Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1904)
- Issue
- 28 (8.7.1904)
- Date
- 1904-07-08
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Nr. 28 Dr Dlocb's Mocbenscbrttt. Seite 455 Vermischtes. Kranzablösungsspenden zn gunsten der Chewra-Kadischa Wien,!, Seitcustettcngafse -5 für arme kranke Glaubens genossen. Anläßlich des Ablebens des sei. Herrn Hermann Grünhnt: Von Familie Karl Breuer X 20.—, Dr. Moriz Schnabl X 20.—; zusammen X 40.- . Anläßlich des Ablebens des fei Herrn Bela Bloch: Von Gustav Koch X 2.—, Leopold I. Levi, Frankfurt a. M. X 2.—, Brüder Herzl X 10.—, Dr. Maximilian Saul X 20. -; zusammen X 34.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Herrn Samuel Bloch: Von Familie Wolf X 10.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Herrn Joses B e ck: Von Arnold und Eveline Goldschmidt X 2o —. Wien. Mittwoch den 29. Juni d. I. fand im Leopoldstädter Tempel die Trauung des Herrn Berthold S ch r a m e k, Sohn des Obmannes der Bezirkskommission für den!!. Bezirk und Bethausvorstehers Herrn Adolf Schramek, mit Fäulein Leonore Ausschnitt, Tochter des Großkaufmannes Herrn O. Ausschnitt aus Galatz, statt. Die Trauungssunktionen vollzogen Rabbiner Dr. Schmiedl und Oberkantor Guttmann. Der Chor, mit Orgel- und Harfenbegleitung, wurde von Professor S u l z e r trefflich dirigiert. Unter den Anwesenden, welche den Tempel fast überfüllten, bemerkte man den Oberinspektor der Nordwestbahn Engel, Regierungsrat Dr. Schlag, Verwaltungsrat Dr. Kohn, Bezirksvorsteher Georg N i e b a u e r, Obmann des Ortsschulrates K l e e b i n d e r, Zentral-Gewerbe - Oberinspektor Regierungsrat Kulka und Landesgerichtsrat Spitzkopf, Rabbiner Dr. David und Oberkantor S e y f e r t aus Baden. Es waren ferner vertreten der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde durch Dr. Markus Spitzer, Sigm. K a u d e r s, H. E l t b o g e n und Ritter v. G o l d s ch m i d t, der Bethausvorstand durch kais. Rat Wilhelm, I e"i t e l e s und W a s s e r v o g e l. Der Gesamtvorstand des Fugbachtempels war mit seinem Rabbiner Dr. Fink vollzählig erschienen, ebenso der Vorstand des Vereines „Nächstenliebe". Wien. (Kaiser Franz Jo sephs-Ferie ritz e i m.) Wie bekannt, entsendet der Verein „Ferienheim" alljährlich eine Gruppe skrophuloser Kinder nach dem Jodbade Hall, und so befindet sich denn auch heuer bereits seit anfangs Juni eine Mädchen-Kolonie in diesem Kurorte. Am 28. Juni fand in Hall die feierliche Einweihung der neu erbohrten Marie Valerie-Quelle statt, welcher die Spitzen des Landes und der Behörde beiwohnten. Unter den Vereinen und Korporationen, die bei der Ankunft der Festgäste Spalier bildeten, fielen die Schützlinge des „Ferienheim", die in ihren netten Kleidern, geschmückt mit schwarz-gelben Schärpen und geführt von der Pflegerin, Aufstellung genommen hatten, angenehm aus. Die Vorstandsdame Frau Mathilde Pollak, Gattin des langjährigen Badearztes Dr. Wilhelm Pollak, welche die Haller Kolonie leitet, wurde dem Statthalter Grasen Bylandt-Rheidt vorgestellt und wurde von Sr. Exzellenz in ein längeres Gespräch gezogen. Der Statthalter erkundigte sich eingehend über die Wirksamkeit und die Verhältnisse des Vereines und interessierte sich lebhaft für die von Frau Dr. Pollak vorgebrachten Daten. Nach Entgegennahme der aus Anlaß des zehnjährigen Bestandes vom „Ferienheim" herausgegebenen