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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-05-06 · 19 (6.5.1904) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
19 (6.5.1904)
Date
1904-05-06
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 310 Dr. Dloeb's Mlocbenscbritt. Nr. 19 Jerusalem. Die Zahl der jüdischen Kolonien Palästinas ist mn eine neue vermehrt worden. Das in Untergaliläa an der südlichen Spitze des Tiberiassees gelegene neue jüdische Dorf, das den Namen Beth Dagon führt, umfaßt 630 Hektar und wird einstweilen von 20 Kolonisten bewohnt, meist früheren Taglöhnern der Gutswirtschaft Sedschera. welche nach dem von der „Jca" in letzterer erprobten System nunmehr in Beth-Dagon als Pächter angesiedelt wurden. Dieselbe haben nach den in Palästina üblichen Pachtbedingnissen 20 Perzent ihrer Ernte an die Gesellschaft abznführen, wogegen diese für sic den Zehnten zu zahlen hat. Die Verwaltung hofft dabei noch eine dreiprozentige Verzinsung ihres Kapitals im Betrage von 100.000 Francs erzielen zu können, für welchen Betrag also bei rationellen Verfahren in Palästina 20 Familien angesiedelt werden können. Von den 630 Hektar sind nur 450 unter die Kolonisten verteilt worden, so daß der „Jca" noch 180 Hektar zur Disposition verbleiben. Feuilleton. Alle Rechte Vorbehalten Maische Kulturdilder. Von Dr. Armin Schnitzer, Obcrrabbiner in Komärom. (Fortsetzung.) Nach dieser Abschweifung, zu der mich die Schilderung der interessanten Persönlichkeit Fischmann's veranlagte, kehre ich nun wieder nach Gyöngyös zurück, und zwar zu jener Zeit, in welcher Fischmann dort nur als „eingesetzter" Schwiegersohn lebte und einen kleinen Staat im Staate bildete. Sein Verhältnis zum Rabbiner der Gemeinde war kein feindliches. Sie verkehrten Wohl selten miteinander, aber sie vermieden beide einen Zusammenstoß der Gegensätze; sie waren beide zu klug, um es zu einem offenen Bruch kommen zu lassen. Umso rühriger aber wühlte der fanatisierte Troß, der Fischmann umgab. Sie bemühten sich, das Ansehen des Rabbiners zu untergraben, seine Frömmigkeit zu diskreditieren und die Zahl seiner Freunde zu vermindern, was ihnen auch zum Teil gelang. Denn wenn Volksgunst überhaupt wandelbar ist, so ist die Beliebtheit des Rabbiners in der Gemeinde eine rasch verweltliche Blume, von der jeder Lufthauch den Blütenstaub abschüttelt. Ein allzu aufrichtiges, gerades Wort, ein weniger herzlicher Gruß, ein unbedachtes, witziges Wort, dem Gehege der Zähne entschlüpft, das geschäftige Zwischenträgerei, durch verschiedentliche Zusätze erweitert, an den rechten Mann gebracht, oder auch die Gunstbezeigung eines Anhängers, der mit Anderen in Fehde lebt, genügt, daß ein Teil der „Gönner" sich abbröckelt. Und das ist das Erniedrigende, daß der beste Freund des Rabbiners sich als dessen „Gönner" dünkt. Es soll einmal ein solcher Gönner aus einem zum Rabbinatsbezirke gehörigen Dorfe zum Rabbiner gekommen sein und zu ihm gesagt haben: „Ich frage gar nicht, wie es dem „Rebbe" geht, es kann ja gar nicht schlecht gehen. Mache i ch eine Sude (Beschneidungsfeier), so gebe i ch dem Rebbe Geld, macht der Rebbe eine Sude, so bekommt auch der Rebbe Geld. Verheirate ich eine Tochter, so gebe ich wieder dem Rebbe Geld, verheiratet der Rebbe die Tochter, dann bekommt erst recht der Rebbe Geld. Fahre i ch ins Bad, so gebe ich zum Abschied dem Rebbe „Letztgeld", fährt der Rebbe ins Bad, so gebe ich dem Rebbe wieder Geld, — immer ist das Ende, daß der Rebbe Geld bekommt!" Es ist dann begreiflich, daß jeder „Balbos" den Rabbiner als seinen Schützling betrachtet, dem er zweimal im Jahre den Höhegrad seines Wohlwollens ziffermäßig kund tut. Eine gefährliche Klippe, an der die Popularität des Rabbiners in der Provinz gar leicht zerschellt, ist die K l a s s ifikation der Religionsschüler an den Mittelschulen. Da erwartet, ja beansprucht jeder Vater für seinen Sohn, wenn dieser auch das ganze Jahr nichts gelernt hat, von dem Rabbiner eine Vorzugsnote. Und ist der Rabbiner