Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1904)
- Issue
- 22 (27.5.1904)
- Date
- 1904-05-27
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Ar. 22 Dr. üßlocb’s Mocvenscvnn. ®etle 355 berief, da wurde Herr Hirsch Landau zur Teilnahme an derselben eingeladen, und beteiligte sich eisrig an den Arbeiten derselben. Im Jahre 1894 hat ihm die Kultusgemeinde in Anerkennung seiner Verdienste um unsere Gemeinde eine Dankadresse überreicht und 1901 hat der Kultusvorstand sein Porträt im Sitznngssaale der Gemeinde anbringen lassen. Am Samstag den 19. d. M. sand eine feierliche Sitzung des Kultusvorstandes statt, an der sämtliche Vorsteher mit den beiden Rabbinern teilnahmen. Der Präsident der Kultusgemeinde, Gemeinderat Dr. Leon H o r o w i tz gedachte in tief bewegten Worten des Verblichenen und seiner hervorragenden Tätigkeit, worauf einstimmig Folgendes beschlossen wurde: das Leichenbegängnis auf Kosten der Kultusgemeinde zu veranstalten, ein Ehrengrab dem Verblichenen zu widmen, in corpore am Leichenzuge teilznnehmen und der Familie durch Entsenden einer Deputation und Uebergabe einer Traueradresse das Beileid der Gemeinde auszudrücken. Das am 15. Mai d. I. stattgefundene Begräbnis gestaltete sich zu einer imposanten, in Krakau nicht dagewesenen Kundgebung für den Verblichenen. An demselben nahmen teil: der Präsident der Stadt Krakau, Friedlein, mit den beiden Vizpräsidenten, Präsident der Kultusgemeinde Dr. Leon H o r o w i tz mit sämtlichen Kultusvorstehern, Reichsratsabgeordneter Rotier, Handelskammerpräsident, kais. Rat Mendelsburg, Universitätsprofessoren, Gemeinderäte und unabsehbare Menschenwogen. Es dürsten zirka 25.000 Menschen an dem Leichenzuge teilgenommen haben und sind infolge. des riesigen Andranges zahlreiche Ohnmachtssälle und Verletzungen vvrgekommen. In der Leichenhalle hielten der Rabbiner CH. L. Horowitz, Rabbiner Dr. Thon, Präsident der Kultusgemeinde Dr. Horowitz, Handelskammer- und Eiscnbahnrat Moritz Dattner und im Namen der jüdischen Spitalärzte Primarius Dr. Purvwicz ergreifende Trauerreden. Troppau. Die seit 19 Jahren an der Spitze der Verwaltung der hiesigen Kultusgemeinde stehenden Herren Doktor Theodor Sonnenschein und Siegmund Spitzer wurden zum siebenten Male einstimmig als Vorsteher und Vorsteher- Stellvertreter gewühlt. Prag. Ihre k. u. k. Hoheit Frau Elisabeth Fürstin zu Windisch-Grätz besichtigte dieser Tage den alten israelitischen Friedhof und zeigte für das Gesehene so viel Interesse, daß sie noch einmal zu kommen versprach. Klattau. Am 22. Mai d. I. in den Nachniittagsstunden hielt der hiesige «Franz Josef 1. Jubiläums-Frauenverein in Klattcm" seine ordentliche Generalversammlung ab. In Abwesenheit der Frau Präsidentin führte Frau Jeanny Brnmmel, Präsidentin-Stellvertreterin, den Vorsitz und begrüße mit freundlichen Worten die Anwesenden. Die Berichte der einzelnen Fnnktionärinnen wurden zur genehmigenden Kenntnis genommen. Ans dem Kassabcrichte der Frau Ä. Treichlinger war zu entnehmen, daß das verflossene Vereinsjahr bedeutende Ansprüche an Armenunterstützungsgeldern gestellt hat und schließt mit einem geringeren Saldo als im Vorjahre. Das Wahlergebnis für die neue Vertretung war folgendes: Frau Mathilde Feigl, Präsidentin; Jeanne Brummet, Stellvertreterin; Bertha Steiner, Kaffierin; Rosa Wiener, Sofie Hahn, Ant. Treichlinger, Wilhelmine Schleißner, Vorstandsmitglieder. Es wurde beschlossen, die Statuten umzuändern, um sie mehr der Neuzeit anzupassen, ^us Anlaß der Errettung aus schwerer Krankheit ihres Söhnchens widmeten die Eheleute Moritz und Jeanne Brummet herrliche Teppiche für den Tempel. — a.