Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1904)
- Issue
- 28 (8.7.1904)
- Date
- 1904-07-08
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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28 Dr. Bloch’s ♦ f ♦ Jahrgang XXI ♦ Centralorgan für die gessmmten Interessen des Iudenthums. -- - -—^ Wie«, 8. I«li 1004. -4-«—»-4—«- Lrsch eint jeden Freitag. -4 4- - Brief-Adresie: Wien, IX/1, Berggafse 39. Telegramm-Adrefle: Bloch's Wochenschrift, Wien. m-—==-■ ■ Vrprgsprri» str Sestrrrrtch: Halbjährig 8 JTronen. Einzelexemplare 50 Heller. Für'» Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Banzjährig 20 , Anzeigen: Die 4mal gespaltene P^itzeile 24 Heller. £ =.=- - =m =■- =m L. k. Pofisparrassrn-Amt Clearing-Verkehr Ar. 810.876. Lrdartion und Administration: Wien IX/1, Verggassr Nr. 38. Telephon Nr. 14.847. X- ■ --=-■-■=& Inhalt: Leitartikel: Die Rolle der Minoritäten in der Kulturgeschichte. —Dr. Theodor Herzl. Iüdisch-aiitiseniitische Symposien. — V o m Jahrmarkt des Lebens: Glossen zur Tagesgeschichte. — Der erste Sklavenbefieier— ein Jude. — Das heilige Feuer. — Korrespondenzen: Eine Kredit- und Vorschuß-Genossenschaft für den II. und XX. Bezirk. Wien. Das Charakterbild eines Antisemiten. Hamburg. Besuch des Königs von Italien in einer Synagoge Die Millionenspende des Pariser Hauses Rothschild. Eine Berichtigung. Minister v. Plehwe und die Juden. Die Greuel von Kischencw. — Vermischtes: Kranzablösungsspenden zu Gunsten der Chewra-Kadischa in Wien, Wien, Vöslau, Ledeö, Klattau, Wodnian, Lemberg, Orlau, Moskau. — Feuilleton: Jüdische Kulturbilder. — Literatur. — Briefkasten. — Inserate. Dir Nolle der Minoritäten in der K«tt«rgrschichte. Von Salomon ben Me'ir. (Schluß.) Wenn die Idee von dem Auserwähltsein durch Gottes Beschluß manchmal von den Juden im anderen Sinne verstanden worden ist, nämlich nicht als Auserwähltsein durch Leiden und die geschichtlichen Ereignisse, sondern durch einen besonderen Ratschluß Gottes, so ist dies, wie wir später sehen werden, in zeitweilig herrschenden tatsächlichen Verhältnissen begründet gewesen. Auch andere Volksminoritäten sind auserwählt worden durch Leiden; eines der lehrreichsten Beispiele bilden die Parst, die an Zahl und Macht herabgekommenen Enkel jenes Volkes, das einst dem babylonischen Weltreiche ein Ende bereitet hat, die Nachkommen jener Perser, deren König, Cyrus die Rückkehr der Juden aus der babylonischen Gesangenschast eingeleitet hat. Zur Zeit der Zerstörung Jerusalems bemächtigten sich die Parther des größten Teiles des Perserreiches und nur ein Teil, das heutige Persien, blieb noch den Anbetern des heiligen Feuers, den Befolgern der Lehre Zoroasters, als das neue persische Reich des Sassanidengeschlechtes. Nicht lange aber sollte sich die Lehre Zoroasters des letzten Zufluchtsortes erfreuen. Im Jahre 628 n. CH. verlangte Mohammed von den Persern, sie sollten den Islam annehmen, und als seine Gesandten mit Hohn zurückgewiesen wurden, war der Kamps mit dem Khalisen entbrannt. Im Jahre 641 wurde die Schlacht bei Nehawend geschlagen. „Schon langt am Oxus Omar an Nach manchem durchgekämpften Tag Wo Chosru's Enkel Jesdegerd Auf Leichen eine Leiche lag" wie es im Gedicht heißt. 30.000 Perser blieben auf dem Schlachtfelde, 80.000 Perser ertranken. Und nun begann die gewaltsame Bekehrung der Perser. Ein großer Teil nahm den Islam an, ein bedeutender aber zog es vor, auszuwandern und alles zu verlassen, um ihrem angestammten Glauben treu zu bleiben. In den verschiedensten Gegenden Indiens siedelten sie sich an; nur in zwei Provinzen, Fars und Chorassan, blieben sie unter mannigfachen Bedrückungen und Schicksalen zurück. Die Parfi zeichnen sich, wie Graf Coudenhove hervorhebt, nach Zeugnissen aller Reisender durch besonders peinliche Moralität aus. Sowie die Juden, waren auch sie nach ihrer Vertreibung aus der alten Heimat in der Heimat selbst blutigen Schicksalen ausgesetzt. Im Jahre 1494 wurde z. B. die Stadt Kirnan, in welcher viele Parsi lebten, von dem afghanischen Heerführer Aga-Mohammed Khan erobert und ein entsetzliches Blutbad unter allen möglichen Greueltaten unter den Parfis angerichtet. „Noch im Jahre 1810 sah Sir H. Rottinger eine Pyramide von 600 Schädeln, welche damals zu Ehren des Siegers Aga Mohammed aufgerichtet worden war. Natürlich wurden auch die Bücher der Parsis verbrannt. So fristete die unglückliche Gemeinde ein elendes Dasein bis zum Jahre 1854, in welchem Jahre die Parfis in Bombay sich entschlossen, aus diplomatischem Wege ihren unglücklichen Stammes- und Glaubensgenossen in Persien zu Hilfe zu kommen durch die Mittel des „Perfian Zoroastrian Amelioration Fund", eine Gesellschaft, die lebhaft an die „Alliance Jsraölite" erinnert. Dank den Bemühungen des Komitees, die auch von England unterstützt wurden, befreite der Schah Nasreddin im Jahre 1882 die Parfis Persiens von der drückenden Jazia-Steuer, die sie als Ungläubige zu zahlen verpflichtet waren." „Dank ihrem Fleiße und ihrer Tüchtigkeit brachten es die Parfis in Indien mit der Zeit zu hoher Bildung und Kultur. Von 1872—1881 hat die Parsibevölkerung in Indien um zehn Perzent zugenommen. Sie haben sich eines bedeutenden Teiles des indischen Handels bemächtigt. Unter den 9584 Bettlern Bombays, welche die Volkszählung vom Jahre 1881 notierte, waren nur 6 Parsis. Diese Arier zeigen eine große Abneigung gegen Ackerbau und besonders gegen den Militärdienst, obwohl die Perser bekanntlich in ftüheren Jahrhunderten dem Ackerbau ergeben und kriegerisch waren. Aus Bauern wurden sie mit der Zeit Städter und Kaufleute, sie halten sich, und mit Recht, für das gebildetste und fortgeschrittenste Volk des ganzen indischen Kaiserreiches, sie find jedenfalls allen Indiern voraus, die dem Europäer am nächsten stehen, obwohl sie einen Teil der indischen Sitten angenommen haben. Auch unter ihnen gibt es wie bei den Juden und auch anderswo zwei große Sekten, die Orthodoxen und die Reformierten. Die Parfis sind mäßig, trinken wenig, verabscheuen die Trunkenheit, dagegen kennen sie keine Askese. Auch in Indien zeichnen sich die Frauen (und Mädchen)