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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-05-13 · 20 (13.5.1904) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
20 (13.5.1904)
Date
1904-05-13
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 326 Dr. Mocb's Mocbenscbrtft. Dir. 20 Stiftung für mitellofc emeritierte Lehrer verwendet werden soll. Frau Elkin ist nun vor kurzem gestorben und das Hinterbliebene Vermögen fiel dem Board of Edueation zu. Die Erbschaft beträgt 1,800.000 Dollars (nahezu acht Millionen Mark) und die Zinsen des Kapitals reichen hin, um 200 Lehrern ein Jahreseinkommen von 400 Dollars zu sichern. Es ist das die größte Summe, die ein amerikanischer Jude bis jetzt für allgemeine wohltätige Zwecke hinterlassen hat. Feuilleton. Alle Rechte Vorbehalten Jüdische KullmMder. Von Dr. Armin Schnitzer, Oberrabbiner in Komärom. (Fortsetzung.) Diese letzteren Bemerkungen sind nur allgemeine Reflexionen, beziehen sich aber keineswegs speziell auf die Frau des Gyöngyöser Rabbiners Lazar Fürst, der vom Haus aus Vermögen hatte. Aber dennoch beeinflußte sie seine Stellung und bot den Zeloten willkommenen Anlaß zu Angriffen gegen ihn. Sie war eine intelligente, geistreiche Frau, deren sprühender Witz nicht immer die nötige Vorsicht beobachtete. Ihre freien religiösen Anschauungen waren der Zeit vorangeeilt, in der sie lebte, und waren es auch nur unwesentliche Abweichungen vom Religionsgesetze, die man ihr zum Vorwurf machen konnte, so war es doch Mangel an Rücksicht auf ihren Stand, mit dem man die rigoroseste Beobachtung aller althergebrachten Sitten und Bräuche zu verbinden gewohnt war, den man ihr zur Last legte. Um nur Eines hervorzuheben, will ich bemerken, daß man es ihr als wahrhaftes Verbrechen angerechnet hat, daß sic am Rösch haschonu — einen Apfel st rudel backen ließ! Wohl steht ausdrücklich in der heiligen Schrift geschrieben, daß E f r a und N e h e m i a dem aus Babylon heimgekehrten Bolle am Neujahrstage zugcrufen: „Effet leckere Gerichte und trinket würzigen Wein, denn die Freude in Gott soll euere Zuversicht sein!" aber am heiligen Rosch haschonu — einen Apfelstrudel! Hat man das noch je gehört!? Solche und ähnliche Dinge wurden demRabbiner aufs Kerbholz geschrieben, als wenn er das Szepter im Hause hätte führen dürfen! Die Zeloten, die von Herder, noch weniger aber von dessen Cid etwas gehört hatten, machten dennoch dessen Spruch sich zu eigen: „Des Weibes Schuld ist des Mannes Fehler." Er aber stellte all diesen Wühlereien verachtendes Schweigen entgegen, ja, er nahm sich gar keine Mühe, seine Frau gegen diese Angriffe in Schutz zu nehmen, und als er einmal einen seiner Schächter wegen einer religiösen Ausschreitung zur Verantwortung zog und dieser so verwegen war, auf die Rabbinerin hinzuweisen, da antwortete er in aller Ruhe: „Sie mögen Recht haben, aber ich würde auch meine Rebbezen nicht als Schächter anstellen." Damit hatte er ein für allemal die Verantwortung für die Frau von sich abgewiesen. Alle diese Angriffe aber paralysierte eine außerordentliche Ehrung, welche dem Rabbiner von Seiten der höchsten Instanz der jüdisch-geistlichen Gerichtsbarkeit über Frömmigkeit zuteil geworden. Der „Sanser" (Sandecer Rabbi) hat den Gyöngyöser besucht. So ging es von Mund zu Mund, weit und breit. Um die Tragweite dieser Auszeichnung ermessen zu können, wollen wir den „Sanscr" mit einigen Strichen zeichnen. Rabbi ChaimHalberstamm war der weltberühmte Wunderrabbi aus Neu-Sandec in Galizien, zu dem Tausende aus aller Herren Ländern pilgcrten, um bei ihm Rat und Hilfe zu finden. Was ihn vor allen Anderen seinesgleichen auszeichnete, war seine