Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1904)
- Issue
- 15 (8.4.1904)
- Date
- 1904-04-08
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 244 Dr. Llocv's TKHocbenscbritr, Nr. 15 Vizepräsident der israelitischen Knltusgemeinde Dr. Alfred Stern, Profeffor Dr. Mrazck, Profeffor Dr. Frankl von Hochwart, Oberstabsarzt Dr. Bruck, zahlreiche Mitglieder der Advokatenkammer rc. Nachdem Oberkantor Singer einen Trauerchor gesungen, wurde der mit Kränzen geschmückte Sarg auf den Zentralfriedbof gebracht. In der Zeremonienballe widmete Oberrabbiner Dr. Güdemann dem Verstorbenen einen Nachruf, woraus Vizepräsident Balduin Groller namens des Journalisten- und Schriftstellcrvereines „Concordia" und seines Pensionsfonds v?n Dr. Freund warmen Abschied nahm. Er sagte unter Anderem: Ich nehme den Ruf der Bergleute auf: „Ich grüße die Kunst!" und ich füge hinzu: „Ich grüße den Mann, den Mann mit dem starken, dem großen, dem reinen Herzen. Auf unserem Grunde liegen die Wurzeln Deiner Persönlichkeit, und wenn auch Deine weitverzweigte Tätigkeit hinüberreichte auf ein anderes Gebiet, Du standest bei uns und standest zu uns mit Deinem Herzen bis zur letzten Stunde Deines in Arbeit und in Wohltun gesegneten Lebens. Du warst immer ein treuer Kamerad, und nicht bester und würdiger konntest Du das bekunden, als durch die unermüdliche Fürsorge für die Witwen und Waisen Deiner Kameraden. Den Witwen und Waisen galt Deine Sorge. Wo war aber auch sonst Deine Persönlichkeit nicht, überall trifft man auf Mannhaftigkeit, auf Redlichkeit, auf Güte. Du stelltest Deinen Mann, als der Achtundvierziger Völkerfrühling sich mit Brausen hob. Du hast dafür im Kerker gebüßt. Auch das gehört zur Ehre Deines Lebens. Die Geister waren wach geworden und Du gehörtest zu Jenen, die Reveille geblasen hatten. Darüber ist viel Wasser die Donau hinabgeflosten. Die Wellenlinie der Kulturentwicklung zeigt am Pegel der Zeitgeschichte wieder einen Tiefstand an. Die Freiheit, die Bildung, die Menschenliebe, für die Du geimpft und gelitten, blickt sehnsüchtig aus nach einem neuen Frühling. Die Ideale, die Deine Jugend befeuert, sind vergessen. Die Welt starrt in Raffenhaß, Klaffenh,ß, in Massenhaß. Dein brechend Auge hat wenig verwirklicht gesehen von dem, was Deinem jungen Streben Richtung und Inhalt gab. Und doch hast Du nicht vergeblich gelebt und geschafft, gestrebt und gelitten. Die Güte und die Liebe, die in Dir lebten und wirkten, sie sind nun in der Welt, sie sind nun einmal in die Erscheinung getreten, und es geht im Universum nichts verloren! So tief auch der Gedanke der Menschlichkeit jetzt eingebettet sein mag in das Geröll der Gehässigkeit, er wirkt im Stillen doch fort. Es ist mit ihm wie mit dem geheimnißvollen Element, das nun die Welt mit Staunen erfüllt. Berge des Gesteines müssen zermalmt werden, damit man ein Körnchen davon gewinnen kann, und dieses eine Körnchen strahlt eine wunderbare Energie aus, die nach menschlichem Ermessen für eine Ewigkeit reicht So der Gedanke der Menschenliebe. Das trübe Gestein ist obenauf. In Deiner Seele wirkte er mit unverminderter Kraft und die Kraft ist nicht verloren." Wien. (Kranken-, Witwen- und Waisen-Unterst ü tz u n g s -Verein „0 besed 8 ebe 1 emes“.) Sonntag den 3. April bat im Deutschen Volkstheater die von diesem rührigen Vereine veranstaltete Wohltätigkeits - Matinee mit Sudermanu's fesselndem Schauspiele „Heimat" stattgefunden. Ein von einem distinguierten Publikum bis auf das letzte Plätzchen gefülltes Haus, welches dem wahrhaft meisterhaften Spiele des Fräuleins Adele Sandrock als Magda und den vollendeten Darbietungen des vorzüglichen Ensembles mit atemloser Spannung folgte, war die äußere Signatur dieser in allen Teilen vollständig gelungenen Matinee, deren bedeutendes Erträgnis dem Unterstützungsfonde des