden genommen für immer; sie sind ohne Reich, ohne König, ohne Herrschaft und ohne Hoffnung. Nun, dieser Vers ist ja allgemein bekannt und ich möchte vor allem feststellen, daß wir alle in der Jugend den Satz übersetzten „bis er nach S ch iloh kömmt", ohne eigentlich zu wissen, was dort in Schiloh Vorgehen wird. In späterer Zeit wurde dieser Satz, wie wir gesehen, ganz anders gedeutet und gab und gibt noch zu vielen Kontroversen Veranlassung und wird für ewige Zeiten nicht mehr ganz klargestellt werden. Dies kommt daher, weil die maßgebenden Kommentatoren uns bei der Erklärung dieses Satzes ganz im Stiche ließen — der lichtspendende Erklärer des Peutateuch, Raschi, hat da leider die Konfusion gemacht, was ich im Nachstehenden beweisen will. Der Vers 49, 10, I. B. Moses wird von den berufenen oder unberufenen Gelehrten verschieden übersetzt — hier einige Proben: Luther: „Es wird das Szepter von Juda nicht entwendet werden, noch ein Meister von seinen Füßen, bis daß der Held komme und demselben werden die Völker anhangen. Mendelssohn: Der Szepter wird nicht weichen von Juda, der Gesetzgeber nicht von seinen Nachkommen, bis er nach Schiloh kömmt (Das hebräische ,2^'D heißt auch Ruhe und diese Bedeutung, meint Ge enius sei auch an dieser Stelle anwendbar und dies bezieht Gesenius nun auf einem aus dem Stamme Juda zu erwartenden Messias.) Dr. Jul. Fürst: Nicht weicht der Anführerstab von Juda, ein Führer unter seinen Fußvölkern, so lange man nur nach Schiloh kömmt; denn ihm wird der Gehorsam der Völker. Derselbe gibt zugleich einen verständlichen Kommentar über Schiloh. Juda unter Leitung des Helden Otniel führte im Beginn der Richterzeit von S ch i l o h aus als vorkämpfender Stamm einen siegreichen Kampf gegen phönizische Stämme rc. rc. Da muß mau nun gleich fragen, ob das Raschi nicht gewußt haben sollte? Diese Erklärung befriedigt also nicht. Es übersetzt ferner Allioli: Es wird der Szepter nicht von Juda Weichen, der Heerfürst nicht von seinen Landen, bis der kommt, so gesandt soll werden, auf den die Völker harren." Nun möchte ich mit dem schweren Geschütze Vorfahren. „Targum Onkelos" : Köbj? 21? '22V 82221 ,221,2' fi'222 sv^llv 22p '21?' üb .8'221? pl?2W n'bl 8012^2 8,2 ,2^'22 8Pl'tP2 'kl"2 22 Hier haben wir also zum erstenmal die Messias-Idee. Targum Onkelos war ein Proselyt, ein 22 — aber leider beschränkt sich Raschi in seinem maßgebenden Kommentar auf folgende kurze Interpellation: Dlbp218 12222 J21 ibttf .221*72,-,1V N'!V2.2 “f?2 t 82' '2 21? er schließt sich also dem Onkelos an — natürlich meint er den Messias aus dem Stamme Juda — was wohl keines weiteren Beweises bedarf. Es ist erfreulich, wie Raschi zu dieser Erklärung kam, denn Schrloh kömmt ja tm Talmud Sebachim U2b vor „als sie nach Gilgal kamen, wurde ihnen der Höhenkultus gestattet, in S ch i l o h wurde er ihnen verboten." (Dr. Gelbhaus, Esra und seine reform Bestrebungen.) Natürlich stürzten sich die Gelehrten der Andersgläubigen auf die Erklärung des autoritären Raschi und beuteten diese in ihrem Sinne aus. Als nun vollends Ben Abderet, ganz ungerecht, das Wörtchen 21? zum vorhergehenden Satz zieht und übersetzt: Das Szepter wird niemals weichen vom Stamme Juda — 22' üb 21?b ,2212'2 V2V — da gelangte die Konfusion zur größten Blüte und ein christlicher Theologe schrieb vor Aergerniß: guiäern satis