Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1904)
- Issue
- 19 (6.5.1904)
- Date
- 1904-05-06
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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. 19 Dr. Bloch’s trmmi Jahrgang XXI Crntralorgan für die gesammken Interessen des Iudenthums. X - R. ft. Postfparrajstn-Amk Clearing-Vrrkrhr Nr. 810.976. LrdarNon und Administratton: Wien IX/1, Vrrggasse Nr. 39. Telephon Nr. 14.847. IE . -- =^=^v:=^ -—-H- Wie«. 6. Mai 1904. Erscheint jeden Freitag. - ■>»» .»-4. - Brief-Adresse: Wien, IX/1, Berggasse 39» Telegramm-Adresse: Bloch's Wochenschrift, Wien. -.- =3* SrplgsPrri» für Sesterreich.- Halbjährig 8 Kronen. Einzelexemplare Sv Heller. Für'» Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Banzjährig 20 » Anzeigen: Die 4mal gespaltene Petitzeile 24 Heller. X - - m Inhalt: Leitartikel: Zwei jüdische Generäle in der österreichischen Armee. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Glossen znr Tagesgeschichte. Die jüdische Dienstbotenfrage. Das Prinzip der Ethik. Das „Vaterunser". Eäsarea und Jerusalem. „Qesterreichisch-Jsraelitische Union". — Korrespondenzen: Wien. Kossuth in der Bibel. Budapest, Prag, Karlsbad, Oderberg, Klattau, Serajewo, Berlin. Ein Geheimerlaß des Herrn Lopuchin. Bukarest. — Vermischtes: Kraiizablösinigsspeiiden zugunsten der Ehewra-Kadischa in Wien. Wien, Dobrisch, Pohrlitz, Soborten, Wischau, Pilsen, Kattowitz, Paris, Moutreal, Jerusalem. — Feuilleton: Jüdische Kulturbilder. — Literatur — Briefkasten. — Eingesendet. — Inserate. Zwei jüdische Generäle in der österreichischen Armee. Das diesjährige Mai-Avancement brachte die Ernennung des Brigadiers Eduard Ritter von Schweitzer zumGeneralmajor und des bisherigen Obersten der Kriegsmarine Siegst. Popper zum G e n e r a l ingenieur. Diese Avancements bilden für uns Juden einen Hellen Sonnenstrahl in dunkler Zeit und wir blicken zu den Generälen mit dem Hochgefühl des Stolzes empor, da sie die höchste militärische Tugend auszeichnet. Die höchste militärische Tugend ist: die Treue, die unentwegte Treue in jeder Lage des Lebens, Treue in der höchsten Not, Treue gegenüber den schlimmsten Versuchungen. In dem Stärkegrad der Treue spiegelt sich die Reinheit des Charakteradels. Und die Treue haben die beiden Generäle vorbildlich und mustergebend in ihrem Leben und Wirken betätigt; sie bewährten diese Treue dem obersten Kriegsherrn, Sr. Majestät dem Kaiser, sie wahrten die peinlichste Treue ihrem Fahneneid und sie hielten Treue auch ihrer Abstammung und ihrer Religion, sie blieben treu sich selbst und ihren Brüdern. Den hohen Rang haben sie nicht durch feige Fahnenflucht, durch Charakterschwäche, durch Untreue gegen Väter und Brüder erkauft, sie haben den Adel des Charakters sich gewahrt, zu keiner Heuchelei sich erniedrigt. Se. Majestät, unser allergnädigster Kaiser Franz Josef I. ist ein Hort der Gerechtigkeit, der die Treue anerkennt und würdigt, ja umso höher auszeichnet, je mehr sie sich erprobt und je schwerer die Versuchungen, denen sie standhielt. Darum grüßen die Juden Oesterreichs die neuen Generäle mit stolzer Genugtuung und mit Dankesgefühlen für Se. Majestät den Kaiser. Diese Ernennungen sind ein strahlendes Zeichen kaiserlichen Edelmutes und Gerechtigkeitssinnes, zu welchem wir sowohl die neuen Generäle als auch uns beglückwünschen. Eduard Schweitzer, der erste jüdische General in unserer aktiven Armee, wurde in Gyöngyös in Ungarn geboren und trat freiwillig als einfacher Soldat in die Armee. Kuitz nach seinem Eintritte entbrannte der Krieg mit Preußen 1866. Auf den Kriegsschauplatz nach Böhmen versetzt, kam der junge Soldat sofort ins Feuer. Zum Unteroffizier befördert, trat Schweitzer in die Wiener Kadettenschule ein und nach deren Vollendung wurde er zum Offiziersstellvertreter, sodann zum Lieutenant befördert. Bald zum Adjutanten ernannt, hat er Beweise seiner Tüchtigkeit gegeben. Der Ausbruch der Insurrektion in der Herzegowina führte das 32. Infanterieregiment, in dem Schweitzer diente, dorthin. Seine Verdienste während dieses Feldzuges, seine musterhafte, völlig straflose Führung wurde durch Verleihung des Ordens der Eisernen Krone Hl. Klaffe mit der Kriegsdekoration anerkannt. Nach Wien zurückgekehrt, bestand Schweitzer nach kurzer Vorbereitung die schwierige Aufnahmsprüfung in die Kriegsschule, die höchste militärische Bildungsanstalt, und absolvierte diese mit „sehr gutem Erfolge". Seine Erhebung in den Ritterstand erfolgte nach einiger Zeit auf Grund der Statuten des Ordens der Eisernen Krone. Unermüdlich im Dienste seines Kriegsherrn, hat er durch seine Tüchtigkeit stets die a. h. Zufriedenheit und die seiner Vorgesetzten im Dienste erworben. Ein zweimaliges Avancement außerhalb der Rangstour gibt davon Zeugnis, Als Befehlshaber des 26.Infanterie-Regimentes Michael Großfürst von Rußland wurde ihm zweimal die Ehre zuteil, den Oberst-Inhaber in St. Petersburg die Glückwünsche des Regimentes überbringen zu dürfen, und wurde er bei dieser Gelegenheit mit hohen russischen Auszeichnungen bedacht. Vor wenigen Tagen zum Kommandanten der 53. Infanterie-Brigade ernannt, wurde Ritter v. Schweitzer nunmehr zum Generalmajor befördert.