Vereines zufließt. Herrn Armenrat Adolf Hupka, dem Präses-Stellvertreter des Vereines, welcher sich um das Zustandekommen der Matinee in erster Reihe hochverdient gemacht hat. gebührt der lebhafteste und herzlichste Dank des Vorstandes, sowie der Vereinsmitglieder, um so mehr, als sich Herr Armenrat Adolf Hupka für die Jntereffen dieses vom Präses Herrn Siegfried Beer musterhaft geleiteten Vereines jederzeit auf das Wärmste einsetzt. Wien. (Allgemeiner Kranken-Unterstützungsverein „N ä ch st e n l i e b e".) Die von diesem Vereine in der letzien Generalversammlung beschloffenen Statutenänderungen haben bereits die behördliche Genehmigung erlangt und wurden biedurch weitere bedeutende Benefizien für die Vereinsmitglieder eingeführt. Als die wesentlichsten wären zu erwähnen: die unentgeltliche ärztliche Behandlung auch der Frauen und Kinder der Vereinsmitglieder, die Heranziehung von Spezialärzten in besonders wichtigen Fällen, sowie die Erhöhung des Witwengeldes. Außerdem wurde — um auch den in den entlegeneren Bezirken wohnenden Mitgliedern den ungeschmälerten Genuß der Vereinsbenefizien zu bieten — die Anstellung eines Vereinsarztes speziell für diese Bezirke bcschloffen. Es ist zu hoffen, daß durch diese neuen Benefizien ein weiterer Aufschwung dieses bereits seit dem Jahre 1868 bestehenden und tadellos geleiteten Vereines herbcigeführt werden wird Wien. (Schauturnen des Ersten Wiener Jüdischen Turnvereins.) Am 26. März fand im festlich geschmückten Ballsaal Ronacher das diesjährige Schauturnen des genannten Vereines unter starker Beteiligung der besten jüdischen Kreise statt. Es dürften an 600 Personen dem Feste beigewohnt haben. Die turnerischen Vorführungen wurden programmgemäß unter der strammen Leitung des bewährten I. Turnwarts Herrn Rudolf Pollak und unter großem Beifall der Zuschauer ausgeführt. An den Freiübungen der Herren beteiligten sich gegen 60 Turner, also fast doppelt soviel als ini Vorjahre. Besonderen Anklang fand der Stabreigen , den 20 Turnerinnen in geschmackvoller Turnkleidung mit viel Grazie und besonderer Präzision zur Ausführung brachten. Desgleichen erzielte der von 16 Turnern exakt ausgeführte Keulenreigen großen Beifall. Das allgemeine Geräteturnen, das unter Musikbegleitung vou 5 Riegen vorgeführt wurde, legte Zeugnis ab von den Fortschritten der Turner an den verschiedenen Geräten und erntete besonders die I: Riege, welche am breiten Pferd übte, starken Applaus. Die Riege der alten Herren zeigie am hohen Barren, daß sie hinter den jungen Kräften noch keineswegs znrückstehe. Den Schluß des turnerischen Programms bildete ein Seltionstnrnen, welches an 3 in M-Form aufgestellten Barren ausgeführt wurde. Je 3 Turner vollführten auf Kommando die gleiche Hebung, und zwar derart, daß zuerst einfache Hebungen und dann von den nächsten 3 Turnern immer schwierigere und kompliziertere Hebungen zur Ausführung gebracht wurden. Besonders die Hebungen der letzten Stufe, welcher die besten Turner des Vereins angehörten, fand stürmischen Beifall. — Nach kurzer Pause wurde der Tanz eröffnet, dem sich auch die Turner und Turnerinnen trotz der vorhergegangenen Anstrengungen mit echt turnerischer Ausdauer bis in die frühen Morgenstunden widmeten. — Der Abend brachte dem jungen Vereine einen vollen Erfolg und steht daher zu hoffen, daß die Bestrebungen des Vereins nach Schaffung einer in jeder Hinsicht entsprechenden Turnhalle kräftige Unterstützung in allen jüdischen Kreisen finden werde. Schon heute läßt das stete Wachsen der Mitgliederzahl die baldigste Vergrößerung der Hebungslokalitäten unbedingt no'wendig erscheinen. Mögen daher alle Juden, denen der Wert der körperlichen Kräftigung unserer Volksgenossen am Herzen liegt, durch moralische und materielle Unterstützung die gute Sache des Vereins fördern! Budapest. Sigmund