patet, Judaeos esse falsigraphos, fures atque mendaces. Ich glaube daher nicht mit Unrecht bemerkt zu haben, daß gerade unsere größten Kommentatoren sich bei der Erklärung des Verses 10, Kap 49 Genesis keine Lorbeeren holen können. Es ist derselbe Dominikaner Martin, der die Dreieinigkeit aus dem „Schema" beweisen wollte, weil „Gott" dreimal in dem Satze vorkömmt. Audi Israel, Dominus Deus noster Deus unus docet te mysterium Trinitatis. Hoc est quod in Midrasch Tillim Saliter scriptum est: 222 ',2 2',2^8 *78 (siehe Graetz, VII). Natürlich sind diese nicht uninteressanten Wortspielereien für den Fachmann nicht ernst zu nehmen, da der sonst gelehrte Dominikaner nicht beachtete, daß nach der hebräischen Grammatik ein und dasselbe Wort oft zweimal wiederholt wird, um den Komperativ oder Superlativ zu bezeichnen. Es wird also der Beweis, daß Jesus Christus der wahre Messias sei, niemals gelingen. — Der Monotheismus der Juden wird sich nicht im mindesten lockern lassen. S. Löwin _ ent. Handelskammerrat. Aus dem Wörterbuche „lauediim von Prof. Dr. Wilhelm Bacher, Budapest, 1903. Geniale Denker, Fürsten auf dem Gebiete der Wissenschaft haben da« mit wirklichen Fürsten gemein, daß sie in Begleitung eines großen Gefolges über die Schaubühne der Welt schreiten. Um jedes Genie schart sich ein ganzes Heer von geistigen Arbeitern, die die überkommenen Gedanken bearbeiten, erklären und erläutern. Es sind das die kleineren oder größeren Sterne, die um die lichten Sonnen kreisen, von denen sie ihr Licht empfangen. Zu den um die Sonne Maimunis kreisenden Sternen gehört auch Tanchum der Palästinenser, dessen Leben und Wirken in die zweite Hälfte des dreizehnten Jahrhunderts fällt. Ganz unter dem Einflüsse des großen Denkers stehend, schrieb er einen Kommentar zur Bibel, in welchem er dessen bibelexegetische Anschauungen und religionsphilosophische Gedanken zur Geltung brachte, und verfaßte ein neuhebräisches Wörterbuch zu dem halachischen Hauptwerke Maimunis, zum „Mischneh Thora", ein Hilfsbuch, dessen Veröffentlichung Munk schon vor 60 Jahren, „serait d’une grande utilitfc“ erklärt und P. de Lagarde als eine „unumgängliche Arbeit" bezeichnet hat. Leider stellten sich der Veröffentlichung, obgleich Männer wie Bacher, Neubauer, Margoliot und Büchler sich in den Dienst der Sache gestellt, bisher unüberwindliche Hindernisse entgegen und Prof. Bacher sieht sich veranlaßt, „da er nicht weiß, ob er in absehbarer Zeit oder überhaupt in oer Lage sein werde, die ihm zugefallene Aufgabe der Edition auszuführen," ausführliche Mitteilungen aus demselben zu machen. Das vorliegende Buch enthält aber mehr als „ausführliche Mitteilungen aus demselben", es enthält, soweit es die uns bekannten spärlich fließenden Quellen ermöglichen, eine erschöpfende Charakteristik des erwähnten Wörterbuches und seines Verfassers. Gleich im Eingangskapitel gibt Bacher wichtige Daten über die Orts- und Zeitverhältnisse, in und unter welchen Tanchum gelebt und gewirkt; das Wörterbuch selbst wird ausführlich beschrieben und gewürdigt (c. VI), die Quellen werden nachgewiesen und Tanchum's Verhältnis zu denselben beleuchtet (c. II—V), die Gesichtspunkte, von welchen sich Tanchum bei der Behandlung der Sprache der Halacha leiten ließ, werden dar- *) II. Buch Mos. 14, 15.

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