profunde talmudische Gelehrsamkeit und sein Scharfsinn. Er war der Schüler und Schwiegersohn des Leipniker Rabbiners B a r u ch F r ä n k e l, einer anerkannten talmudischen Größe; aber einen größeren Gegensatz hat es kaum gegeben, als zwischen Schwiegervater und Schwiegersohn! F r ä n k e l war ein geschworener Feind des Chassidismus und dessen Adepten, der Wunderrabbiner; ja, er war ein Feind der piet'.stischen Richtung überhaupt; bei ihm galt der „feine Kops", d a s scharfsinnige Lerne n, zu dem er seine Jünger nach Möglichkeit anleitete. Darum hielt er auch die damalige Pr eßb u r g e r Jeschiwah für m i n d e r w e r t i g, weil dort das Hauptgewicht aus vieles, wenn auch flaches Lernen und auf frommes Beten gelegt wurde. „Der P r e s ch b o r g e r", soll er einmal gesagt haben, „s ch a ch t (schlachtet) die jüdischen Kinder ab. Es ist wahr, er schacht sie kos ch e r, aber geschochten (gesä lachtet) sind sie doch." Er wollte damit sagen, daß dort der Geist der Jünger nicht genügend geweckt und entwickelt werde. Sein Schwiegersohn aber, der bei ihm in „Kost" war war ein fanatischer Anhänger des Chassidismus, der regelmäßig vor einem Feiertage sein Haus und Weib und Kind verließ, um bei irgend einem berühmten „Rcbbe" den Festtag zu feiern. Voll glühender Schwärmerei kam er jedesmal von einer solchen Wallfahrt nach Hause und erzählte die „Wunder", die er dort mit eigenen Augen gesehen. Der Alte lachte ihn aus und machte seine Witze darüber. Einmal erzählte er ihm, daß ein Wahnsinniger gleichzeitig mit ihm nach Sadagora — ebenfalls Sitz eines Wunderrabbi — gekommen war und nach drei Tagen hat er ganz geheilt den Ort verlassen. „Das glaube ich s ch o n", bemerkte der skeptische Fränkel, „als er zum Rebbe hingekommen, ist er richtig meschugge gewesen und als er w e g g e f a h r e n, ist er z u V e r st a n d g e k o m m e n." Nun, nach wenigen Jahren war „sein Reb Chaiml" solch ein anerkannter Wunderrabbi geworden, daß S a n d e c, welches ihn zum Rabbiner gewählt hatte, ein Wallfahrtsort für Tausende und Tausende geworden! Die Macht des Rabbi, die auf sehr weite Kreise sich ausdehnte, war eine unbeschränkte. In seiner Hand liefen die Fäden der intimsten Familienverhältnisse, des Handels und Verkehrs zusammen. Es wurde keine Ehe geschlossen, ohne daß der Rabbi seinen Rat und seine Zustimmung gegeben hätte. Bei einem halbwegs bedeutenden Geschäfte kamen sowohl der Käufer als der Verkäufer, um Rat zu fragen, und da er von allem Kenntnis hatte und selbst das Geheimste wußte, so konnte er leicht das Richtige raten, und wenn der Rat gut ausfiel, so wurde es als Wundertat des Rabbi gepriesen. Wenn ein fremder Handelsmann, ob Jude oder Nichtjude, zu Markte kam, um mit unreeller Konkurrenz die heimischen Kaufleute zu drücken, so brauchte er nur die Parole auszugeben, bei dem nicht zu kaufen und dieser konnte die Waare um keinen Preis an den Mann bringen. Wehe dem, der einem anderen die Pachtung „ausgedungen" und auf sein Geheiß den Vertrag nicht rückgängig machen wollte! Er ward in Acht und Bann gelegt, kein Mensch verkehrte mit ihm und die Erzeugnisse des Bodens konnte er nicht verwerten. Er war glücklich, wenn der stühere Pächter seine Pachtung ihm abnahm. Wie felsenfest der Glaube an den Rebbe und seine Wundertätigkeit war, zeigt folgende wahre Geschichte, die sich in Sandec ereignete. I tz i g Leib hatte seinen Kindern auf dem Totenbette die Mitteilung gemacht, daß er dem I a n k e l vor einigen Tagen tausend Gulden geliehen habe. Der Mann starb, und als die Erben das Darlehen forderten, da leugnete Jankel es ihnen rundweg ab.

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