— Moskau, den 25. Mai 1904. (Telegramm der „Oesterr. Wochenschrift".) Der berühmte Philanthrop Herr W. W i s o tz k i ist heute nachts in seinem 80. Lebensjahre, tiefbetrauert von der ganzen jüdischen Gemeinde, eines sanften Todes entschlafen. Eine Lebensbeschreibung dieses edlen Menschenfreundes und jüdischen Patrioten bringen wir in der nächsten Nummer unseres Blattes. Jerusalem. Hier ist die langersehnte Lehrerbildungsanstalt, welche der „Hi fsverein der deutschen Juden" errichtet hat, am 5. Mai eröffnet worden. Von einer feierlichen Eröffnung hat man mit Recht Abstand genommen und einfach mit dem Unterricht in zwei Klassen begonnen. In der Präparandenklasse sind 10 Schüler, darunter 5 aus Jerusalem und 5 aus den Kolonien. In der dritten Seminarklasse sind 8 Schüler, die sämtlich aus Jerusalem stammen. Tie erste und zweite Seminarklasse sind noch nicht eingerichtet und werden erst im nächsten, respektive nächstnächsten Jahre mit denjenigen Schülern besetzt werden, welche die dritte Seminarklasse mit Erfolg absolvieren. Auf diese Weise wird für eine gleichmäßige Ausbildung der Lehrer am besten vorgesvrgt. Das Seminar hat für Palästina und für den Orient überhaupt sehr wichtige Ausgaben zu erfüllen und seine Eröffnung ist von der hiesigen Bevölkerung sehr sympathisch begrüßt worden. Feuilleton. Alle Rechte vorvehulleu Indische Knltnrbilder. Von Dr. Armin Schnitzer, Oberrabbiner in Komärom. (Fortsetzung.) Nach dem Gottesdienste machte ich bei „unser Reb Mendele Kirz" meinen Besuch — natürlich mit dem Tallisbeutel in der Hand. Man kannte ja auch den Zweck meines Besuches dorr. Ich fand eine bescheiden eingerichtete, aber peinlich reingehaltene Wohnung, und die achtzackige, blankgeputzte Mesfinglampe, die über dem Tische hing, kündigte mir den altjüdischen, patriarchalischen Charakter des Hauses an. Da sand ich neben den Eltern einen Sohn, der die Preßburger Talmudschule besuchte, und drei erwachsene Töchter, unter denen ich beim besten Willen die „rechte" nicht heraussinden konnte — denn schön waren sie alle drei! Ein gegenseitiges Vorstellen war damals noch nicht Brauch. Es hätte auch etwas eigentümlich geklungen: „Meine Tochter Tnschene, meine Tochter Chaje, meine Tochter T schar ne." Aber ich hätte doch durch die Reihenfolge der „Vorstellung" erfahren sollen, welche von ihnen die älteste sei. Ich konnte nicht, wie Elieser, der Knecht Abrahams, der für seinen Haussohn die Brautsahrt unternommen hatte, auf ein göttliches Zeichen warten: ich war aus mich allein und mein Raten und Kombinieren angewiesen, und ich kombinierte richtig. Diejenige war's, die am schüchternsten und verlegensten gewesen, die stets die Augen niederschlug, wenn mein Blick sie traf, die aber, wenn sie sich unbeachtet glaubte, auch den ihren verstohlen nach mir wandte. Für einen zwanzigjährigen Jungen war eine solche Brautschau höchst peinlich; aber über die erste Verlegenheit hinweg hals die redselige Mama, welche eine Hunsdorferin und die Schwester einer meiner Tanten war und gar viel zu fragen hatte. Es war inzwischen Essenszeit geworden und ich wurde selbstverständlich zum Speisen geladen. Jetzt, am Sabbat und bei Tische, wo nach dem Spruche unserer Weisen von Thora gesprochen werden solle, jetzt war Zeit und Gelegenheit gegeben, wo mich der gute Alte aufs Korn nehmen konnte, um zu sehen, wie es mit meinem talmudischen Wissen bestellt sei. Unvermerkt und allmälig führte er mich — zwischen „Schölet" und „heuriger" Gans — von der breiten staubigen Heerstraße alltäglicher Trivialitäten aus die ewig grünenden Wiesen und duftigen Gefilde der Halacha und Agada, wo die unverwelklichen Blüren unserer heiligen Lehre prangen und die Thora, dieser „Baum des Leben s", im Talmud ihre herrlichsten Früchte zeitigt. Lange führte mich „unser Reb Mendele" in diesen Auen spazieren. Tie Diskussion ward lebhaft und erregt — zum offenbaren Aergernis der Damen, die da fürchteten, ich würde über der geistigen Kost die leibliche nicht genug zu würdigen wissen und ihrer Koch- und Backkunst nicht genug Anerkennung zollen. Doch ich glaube wacker bestanden zu haben — nicht nur im Essen. Das erkannte ich an den frohen Gesichtern der drei so schönen Mädchen als - oder weil — es zu Ende war. Auch der gute Reb Mendele lächelte — er lächelte immer — doch jetzt schien es mir anders als sonst. . . . Ich empfahl mich und wurde freundlich entlassen. . . . „Sie besuchen uns ja wieder". . . .