Denkschrift sprach der Herr Statthalter in höchst freundlichen Worten seine Anerkennung aus, an welche er den Wunsch schloß, der Verein möge immer größere materielle Förderung finden und so in die Lage kommen, sein edles Wirken stets zu erweitern. Wien. Herr Lehrer Moritz Zeckendorf feiert] Samstag den 9. Juli sein vierzigjähriges Amtsjubiläum als Kommunal- und Religionslehrer. Aus diesem Anlässe wird beim Schluß-Gottesdienste für Volks- und Bürgerschülcr Herr Rabbiner Dr. Feuchtwang im Gemeindetempel des XVlll. Bezirkes die Exhorte abhalten. Wien. Herr Dr. Sch. Ochser, gewesener Hörer de. isr.-theol. Lehranstalt in Wien, wurde zum Sekretär der Jewish Encyclopaedie in New-Aork ernannt. Wien. (Befähigungsprüfung für Kindergärtnerinnen) An der mit dem Oeffentlichkeitsrechte versehenen Privat- Bildungsanstalt für Kindergärtnerinnen in Wien, II., Schiffamtsgasse Rr. 15, fand am 30. Juni d. I. unter dem Vorsitze des Herrn k. k- Landesschulinspektors Dr Karl Rieger die Befähigungsprüfung statt. Eine Kandidatin war vor der Prüfung zurückgetreien, einer Zweiten wurde wegen Mangels eines gesetzlichen Erfordernisses durch Erlaß des hohen k. k. Ministeriums für Kultus und Unterricht die Zulassung zur Prüfung verweigert, während sämtliche übrigen erschienenen Kandidatinnen approbiert wurden. Anmeldungen für den 37. Jahresknrs der Anstalt und den 2 Jabresknrs der mit diesem Institute verbundenen Bildungsanstalt für Kiuderpflegeliinien (Bannen), in welcher Mädchen bereits nach vollendetem 14. Lebensjahre Aufnahme finden, werden bei der Direktion entgegengenommen. Wien In der Talmudschnle am Betbamidrasch, II, Tempelgasse 3, die in diesem Jahre von 50 Mittelschülern besucht war, fand am 29. v. M. eine Prüfung statt, welche ein glänzendes Resultat ergab. Anwesend waren der I. Vizepräsident der israelitischen Kultnsgemeinde Landesschulrat Dr. Gustav Kohn, die Vorstandsmitglieder Bezirksschulrat Dr. M. Spitzer und Professor Dr. Ehr m a n n, Vorsteher des Bethamidrasch Tr. Leopold Kohn, G. B e t t e l h c i m und Lektor M. Fried mann, der die Prüfung vornahm. Die Gäste waren überrascht, Knaben von 13—; 4 Jahren manche der schwierigsten T lmudpaitien mit vollem Verständnis vortragen zu hören. Bettel- Heim gab seiner Befriedigung Ausdruck, indem er eine namhafte Summe zur Verteilung an die wenigen bemittelten Schüler spendete. Höchst befriedigt verlieben die Gäste die Schule. Z Wien. ImTurniaale derTalmud-Thora-Schule fand unlängst eine solenne Feier statt. Sie galt dem hochverdienten Schulmanne, Hebraisten und Talmid-Chacham, Herrn Oberlehrer Löw. An diesem Tage feierte derselbe seinen 70. Geburtstag. Dieser Tag gestaltete sich aber nicht nur zum Ehrentage des Jubilars, sondern es wurde auch ein Ehrentag. der Schule. Vorstand und Lehrkörper überboten sich in Ehrenbezeugungen für den Jubilar. In folgendem sei der Verlauf der Feier in gedrängter Form geschildert. Der Turnsaal, in welchem die Feier abgehalten wurde, war zu diesem Zwecke durch geschicktes Arrangement des Herrn Oberlehrer Jakob Kohn in geschmackvoller Weise adaptiert, lieber dem Ehrenstuhl für den Jubilar befand sich das Kaiserbild. Die Wände trugen Drapierungen in den kaiserlichen Farben. Schon lange vor Beginn der festgesetzten Zeit fanden sich die Festgaste ein. Es erschienen : Herr Ehrenpräses Oberrabbiner Tr. G ü d e m a n n, der direkt ans der