so gewissenhaft, nach Verdienst zu klassifizieren, so sieht der Vater das als eine persönliche Beleidigung an, und flugs entzieht er ihm seine „Gunst" und läßt es ihn auch fühlen! Daß aber der Junge aus anderen Gegenständen ebenfalls schlechte Noten gebracht hat — darob grollt er den Professoren nicht, aber „sei n" Rabbiner, d e n e r aushält (!) der müßte so viel Rücksicht a u f d e n „B a l b o s" nehmen, der doch nicht der letzte ist. Ein gar wichtiger Faktor in der Stellung des Rabbiners zu seiner Gemeinde ist — die Rabbi ne rin. Innerhalb der euggezogenen Grenzen des jüdischen Gemeindelebens in der Provinz, wo die Persönlichkeit des Einzelnen leichter als in der Großstadt in den Vordergrund sich drängt, um sich durchzusetzen und Einfluß zu gewinnen, da war die Rabbinerin, rsete R e b b e z e n eine vielgenannte, oft die — bestgehaßte Person. Die Rabbinerin war es, welche die Verbindung des Hauses mit der „Gesellschaft" vermittelte. Denn während der Rabbiner, den alten Traditionen entsprechend, „nicht ans dem Zelte wich" und die Mauern des Lehrhauses nicht verließ, machte und empfing die Rabbinerin Besuche, und es hing von ihrer Klugheit und ihrem Takte ab, sich nicht in die Vorderlinie der aus purer Freundschaft einander anschwärzenden Damen stellen zu lassen und der Mittelpunkt unliebsamer Affairen zu werden. Die Rebbezen war das Organ, durch das der Rabbiner von allen Vorkommnissen in der Gemeinde und von jeder religiösen Ausschreitung der einzelnen Mitglieder Mitteilung erhielt. Mit ihren Augen sah er die Welt, in der er lebte und wirkte, und gar manch scharf zugespitzten Pfeil, den er von der Kanzel herab abschoß, hatte s i e ihm in den Köcher gelegt. Anderseits aber kann eine kluge Frau an der Seite des Rabbiners ungemein segensreich wirken. Sie kann die Zuträger und Ohrenbläser, die allzu dienstfertig ihr jede Aeußerung über ihn zuführen, sowie auch die zelotischen Eiferer, welche über .die unschuldigste synagogale Neuerung Zeter schreien und ihn zum Kampfe hetzen, von ihm fernhalten. Sie kann ihn in seiner Aufwallung beschwichtigen und ihn von jedem übereilten Schritte zurückhalten. Von der Frau des hochberühmten Prager Oberrabbiners Ezechiel Landau (gest. 1793) erzählte uns der Großvater R. Peßach Dunuetz, der dessen Schüler gewesen, in welch genialer Weise sie einst den Rabbi zwang, seine Pflicht zu erfüllen, um ihn dadurch vor heftigen Angriffen zu bewahren. Rabbi Jonathan E i b e n s ch ü tz, geboren in Krakau 1690, ein Heros des Talmuds, war im Jahre 1764 als Rabbiner der vereinigten Gemeinden Altona, Hamburg und Wandsbeck mit Tod abgegangen, und Rabbiner Landau hätte pflichtgemäß über ihn, wie es in allen jüdischen Gemeinden pietätsvoller Brauch ist, einen „Hespe d" (Denkrede) halten sollen, umsomehr als der Verewigte in den Jahren 1728—1741 als Prediger in Prag angestellt war, von wo er infolge politischer Verdächtigungen in der Zeit des schlesischen Krieges aus den kaiserlichen Erbländcrn ausgewiesen wurde. Aber der Oberrabbiner ließ Tag um Tag verstreichen; schon nahten die dreißig Trauertage, innerhalb deren solch eine Trauerfeier abgehalten wird, ihrem Ende und der Rabbi schwieg noch immer, — er mag wohl mit sich noch nicht einig geworden sein, ob Rabbi Jonathan auch der Auszeichnung würdig sei, von ihm einen ehrenden Nachruf zu erhalten. Denn um die Person des Rabbi Jonathan hatte sich ein fruchtbarer Kampf erhoben, der die ganze Judenheit des Kontinents in zwei feindliche Lager geteilt hatte. Der ihm an ausgebreiteten talmudischen Kenntnissen fast ebenbürtige Jakob Emde n, so genannt, weil er vormals Rabbiner in Emden gewesen, von dort aber nach Altona übersiedelt war, hatte gegen ihn eine entsetzliche Anklage erhoben. Er beschuldigte ihn auf Grund einer „Km 6 a“, eines kabbalistischen S ch u tz b l ä t t ch e n s, das Eibenschütz als Amulett an Kranke verteilt hatte, daß er ein Anhänger des Pseudo-Messias Sabbat Hai Zewi sei, der damals in

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