L. Breitner, dem verdienstvollen Präsidenten der Wohltätigkeitssektion der Pester israelitischen Gemeinde, wurde von Sr. Majestät in Anerkennung seiner Verdienste auf dem Gebiete des Handels und der Wohltätigkeit das Offizierskreuz des Franz Joseph - Ordens verliehen. — Dr. Bernh. Alexander, der durch seine literarische Tätigkeit so vorteilhaft bekannte Aesthetiker und Philosoph ist zum ordentlichen Profeffor an der Budapester Universität ernannt worden. Wieliczka-Klasno. Der vor einigen Wochen hier gegründete Frauen- und Mädchen-Verein „Miriam" veranstaltete am 4. d. M. im hiesigen großen Magistratssaale den ersten Unterhaltungsabend. Das abwechslungsreiche Programm, das von der Vizepräsidentin Frau S. Herschthal, Schriftführerin Frau E. Hirsch und von dem stad. jur. Lippner zusammengestellt wurde, fand bei dem zahlreich erschienenen distinguierten Publikum allgemeinen Beifall. Die Präsidentin Frau S. Templer begrüßte die Anwesenden und setzte die Zwecke und Ziele des Vereines auseinander. Dann hielten überaus interessante Vorträge die Herren M. Templer (Klasnv', stuä jur. Bulwa (Krakau) und Frau Präsidentin S. Templer (Klasno). Es folgten Deklamationen und Gesang, bei denen sich insbesondere Frau Vizepräsidentin Herschthal, Fräulein Kassier F. Lax, Fräulein L. Lax, Fräulein Zins, Fräulein Künstlinger, Fräulein Salomon, Fräulein Herschthal, Fräulein Blatt, stuä. jur. Gumprich (Krakau) ihre Lorbeeren holten. Das bedeutende Reinerträgnis wurde der armen jüdischen Schuljugend gewiedmet. 8. Pensionsfest R. und C. Altschul. Am 13. März fand in Teplitz-Schönau in den Sälen des Vereinshauses das vom Pensionate R. und C. Altschul veranstaltete Peusionsfest statt, das einen animierten Verlauf nahm und sich eines großen Besuches zu erfreuen hatte. Das Programm, welches flott abgewickelt wurde, amüsierte die Zuhörerschaft aufs Beste. Eingeleitet wurde das Fest durch den Frühlingsmarsch, gespielt von Else Nettel und M. Janowitz, dann trugen 3 kleine französische Bäuerinnnen (E. Kornfeld, A. Fanl und F. Freund) in drolliger Weise französische Gedichte vor und erhielten ob ihrer vorzüglichen Aussprache allgemeinen Beifall. E. Bauch hatte sein Gedicht vorzüglich einstudiert, E. Wohrizek zeigte in dem Klavierstück „nu petit moreeau" eine große Fingerfertigkeit, die Gedichte „Old age“, „la bagne d’or“ und „Eile mit Weile", vorgetragen von B. Fluß, E. Blaufuß und E. Freund, wurden ebenfalls mit reichem Applaus ausgenommen. Eine reizende Abwechslung bildete der Schluß der ersten Abteilung, ein Mädchenreigen, welchen eine stattliche Zahl junger Bauerndirndeln aufführte und der sich durch besondere Anmut und Lieblichkeit auszeichnete und wiederholt werden mußte. Fr. M. Canes sprach das Gedicht ..Adieux de Marie Stuart par Beranger“ sehr wirkungsvoll. Fr. M. v. d. Burg rezitierte das Gedicht „tbe Massage“ von Adelaide Procter mit viel Ausdruck. Humoristisch vorgetragen wurde das Gedicht „Der Schöpfung Meisterftiicf" von Olga Orlik, Frl. I. Abeles spielte das Frühlingslied von Lange mit großer Präzision vor. Frl. E. Aronheim brachte ihr Gedicht „8a graud mere“ von Viktor Hugo sehr verständnisvoll zum Ausdruck. „Liebe", gesungen von Fräulein Paula Fleischer, zeigte von dein bedeutenden Stimmaterial dieser jungen Dame. Eine starke Wirkung brachte Frl. Malchen Willner mit ihrem schön gesprochenen Gedicht hervor. Frl. K. Eben und I. Abeles zeigten in der Ouvertüre „Kalif von Bagdad" musikalisches Talent. „Kätchens Fßte", ein Einakter mit Gesang, brachte die ganze jugendliche Schar der Zöglinge des Pensionates in origineller Kostümierung auf die Bühne. Besonders hervorzuheben ist Zelle (I. Reich) ein Stubenmädchen von den vorzüglichsten Eigenschaften, die Studentin, Frl. M. Freund, die mit ihrem Latein die Zuhörerschaft in große Heiterkeit versetzte, eine kleine