Sommerfrische herbeieilte, Präses Herr Marcus Bondi, Herr Kultusvorsteher Dr. Alfred Berger, Herr Vizepräses Dr. Gustav Kobu, Herr Maler David Kohn, sämtliche Vorstände der Talmud- Thora-Schule. Es erschienen ferner die Herren Rabbiner Dr. E. David. Professor Dr. M. K a n i tz, Dr. L. L a n g f e l d e r, die Inspektoren für den Religionsunterricht sind. Der Lehrkörper war vollständig vertreten, w'd zwar die Herren Oberlehrer Jakob K o h n, Rabbiner Aron F r i e d m a n n, Aron Kohn, Rudolf K o h n. I P o l l a ck, Julius Muschel, H. L i f s ch ü tz. M Richter, B r a u n, sowie der in dem verdienten Ruhestände sich befindliche und langjährige Amtskollegr des Jubilars, Herr Emanuel Deutsch. Platzmangels halber koünte nur ein Teil der Schuljugend an der Feier teilnehmen. Die Feier wurde durch Vortrag eines Liedes eingeleitet. Der Vortrag war ein tadelloser. Herr Lehrer Lifschütz hat sich um diesen Vortrag sehr verdienstlich gemacht Nun hielt Herr Oberrabbiner Tr. Güdemanu eine ergreifende Ansprache an den Jubilar. An der Hand des Bibelverses weha maskilim jashiiu keaohar haräqui-ä. verwies er auf die großen Verdienste, die sich Herr Oberlehrer Löw um die Erziehung jüdischer Knaben erworben hatte. Der Jubilar antwortete in der größten Bescheidenheit, er habe immer das Beste gewollt, und wenn er nicht immer erreichte, was er wollte, so sei seinem Wollen keine Schuld beizumessen. Herr Oberlehrer Kohn verdolmetschte die Gefühle des gesamten Lehrkörpers, der die beste Gelegenheit und das Glück hatte, den Jubilar an der Arbeit zu sehen, der das allseitige und dabei gründliche Wissen des Herrn Oberlehrer Löw anstaunt und am besten die sittlich hochstehende Persönlichkeit desselben zu würdigen weiß. Herr Oberlehrer Kolm gab der Jugend die Mahnung auf den Lebensweg, den Jubilar sich zum Muster zu nehmen. Mit der Bitte an den Jubilar, daß derselbe seine reiche Erfahrung auch in der Zukunft dem Lehrkörper nicht vorenthalte, schloß derselbe. Nun warf Herr Oberlehrer Löw einen Rückblick auf die Entwicklung der Schule, weil seine Lebensgeschichte mit der der Schule verknüpft sei. Was er aber in seiner Bescheidenheit verschwieg, dürfen und müssen wir sagen. Herrn Oberlehrer Löw allein tft es zu verdanken, daß die Schule zu der Bedeutung, die sie heute hat, gelangt ist. Herr Lehrer Braun hielt dann eine überaus gelungene hebräische Ansprache an den Jubilar. Ist es schon seltsam, in Wien bei einer Schulfeier eine hebräische Ansprache zu hören und bereitete dies allein den Festgästen eine große Freude, so war dies nochmals Anlaß, Herrn Oberlehrer Löw in einem wahrhaft klassischen Hebräisch sprechen zu hören. Aber nicht nur der Lehrkörper, sondern auch die Schuljugend bcfliß sich eines Dualismus Nachdem ein Knabe unerschrocken ein deutsches Gedicht vortrug, trat der Schüler der fünften Klasse, Hertzka, vor, um in einem hebräischen Gedichte dem Lehrer den gebührenden Dank zu zollen. Das Gedicht, das sehr kurz gehalten war — in der Kürze zeigt sich der Meister — war eine geniale Leistung des Herrn Rabbiner Aron Friedmann. Herr Lehrer (im Ruhestande) Emanuel Deutsch erinnerte mit erstickender Stimme an die gemeinsame Arbeit zur Zeit, wo beide noch Männer in der Blüte der Jahre waren. Mit einem Hinweise ans den Unterschied zwischen der antiken und der jüdischen Welt in der Auffassung des Greisenalters leitete Herr Prof.